Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 21 (25.5.1870)
- Date
- 1870-05-25
- Page
- Seite 179 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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179 Ohren schreien: „Wehe denen, die da machen da» Licht zur Finsteruiß, und die Finstern iß zum Lichte," — daß wir ihnen tüchtig auf die gänsefüßelustigen Finger klopfen, — daß wir — mit Einem Worte — ihn bannen, jenen Kakodämon der vaterländischen Judenheit — jenen "-np — jene» 304-köpfige Un« gethum au» dm Schlafstättm de» ungarischm Judmthum».. Sotles Waisenkind. Bon Leopold Kompert. Bmgeirageu i» der Gen»«lv»f»m«l»»g de« i«raelitischr» Waifrn-Vrrrin« zu Wien, am 24. April 1870» von Adolf Sonnenthal, k. k. Hosfchaufpirl».*) Wie friedlich liegt in stiller Ruh' da» Hau»! Geschützt, bewahrt vor Sturm und Wetterbrau»! Der Vater schafft, die trme Mutter waltet, Und selbst die Armuth, seht, wie fie entfaltet Um ihr Entbehrm einm Blumenflor. Da! plötzlich au» de» Schicksal» dunklem Sitze Sendet der Tod vernichtend seine Blitze . . . Tiefschwarze Nacht. Dann tönt ein Schrei empor! Wo ist da» Hau»? sagt an! Daß Gott erbarme. Ein Waismkind ringt seine zarten Arme! Wo ist da» Hau»? Der Schrei schrillt fort und fort, Tönt mächtiger wie lautm Donner» Wort! Und rastet nicht ... Da kommm lichte Botm» Geleitm ihn vom Hau» de» Mm Todtm Und tragm ihn hinan zu Gotte» Thron! „Der Du aus freiem Felde nährst die Rabm, ,X> Herr! dort untm ward ein Mann begrabm . . „Für immer ist de» Vater» Licht entfloh'n; „War thust Du. daß e» einm Gleichm finde, ,,Wa» thust Du, Herr, mit diesem Waisenkinde? Und stille wird'»! Der einst so furchtbar klang, Entsetzlich klagmd durch die Wolkm drang, Dm Einlaß sprmgend an de» Himmel» Thorm . . Der Schrei de» Kinde» hat fich längst verlorm. Ward stumme», heiße» Dankgebet! Do sturmgebmgte, arme Mmschmblüthe, Gefunden ist, daß er Dich trm behüte, Ein Wächter, der in Gotte» Diensten steht! Ein Wächter und ein Held unüberwindlich, Und wieder auch so mild und unergründlich. Vernichtet ward da» Hau», de» Blitze» Raub; Der Vater ruht im kühlen Erdmstaub . . . Zn Schutt und Moder ist der Bau zerfallm. Doch wunderbar! e» steigm nme Hallen Au» dm geborst'nm Trümmern auf! Nun ist dein Haupt, du müde» Kind, geborgm, Zn deine Augen lacht der junge Morgm, Nun erst beginne muthig deinm Lauf! Denn der dem Feld' schickt Thau und warme Winde, Er schickte Labung seinem Waismkinde, Und der die Rabm letzt auf wüster Flur, Dem Würmchm zeigt der kargm Nahrung Spur, Da» Dögelchm auf seinem Flug begleitet, Er bat, der Herr . . da» Mmschmherz besaitet Und e» erklingt in seiner Hand! *) Bgl. Kt. 19 d. «l.» S. 162. Er hat'» bestellt al» seinm liebstm Botm, Der wandelnd zwischm Lebendm und Todtm . . Zn ttmer Wacht behüt' da» theure Pfand! ErbarmungSvoll die nme Heimath gründe, Und Vater fei dem armen Waismkinde! Notizen. r« gehört ohne Zweifel zu den Aufgaben eine« jüdischen Blatte«, von dem geistigen Leben und Streben der Jaden, wie e« fich in ihrer Tage<- presse «wfpricht, stand« zu geben. Aach die Poesie, auch di« Reime find z» beachten. Wir «heilen daher e>ae kleine Probe au« den für die „Deborah" eigen» gedichteten, in jeder Kummer erscheinenden Poesien mit. oder das Kofi der «»gesäuerte« Arade. Bo» M. Löb. „Mose«! Mose«!" so rief laut au« Feurrschlünden Der Bott J«rael'« den erschreckten Dien« an, ,,$är’, Freiheit sollst meinem Bolle du verkünden, Auf. breche der Freiheit durch harte Knechtschaft Bahn! Dem König Pharo sollst J-rael du entreißen — Geh', sage ich — Lheje — HL«' e« dich geheißen." Wenn noch heute im heiligen Freiheittkampse De« Feinde« Feuer wie wüthend lo« aus dich bricht, Trotze Bomben, biete Trotz dem Pulverdampfe, De« Geschütze» Getöse erschrecke dich nicht. Du siehst ja, au» de» Dornbusch'» lodernden Zweigen Will die edle Freiheit selbst ei« Gott dir reichen." Da» Gedicht ist, wie wir gern hiuznsetzeu, übrigen« ganz gut gemeint. — Ja demftlben Blatte fordert der Herau«geber, vr. Wisr, un« »ad „unsere wochenschristlichen llollegen" auf und gibt un» rin Jahr Zeit, die in seinem Buche .^vrigin of Lhristianity" ausgestellten Beweis«, daß Acher und Paula» identisch waren, zu widerlegen. Al» Gratitbeilage zu dies» Aufforderung dient eine Reihe von — Höflichkeiten. Hat Jemand Lust diese Arbeit zu ltbernehmen? Fern» belehrt un» derselbe, daß der Minhag Amerika von ihm, Kalisch und Rothenheim im Jahre 56 begonnen wurde. — Die .,Rev. J«r." berichtet üb» ein Werk de» Herrn Thoniffen, Pros, au der lach. Univ. in Löwen, „Etndes gar l'hirtoire da droit eriminel des penple* an dem“ (Indier, lkgtzpter, Juden). Da» Buch ist nach dem in jen» Rezension Mitgetheilten sehr beachtenrwerch, hebt die Borzüge de« mos. Gesetze« hervor und würdigt auch dir B»dienste der Radbin». Literalurbericht. c£o»f, Prof. vr. M. A., Siegel und Gemmm mit aramäischen, phönizischm, althebräischen, himjarischen, nabathäischm und altsyrischen Jnschriftm. Mit drei lithozraphrrtm Tafeln. Bre»lau 1869. Schletter'sche Buchhandl. Gr. 8. IV n. 55 S. Der unermüdliche Forsch» auf dem Gebiete semitisch» Lpigraphik bietet hi» mit der Erklärung theil» neu m itgetheilt», «heil« schon erfchieue- »« Siegeln und Gemmen eine um so intereffantere Bereicherung der semitischen Schristkaade, al« jene in ein hohe« Alter, zuweilen in» achte vorchristliche Jahrhundert hiuaufragea. Für den jüdischen Les» dürfte besonder« d» dritte Abschnitt anziehend sein, da » mit seinen althebräischen, «eist in die Zeit de« ersten Tempel» gehörenden Inschriften und den fie begleitenden Abbildungen von Götzen gleichsam Augenzeuge» jen» Periode religiösen Berfalle« stellt, in der die großen Propheten geeisert haben. So nemtt fich z. B. ein J»raeltt nach dem moabitischen Gotte Kemosch (S. 43); eia anderer K»meGadmelek(S.44) ist „eine erwünschteParallrlleznBaalgad lIos.II,>7)“. Auch die ersten zwei Abschnitte liefern manchen schätzbaren Beitrag zur Sprach- und Bibelkunde. D» Stamm ro, gewöhnlich von xijpöes» abgeleitet, erweist fich al« entschieden semitisch (S. 10); der Käme de« ersten Richter«, Othaiel, findet (S. 14) ein Analogon; S. 28 biete« eine Parallelle zu toi (Jesaia 9, 5). — Besonder» scharfsinnig ist die Entzifferung ein» zweisprachigen Siegellegende (S. 19 f.). — st. Briefkasten der Redaetto» ll. iu b. Die Konz ist interesiiiut, ab« bereit« längst von einem jüd. Bl. abgedruckr. — W. in A. Für Ihre Sendungen danke besten«, wenn auch letzthin nicht Alle» benutzt >o»den konnte.