Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 25 (22.6.1870)
- Date
- 1870-06-22
- Page
- Seite 207 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Schlesinger hat feit einigen Woche« zu erscheine» aufgehört. Der Lalmudvereiu hat eine neue Synagoge eingerichtet, welch« am verflossenen Feste durch Dt. Lpolont eingeweiht wurde. Stetti». Durch «i» Jude (P. G.) ta Verein «tt einem Ehrtsteu, seinem Neid- Hardt. de» Fall seines „»(monftt“ eingeleitet oder angeregt hätte. Heine wurde dadurch auherordentlich erbittert, unzufrieden mit sich selbst, gegen Juden und Christen tief gereizt. Zur selben Zett hatte ihn Zwischenträgeret von der Tempelgemeinde bei seiuem Oheim augeschwärzt, uud dieser ließ ihn die Abhängigkeit von seiuem Geldbeutel fühlen, mehr als der hochfahrend« Sin« Heine'- vertragen konate. Er dachte fett der Zett ernttlich daran, sich von feine« reiche» und gegen ihn kleinlich hantelnden Oheim zu emaazipireu, sich eine freie Stellung zu erobern. Tt zeugt für Heiae's warme Auhänglichkett an seinen Stamm, daß er auch in dieser verdrießlichen Stimmung ernstlich daran ging, ihn zu verherrlichen. Der hinreißende Psalm, der «inst an den Weiden Babel's von einem hebräischen Dichter gesungen wurde, giug chm nicht aus de« Siun; er hatte sich hl jüdisch-geschichtliche Studien vertieft, mü einen Arttkel für die Zeitschrift des Tultur-Vereius zu schreiben, welcher den „ttagischen Iudenschmerz" aussprecheu sollte. Atfolge des erlittenen Schimpfes wollte er eine glänzende Nach« au der judeufeiudlichm deutsche» Ehrifleuhett nehmen und ihr in einem jüdischen Nomau eine» Spieet Vorhalten. Im ,,Rabbi vo» Vacharach" wollte er di« horrlicheu uud di« traurig« Seen« der jüdisch« Geschichte lebendig, wie nur er allein es vermochte, votWren. Zu diese« die vlättrr ist jüngst eine Notiz gegaug«, wtüche berichtete, daß ,«« erstemal tts verli» ei» Jude als Vormund christlich«, vass« ««pflichtet worden sei. Hier stad schon fett Jahr« zwei Aid« vonutndsr chriftlitjur Famlli« und zwar betrifft ta dm eia« Fall« di« Suratel «ine adelige -amüi«, iu welcher der älteste Tu eende Eaoallerieoffizier ist. In Wie» hat eia katholisches Eastiw eia« Preis von 20 Dmat« auf die -rage geschtr „Wie ist der Vermehrung der Iud« und der Lahäuftmg von Neichthüme« in ihr« HLrid« auf gesetzlich« Wege zu stemrns" — Dt« „N. -r. Pr." uni» andere Blätter bring« genau« Berichte über die Indenhd« in Botuscha». Die rumänisch« „Studeuten" Hab« allerdings Fensterscheiben eiageworfm, aber sie Hab« auch eine Wöchnerin mißhandett, Tresse geschlag« und, wie immer, gestohlen uud verwüstet; die Polizei hat ttt refpektvolltr Tntfernnng zugesehen, ist aber nachher „«ergssch etngeschrttt«", als die Gräuel gescheh« warm und der jugendlich« Pöbel sich zur Ruh« begebm hatte, oder sich auf sein« Lorbeer« aulruhte, wie die Rumäum säg« werden. Die „Köln. Zig." berichtet, daß das neue ruutäuische -»lehr« tu London keine ganz günstig« Aufnahme gesund« hat, well „viele sehr angeehme jüdische Cityhäuser jede Vethelltgung an der Anleihe weigert«, und zwar eingestandmermaßm au» dm Grunde, »aß sie in keinerlei Beziehung zu eium Staate ttet« «oll«, in dm ihre Glaubensgenoff« schändlich« Berfolgimgm ausgesetzt find". Bisher hat man fett« gehört, daß dt« hohe jüdische Finanz soviel Selbst» und Ehrgefühl gezeigt hätte. — In velgir» rüstet sich der katholssch« Elerus, die Niederlage, die er bet Gelegmhett de» Bankscandals erlitte», dadurch auszugleichen, t>aß am 2. Juli die 500jährige Jubelfeier einer groß« Judenmeielei in v r ü s s«l mit allm kirchlich« Pomp gefeiert uerd« soll. Die istberalm bereit« Gegendemonstration« vor. Wtt bitttg« im nächsten Blatte Näheres. Ebenso behalt« wtt Bericht über di« jüngste vtrsammlung der bvarä of delegatet in Nordamerika vor. Berichte und Correspondenzm. Deutschland. M. Kamtzurg, 9. Juni. (Orig-Corresp.) Da» Tagesgespräch bildet i» jüdisch« äkretsm fett dm 1. Mai eine Bekanut» Zwecke vertiefte er sich noch mehr ia dtt Jahrbücher der jüdisch« Geschichte, well er ein geschichtlich treues Bild liefe« wollte; sein« Phantasie sollte dtt Thatsachm nur bettucht«, «ttlst erfiud«, da ihm Stoff genug zn Gebote stand. Heine, der mpfiudliche Kettfühler, ließ es sich nicht verdrieße», tt dm Schmutz alter Scharteken, im Schudt (jüdische Dmkwürdigkeittn), „diesm Dmkmal des Frankfurter Judenhasses", zu wühle». Aber er wußte au ch aus Spreu und Staub etwa» zu zieh«. Er ahnte durch d«r heldmhaft« uud martyrreichm Gang der jüdssch« Geschichte eium Zusammenhang tt dm plän« der Borsthung: „Dasselbe Jahr, tt dm die Iud« aus Spmtttu vertrieb« wurden, wurde da» nme Land der GlaubeuSfreiheit «tdecktt'. Am «esst« zog ihn dtt (Slauzepoche der mittelalterlich-jüdisch« Geschichte, dtt Geschichte der spanisch« Iud« an. Auf diesm Vordergründe wollt« er stolze Iud« austretm lass«, dtt ihr» Nacken nicht unter, dm Joch« dmsscher JudenstättigkLt uud kanonisch« Anmaßung beugt« «ad ihre Religtt» mtt Bewußtsett bekaautm. Aber da auch diese Epoche damals um dürftig bekannt war, so sehnte sich Heine nach ergiebigm Stoff, aber Niemand konnte damals fett« Durst lösch«. Anstatt markiger Thassach« reicht« ihm diejenigen, an die er sich wendet«, gohacktes E-troh. Nicht ettaml über dtt Kamiltt Abrabmel, hje er tt dm Stoma» verweb« wollte, kouute er gründliche Aesfuuft erlaugm. Aber Hein« ließ sich kette Müh« verdrieß«, ttter-