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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-06-01 · 22 (1.6.1870) · p. Seite 185

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
22 (1.6.1870)
Date
1870-06-01
Page
Seite 185 (sequence 5)
Language
German
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186 rt. Werk«, 22. Mai. (Orig. - Eorresp.) Li» Rabbiner- Srandal-Prozeß steht in Au-fichtl Ein „Rabbiner in Berlin" stellte sich vor Eintritt de« verfloffene» Pesachfeste» eincm hiesige» bedeutende« Wein Händler vor und versprach gegen Entgelt von 200 Lhlrn. deffen Weine alü brauchbar für Pesach mit seinem „Amt-fiegel" versehen zu lasten, zugleich auch keinen Zweiten für dies« Verkauf hier zu „bestallen". Der Weinhändler hoffte ein gute- Geschäft zu machen, fand sich aber getäuscht, da Niemand da» Certtficat al» gütig anerkennen wollte, und klagt nun auf Rückzahlung de- Gelder. Der DOT Wn wird dadurch vergrößert, daß de»' „Rabbiner" trotz deerwähnten Monopolversprechen» dastelbe Manöver hinterher noch bei Andern gemacht hat. Läßt sich irgend etwa» zur Entschuldigung de- „Rabbinerin Berlin" sagen? „Niemand sündigt, wenn nicht zuvor der Gestt der Thorheit (0101? rm) in ihn gefahren" — von diesem Geiste hat der Betreffende schon viele Proben gegeben. Wa» aber sagt die Gesellschaft, die e» zunächst angeht, dazu? Davon nächsten- *). II. Werk«, 23. Mai. (Orig.-Corresp.) Vom I.Juli ad wird hier eine Wochenschrift unter den Auspicien de» Dr. Hilde-Heimer erscheinen, al» Redakteur zeichnet dessen Schüler vr. Karpele». Da- Blatt soll die Tendenz de- „J-ra«lit", aber in noblerer Weise, vertrete». Da- Würdigste »väre, nicht jede andere Ansicht zu verketzern, wenn auch sie sich aus die Quellen der Religion stützt, und nicht eine künstliche Spaltung da hervorzurufen, wo Staigkett dm nihilistisch« Bestrebung« gegenüber so Roth thät«. Möchtm die Führer unserer Zeit, dm Talmudtstm ähnlich, sich mit gegenseitiger Achtung begegnen; e» »vürde dann wahrlich um dal konservative Iudmthum besser stehm. Kamtzurg, IS. Ma^ Al- Herr Sam. Israel, früher Inhaber der Firma Andrew Israel t Eo., vorgestern Mittag bei Beginn der vörsenzeit die vörsmhalle, welche er täglich zu besuch« pflegte, verließ, stürzt« er die Treppe hinab und war sofort eine Leiche. Fraglich bleibt e», ob er vom Schlage getroffm oder in Folge de- Sturzeverschied« ist. Der Verstorbene, Vater deehemalig« Major» de- Lürgermtlitär» und jetzig« Seeretär» der Bürgerschaft vr. John Israel, na:-m im I. 1859 an dm damalig« Bewegungen in der Stadtverfassung-ftage lebhaft« Antheil und war ein sehr beliebter populärer Redner. Für die politisch« Rechte der Juden hat er wacker gekämpft, auch seine Privattugendm sichern ihm ein gute- Angedmk«. # K«»»o»er, 24. Mai. (Orig.-Corresp.) Die Synagogm- Einrichtung ist, wie ich Ihn« oorau»gesagt, noch verschob«. Daß darüber „ein Konflikt zwischm der Gemeinde und dem Rabbiner" au»gebrochm fei, werdm Sie in einig« Zeitung« gelesm, aber gewiß nicht geglaubt Hab«. Sie wist«, wir haben hier nie in Konflikt« gemacht, und seit wir gar Provinzialstadt geworden, überlast« wir daerst recht der Metropole der Intelligenz, oder wo man sonst nach diesem Ruhme dürstet. Wir Hab« hier einige sehr wenige Heißspome, d«m man wohl zurufm möchte: pas trop dez61e! sie würden durch ihr« Eifer schadm, aber wir find in unserer Ruhe unverwüstlich. So ist denn auch gestern Abend die n«e Synagogenordnung fast ohne Debatte gegen nur zwei Stimmen, ein« von recht«, eine von link», angenommen wordm. Die Beschneidung-frage ist noch nicht erledigt. Der Rabbiner hatte, in Uebereinstimmung mit dem Vorstand, die Eintragung de» unbeschnittm gebliebmm Knabe» devr. E. in die Geburt-liste verweigert, auf Recur» de» Vater» hat der Magistrat di« Eintragung vollzieh« zu last« verordnet, die Gemeinde hat sich dagegm wieder an die Regierung gewmdet. — Auunserer Nachbargemeinde Hilde-hetm habe ich die Trauerkunde von dem am Frettag erfolgt« Tode de» *) Letalt», «elche die Pers-ntich-eü «rache» laste», ha»« »ir a»§ de« «ertchee M Herr» «•mfpMfcaMi »«Hgelaste». (Itrk.) Landrabbiner- Dr. Land-berz zu bring«. Dr. Meyer von hier hielt dem langjährigen Freunde und Amt-bruder die Trauerrede. Die Theilnahme war groß und wohlverdient. Er ruhe in Fried«! Möge dieser auch dem Sprengel erhalt« bleiben. AAÜ», im Mai. Die von Her« Rabbiner Dr. Schwarz erlaffme Aufforderung zum Beittitt zur Alliance hat groß« Erfolg gehabt. ES hat sich hier ein Somitgebildet und die ein hübsche- Hestchm füllende Liste der neu« Mitglieder in Rheinland» Westphalm ist soebm versmdet wordm. (Nach dm unfreundlich zugefendetm Drucksacken.) -d- Au» Aßüringe», 24. Mai. (Orig.-Corresp.) Haben Sie Dank für Ihr Wort geg« den „Landrabbiner von Eismach"» ein zweitewird nicht nöthig sein. Man kennt auch in hiesiger Gegend dm Mann und tveiß, wa» von ihm zu halt« ist. Solche Schritte» wie der Redaktmr de« „J»r." geg« ihn zu tbun an» räth, find überflüssig. Heß selbst würde egar freu«! Hat er doch schon vor Jahr« einem jüdisch« Reismdm, der ihn fragte, ob man da und dort koscher eff« könne, geantwortet: „ich weiß nicht, ich speise in der Kneipe". Er kann ein« Einzelnen verderben, aber der Judenheit nicht schaden. Den Einzeln« aber suche man noch zu rettm. Er hat doch „rabbinisch" getraut sein wollen, er beruhigt sich bei der von Heß vollzog««., Trauung; so belehre man ihn, daß er nicht getraut ist und in Blutschande lebt. Jrgmdwo muh er doch zu find« sein! Sesterreich. Wrtln», 5. Mai. Der heutige „Mähr. Corresp." berichtet über «ine auf Einladung de« Rabbiner- Dr. Placzeck gehaltene Versammlung zur Gründung einemährisch« t»raelirischm Waismhause«. Die Rede» in der derselbe „mit zündend« Won«, welche auf sämmtliche Anwesmden sichtlich« Eindruck hervorbrachten", dm Zweck au-einander setzte, wird in der Beilage der Zeitung vollständig mitgetheilt. ES zeugt von hohem Edelsinn, daß, obwohl die Mittel von der hiesigen Gemeinde allein aufgebracht werdm dürften, doch die Enichtung einer Lande-anstalt votirt wurde. E» ist ein Countzur Förderung der Angelegmheit erwählt. Die eigentlich« Gründer und Anreger Hab« bereit- 30000 Fl. gezeichnet, und so ist ein guter Erfolg wohl zu erwaNm. Ws» der ««lern 5«»»», VII. 20. Mai. (Orig.-Conrsp.) Ich schloß jüngsthin mit der Andeutung, der regelrechte Heilplan der FortschrittSmänner zezmüber dem chronischen Uebel, da» die privilegirtm Frommen hier zu Lande heraufbeschworen Hab«, beginne mit der „Reinigung der erst« Wege". Heute bin ich in der angmehmm Lage, Ihnen eineder spezifischen Mittel anzugeb«, dadirekt geg« jmes Uebel ankämpfen und, so Gott will, daffelbe auch vollendbekämpfen soll. Sie erhalt« hier angebogm die tr«e Uebersetzunz jener Petttion, die von dm Vorständen und »er Repräsentanz der i-raelitischm Religionsgemeind« Ungarn- und SiebmbürgmS an dm Reich»tag in Pest gelettet werdm wird, die geg« die Einzelngesuche jener 304 Petmtm Protest erheben. Da» Gesuch spricht für sich selber und bin ich jeglicher Kritik überhobm. ES wird bei dem Biedersinne nnd dem hoh« RechtlichkeitSgefühle, da» unser Parlament stet- und überall bekundüe, den Zweck nicht verfehl«, eS wird durch di ,'ttmge Gesetzmäßigkeit seine» Entsteh«», durch die männliche, nüchterne und durchwegleidmschaftlose Haltung, durch die logische Schärfe und die zwanglose Gliederung de» Jdemgange», — und endlich, wir wir mit begründeter Hoffnung erwartm, durch die Masse der Ansuchenden zum mdlich« Siege verhelf«. E» wird in Bälde daganze »«»lautere Getriebe jmer Frömmler blcßgelezt und inrechte Licht gestellt sein, in» Licht der Wahrheit mib der parieil,se» Anschauung, dasie, wie überhaupt alle«, wa« Licht heißt, so gründlich perhorrescir«.

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