Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 25 (22.6.1870)
- Date
- 1870-06-22
- Page
- Seite 208 (sequence 4)
- Language
- German
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208 machung in dm Synagoge«, einen nicht conceffiontrtm Fleffch. Händler NamevS Mündheim betreffend, der verscht^ene Male von einem hiesigen christlichen Schlachter koschere- Kalbfleisch bezogen haben soll, welches von den Schächtern nicht untersucht und daher auch nicht für koscher anerkannt war. Seit dem 1. Februar 1865 nämlich, dem Tage der Einführung der Gewerbe» freiheit hier in Hamburg, etablirten sich hier einige nicht von der Gemeinde conceffionirte Fleischhändler» welche, da die von der Gemeinde angestellten 3 Schächter nicht für sie arbeite» dursten, in Altona geschächteteS Fleisch verkauf«. Die Zahl der Concesfionirt« ist 14, und ist die Austechthaltung der Eonceffion aus finanziell« sowohl wie auS rituell« Grund« bisher vou vielem Nutz« gewesen. Eie ha tim eine Abgabe an die Gemeinde von 24 Schill, für jede 106 Psd. Lchfmfleisch zu entricht« und wurde täglich eine Revision bei ihn« vorgenommm. Zu d« Nicht-Eoncesfiouirtm gehörte auch jmer T Lind heim; er hatte im vorig« Winter, the'lS auf fein« Namm, theilS auf Namm vou Bekamttm koscheres Kalbfleisch (welche« von einer Abgabe stet ist und daher in größer« Stück« auch von Privat« auf solche Weise gekauft wird) von christlich« Schlachte« hier gekauft, waS, wie die Aussage der Schächter lautet, nicht immer untersucht gcwesm sein soll. Mündheim ivchte sich gegm die Beschuldigung deS CultuS-LorstandeS in »mem hiesig« Blatte zu rechtfertigen. Seitdem die hiesige Talmud-Thora-Schule da- Recht Zmgnisse zum einjährig« Dimst auSzustellm erhalt« hat, ist der Wunsch zur Ausnahme in dieselbe eia so großer, daß ein Theil der Atem mit ihrem Gesuche von der Schuldirectiou abschlägig beschied« werden mußte und man jetzt ernstlich daran dmkt, ein« Umbau oder Nmbau deS Schulgebäudes vorzunehmen. Die Schule ist in 11 Elaffm getheilt und wird von 400 Knabm besucht, die zum Theil zahlende sind. Zn dem unS bmachbartm Altona fand am 3. Juni eine Sitzung de« KirchmvorstandeS und der Eemeindevertreter betreffs eine« zu errichtmd« Central-KirchhofeS statt, wobei der Anttag gmehmigt wurde, auch der hochdeutschwie der portugiesisch» israelitisch« Gemeinde ein« Comp lex bis zu 350 Kaufgräbe«, zu 20 Thaler» daS Grab, zm Verfügung zu stell« und dm von dies« Gemeind« gewünscht« besonderen Zugang zu ihrem Platze, sowie die Errichtung einer leicht« Einfriedigung um denselb« und di« Erbayung einer Kochelle innerhalb de« Gräber» complexe« zu genehmig«. Die Gmehmigung. erfolgte mit der Bedingung, daß die israelitische Gemeinde de» Komplex nicht als vollständige« Sigenthum käuflich erwerbe, fonde« daß dem selbe nur auf 30 Jahre der Gemeinde überlass« werde« soll und letztere betreffe der erworbmm Gräber nur iüein gleiche« Lerhältniß mtt der lutherisch« Gemeind« ttetm könne. — Der »och jetzt in der Mitte der Stadt belegme Friedhof der «ltonaer hochdeutschwie auch der portugiesisch-jüdisch« Gemeinde, welcher im Jahre 1660 zuerst benutzt wurde, ist seit längerer Zett fchc/« überfüllt mtt Leich«, so daß eine Verlegung deffelbm sich ak« höchst nothwmdig herautstellt. — Der Cmtral-Kirchhof soll, wie eS heißt, noch Ende diese« Jahre« seiner Bestimmung übergeb« werdm. — Auch hier in Hamburg ist die Zett wohl nicht fern, wo an die Errichtung einesolch« LegräbnißplatzeS gedacht werdm wird. Altona soll ferner mtt einer um« Stiftung eine« Herrn Benjamin Leja (eine« Jud«) für alte, dürftige und würdige Altvnaer, ohne Unterschied der Eonfesfion, bedacht werden. Er bestimmt ein Capttal von einer halb« Million Mark oder viel» mehr die Zins« deffelbm zu einem Asyl, welche« anständige Wohnung« enthalt« soll. Eö ist bereit« früher eine ähnliche Stiftung von demselbm errichtet »ordm. Schließlich möchte ich dm Wunsch auSdrückda, daß Sie in Ihrem Blatte ein« fogmanntm Fragekasten errichtet«; eS wäre daS ein« Rubrik zur Beantwortung an Sie gestellter Frag« von allgemein jüdischem Jntereffe, auf eine Weise, wie e« sich bei der .Leipziger Jllustrirtm Zeitung" und andem Blättern findet. (Wir sind bereit auf diese» Borschlag etnzu» gehen. Red.) * Kannover, 12. Juni. (Orig.-Corresp.) Theodor Land«» berg, Sohn de« jüngst verstorbmm LandrabbiuerS zu HildeShet«, v ist an da» nme Polytechnikum zu Aach« al« Assistent de« DttectorS van Kavm, auf deS letzter« ausdrücklich« Wunsch beruf« worden. Lar-dSberg ist Zögling der hiesig« polytechnffchm Schule und erst 23 Jahr att. Kikdeoßei«, 7. Juni. (AuS einem Privatschreibe».) Die hiesige Gemeinde hat der Liebe und dem thmrm Andmkm, welche unser Rabbiner vr. Landsberg bin durch seine Unetgmnützigkeit, Reolichkett und aufopfemde Hingebung für die Ge» effautm «sleichichtSstoff für sein« Roman zu sammeln. Diese« Produkt sollte nicht ein Ki: i.'ieS HaffeS, fonde« seiner Liebe sein. Er spiegelte sich föru...ch oarin: „Wett e« aul der Liebe hervergeht, wird eü eia uustccbl!,eS Buch werdm, eine ewige Lampe im Dome Gotte», kein verpraffelndes Theaterlicht." Er sprach mit Bewußtsein, daß nur er diese« Werk schreib« könne, und daß e« eine nützliche, gottgefällige Handlung fei. Heine sah voran«, wie viel nme Feindschaft ihm dieser jüdische Roman, worin er da» Judenthum obenan zu stell« gedachte, zuziehm würde; aber er ließ sich von dieser Voraussicht nicht mtmuthigm und arbeitete «htg wetter daran, unter körperlich« Leid« und Vorbereitung für die Prüfung in der Rechtswissenschaft. Wie viel sich Heine von diese:» Roma», dem »Rabbi von Bacharach*, versprach, und wie sehr er auS seinem Herz« kam, bezmgt ein Seicht, da» er dazu angelegt (24. Okt. 1824), da» allerdings nicht zu fein« best« lyrisch« Erzeugnissen gehört. Der Roman aber war in der Thal großartig angelegt. Allein gerade in dieser Zett, wo Heine sich innerlich viel mtt dem Judenthum beschäftigte, in Begeisterung für seine Geschichte gerietst und da« Christmthum am heftigsten haßte, — ließ er sich still in Heiligmstadt kn die Christengemeinde auf» »ehm« (28. Juni 1825) und nahm den Tcufnam« Thristia» Johann Heinrich an. — Lange hatte er gegm diese Anfechtung gckämpst. Er hat sich deuttich genug darüber ausgesprochen: Bon meiner Familie ist dagegen, «Her ich. Und dieser ich ist sehr eigensinniger Natur. An» «einer Denkart kannst Dn Dir »oht abftrahiren, daß mir die Dans« «in sehr gleichgültiger Ak» ish daß ich ihn auch symbolisch nicht wichtig achte, und daß er in den Verhältnissen nfr ans die Weise, wie er bei mir vollzogen würde, auch für Andere keine Bedeutung hätte. Für mich hätte er oie lleicht die Bedeutung, daß ich «ich der Nechtt meiner unglücklichen Stammgenoffen «ehr weihen würde. Aber dennoch halte ich e» unter «einer Würde, und «ein« Ehre besteckend, wenn ich, um «in Amt in Preußen angnnehmen, «ich taufen ließe. I» lieben Preußen! .... Ich werde noch an» Aerger acholisch und hänge mich auf." Er that eS dennoch, um in Prmßm ein: Stelle zu er» langen, mehr noch, um sich dadurch von der drückend« Abhängigkeit von seinem Oheim zu erlös«. In sein Tagebuch zeichnete er folgende Verse darüber ein: „Und du bist zu Aren» gekrochen, „3n dem traq, da» dn verachtest, » ,/Da» du noch vor wenig Wochen ,Ln den Staub »n treten dachtest". Einige Zett darauf (20. Juli 1825) legte er seine Prüfung als Jurist ab. Er jagte dennoch Phantom« »och und gab feine Ehre für Nicht« preis. Dm» er bekam keine Anstellung und konnte der Unterstützung feine» Oheim« nicht «tratst«. Verschämt wie ein Mädchm, da» sich etwa« hat zu Schuld« komm« laffm, theilte Heine seine« Busenfreunde Moser in verblümt« Rchewekfe seine Taufe mtt: