Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 22 (1.6.1870)
- Date
- 1870-06-01
- Page
- Seite 183 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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183 söhnliche Stimmung, die in dm Versammlung« waltete, mit sich hinausgetragen haben in feine Heimath, damit daß herrliche Werk immer «ehr Boden gewinne, immer tiefere Wurzeln schlage i» dm Gemeinden dedmtschm Israel, daß schon so viel für jüdische und allgemeine Cultur geleistet, aber noch unmdlich mehr leistm könnte, wenn eeinig wäre! Roch lange nach Schluß der Versammlung gab sich die gehobene Stimmung der Thellnehmmdm in Wort und That (t* fand« sich Zeichnungen von JahreSbetträg« auf 20 und lOTHlr.) kund; e« meldeten sich GlaubenSgmoffen aus Rußland, Ungarn, Frankreich, die sich als Mitglieder einzeichnetm. Unter letzter« -erfchim namentlich ein Mitglied deS Cmtralcomitö der Alliance nu« Pari«, Herr Abr. Crühangr, welcher Veranlaffung nahm, feine hohe Befriedigung über den Geist de« Gemeindebundes und ter Gemeinsamkeit mit der Alliance auSzusprechm, worüber er ta Pari« Mittheilung zu mach« sich veranlaßt sehen werde. Wochenbericht. (Schluß au« Nr. 21.) . Einen hervorragend« Akt der Wohlthätigkeit hat Herr Älb. Eohn geübt, indem er seine ganze reicht und auSgewählte Bibliothek dem Rabbinerseminar in Pari« bei Leb zeit« geschenkt» hat, er übernimmt zugleich die Kost« der Unterhaltung und Ergänzung, setzt für ein« Custo« derselbm eine Remuneration von 200 Fr. p. a. fest, welche er (Gott gebe v^) selbst zahl« und dereinst fundiren will. Der Brief ist ein herrliches Schriftstück, voll Liede zum Judenthum und seiner Lehre, voll Edelmuth und Zartgefühl. Sohn schenkt ja die hebräisch« Bücher «icht weg, wie da« wohl einmal geschieht, «eil er sie nicht gebrauch« kann! Seit Wo chm hättm wir dm Brief ge« wört» lich mitgetheilt — so geben wir denn wenigsten« davon Kunde. — Die Gründung der „erst« jüdisch« Blindmaustalt" in Wien, welch« 8. A. Frankl angeregt hat, ist wohl gesichert. Kaiser und Kaiserin bab« 2000 Fl. dazu gespendet, wie denn der Kaiser zu viel« jüdisch« Wohlthätigkeit«anstaltm nicht nur, sondem auch zu Synazozeadauten u. dgl. beigettagm hat; der letzte Bericht wie« nach ca. 60,000 Fl. Grundkapital, wobei 10,000 Fl. erstrr Fond« von Freiherrn v. Schey, ca. 2000 Fl. jährliche Beittäge und ein für 50 Zöglinge eingerichtete« Hau« mit Gart«, Geschenk de« Her« v. KönigSwarler. Und doch wird selbst diese großartige, gewiß herzerhebend« Großartigkeit noch überttoff«. Jüngst fand die Generalversammlung der L«dr. benevolent and Orphan asylum Society in Rewyork stqtt; e« wurde dabei hervorgehc-bm. daß sie die größte jüd. WohlthätigkeitSanstalt der Welt sei. Wir könnm'« »icht nachrechnen, Gott segne auch dm geringfügigst« WohlthätigkeitS- Berein in einem Dorfe! aber wir lefm, daß jene Gesellschaft ca. 52,000 Lollar» jährlich verwendet und unter anderm jetzt 198 Waisen erzieht, und so mag jene« Prädikat immerhin ge»> rechtferttgt sein. Wir reih« einige Sttftungm und Spend« von Einzeln« hier an. Unter dm an wohlthättgm Anstalt« und ömten besonder« hervorragend« Stadt« bezw. jüdisch« Gemeinden zeichnet sich bekanntlich von alterSher Hamburg au«. Auch in der jüngst« Zeit werd« von dort wieder große Legate anzezeigt. So von dem verstorbenen 0r. Ferd. Beit (nicht Beit, wie er in mehreren Blättem genannt war), von Frau Rosa Arnold-Hahn und R. Westphaleu. — Jgn. Deutsch in Pest Hai jüngst der Gemeinde Arad, wo er früher gewohnt hatte, 10000 Fl. zur Gründung eine« Waisenhaus« und 2000 Zl. zu andem Zweck« geschmkt. Äug. Furtado» Munizipalrath und stellvertretender Maire in Bayoune, hat der Stadt 18000 Fr. zur Erwerbung de« Platze« für ein Lyceum gegebm. Wohlthumd wird e« dem Leser sein, einmal von AuSzeich- Dlggen zu hör«, die jüdisch« Lehre« zu Theil geword« — rt ist etwa« äußerst Seltene«. 0r. Wilh. Stern, ehemalsicht« wechselt«, aber er wechselte «icht seine Gesinnung. Er schrieb und handelte niemal« gegen seine augenblickliche Ueberzmguug. Wmn er eine Zeit lang einer falsch« Philosophie huldigte, welche d« Mensch« zum Gott machte, so erkannte er später dies« Jrrthum ein und verspottete ihn gründlich. Seine ansdauernde Tr«e gegm Freunde, selbst gegm kalte und falsche Freunde, ja daß er überhaupt hingebmde Frmnde hatte, beweist, daß er »icht so selbstsüchtig war, al« man ihn verschrie«, und äl« er sich selbst in übermüthiger Laune gegebm hat. folg«.) Me Berliner Gesellschaft in den Kahren 1789—1815. Bo» st. Htllebrand. (Nach der „Revue de« deux «onde»".) (Fortsetzung.) Schleiermacher war, 26 Jahre alt, von seinem Schüler, dem Grasen Dohua-Schlobitteu, bei ihr «iugeführt worden (1794), und al« er zwei Jahre daraus al» Prediger an der Eharitö sich in Verl« dauernd »ushielt, knüpfte «r mit ihr jene lange Freundschaft an, die erst durch sein« Abreise von verlin gestört wnkde. Niemand glaubte dem vollständigen Platoui»mu» dieser Verbindung zwischen dem deutschen Philosophen und der schöne» Jüdin; aber die Beideu vertheidigte» sich immer mit Feuer gegen diesen Argwohn, der in der That al» nicht begründet erscheint» wenn man den Briefwechsel Schleierwacher'» mit Henriette und mit seiner Schwester sorgsältig studirt. Letztere war ihrer pietiftischeu Erziehung treuer geblieben al» er und war um da» Seelenheil ihre« Bruder« in dem neue» Babylon mNsomehr brsorgt, al« ihr sein Berhältniß mit einer Jüdin mißfiel. Er hatte all« Mühe der Welt sign beschwichtigen, »hu« daß e» ihm aber je gelungen wäre sie vollständig zu beruhigen. Anch seine Vorgesetzte» sahen diese» Berhältniß mit eine: Jüdin nicht gern und glaubte» die« dem jnnge» Geistliche» «tttheilrn zu Mn rieth ihm, Berlin «ns einige Z« gn verlasse». Mn sei wicht pedantisch genng, »» sich seine» Besnchen bet Inden za widerfetze». urid au», di« Eltern seine» Ebes» srll»ft seien sehr i«im mit M«ndel»sohu gewesen; aber dieser Lesezirkel mißfalle au maßgebender Stelle; wenn e» allgemein bekannt werde, daß der junge Prediger so ganz und gar in dieser Gesellschaft lroe, so würde da» bei t«n Leuten einen zu schlechten Eindruck hervorbrinzen u. s. w. Diese Bedenken scheint Schletrrmacher leicht au» dem Felde geschlagen zu haben. Nicht so leicht gelang e» ihm zweien Hau»> freuadeu dt, Ueberzeuguug beizubriage», daß seinem Verhältnisse zu Henriette weiter nicht» al» Freundschaft zu Grund« lieg«. Dieselben hatten au sich selbst viel zu viel Erfahrungen über dm Platoni»mu» eine» solchen verhältniffel gemacht al» daß sie nicht von sich auf Andere hätten schließen sollen:*) Friedrich Schegel g.hörte mit zu dem streife M Herz'schen Salon», und wenn er a»ch der Dame nicht forderlich gefiel, so machte er einen desto größeren Eindrtck auf die intime Freundin derselben, die «xaltirte und unglückliche Dorothea Beit, die älteste Tochter Meudeläsohn'». Sie harte von ihrem Bat» die sorgfältigste Erziehung genossen, aber er hatte den großm Fehler beßmgen, die Wohl ihrer Lektüre ihr selbst zu überlaffen, und fie hatte sich vorKglich auf die gefühlvollen Romane geworfen. Ihre von Natur «u» lebendig Einbildungtkraft war dadurch noch mehr erhitzt worden, und sie sah schon b sich die Heldin eine» sentimentalen Roman», al» der Vater sie zu kaum U Jahren an einen jüdischen Bauquier verheirathete, der alle Eigenschaften ehelhatte all di« eine» Romanhelden. Beit war weder sehr jung, noch sehr sdöu, noch besonder« geistreich; seine außerordentliche Herzen»gltte aber und (ein gesunder iSerstand zeigte fich erst nach längerer Bekanntschaft und konntialso seine junge Frau nicht entzücken. Bom erste» Tage an betrachtete ihn diese als» mehr al» einm väterlichen Frr'md den» al» einen heißgeliebten Eltten. Ihre überspannte Gestnnung ließ sie eme Leere empfinden, die fie inglücklich u>acht:. Trotzdem war ihre Ehe eiue friedliche und ruhige, wentMmäußerlich, bi» zu dem Tage, wo p« den kaum 25 Jayre altm wtd dich schon berühmten Schlegel sah. *) Wir übergehen dat ^leichzeing« verhtlmiß Schleiermacher'» mit Eleonore Gruuo« und seine Wrbiudnug mit Henriette von willich. Da» und manch«» Andere, da» wir «lasse», wirst zwar eia helle« Licht auf den damaligen Staud der Sittlichketth, Berlin und erklärt somit auch da» von den I>ch«» Erzählte; aber t* gehöh »och nicht eigenttich hierher. (D.Uebers.) (Schuß folgt.)