Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 23 (8.6.1870)
- Date
- 1870-06-08
- Page
- Seite 192 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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192 ,md «3 ist hinlänglich gesagt, daß die Partei, welche in den Schomre hadath ihre Vertretung und im „Mag. Zfidü" ihr Prehorgan hat. auch die allergeringste Abweichung von Schulchan aruch für durchaus unzulässig erklärt — dann wird wieder Lrmnung von den „Hochneologen'' verlangt; wo bleiben denn nun diejenigen, welche weder „hochneolog" noch orthodox im Sinne deS „Mag. Zfidü" sind, und deren Zahl ganz gewiß eine sehr bedeutende ist? Trennen wollt ihr euch von diesen nicht lbezreiflich), aber sie find ja nicht „orthodox"? Soll da» nun heißen, daß ihr diese nach eurem Will« regieren, al» zahlende Anhängsel, contribceos plebs, behalten wollt? Wahrscheinlich baben wir'S getroffen! Aber wo bleibt denn nun da die Freiheit? — Im Allgemeinen freilich werden wir keineswegs behaupten, daß eine Centralbehörde für die ungarische Judenbeit unumgänglich nöthig fei, aber besser ist doch immer Einigung und Zusammengehörigkeit alS Zersplitterung, und wo eine solche besteht, da ist deren Zerstörung unbedacht ein herostratische» Unter»! nehmen. Doch die» geht schon über daS Refwirm hinaus, j Ueber die Einzelheiten deS jetzt wüthenden Parieikampfe» zu de» j richten wäre widerwärtig, wozu der OTTI? In und außer den i Synagogen Wort-, Schrift- und Handgemenge. Es liegt un» ein älteres Schriftstück vor, worin die Orthodoxen ihre Beschwerden zusammengestellt haben. Wa» lesen wir? Anklagen auf Wahlfälschung, schlecht« Wahlmanöver, Majoristrung durch Minoritäten »c.; eS ist gewiß manche dieser Klagen begründet, eS ' pflegt bei derartigen erbitterten Kämpfen vorzukomme», aber wo ist da irgend ein Princip, wa» hat daS mit dem Schulchan aruch zu thun, wo ist da ein Kampf DTO? Dwb? Werden denn die Congreßmänner etwa Terrorisirung, Wahlfälschung u. dgl. für legal erklären? Der Lemberger „JSraelit" führt über einen Uebelstand Beschwerde, der „unglaublich aber wahr" ist. An der dortigen israelitischen Hauptschule fungirt ein christlicher Lehrer, welcher seine Schüler täglich rerspottet, malttätirt, ein ganz ordinärer Haman — und die Juden bestellen, belassen und bezahlen einen solchen Mann, und der Direktor der Schule, ein Jude, schweigt dazu! Wir hatten, nach gewissen Erfahrungen, gewußt, daß die unterm Schichtm der galizischen Judm sich durch einm Mangel an Ehrgefühl ruSzeichnm, aber auch die höherm?! und in der Hauptstadt?! AuS Rumänien bringt die „Rev. JSr." leidiw wieder Berichte, welche die Hoffnungm, die auf dm Minister Epureano gesetzt wurdm (vgl. vor. Nr.) abschwächm. Der Minister, heißt eS, habe wohl gutm Willm, aber er werde zegm dm so lange mit allen Mitteln von dm Behördm geweckten und gmähttm Fanatismus nicht» vermögen. Ueber die Gräuel in Lekutsch habm wir einm eigmm Bericht und dm offiziös« der rumänischm Behörde gebracht. Wir tragen nun au» einem schr speziellen Berichte im „Maggid", der sowohl durch seine ganze Fassung, wie durch die gmaue Angabe von Ramm und Lhatsachm sich al» durchaus glaubwürdig charakterisirt, einige» nach. Man wird darau» die infame Verlogenheit der offiziellm Berichte erkmnm. Schon einige Zeit vor dem AuSbmche wurdm die Judm durch einm Polizeicommissar gewarnt, oder bedroht, man wmdete sich um Schutz an dm Präfeftm, der auch Maßregeln zu treffm versprach, dann aber reiste er ab und — einige Stundm nachher ging e» lo». Nicht ftemde Arbeiter sind die Thäter gewesen, sondern notable Bürger der Stadt, und die Behörde, die Polizei, hat mit geplündert, geschlagm und gestehlm — e» werden die Namen gmannt, aber auch von mehrerm Ehristm wird erzählt, die di« Verfolgten thatkräftig beschützt Hab«. Auch au» Rüßland werdm wieder verschiedme Gewaltthatm, Mißhandlung«, ja Mordthatm, an Judm verübt, erzählt — immerhin ist die» dort nicht, wie in Rumänim, der legale Zustand. „TempS" mthält eine Beschreibung der im Bau begriffmm Synagoge in L»ria. Der Eorrespondet berichtet, daß sie die schönste, geschmackvollste, eigmthümlichste der Welt sein werde. Die Beschreibung ist mehr schwungvoll als klar; man wird später wohl Gmauerc» über dm Wunderbau erfahrm. Im e»>lische« Oberhause ist die Bill, wonach hinfort die Ehe mit der Schwester der verstorbmm Frau erlaubt fein soll, noch einmal gefallm, diesmal aber nur noch mit einer Majorität von vier Stimm«. DaS Gesetz ist auch für die Judm England» wichttg, weil auch sie eine solche Ehe nicht fchließm dürfm, sondern vorkommmdm Fall» gmöthigt sind, sich im AuSlande ttaum zu laffm. Früher hat man über die heilige Einfalt gelächelt, mit der die geistlich« und weltltchm Lord» ein in der heiligm Schrift gar nicht begründete- Eheverbot auftecht erhalt«, Gefahr für Sittlichkeit und Religion in dessm Aufhebung fehm; im Angesicht der frifchm Thatfache von Eifmach lächeln wir »licht mehr, sondem ftmm unS an dem heiligm Emste und der tiefm Ehrfurcht vor dem göttlichm Worte, welche dort »valtm und von keiner Sette mtt einem Hauche verletzt werdm, ftmm un» und — schämen un». daß unter un« möglich gewesm, wa» da geschehm. Ein Streitm, eine MeinungSverschiedmhett sollte ja im Judmthom über Ehegesepe gar nicht möglich sein, da» Verbotme und daS Erlaubte ist so festgestellt, daß kaum ein Zweifel Vorkommen kann — doch constattren wir auch, daß auch nichtotthodoxe Blätter, z. B. „der iSrael. Lehrer", Heß Poesie ihn nicht auftecht erhalt« hätte, wäre er, wie viele begabt». Jünglinge feiner Zeit, die für ihrm Drang kette« Wirkungskreis fandm, wie z. B. Grabbe, untergegangen. Aber die Dichtkunst und die Formmschönheit warm ihm etwa» HettigeS, und er bettachtete sich als geweihter Priester derfelbm; nur verstand er sie ander- und tiefer, als feine Kunstgenossm. Die Schalkhaftigkett war bei ihm zuerst nur MaSke, um sein zerstörte» Innere zu verhüllen oder sich durch Spott wegm seiner zerstörtm Ideale zu kühlm. Ader dieser Schild, dm er so leicht und zierlich handhabte, wurde in seiner Hand bald zur Waffe, und riß ihn hin, sie als Reizmittel öfter gezm seine eigme veberzeugunz zu gebrauchen. Für daS Judmthum oder für dm jüdischm Stamm, die jüdische LeidmSzeschichte und die heiligm Schriftm hegte er in iiesster Brust eine warme Anhänglichkeit, die ihm nur nicht recht klar wurde. DaS Steinalter des Judmthums, seine der Zeit und dm tausendfältizm Widiiwärtigkeiten ttotzmde Fortexistmz imponttte ihm. (Fortsetzung folgt.) Die Berliner Gesellschaft in drn Jahren 1789-1815. Bon A. Hillebraud. (Noch der „Revue de« dm? monde»".) (Schloß.) Dorothea, 7 Jahre älter al» Schlegel, war sofort geblendet von dem Glorienschein, der den jungen Romantiker umgab, seitdem er Schiller und Goethe den Fehdehandschuh hingeworseo hatte. Di« Sympathie de« erste» Augenblick« ging bald in Freundschaft tlber und an« dieser entstand bald Bertranlichkeit. Dorothea verließ da» Hau» ihre» Manne», um mtt Schlegel zu leben, und man besihuldigte Henriette Her,, daß st» diese« Entschluß «ttht fremd gewesen sei. vr. Herz machte Miene, seiner Fra» da» verbrecherisch« Han» der Verliebten zu verbiete»; aber diese trotzte der öffentlichen Meinung und dm Befehlen ihre» Manne«, indem sie behauptete, daß die Schuldig« getrmnte Gemächer bewohnten, und auch die anderen Freund« warm nach, sichtig gegm die Ehebrecher. Schleiermacher vertheidigte st« unumwunden. Sie aber mtslohm endlich au» Berlin »ach Jena, wo »ug. Wilh. Schlegel lebte; aber da dieser bald darauf seine Frau au» dm Feffeln der Eh« entließ, damit sie den Philosophen Schelling hettathm konnte, so mußtm sich die Flllchtigm nach einem andem Asyl umsehe». Und nun empsahl sie Fichte, der damal» seine Professur in Jma aufgegebe» hatte und in Berlin lebte, feiner in Jma znrlickgebliebmen Frau: „Ich bin e« Dir und Fra» Bett