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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-05-25 · 21 (25.5.1870) · p. Seite 178

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
21 (25.5.1870)
Date
1870-05-25
Page
Seite 178 (sequence 6)
Language
German
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178 a nach unserer Ansicht bei dem nicht allzugroßen Berständniß, das seine Hörer zu den Dorlefunzen mitbrinzen, nicht allzuviel Gefahr zu befürchten hätte. Am schlagendsten zeigte sich feine Scheu vor regelrechter Ausbildung vor einigen Jahren bei Gelegenheit der Baathung unserer Kammern über oa» neue Wehr- Gesetz. Neben den protestantischen und katholischen Theologen nämlich sollten auch die jüdischen von der Wehrpflicht befreit werden; aber es fragte sich, da es keine jüdisch-theologische Fakultät im Inlaute gibt, auf welche Weile der jüdische Theologe sich als solcher answeisen sollte. Etwa durch das bloße Zeugniß eineS Rabbiner-, bei dem er „lernt"? — wie dies die Orthodoxen beanspruchten. Das wäre ungerecht gegen die Nichtjude« gewesen, deren Theologen sich die Berechtigung zur Immatrikulation durch Gymnasialbesuch erwerben müssen. Man nahm deßhalb bei den Juden noch die Beibringung eineS MaturitätSzeugnisieS als Bedingung hinzu — aber da hatte man die Orthodoxen an ihrer Achillesferse getroffen. Bisher war zwar das Gymnasial- Ablolutorium auch für den Rabbiner vorgeschrieben gewesen; aber man batte es durch Dispens umgehen können, wie ja vor einigen Jahre« ein Rabbiner in einem bekannten Badeorte sogar auch noch vom Besuch« einer Universität Dispens erhalten hatte. Aber nun stand zu befürchten, daß Mancher der Versuchung nicht werde widerstehen können und sich die Freiheit von der Wehrpflicht durch den Eintritt in ein Gymnasium und durch den Verlust seines Seelenheils werde erkaufen wollen. Ter elektrische Draht spielte, die Häupter der Orthodoxie, worunter auch Bamberger, eilten nach München, um durch persönlichen Verkehr mit den einzelnen Abgeordneten dieselben zu gewinnen; man scheute sich sogar nicht, um des hohen Zweckes willen, mit dm Ultramontanm und dem Bibliothekar Dr. Ruland von Würzburg, einem auszelprochenm Judmfeiud, sich zu verbiudm — vergebens! Unsere Dunkelmänner warm umsonst mit ihrm Plänm an daS Licht getretm, und das Recht trug dm Sieg davon. Diese Partei — ihr Führer findet vnbedinztm Gehorsam — ist fast die allein herrschende in Unterfrankm, welcher Kreis die größte Anzahl von Juden aufweist; in dm anderm Kreisen aber tritt sie nicht in so geschlosimer Masse auf, obwohl sie auch hier ziemlich zahlreich ist. Sie Hot die einzige rOT" des Landes, Würzburz, und ihr gehört das jüdische Lehrerseminar ebendaselbst, so daß sie bei dem Mangel an anderwärts gebilbelen Rabbinem und Lehrem in, Zunehmm bezriffm ist. Auch ihre Disciplin ist deßhalb eine musterhafte. Nur an der obern Donau ist eine Gemeinde, deren orthodoxer Rabbiner nicht unbedingt mit dm „Flazzellanten", wie man dort die Würzburger Schule scherzhaft nmut, zehr: Herr vr. Lob in Jchmhausen gehört zur deutschen Orthodoxie; denn er ist kein Bayer. Ueber die zwei anderm Parleim Hab : ich wmiz zu sagen, weil sie ebm wie gesagt eigentlich keine Parteien sind. — Die Reform hat mit Ausnahme der großen Städte wmiz bei uns Wurzel geichlazm, was sich äußerlich schon in dem allerdings nicht wesmtlichen Umstand zeigt, daß in einer einzigen Gemeinde (Augsburg) eine Orgel, resp. ein Harmonium, in der Synagoge sich befindet. Doch nt eine zweite Orgel-Synagoge im Bau begriffm (Nürnberg) und in einem dritten GottesharS (Fürth) ist Instrumentalmusik einzeführt. Ob dämm, wo keine Orgel ist, die Eeremonialgebote strenger beobachtet werden, ist eine andere Frage. Ein großer Theil der Judm Bayerns aber gehört der mittleren Richtung an; sie hängen am Judmthum und könnm 1 doch den Forderungen der Zeit ihre Augen nicht verschließen. > Nur Schade, daß sie bisher nicht geschlosim als Partei aufgetretm sind. Und deßhalb ist die „Jsr. Wochenschrift" hier zu Lande so vielfach mit der größtm Freude begrüßt wordm, weil man fühlt, daß von ihrem Erscheinen eine nme Aera datirm u>ertc, indem sie das einigende Band sein wird, das die Mittel- Partei zu segensreichem Handel« kräftigen soll. Vielleicht kann ich Jhnm darüber in Bälde Erfreulichemittheilen. Sesterreich. ptu der «nteru P*$um, VL 12. Mai. (Orig.-Correfp.) Nicht viel und nicht Biele» läßt sich heute berichtm. (St ist eine La Interregnum im Reich« da ungarischen Judmheit: die „Rechtgläubigen", gestützt auf die dogmattsche Begutachtung und gewiffermaßm auf die Approbation de» Unterhauses, geberdm sich „wie da Hahn im Korbe"; die Männa de» Fortschrittes lassen sich eben auch nicht leicht ein Bein stellm, und gestützt auf ihr verbriefte-, legitime» Recht, haltm sie noch den Zügel in der felbstbewußtm Hand, und gebm dm Boden noch lange nicht auf. Da» Parlament soll auf die uozweidmttgste Weise erfahren, daß jme 304 Petitionm, die ihm am 18. März als Grundlage einemotivirtm theolozischm Dekret» hahieltm, denn doch nur eiam sehr unansehnlichm Bmchtheil der öffentlichm Willensmeinung deS Ungar.-siebenbärgischen Israel» bildm — und zwar eine Willensmeinung, die da eine und da andere Präsul — verzeih, glaubensfester Leser! diese heidnische Anspielung, — vortanzte, und die hundert Audae in bacchautischa GläubigkeitSwuth nachtanzten. — Ihr Korrespondent ist zufällig Eina von dmm, die noch von frühm Jahrm ha jedes Fäserchen eineS organischm Gebildes erst unter daS ObjekttvglaS eines gutm Mikroskopes brachtm, ehe sie eS als feit accompli hinnehmen; und handelt es sich gar um „rein" und „unrein", um „koscher" und „nicht-koscha", — da nimmt er, Sie dürfen es ihm auf ManneS-Ehrenwort glaubm, die faupulöseste, mindestens dreiblättrige Lupe vor da» Auge — das rmp2 pp — und sucht, und sucht, bis a dm Blutumlauf in den Kiemen da winzigstm Fischchm und im Gekröse da niedlickstm Fröschchm klar und deutlich sich äuge» sehm hat. Sie Waden sich demgemäß wmig vawundan, wen» a bei seinem Rundgange durch den Wirrwaa jma famosm Petitionm sich beispielsweise bei dem Gesuche eina Stadt aufhielt— die man aus mehrfachm Gründen btora Ott (Mutter in Israel) zu nmnm berechtigt wäre, natürlich mit da gut geschliffenm Augenwaffe ausgerüstet, und dagestalt die 43 Unterschriften — da Gott da Schreibekunst wird nachsichtsvoll mir auch diese Blasphemie de- Wortes „Unterschrift" verzeihm — in näheren Augenschein nimmt. Himmel! was fand a da für Kuntnbunt von Schreibunfähigkeit und Blödsinn! Wie lebhaft fiel mir da ein, waS ich vor vielen, vielm Jahrm aus dem Munde Mannheimer'» an geweihta Stätte hörte, als a gegen die unbaechttgtm Angreifa aus dem Laga da Preßburger Dunkelmänner zu Felde ziehen mußte! Ich fand da Namm von Mmfchm — Gott verzeih' mir meine Sünde! — „die nicht werth sind dm Kanm zu ziehen mit Sand und Steinen zum Tempelbaue Jerusalem»!"— Und die geriren sich als Mandatare organisch vollmdeta, mustagiltiga Gemeinden in JSraöl, Mmfchm, die von Gemeindewesen und Gemeindeinstitutionm höchstens nm daSEine wiffm,— was freilich mit bluttger Schrift ihnm eingezeichnet steht auf Brust und Rucken und sonstigm oberen und untaen Extremitäten. — daß es in gutm jüdischen Gemeinden gewiffe Schlafstätten gibt, wo die Gemeinsamkeit künstlicha Jnsettenzucht in voller Blüthe steht. So sehm sie aus, die Männa der Dogmen, die von den Dogmen fortschrittlich gesinnta Judm so himmelweit verschieden sein sollen, so himmelweit verschiedm, — wie Magendorf von Arad! — Sie nennen sich mit knoblauchduften da Süffisance „Glaubmswächta!" Nun denn, wir wollen ihnen' die Versichaung geben, daß wir auch — wohl nicht viele — doch immerhin Einen Wächta habm, „der nicht schlummert, und da nicht schläft — den ewig wachen Wächter Israels!" Ja! dieser Wächta wird uns in Bälde dazu vahelfm, daß wir dm Nachteulen da Schomre hadath das Prophetmwort in die

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