Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 23 (8.6.1870)
- Date
- 1870-06-08
- Page
- Seite 191 (sequence 3)
- Language
- German
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1-1 mir die höchste Blüthe zum „Kretwilkigmdienste'^ zuläßt. Wir Hab« da freilich Preußen im Auge, aber von Preußen istdaS Hebel auSgegangm, hat in dm Eichhorn, Raumer, Mühler feine Träger, hatte die Mittel» und Kleinstaat« infictrt, und mm find durch dm Nordbund eiuige der letzten Zufluchtsstätten der freierm Richtung in der Schule zerstört. ES ist dies ein Umstand, der für unS, die wir nimmermehr in der politischen Macht, in dem Esau»Schwerte daS Heil der Völker zu erblicken ver» mögm, einen düstem Schattm auf dir Neugestaltung der Dinge wirst- Doch wir lassen diesen Faden fallm, auch die Frage nach der Gymnasial-, Real- oder Gewerbeschul-Bildung und Einrichtung gehört nicht in dm Bereich diese- BlatteS, wohl aber die Frage nach dem Religionsunterricht und der Stellung der Schule zu der Religion, zu dm Religionm und Confesstonm. Daß da» Judenthum, schon durch daS Vorhandensein der ihm angehörigm Schüler, ein mächtiges Fermmt in dieser Bewegung bildet, ergibt sich von selbst. Ein echtes Ferment zu geistiger Gährung, welcheverhindert, daß sich die noch sehr trübe, ttäge und dickliche Masie recht behaglich auf ihren Hefm abkläre und alö „christliche Schule" — auS der nach gewisser Leute Willen der SpirituS verflogen und da» Phlegma geblieben — abzapfen lasse. ES würde dm Regulatoren auch mtt der Volksschule nicht so leicht gelungen sein, wmn nicht in dieser die jüdischen Kinder nur in anscheinend geringer Zahl vorhandm wären, so daß man über sie hinwegsehen kann. Die Fragen, welche hier vorliegen, sind nun von ihrer Lösung »och sehr «eit mtfernt, ihre Stellung ist so verworrm und unklar, wie möglich. ReligionSschulm, Schulen, in deam Religionsunterricht dawesentlichste Element bildet, Schulm, in dmen er ei» Fach nebm andern Fächem auSmacht, Schulm ohne Religionsunterricht, religionslose Schulen; Schulm, die einer bestimmtm Religion (Consession) angehörm, Schulm von bestimmter confessioneller Färbung, Simoltanschulm, confessionSlose Schulm: alle diese Begriffe laufm wirr, unverstandm, falsch verstandm durch einander. ES ist offmbar, daß die meistm Gebildetm nur wisim, waS sie nicht wollm, aber nicht, waS sie wollen; nur die Reaktton weiß, waS sie will: natürlich sie will, waS längst dagewesm, die Schule der gutm altm Zett, mit einigm unabweisbaren Conzesfionm an dm Zeitgeist. Sie bmutzt dabei die Unklarkeit der Begriffe ttefflich und trübt diese noch mehr. Eine Schule z. B., die vor Jahrhundert« darum „reformirt" gewesen ist, weil damals nur „Reformirte" am Orte wohntm, ist ihr gleichbedeutmd mit einer, die ausdrücklich mr Reformirte gegründet wordm ist; confessionSloS ist ihr gleichbedeutend mtt gottlos u. f. w. Wir »»erden versuch« nach und nach die Stellung der Frag« klar zu mach«; wir setzm voraus, daß unsere Leser mit «nS der Sc,ulfrage eine ganz eminmte Wichtigkeit beilezm und daher von Zeit zu Zeit einzelne Aufsätze über dieselbe, die sich jedoch aus pädagogische und didaktische Einzelheiten nicht einlassen sollen nicht ungem entgegmnehmen werdm. Im nächsten Blatte werten wir über confessionSlose Schulen sprechen. Wochenbericht. Stell in, 2. Juni. Die jüdischen Angelegenheiten in Un» gar« werd.n täglich verworrener und unerquicklicher. Daß die Lertheidigrr der Einheit und Einigkeit, d. h. die Congreßvartei, die Hoffnung noch nicht aufgiebt, haben unsere Leser auS dm Mittheilunz m „von der unteren Donau" gesehm, und eS iprechm I auch viele Wahrnehmungen dafür, aber wie sollen sich diese Hoffnungen realisirm? Schwer ist schon eine Einigung zu erzielen, wenn ein Theil starrsinnig ist; wmn er aber, wie hier, sich gar nik^t einigm, unter keinerlei Bedingungen einm Vergleich schlief«, sondern absolut sich trmnm will — waS bleibt dann zu hoffen? Doch wir wollm hier nicht urtheilm, sondern nur referiren und zwar einige kleine Zusätze zu dm Mittheilungen unseres gem unten Hrn. Corresp. DaS von diesem in Nr.2v besprochme S hriftchen von Sigmund Krauß (wie kann ein Mann seiner Farbe Sigmund heißen?) „die Aufgabe des gesetzeStteum Juden" ist unS inzwischen zugezangm. Wir gestehen, so auS der Entfemung betrachtet, klingt eS unS „draußm" nicht so fanatisch, Ruch die rotbe Farbe schreckt un» nicht, aber cmffere Widersprüche sind uns »och nicht vorgekommm und wir wärm versucht ein talmudijcheS Wort umzukehren und zu fagm: „Dieses Roth ist schwarz, finster, weil eS — an der Logik — Schaden genommen hat". Auf S. 5 erklärt Krauß eS für überflüssig, ja nicht einmal rathsam, daß die orthodoxen Judm UngamS sich zu einer La »deSgemeinde constituirm; S. 8 aber ist von einer Vertretung and einem Centralorzan der orthodoxen Gemeinden die Rede, als welche daS Emtralcomitö der Schomre hadath zu geltm habe, und ebmso wird S. 12 da» Präsidium der Schomre hadath als fchtbarer AuSdmck der korporativen Zusammengehörigkeit der orthodox« Judm UngamS und Siebmbürgens und deren Viackretung dem Staate gegenüber bezeichnet. Wiederum wird verlangt, daß sich die Orthodoxen für sich constituirm, tiefempfundmeS Unglück, fehlte Heine nicht, und eS machte feine Seele zugleich elegisch weich und philosophisch fest, offmbarte ihm die Dinge in ihr« Wirklichkett und lehrte ihn da» Wesen vom Scheine unterscheiden. Heine war von seiner Jugmd an recht unglücklich. In einer idealm Atmosphäre erzog«, mit der klassisch« Literatur verttaut und von lieblichm Träumen umgaukelt, mußte er weg« der unzulänglich« Mittel seiner Eltem sich der Prosa einer GeschästSthätigkeit zuwmden und noch dazu in zwei der sog. frei« Städte, Frankfurt und Hamburg, wo die kaufmännisch« Engherzigkeit heimisch war und dem Idealismus Todfeindschaft nachtrng. HrineSKinderaugm hattm die aufgehmde Freiheit unter ftanzöstfcher Herrschaft auch in seiner GeburtSstadt gesehm; die Gleichheit der Judm in der christlich« Gesellschaft war eine feste Thatsache geworden, und er wurde gerade nach dm beidm Städtm verschlag«, wo die Patrtcier mtt Verbissenheit die Judm in die alte Knechtschaft schmiedeten und in die alte Schmach zurückschleudertm. Verfehlter Berus in dem Bankgeschäfte, da» er in Hamburg errichtet (1818 bi« Frühjahr 18IS), daS kläglich endete, der Stachel unglücklicher Liebe, dm ihm' eine Base in» Herz gestoßm, di« Abhängigkeit, in die er von feinem reichen, edlm, aber launenhaften Oheim Salomon Heine gerieth, der Zwang, der ihm auferlegt war, die trockene RechtSwiffmschaft, „die eisernen Paragraphen selbstsüchtiger Rechtssysteme", in sich aufzunehmm, wozu er nicht die geringste Neigung hatte, alledieses zusammmgenommen, daS kurz nach einander auf ihn einstürmte, erfüllte sein Innere» mit ttefem Schmerze. Heine war recht unglücklich, und um so anglücklicher, als er vermöge feiner dichterifchm Feinfühligkett und seiner glühmden Phantasie die Enttäuschung tiefer empfand unl> sie auch übertrieb. Er war andererseits zu stolz und tmg gem dm Kopf zu hoch, als daß er sein« Schmerz hätte zetgm soll«, verschloß ihn vielmehr in seiner Brust, spielte dm Stark« und spottete. Der Spott, die Ironie, der Humor, der die eign en Thränm weglächelt, da» war dn Panzer, mit dem er sein wunde» Hnz bedeckte. Da seine Ideale schon in sein« Jugmd verflog« warm, Lieb«, Trme und die Hoffnung auf eine unabhängige Stellung, die sich nur durch reiche Mittel behaupt« lt.'ße, so überzog sich in sein« Augm da» Lebm mit einem Trauirflor. Er verlor sein« Glaub«, und wenn die