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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-06-01 · 22 (1.6.1870) · p. Seite 184

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
22 (1.6.1870)
Date
1870-06-01
Page
Seite 184 (sequence 4)
Language
German
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184 zweiter Eontor in Prag, jetzt Lorbeter und „ReligtonSweiser" in Linz, ist zum k. k. L,andeSschulrath für Oberösterreich ernannt worden, und der Lehrer an der deutsch-iSraelitischen Hauptschule in Lemberg, Leo Polländer, hat vom Großherzog von Hessen die Verdienstmedaille für Kunst und Wisserischast erhalten. Nun eine Reihe einzelner Notizen. In Württemberg ist den jüdischen Soldaten am vorigen Pesach ebenfalls von StaatSwezen Kostgeld vergütet worden. An Frankreich ist, wie man mit Bestemden lesen wird, darum petitionirt worden, daß die jüdischen Soldaten nicht mebr bei Milstärparaden u. dzl. vor dem katholischen Lanctisaimum zu knieen genöthigt werden sollen, und — die Petition ist all acte gelegt worden. Da» ist eine fatale Gleichstellung! Wie konnten, wie können die franzöfischen Rabbinen fich dabei beruhigen? — Tie „Rev. des D.M." hat einen zwetten Artikel über die Berliner Gesellschaft u. s. w. (s. unser Feuilleton) gebracht; derselbe bespricht fast ausschließlich Nabel Lewin. — Zn Lemberg hat ein Judenstawall stattgefunden, der jedoch energisch unterdrückt worden. — Bei Beratbung de« neuen englischen UnterrichtSgesetze» hat Sir Dav. Salomon ein Amendement vorgefchlazen, wonach jüdische Schüler in dm StaatSfchulm am Sabbath :c. dispmfirt werden sollen. Der All. Jsr. Univ. wurde ein Gchreibm von Schwöb, Kaufmann in Barcelona, vorzelegk, worin dieser Niederlasung von Judm in Spanien vorerst nrch für bedmklich erklärt und verschiedene vorbereitende Schritte empfiehlt. Von diesm hat daS Cmtral-Comitö einm gut zenmdm: 'ie will Artikel zur Aufklärung über das Wesen deS JudmthumS in die spanischm Blätter zu bringm suchm. vr. Kayserling, gewiß >!tne dazu höchst geeignete Persönlichkeit, soll mit Abfassung solcher, zunächst von der Geschichte der Judm in Spanim au»zehmdm Aufsätze betraut werden. — Die spanische Regierung hat beschloflm, in der Alhambra ein Museum für die im Lande zersttmtm mauri- > schm Altertbümer anzulegen. Eine Schatzkammer für künftige! Geschichtsforschung. Au» Amerika wird gemeldet, daß ein Gammelbote für! Palästina, Atia», in LoutSville bei einer im Hotel auSgebrschenm > Feuersbrunst umgekommen ist. Wir habm jüngst gemottet, daß | amerikanisch« Zeitungm bet C:»mi.:alfäll«n daS Prädikat „Jude" beizufügm pflegm; „3ew. Mess." berichtet jetzt alS No mm, daß I ein Blatt erzählt Hab«: N. N., ein radikaler Jude, h«t u. f. w. j Man werde also demnächst auch lesm: Ein koscher effmder Jude. j Rachschrist. 25. Mai. Der „Israelit" hat inzwischm ein Schreibm der Alliance veröffentlicht, welche» «berfallS die j gcgm da» KönigSberger Eomitö erhobmm Beschuldigrngtn zurückj weist. „Jew. Mess." vercffmtlicht eine Eingabe de» ComitöS für jüdische Einwanderer i.i Newycrk, resp. de» Board of delegates, worin die StaatScommiffäre gebetm nrrdm, in dem Emigrantm-Depot auf WardS Island dm rusischm Ankömmlingen Uaterkommm und eine besondere Kühe nebst Geschirr zu bewilligm, Fleisch will das Eomite liefern. Mavor Hall hat zugesagt. Die amerikanischm Blätter bittm ptzt nur nock, doch nur Heute zu senden, welche arbeitsfähig fstd. Dies ist vernünftig; mögen die deutschen Comstös stren, sein und in dieser Hinsicht daS jüdische „Mitleid" nicht walte« lassm. Ein Blatt, weläreS bi» vor Kurzem die Einwanderung heftig bekämpft hat, ruft jetzt au»: „laßt unS nunmehr vergefm, daß sie unzeladm kommm, und nur daran den'«, daß sie Nitmmschm find, welche der Unterdrückung mtfliehcn". Brav» Gezm dm Ausfall aber, der dabei auf unS deutsche Jude« gemacht wird, bemerken wir: Glaubt ihr denn, liebm Brüder, 'aß wir die Russm, welche unsere Thürm belagern, einzeladm läbm? In London besteht seit längcer Zeit ein Taubst ummm- Jnstitut für jüdische Kinder. Dasslbe hat, besonder» durch und »ach Einführung de« Lautsprach »luterricht», glänzmd« Erfolge erzielt. ES wurde nun in Mitte de« Euratortum» der Antrag gestellt, auch Ehristmkinder aufzunehmm. Darüber entstandm heftige Debattm, und et wurde befchlossm, Schule und Gr» ziehungShau» in der Art zu trennm, daß erstere auch Ehrtstm aufnehmm, letztere» für die religiöse Ausbildung der jüdisch« Kinder ausschließlich bestimm» bleibm sollte. Mit diesem str alle Wege vernünfttgm Eomp'.omiß konnte man die Sache für erledigt haltm, wir sehm aber mit Bestemdm, daß die Polemik in den englisch-jüdischen Blättern fortdauert, und «vollm daher davon Notiz geben. Die langathmigm Eingesandt» bietm wenig Interesse. Au» Rumänien mdlich gute Botschaft. Zwar hat ei» von dem Erz-Judenfeinde Boliac gekettete» Blatt aufgefordert, zum Andenkm an dm glorreich« Tag von Tekutsch eine Medaille prägm zu laffm, aber solche WuthauSbrüche find unschädlich und zeigen unS zum hundertsten Mal, wie die» Rumänmgesindel noch unter dm AfchanteS steht, denn diese nmnm e» wmigstmS nicht ruhmvoll, wem« Hundert Einm mißhandelt habm. ES ist aber ein neue« Ministerium gebildet; daS Innere hat Spureano übernommm, ein Mann, der immer unerschrockm dm Judmfressern entgegmgetretm ist. „Revue JSr." bringt ein Telegramm au» Bukarest vom 15. Mai, wonach alle Verfügung« Cogolnttscheano'S in Betteff der Judm zurückgezogm find. Berichte und Correspondenzen. Deutschland. •II Werkt», 23. Mai. (Aus zwei Orig.-Eorresp. zusammm» gezogm.) Nach so manchem Unerftmlichm ist e« wohlthumd, auch einmal von einem schön« Fest« bericht« zu könnm. Sin solche« beging gestern der Verein HachnassaS-Kallah zur Feier seine» 150 jährigen Bestehen» (28. Jjar 5480 ---- 23. Mat 1720). Morgen» 11 Uhr war der große Saal der Gesellschaft der Freunde von dm Mitgliedern und geladmm Ehrmgästm gefüllt. Die Feier begann mtt einer herrlich« von Jstd. Rosmfeld coniponirtm Cantate, worauf der erste Vorsteher, vr. D. Eaffel, die Festrede hielt, «velche während einer Stunde die volle Aufmerksamkeit fesselte. Er sprach über dm Zweck und die Geschichte de» Verein», gab interessante Mittheilungm au» letzterer, characterifirte dl« ältestm auf Pergammt geschriebmm Statut« und die »erfchiedmm durch Zettverhältntffe und WachSthum de» Verein» herbeigeführtm Revision« und nammtlich die Namm der Gründer und hervorragend« Wohlthäter. Besondere Zustimmung fand der AuSspruch, daß die jüdisch, Wohlthätigkett praktisch die „Emancipation deS WeibeS" darin finde, daß sie fich bestrebe ihm zu seiner eizmtlichm Bestimmung, Mutter deS Hause» zu sein, zu verhelfen und dm Unbemittelt« dm Weg dazu zu eröffnm. Der Verein hoffe bald im Stande zu sei«, auch Mädchm au» der dimmdm Klaffe Hülfe zur Ausstattung gewähr« zu könnm"). Gesang schloß die Feier. Abmd» große» Festmahl, Gesänge, Tischredm und lebmde Bilder. ES war ein echt jüdffche» Fest, und al» Cantor Lichtmstein mtt sonorer Stimme da» Tischgebet sprach, da hörte man ein kräftige» Omen aut manchem Munde, der wohl lange nicht mehr da» Gebet ge» sprochm. Und doch sollte auch hier der Schattm nicht ganz fehl«. Manche wackere Mitglieder hattm sich der Theilnahm« mtzogm, weil der Vorstand de» Verein« e» für fett« Pflicht gehaltm hatte, auch da» Rabbinat einzuladm. Wir könnm die Einladung nur billig«, aber wa« find da» für Zustände, t« dm« solch« Demonstration« vorkommm könnm! •) «in tyir ta «tettt» vor 3 gmhren nttiMn HmhN^l^Aeret» (DtiOMi Mn herein in frtec Cttatn aaf§nummin. (IM.)

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