Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 23 (8.6.1870)
- Date
- 1870-06-08
- Page
- Seite 193 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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193 auf da« Entschiedenste verurtheilen. Wir werden ferner darauf aufmerksam gemacht, daß unsere Meinung über vr. Zolowicz (in dem erstm Berichte über die Sache) richtig gewesen; dieser Maun, der sonst in dreister Kühnheit gegen die Lehre Mose«' slbon Starke« geleistet, hat die Lewy'sche Schwägerinehe öffentlich eine »unsaubere Geschichte, mit der er nichtzu thun habe' genannt. Lu» Amerika finden wir nur zu erwähnen, daß in Richmond au« Anlaß de« bekannten schweren Unzlück-falle« Trauer» gotte«dienst in zwei Synagogen stattgefunden hat, in der einen mit deutscher, in der andern mit englischer Predigt; der betreffende Tag war vom Gouverneur zu einem Tage der »Demüthigung, de« Fasten« und Beten» für die ganze Bevölkerung' bestimmt worden. Sodann, daß die von un« schon mehrfach erwähnte Ritual-Convention, welche für die Synagogen in New-Pork einen gleichförmigen Ritu» feststellen möchte, guten Fortgang hat; e» haben sich 12 Synagogen der Stadt, freilich eonseroative, an j den Berathungen betheilizt. Die Unterbringung der russischen Waisen schreitet vorwärts: au« Frankreich werden weitere sech« Gemeinden namhaft gemacht, welche Kinder annehmen «ollen, vr. Schwarz in Cöln hat bereit» i 12 untergebracht und hat ferner gute Aussichten. Die neueste ' Nr. de« ,Hebr. Lead.' veröffentlicht bereit« den Aufruf der Alliance! mit wariner Empfehlung, die übrigen amerikanischen Blätter werden j ganz gewiß dasselbe thun. . Berichte und Korrespondenzen. Deutschland. E. C. ßtmHttt 18 Mai. (Orig-Corresp.) Die höhere israelitisch« Bürgerschule de« vr. Fel« ist mit 6S Knabm eröffnet und hat der glückliche Anfang somit die günstigen Boraulsetzungen, wenigsten» soweit fie die Lebensfähigkeit betreffen, bereit» zum Theil gerechtfertigt. Der Religionsunterricht an der Anstalt ist in den Händen de» bereit« in diesem Blatte genannten vr. Heinemann au« "Kopenhagen Zur sÄlbigen Zeit ist ein von den Herren Munk und Berlin gegründeter Religiontcursu« in» Leben getreten, der gleichfalls die Theilnahme de» Publikum» auf» lebhafteste in Anspruch nimmt, und ist daher meine Ansicht, daß Streben und Leben auf religiösem und wiffenschaftlichem Gebiete nicht in Abnahme, sondern im Zunehmen begriffen ist, durch solche Thatsachen hinreichend bestätigt. * ganuner, 24. Mai. (Orig.»Corresp.) Die von einer unter Borsitz de« Rabbiner» zusammengetretenm Commission auSgearbesieten „Vorschläge zur Berbefferung de» GotteSdimste»" sind also gestern angenommen worden. Einzelbetten mitzutheilen dürfte kein Interesse bieten, wohl aber mögen die Hauptsätze der Einleitung, welche die leitenden Gesichtspunkte besprechen, hier Raum finden. ,.E« >oar un» die Aufgabe gestellt, den Gottesdienst in der neuen Synagoge der Att einzurichten, daß er seinem Zweck ent» spreche, — die ganze Gemeinde um sich zu schaaren. E» war damit von vornherein jeder extreme Standpunkt auSgeschlofien: die Ansicht welche jede, auch die geringfügigste Aenderung al» gesetzlich uizulässig bezeichnet, und auch diejenige, welche der Gegenwart allein Rechnung trägt und demgemäß zu jeder ihr zweckmäßig scheinenden Aenberun; de» Gottesdienste» sich berechtigt hält — ohne die religionlgesetzlicken Bedenken zu berücksichtige»,. Wir wollten den Gottesdienst verbessern, nicht umgestalten, die Mänge! und Störungen fortschaffen, nicht Neue» mid 2njüdtsche» schaffen. Wir wollten verbessern (reformiren), nicht weil wir wollen, sondeni weil und wo wir müssen; daher nicht au» der Tleorie, sondern au» der Praxi»; aber auch nicht au» Unkenntniß, sondern an der Hand der Forschung; nicht in Furcht vor weitern Folgen, sondern im Vertrauen auf dm bestem Geist; nicht für Unwistende, fondem für Mistende; nicht für die Extreme, sondern für die vrmünfsige Mitte. Dmn vor allem müffe jede Berbestemng nicht auf die nichtjüdischm Kreise und derm Anschauungm, sondem auf die jüdischen.'Streife berechnet sein; nicht für eine einzelne Gemeinde, sondem im stetm Hinblick auf Anschluß au die Gesammtheit; und al» letzte» Ziel müsse nicht der Streit, sondern der Frieden geltm. — •r E» ergebe sich darau», daß die Reform bei dm Mmschrn, nicht bei dm Gebetm beginnen mäste; baß Ordnung, Regelmäßigkeit, Anstand und Ruhe — die von unseren Religion»- quellen so dringlich vorgeschriebm, aber leider! nicht im ge» wünschtm Maße erzielt find — vor Allem herbeizuführen seim, wmn auch nicht durch Polizeiwirthschast und Erzwingung einer jede» warme Gefühl ertödtendm Friedhofsruhe im Gotte»- hause. — Unzulässig feien daher Arnderunoen aus rein theoretischen Gründen, mit Berlastung und Berlmgnung der altjüdischen GlaubenSsä )e, ebenso eine Umgestaltung unserer Grundgebete (rfxn). Die Vorschläge werden der einm Seite al» irrelevant und unbedeutend, der andem al» zu weit gehmd erscheinm; wir aber schuldig, fi» Dir dringend zu empfehlen. Da» Lab einer Jüdin tan» in meinem Munde befremdend erscheinen; aber diese Frau hat meine ikiabilduag, da« von diesem Volk« nicht» Ante» kommen könne, zerstört...." Unterdessen wurde Abhilfe geschasst: Veit benahm sich gegen Dorothea äußerst edel. Er willigte i» Ehescheidung, ließ ihr ihr« Kinder und setzte ihr eiue Pimfion au«; ja sogar al» sie bald nach ihrer vermthluug mit Schlegel in Elend verfiel, unterstützte er sie reichlich. Dazu war di« alte Fra» Meudel»sohu, di« Wimve de» Philosophen, ihrem Manne in» Grab gefolgt, und au» stieß die gesetzliche Verbindung Schlegel» mit Dorothea auf kein Hinderniß mehr. Wir übergehen ihre «eisen »ach Jena, Weimar, Dretden, Pari», Köln, von» und Wien, sowie ihr Eteud und ihren gemeinschaftlichen Uebertritt zur katholischen Kirche. 1799 finden wir sie wieder in Berlin „eine gelangweilte und saul« Existenz führe«", wie Fichte sich auödrückte. Und wie ft« schon einmal durch ihre UustMichkeit allgemeinen La stoß erregt hatten, so gab e» jetzt wieder öffentlichen Skandal, al» sie, wie Schlegel sagte, „die Opposition gegen die positive Gesetzlichkeit und den convealionellea Anstand" organistrten.... Im Januar 1803 starb vr. Herz, und dieser Tode»fall störte die Gesellschaft, di« sich bi»h«r in seinem Hause versammelt hatte. Zu erwähnen ist noch, daß vörne sich damals in Pension bei Herz befand. Der ISjährige Jüngling faßte eine tiefe Leidenschaft für die schöne Fra«, di« mehr al« doppelt so alt war al» er. Zweimal versucht« er au» Verzweiflung sich zu vergisten. und Henriette war endlich genöthigt ihn nach Hause zu schicken; ihre Ermahnungen waren fruchrlo» geblieben, vielleicht hätte fie bester daran gethan, von v irnherein ihn nicht zu ermuthigen, wie fie e« wohl grtha» hat. Ll» Börne dann die Universität ,a Halle bezog, empfahl chu Henriette sehr «arm an Schleiermacher, der mtterdeffen dorthin berufen worden war. Man sieht, daß sich da» Hau» Henrietten» mehr und mehr leerte. Unglücklicherweise pellte sich für die abgehende Freundschaft ein anderer, weniger angenehmer East ein: die Lrmulh. Marku» Herz hatte zwar rin beträchtliche» Einkommen gehabt, aber er hinterließ fast nicht», und Henriette sah fich gezwungen ihr Misten za veuverthen. Die Hand de» Grafen Dohna- Schlobitten, di« chr derselbe augeboten, schlug fit au», wahrscheinlich um ihre alte Muter nicht durch ihren Religionöwechsel zu betrüben. Sir gab lieber französischen, englischen und italienischen Unterricht. Luch al» der Prinz Loui« Ferdinand fie der Königin al« Gouvernante für die Prinzessin Tharlotte (spätkre Kaiserin vou Rußland) empfahl, lehnte fie diese glänzende Stellung ab — au» derselben Rücksicht gegen ihre Mutter. Derselbe Prinz führte sich auck bei der Herzogin oon Kurland eia, deren Hau» die jüdischen Salon« abgelöst hatte; jetzt versammelte man sich bei ihr ohne alle Rücksicht aus die Religion: wer Geist und Talent besaß, war ihr willkommen. Und so kam e» den » auch, daß sie der arme» Wittw« Herz eine wahre Freundin wurde. Diese selbst lebte, endlich doch zum Thristenthume übergeweten, bi« 1847 von eine-: Pension, die ihr SS. v. Humboldt vom König erwirkt hatte.