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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-06-15 · 24 (15.6.1870) · p. Seite 201

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
24 (15.6.1870)
Date
1870-06-15
Page
Seite 201 (sequence 5)
Language
German
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201 die Kemitteih gerade dieser Gesetze nicht bei Jedem voran»« gesetzt werben darf. Aber in einem unter de» Auspizien de» ,,französischen Rabbinat»" erscheinenden Blatte! — Wir erwarten «tt Gewißheit ein« eclatante Zurückweisung dieser rein unsinnigen Liradeu von der competentea Seite. Die Leser eriunem sich vielleicht unserer früheren Mtttheilungen über die Frivolität, mit der in >»erika Ehescheidungen vorgenommen werden; wir haben daran nämlich eine Kritik der 13 Rabbiner geknüpft, welche in Philadelphia beschloffen haben, die Ehescheidungen bei Juden dem Staat»gesetz zu überlassen. „Jewi»h Time»" fiel damal» wüthend über un» her — „Verläumdung, Entstellung!" (Letztere sollte sich auf die von un» besprochenen Beschlüffe beziehen, die wir jedoch »örtlich in der Anmerkung abgedruckt hatten.) Jetzt bringt der „J»raeltte" von Wise, einem Mitglied« und warmen Der» theidiger der Conferenz, einm Artikel über Ehefcheidungm au» dem „Universalist", einem nicht jüdischen Blatte. Derselbe constattrt, daß der Westen mtt Unrecht wegen der fteiestm und häufigsten Scheidungen verrufen sei, e» sei im Osten nicht bester, Connecticut habe jetzt die meist« aufzuweisen, nämlich eine Scheidung auf acht bi» neun Ehe»! Sind wir gerechtfertigt?! In „Jew.Time»" erklärt vr. Sonneschein die Schechttah für einen „halachischen Jrrthum". für eine Art „Chukkath haggoi". Die „Gegenwart" sagt un» vielleicht, ob vr. Sonnenschein in Prag schon ebenso gesprochen und gepredigt hat? Berichte und Correspondenzen. Deutschland. . * Merki», 25. Mai. (Orig.-Eorresp.) Der Lorstand der hiesigen Gemeinde hat nach voraufgezangener Begutachtung Seiten» der Rabbiner mehrfache Anordnungm für eine Umgestaltung de» Beerdigung-Wesen» getroffen. Wir gehör« nicht zu denjenigen, welche sich auch wegen der Abschaffung nicht»- sageuder localer Observanz«, wie sie gerade hier heimisch (und, gutem Lernehmm nach, mitunter etwa» widerwärtig, Red.) find, echauffir« können. Allein unter jmm Anordnungm find« sich auch mehiere, welche wesentliche Bestimmurgm der jüdischen Ritual-Borschristm alterirm. So z. B. roii ) dm bei der Beerdigung sungirmdm Beamten untersagt, bei männlichen Individuen, bn welchen zu der« Lebenszeit die ritualmäßige Beschneidung nicht vollzog« word« war, eine >>erarttze Handlung an der Leiche vorzunehmm. Auch wird untersagt, die Leidttazmdm zur njrnp aufzufordern. E» wird auch die Bildung der sogmanntm mw nach der Beerdigung für dm Zuruf der üblich« TeosteSworte abgeschafft. Dagegm soll neben dem bisher üblich« hebräischen Gebete cron "Wi ein solche» auch in deutscher Sprache vorgetrazm werdm. Dazu braucht man natürlich )« Her« Rabbiner, der im Ge'olge de» Leichenbegängniffo» sich befind« soll, und wofür eine neue Sporteltaxe eingefühtt wird. Hoffmtiich wird diese Reforrn nicht ebenso dm obligatorischen Eharacter erhalt«, wie nachfolgende» Gesetz. E» soll« nänilich alle Leich« fortan in Särgm beerdigt werden; eine Au»nrhme ist nur dann zulässig, wenn durch letztwilligen Wunsch de» Verstorben« die Bestattung in alter Form verlangt wird. Demnach wird ein hierauf bezüglicher Wunsch der Angehörigen eine Berücksichtigung nicht find«, wenn nicht eine testamentarische Bestimmung de» Verstorbmm sich vorfindet, an die die D eisten nicht dmkm oder denk« mögen. Hi«in liegt wird« ein Act jm« Gewaltthaten, an dmm die Annalen d« hiesig« Gemeinde au» dm letztm Jahrm so reich find. Merk«, 1. Juni. (Orig.-Correfp.) Lu« rinn» Passus in dem in Rr. 22 Ihn» Blatt»« euthalteueu Bericht über die Feier de« Jubiläum« der Hachn-Lallal> könnte geschlosst» werden, daß der geuaunte verein bisher dienende Mt dchen nicht unterstützt habe. Da« ist nicht der Fall; es wurden schon bisher jährlich 30—40 Mädchen au« dem dienenden Stand« unterstützt, wenn sie sich verheirathetea. Der von mir vorgetragene Bedanke war, zum Lndrukeu einen besondere» Prämiensood« zu gründen, au« welchem jüdische Dienstmädchen, die eine bestimmte Reihe von Jahren bei derselben Herrschaft gedieM und sich tadello« gefühlt haben, mit einer weit größeren Summe, als da« Statut erlaubt, an»zust«it« wären. Der Bedanke hat Lnklaug gefunden; uock während de» Feste« übergab mir ein ungenarmt bleib« wollender Wohlthäter 100 Thlr, von Ihrer Majestät der Königin Lugnste erhielt« wir I0Frd»d'or. ont einem gnädig« Bratulatioasschreib«; ei» Daui«-L«mttö wird die Sache in die Hand »ehm-a und weiter ausfahr«. vr. D. Lasset. A!Bk«4«x, Ende Mai. (Orig-Correfp.) Am Schluffe meine» Jiugstm sprach ich die Hoffnung aus, Ihnen bald Erfrmliche» mütheilm zu könnm. Nun, wag ich heute mitzutheilen habe, dürste bei oberflächlicher Betrachtung diese Hoffnung al» „Dort zieht man Dir mit süß« Zangentön« »Lu« tiefster Brust hervor da« alte Herz, „Und legt Dir «ine Schlang' dafür hinein. „Dort gießt man Dir Bleitropfe», hell und heiß, „Auf« amt Haupt, daß nimmermehr Dein „$im gefunden kan» vom wild« Wahnfinnsschmrrz, „Dort vertanscht man Dir d« alt» Ram« „Und giebt Dir ein» «ne», damit Dein Bügel, „Senn er Dich warnend ruft bei« alt« Slam«, ' „vergeblich «sei" (Fortsetzung folgt.) „Denjami« dIrraeli stell» in der ueu«st« englisch« Beschichte ein« ähnlich« merkwürdig« Brscheinung dar, wie fein« Zeitgenossen Heinrich Hein« in Dentfchlaud und Ludwig Napoleon in Frankreich. Zugleich Dichter »nd Staat«inann, zeigt er un» ein Jannlgeficht» da« nach der ein« Sette dm imperialistisch« Politiker, »ach det and«« d« „romantisch« Voltaire" erkennen läßt. Seine groß« Natnraalag» voraalgesetzt, muß der Haopterkläruagsgrnnd eine« so widerspruchsvoll« Wesen» bei «'Israeli, wie bei Hein«, ohne Zweifel in der Lhatsache seiner jüdisch« Abstammung gesncht werden» und er selbst, obgleich nominell ein Mitglied der euglischm Hochkirche, . hat dnrchgäugig mit so erstaunlichem Nachdruck aus seinem Judmthum bestand« und fich al» so leidenschaftlich« Vorkämpfer der jüdisch« Ansprüche ans Weltherrschaft kuudgethan > — z. V. im „Fancold" — daß di« Bedentung diese« Rassenthpu« in ihm > auch der oberflächlichst« Betrachtnng nicht entgeh« kan». Der scharfe Berstand, die bilderreich« Phantasie, »er schueidmd« Witz, di« zähe Lutdauer, der zudringliche Lynitmu» de« jüdisch« Wesen«, da« fich dem mropäischen Leb« gegen lber noch immer als eia Fremde« fühlt, und eb« dieser Kremdartigkeit halber keine Sch« empfindet, zügellos mit all« sein« Form« und Jde« zu stiel« — dieser fichpu« seiner Raffe hat auf englischem Bod« in d'J«raeli ein« eben so prägnant« Lu»d«ck gesund«, wie aus denl'chem Bode» in Heinrich Heine. Doch sein Ehrgeiz und seine Fähigkeit« war« nicht, wie lei de« dmtsch« Dichter, auf die Laufbahn eine« Schriftsteller» und d« ir dieser z» erring«»« Einfluß beschränkt. Schon in früher Jugend gefiel er fich in der Vorstellung eine« Regenerator« der mode«« Welt» eine« mächtig«, gmialm Staat«mann», der vom Schicksal zu der groß« Aufgabe beruf« fei, die verrottet« Zustände einer zerfall«»« Welt von Brun» au« zu «neue«, aus dem politisch.social« Lebentgebier eine eb« so herrschende Stellung zu gewinn«, wie (um nicht mehr zu sag«) seine Stam>nr.'gmoff«, die groß« jüdischen Banquier«, in d« Welt der Finanz«. In dieser zweit« Hauptrichtung seine« Charakter« zeigt d'Jtraeli fich uuverkeilnbar al» den Beistesverwandt« Ludwig Napoleon»." So schreibt Friedrich Llthau« in sein« „«glisch« Charakterbilde«". In einer der nächsten Nummem beginnen wir eine Novelle: „Juanira" von dem m Frankreich wohlbekannten geistvollen Schriststelcr Herrn Schornstein.

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