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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-06-01 · 22 (1.6.1870) · p. Seite 186

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
22 (1.6.1870)
Date
1870-06-01
Page
Seite 186 (sequence 6)
Language
German
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-- 186 Ich könnte Ihnen in dieser Beziehung Beiiviele liefern, die die Zerklüftung und den Zwiespalt in kleineren (Gemeinden Jb.ien veranschaulichen mühten, wie er mit Kleih und Sorgfalt angefacht und genährt wird von Leuten, von denen man eS am wenigsten erwarten sollte. AnS der Menge mir bekannt gewordener Streitfälle greife ich einen berau-, der knapp an der „unteren Donau" in einer vordem musterhaft orzanifirten Mittelgemeinde sich abspielt. Der Rabbiner, ein biederer deutscher Mann, klagt dem DistrictSpräsidenten in der kläglichsten, erschütterndsten Weite über all' die Unbill, die der — gegen die Anordnungen des Conzreh-Organiiatioi'SstatutS — ja gegen allen vordem bei der Wahl der CultuSrepräsentanz beobachteten Hju# — lediglich durch offenkundige Agitation emer wühlmsckm Minderheit — gewählte Vorsteher ihm stündlich zufügt. Der Mann, die Perle im Diadem der Gemeinde, zeichnet sich durch Frömmigkeit auS, insofern Frömmigkeit durch markerschütterndes Klopfen bei der 6. Benediction der Schemonö ehreh und durch ungeberdige« Poltern beim Schema geltend gemacht wird. Dem würdigen Rabbinen gegenüber, der — irre ich nicht, seit 9 Jahren im Dienste jener Gemeinde steht, und in dieser Frist unverdrossen mitgegangen ist im Schritte der Zeit, soweit eben die Unzulänglichkeit schulgerechter Vorbildung und der Bildung-« mittel überhaupt eS gestatten mochte — dem gegenüber bekundet jene Perle im CultuS-Kopfputze feine Frömmigkett durch strenge« (Hinhalten de« KasteiungSgebote«, taS frommen jüdischen Seelsorgern durch 6 Tage der Woche namentlich dann zur Pflicht gemacht ist, wenn ihnen da« Gehalt zum Ankauf der nöthigsten Nahrungsmittel nicht au-zezahlt wird. Nun! mit dem unftei» willizen Fasten deS Rabbiner« vom Sabbath zum Sabbath dürtte sich ein noch etwa« konservativ gesinnte« Schiedsgericht der älteren Schule nöthigenfall« noch einverstanden erklären. So ein Schiedsrichter gedenkt in Wehmuth der vrrseufzten Jugend» jahre im frommen Vaterhause der noch frömmeren z. B. Preß» burger Gemeinde, wo ihm der gläubige Jugendbildner in der stereotypen Form eine« Schloßberger Melamined Fasten urld Entbehren so überaus anschaulich versinnlichte, und er verdammt nicht gar so unbediuzt die Vorstandsperle, die im Rabbiner wenigstens da«Fastenprincip gewahrt, sc zu sagen verknöchert -oben will. Wa« aber haben die sech« Kinder de« blutarmen Landrabbiner« verschuldet, daß sie hungern und darben müssen? Sollen sie warten, bi« da« Schiedsgericht entscheidet? Erkennt die Perle die Geltung einer solchen letzten Instanz? Zuverlässig nicht, weder a priori noch a posteriori. Soll sich der Rabbi an die Civildehörde wenden? Er thnt e», weil er e« eben tbun muß. Da findet er aber plötzlich, daß diese Behörde noch katholischer ist als der Papst, noch toleranter und liberaler als die Toleranz und der Liberalismus m ihrer primitivsten Form. Der Stuhlrichter sagt: Ich soll mich mengen in eure autonomen inneren Zustände? Ei bewahre! — Und so schwebt der Rabbi mit feinen lech« Sprößliazen zuverlässiger zwischen Himmel und Erde, al« die« von Mehamed« Sarge gerühmt wird. Und der Vorsteher ist ein frommer Mann — ein Tragbalken im Dome der Schomrö hadath.' Ach! warum gibt es deren noch so viele unter unS, die, wie Nesrroy ehednn sagte, „mehr Volk sind, als Ratten?! — Adiea für heute.*) Lemßerg, im Mai Acht Judm raren in Samocz (Rußland) zum Tode verurtheilt worden, weil sie eine KriegSkasse •) Die hier erwähnte Emgabe protestirr gegen de Behauptung, „Mt die aus Grund der Congreßbeschlüffe ,u »rgonifirende Religimwkirch« eine von der »ut Grund der dogmatisch.jüdffche» GlaubeaSgesetz« bisher in Ungern desteudeue» ueseutllch verschieden« Körperschaft bilde" Wer diele» Geh Überhaupt »ersteht, wird eiuseher, daß er leicht zu widerleg« ch. Da» •naatfttd ist wirklich fs »bgesaßt, wie e« der Herr Corresp. bezeichoe«, aber zu umfänglich, u» e» hier abzudrncken. (Red.) geraubt haben sollten. Die Verwandten kamen hierher, um Hülfe und Verwendung nachzusuchen. Pred. Dr. Löwenfteiu nahm sich der Sache warm an, arbeitete ein meisterhafte« Gesuch au», worin die Unschuld der Armen klar dargelegt wnrde. Diesem Gesuche und der durch Dr. 8. erwirkten Verwendung der „Alliance" gelang e«, eine Revision de« Prozesse« zu erziele«, in Folge deren alle acht von dem ihnen angedichteten Verbrechen vollständig freigesprochen worden stad. (Lemb. 3«r.) Türkei. Schmnk«. Hier habe« mehrere Griechen und Armenier sich bereit erklärt, der „All. J«r. U." beizutreten. (Rev.Jsr.) Notiz. „Die jüdische Gemeinde in Rom" ist in einem Feuilleton der „Neuen Freie Presse" von K. Ed. Baoernschmid, einem Geistlichen, der zum Conetl in Rom ist, geschlldert: Da «an hier wiederholt« Anlauft gemacht hat, di« Bekenner d«< masaifchen Glauben« zur tlusgebung ihrer AkesstaS-Jdee z» bewege», »it der schl-chtverhehlteu klbstcht, in der Solge deren Maffeubekehru», *u» statholieiSn»« zu ermöglich«» und sogar der Papst selbst stch herabliest, jüngsthi» süß« Schmeichelworte an dieselb«» zu richten: s» «ole» wir e« doch versuch«», de» jetzige» sactische» Zustand der in Rom «tuhetwische» Jude» »ul ganz zuverlässig« Quelle» in kurze» Umriffe« zu schildern. ES wird sich dabei klar heran«stelle», at sich denn Mt gegenwärtig« Regierung wirklich i» vertrauenerweckender Weis« gegen die klbkbmmliug« teuer ehrwürdigen Kolonie a»S Palästina benimmt, welch« scha» unter Pampejul und Lraffut, lang« vor der Zerstörung Jerusalem« durch lituS» di« ewige Stadt bewohnt« und «Mer Kaiser August bereit« de« römische» Bürgerrecht« theilhastig wurde, als» »ich« nur di« urältest« israelitische kultuSgemeind« Europa« ist, sonder» auch durch die bewunMeuSwerthe Standhaftigkeit, womit sie, unerschütterlich an den Draditioue» ihrer Väter hangend, die innersten Draugsale und Verfolgung« im Lauft zweier Jahrtausende erduldet«, die allgemeinste Beachtung verdient. Der römisch« Ghetto, deffe» Eiusaffunglmaueru zwar vor mehreren Jahren entsernt wurde», der stch aber sonst «och ebenso abschreckend a«Snimm« wie ehemal», befindet stch in eine« abgelegene» Winkel am linken User der Tiber und umschließt nur wenig« feuchte, dumpfe aud von Ltbonutz starrende Straßen» in welchen ungesähr 4700 abgehärmte menschliche Creator« eingepfercht find. Der llasimierz zu Krakau ist unstreitig ein Parodie« dagegen. Da« ganz« Quartier liegt tiberMe« s» niedrig, daß «» beim öfteren AuStreten de« Muffe» fortwährende» Ueberschtoemmungev au«- gefetzt ist. Die unglücklichen vewohner desselben dürfe» außerhalb diese« Zwinger» nur in deffen nächster Nähe Häuser oder Kaustädea al» lRieth»- ieut« beziehe», wozu in jede« vorkommeude» gal« «ne specielle Erlaubnis Sr. Eminenz de« Cardinal-Bicar» erfordert wird. Sie »ähre« sich ohne Ausnahme vom Handel mit Webwaaren, alte« Plunder und Lump« jeglicher Art, da ihnen di« meiste» Erwerb«,weige »er gebildeten Stände und ein großer Theil industrieller Hantierungen vollständig uazugäuglich find. So ist e» ihnen absolut versagt, Apotheker, Advvcaten, Notare, Maler, Bild- Hauer oder Architekten zu werden. Daher sind für di« Jünglinge der römische» Judenschaft di« Akademien der schönen Künste nud die Universitätt- Studien hermetisch verschloffe». Eine wahrhaft drakonisch« Einrichtung, Me in einer vorwiegende» Kunststadt wie Rom und bei dem »»«gesprochenen Talente diese« geistig so hochbegabten Stamme«, welcher in anderen Länder» ans jene» Gebiete» so Ausgezeichnete» leistet, doppelt empörend erscheint. Blo« der Berus al« Heil- und Wundarzt wird ihnen von der heutig« Curie gnädigst gestattet, aber nur unter der Bedingung, daß st« ihr« Praxi« einzig und alle« auf ihr« Religionsgenoffen beschränke». Auf «werbrüchiiche Beobachtung diese« Gesetze« wird hier sehr strenge gehalten. Denn «in hiesiger Doctvr, der vor zwei Jahre» einem »ns der Straß« ohnmächtig Mammen- Muukme» Maune katholischer Cmffesston ärMH« Hilfe «rcheitte «ch auf dessen ausdrückliche« verlange» ihn später in seiner Behausung «ch «in paarmal besuchte, wurde nuderweili zur «echenschaft ^zogeu uu» daukte H Mt Mt Verwendung eines hochgestellt« Monstguor«, für die»»al straffe« durchgekoouu» zo sei». Offenbar betrug« sich die mittelalterlich« Hierarch« in dieser veztehnug weit ausgetlärter und humaner al» ihr» fttzig« Ruchfolget. Zählt doch di« römisch« Geschichu «tue ganz« Reih« M berühmt« hebräisch« Aerzt« aus, zu den» die früher« Päpste tu bedenklich« Kraut»

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