Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 21 (25.5.1870)
- Date
- 1870-05-25
- Page
- Seite 176 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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176 durch Bettler, von einem Abwälzen der Last auf andere Schultern gar keine Rede sei, daß Amerika ja noch Raum genug «nd für Hände auch Arbeit habe — immer häufiger uns entschiedener protestirte man von jenseit»: „d find schlechte Zeiten hier, es gibt hier schon darbende Handwerker genug, diese Pol« voller, doch nur peääleu, wir wollen sie nicht haben!" Inzwischen waren auf erzene Hand, einzeln und truppweise. Russen ao-gewandert und mögen allerdings in den Straßen von Newyork höchst unerauickliche Scenen aufgeführt haben. Der Board of delegateg lehnte entschieden ab, man wolle Unterstützungen senden, aber keine Auswanderung. Es ließen sich aber auch einzelne Stimmen, befördere aus Ealifornien, vernehmen, welche freundlicher klang« und zur Einwanderung ermuntert«; doch da hieß es wieder: „das ist der Mangel an Einhest, an dem wir leid«, Unberufene Verderb« «aS unsere Vertreter gut gemacht Hab«, und schon kommt eine erste Schiffsladung voll Bettler, dm« man, hört! nur zwei Thaler pro Kopf mttgegebm hat — Wir können und wollm nicht läugnm, daß wir die amerikanisch-jüdisch« Blätter oft mit großem Unwillm gelesm Hab«, die Engherzigkeit hatten wir nicht erwartet. Sind denn diese «sfisch« Judm euch nicht ebmso nahe verwandt wie un», und ist eS nicht eine gerechte und vernünftige T Heilung der Last und Arbett, wenn wir sie nach Amerika send«, auch noch etwas Geld — nicht zwei Thaler, aber auch nicht 506 Dollars, wie in einem Blatte gefordert wurde — darauflegm, und ihr dann weiter für sie sorgt, nicht um sie in Armmhäusern zu füttern, sondern um ihn« Arbeit und Brod zu verschaffen? Tausende Ouadratmeilm Land find drüben zu bebau«, Hunderte von Weil« Eismbahn herzustell«; find denn die russischen Judm nichtsnutziger, al» die Million Irländer, die, nach Amerika auSgewandert, Brod gesund« Hab«? Wir hattm oft zornige Worte in der Feder; nur Hab« sie unzeschrieb« gelafsm oder bei Seite gelegt, wir dacht«: „laßt sie auStobm". Und siehe da, al» das erste Schiff von Hamburg avifirt war, da ttat die gute jüdische Natur in ihr Recht, wir vernehmm nun kein Wort mehr von Zurückfchickm uns dergleichm, sende« einstimmig heißt es: „sie sind nun einmal da, jetzt müssen wir freilich für sie sorgen". E» werd« Meeting» über Meeting» gehaltm, man wählt Eomits», Governor Salomon schreibt an Wolf, daß er die Ruff« in seinem Territorium unterbring« wolle, man macht Vorschläge verschiedmer Art —. E» werd« dazwischen auch Alarmberichte verbreitet, z. B. „daS Königsberg« Comitö hat noch neun Schiffe gemiethet, um Ruff« zu ttansportir«!!" aber man zankt und droht nicht mehr —. „Behaltet das Geld, welches für Rußland gesammelt ist, hier!" ruft „Jew. Times". Nun daS ist ganz natürlich, ihr sollt nicht doppelt geben. Wendm wir uns nun zu dem Könizsberger Haupt-Grenzcomits. Daffelbe hatte seine Thättgkeit begonn« und im erst« Quartal d. I. 431 Person« wegzesmdet, davon 315 nach Amerika'). Da erklärte Herr Silbermann in Lyck, Red. des „Hamaggid", lein« Austritt auS dem gmanntm Comitö und erhob gcgm daffelbe schwere Anklagen. Wir unterschätz« weder die Person noch die Wirksamkeit de« Herrn Silbermann, aber wir Hab« bis h«te über die Sache geschwiegen, denn wir mein«, daß für eine Zeitung noch weit mehr als für ein« Privatmann der Satz gelte: Du sollst nicht üble Nachrede verbreit«, Böses nicht eher weiter erzähl«, als bis eS bewies«, und zum Mindest« auch der Angeklagte gehört ist. Mögm Andere anders denk«. Der „Jsraeltt" berichtete in Nr. 18: „Das Könizsberger Comite bat ca. 40 junge L«te bei christ- »1 Der Bericht sagt „m'S Ausland"; die übrigen 116 Personen waren nntergebrachl in re»p. von UönigSberg 19, Memel «3, Berlin SO, Pari« «, »nd zwar meisten« al« Handwertllehrlinge, Schüler und Stndireude. lichen Meiste« in die Lehre gegeb«, bei d«« sie am Sabbath arbeiten müffm"; der Redaft«r deckt sich damtt, daß er die Verantwortlichkeit für diese Mttthoiluag dem Eorrespondentm überlaffe — aber Herr Silbermavn hatte in seinem Blatte, welches damals schon vorlag, selbst nur von einem Lehrling geredet, den jemand am Sabbath habe arbeite« sehen, und hatte auch erwähnt, daß in d« Lehrcontraft« mtt christlich« Meiste« allerdings sttpulirt word« sei, di« Lehrlinge dürft« zu keiner Arbett am Sabbath angehaltm «erd«. — Es find auch, wie wir zuverlässig erfahr«, nur sechs Knabm überhaupt bet christlich« Meiste« in Königsberg «ntergebracht. Also Uebertreibung und falsche üble Nachrede. Was aber die im hamaggid" sonst noch erhob«« Anklag« betrifft, so Hab« wtt auch darüber erst Nähere» von der ander« Sette hör« wollm, ehe wtt uns zum Verbreit« derfelb« hergebm konnten. Wft erfuhr«, daß die Angelegmheit in loyaler Weise dem Emtral-Eomitö der All. Jsr. Univ., als deffm Mandatare die Königsbergerhandeln, zur Enffcheidung vorgelegt sei, und glaubt« nun umsomehr schweigen und abwartm zu müffm. Wtt erhalt« jetzt Abschrift eines Schreibens vom Central-Comit» in Parian da» Könizsberger Comitö, lautmd: Pari», 6. Mai 1870. Wtt Hab« Ihr geehrte» Schreib« empfang« und find glücklich, Ihn« die Befrttdizung aussprech« zu könnm, mtt der wir eS gelesen Hab«. ES scheint in der That auf die paffmdste und tteffendste Art dem größt« Theil der von Her« Silbermann erhoben« Anklagm zu begegnm, und wir sehm mtt dem größt« Vergnügen, daß das Königsberger Somit» nicht» gethan hat, was dm Erfolg seine» Werkes schädigm und da» Mißtrauen einiger GlaubmSgenoff« in Deuffchland und Pol« rechfferttgrn könnte. Wtt werd« demnächst verfchiedme Aftmstücke über diese Angelegmheit dm Lese« verleg« könnm, damit sie selbst sich ein llrtheil zu bildm im Stande sei«. Die Unterbringung von Waism au» Rußland hat beretts begonnm. Von Paris au» werd« von verschied«« Gemeind« und Privat« AdoptionSanerbietungm gemeldet — darunter von Rostock m Rusfie! — ebmso werd« von Königsberg aus die Gemeind« Crefeld, Cöln (sechs) u. a. namhaft gemacht, welche Waism annehmm wollm. (Schluß folgt.) Berichte und Correspondenzen. Deutschland. ' Hterki», 15. Mai. (Orig.-Corresp.) Wie ich Ihn« beretts berichtet, hat sich hier eü, „Verein für palästinensische Angelegenheitm" gebildet. Am 12. d. M. fand die 2. Generalversammlung statt, in welcher nach eingehender DiScussion die Statut« festgestellt und hierauf drei Vorsteher für die Verwaltung de- VereioS gewählt wurdm. ES fiel die Wahl auf dtt bis dahin interimistisch fungttenden Vorsteher, nämlich E. Wende, vr. Hildesheimer und M. G. Lewy. Der Verein will auch zugleich dm Cenrralpuntt bilden für alle die Zweigvereine in dm verfchttdmm Gemeind«, durch der« mg« Anschluß der hiesige Hauptverei« im Stande fein dürste eine segmSreiche Thättgkeit zu entfalten. — In der ersten Hälfte des MonatS Mai war in außergewöhnlicher Weise die Sterblichkeit innerhalb der hiesig« jüdisch« Gemeinde eine bedmtende. Man zählte heute berett» die 47. Leiche; hoff« wir, daß JTjn in der 2. Hälfte de» Monats sich'S wieder ausgleichm wird. 8 Briefe aus Zterk«, V. (Orig.»Corresp.) In meinem jüngst« Briefe habe ich Ihn« näher nachgewiesm, wtt mit de« Tode de» ehrwürdig« Rosenstei« dtt jüdisch« Gemeinde m religiöser Beziehung vollständig verwaist wurde. Der größte