Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 20 (18.5.1870)
- Date
- 1870-05-18
- Page
- Seite 170 (sequence 6)
- Language
- German
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- 170 nie gegeben. ES wird doch niemand versucht sei», da» Karäer» thum oder gar den Berliner Reformverein, Holdheimi'ch-unselige» Angedenken», in die Parallele htneinzuzteh«,? Und der Ehillul haschem ist doch so trostlos, so himmelschreiend! Ich breche ab, ich muß abbrechen, soll nicht statt echter Eopirtinte lautere» Gallenpizment mir au» der Feder fließen, und da wir, einer frommen Sitte Rechnung tragend, nicht gern« in unseren Lektionen mit Bösem oder einer schlechten Verheißung endigen, so will auch ich mit einem freundlicheren Bilde schließen. Sie kennen wohl sicherlich die diesjährige Pesach-Predizt unsere» wackeren vr. Kohn in Pest! Kann man in maßvoller« und dennoch durchaus männlich« Wort« ein« entschiedene Antwort fordem auf die Lebensfrage, die Heuer thatsächlich die orimtalische Frage de» Ungar. IudenthumS ist: „Gehörst du zu un», oder zu uusem Gegnern?"* * ***)) —läßt sich wohl sinniger und tiefinniger da» schlichte Bibelwort an die btttertrübm Verhältnisse unserer heimisch« religiös« Wirr« anlehnm, als e» in diesem nur zu kurz« Kanzelvortrage geschah? Ich empfehle ihn jedem, dem di« Gegenwart unsere» Stamme» am Herz« liegt und dem die Zukunft de» ungarisch« I-rael nicht gleichziltig ist — jedem, der da fühlt, wie wehe eS thut, mit Mensälen rechten zu muff«, die, alles RechtSbewußtieins baar, in blindem Eifer hinstürm« und nirderreiß« waS immer ihn« im Wege steht, und war' eS noch so hellig und unantastbar. WaS ftir ein« Heilplan die DistriktStherapie einzufchlagm beabsichtige gegm „die Schäd« und Riffe des HauseS" von jüngsthin? Der Allwissende weiß e». Dir Menschenkinder wissen e» nicht. Nun, radikale Kuren be» dürfen, wie bekannt, der gründlichstm Reinigung der sogmanntm erst« Wege, und diese Wege sind etwas langgestreckt. Auf fröhlichere» Wiederseh«! H. 6. Mai. lOrig.-Correip.) DaS Präsidium der iSr. CongreScommission versendet beute au zahlreiche Rabbiner und Gelehrte deS Auslandes ein Eremplar der Eongreßftatuten, begleitet mit einer kurz« Auseinandersetzung über dm Stand de» Streites und dem Ansuch«, die Statut« zu prüf« und ein Gutachten darüber abzuzebm: I) ob diese Statut« nme religionSgesährliche Lehr« mthaltm. oder überhaupt in irgmd einer Weise gegm die herkömmlich« Satzung« verstcßen? 2) ob diejenigen, die sich auf Grund dieser Statut« bereit» constituirt Hab« oder noch constituir« werd«, wirklich als aus dem Verbände deS bestehend« IudmthumS ausgetreten zu betracht« sind und eine n«c jüdische Sekte bilden?") A. Hfrag, 8. Mai. (Orig.»Corresp.) Der AuSgang de» Pesachfeste» hat h«er in Prag traurige Eriuneruugm zurückgelaff«, die CultuSzemeinde hat unter viel« Verlusten, die der Tod ihr zuzefügt, drei sehr schwere zu beklagen. Am Rüstragt zum zweiten Pesachseste <21. Sprit) starb Fra» Theres« Diener, geb. v. käniei, im 75. Lebmljahre. Sie schloß fty jenem Kreise hochgebildeter Frauen an, der Aufklärung mit Judevthum so schön zu ver. einige» wußte. Frau Wiener hing der väterlichen Religion, wenn auch bei freierer Leb«»richtung, mit inniger Ergebenheit an, war nicht «ur unermüdlich im Wahlthun, souderu auch stet» daraus bedacht durch ihre Wohlthat« geiste». bildend und herzveredelnd zn wirken. In ihrem Testamente hu sie 60,000 fl. zu einem sür Srmenwohnungen bestimmten Hause au«gesetzt und 10/100 fl. zur Juflandhaltuug desselben, außerdem 1 Ii,CX 0 fl., deren Zinsen zur Sutstarwng armer Bräute verwendet werden sollen, und noch eine ganz« Reihe von Legaten. Am Sonntage nach dem Fest« sand ihre Beerdigung unter saft allgemeiner Betheüigung statt und sprach vr. Stein warme Worte an ihrem Grade—). *) Dir Predigt: „Wal Hab« die jüngsten Borgänge innerhalb der ungarisch« Judenhert zu bedeuten?" liegt un« vor; der oben citirte «er» <aa» der Haphtora) bildet den Text. (Red.) —) Wir find mit einem solchen Schreiben beehn worden; e« will un» jedoch aus den ersten Blut bedünken, al» ob die Frage so nicht ganz zmreffend gestellt sei. (Red.) ***) Dies« Grabred« liegt un» gedruckt vor, «»»gezeichnet an Form und Inhalt, gibt sie auch dem ganz Fernstehenden ein Bild der T-erstorbenen, »m fiebenten Pesachtage was di« Trau«rt»tschast in Prag ein» daß Pros. w. Wessel, am «bende vorher in Dt« pldtzlich verschieden sei. I» seiner Stellung al» Universttät».Pr»ftfsor der erst« und diel« Jahre htndnrch »er einzig« Jude, war er sch« al» solcher der Stolz der Prager Gemeind«, aber auch al« Mt^lied der Kox«fnita»|, al» Präse» de« «amilö« sür Tatmnd Thora, al« Mitglied vieler, reiigilis« und human, Zweck« anftrebmder Verein« hatte er große Verdienste «n dieselbe. Schwer war e» daher, dieser Traue» kund« gegenüber die Feststimmung noch aufrecht zu erhalt«, «us dem Wiener Friedhofe veranstaltete die jüdisch« Gemeind« am Sonntage nach dem Feste «tu« Trauerseieriichkett, bet »elchkr der Gemeindeprediger vr. Jellinek dt« Red« hielt und «»her mit dem Ghorr dt« Trauergesäug« aulslthrte. Montag kam di« Leich« in Prag an, wo sie mit den von Seit« der Universität ihr gebührenden Ehrenbezeigung« uud unter vetheillgung der gesammt« Präge» Jntelliqmz aus den tsraelitischm Friedhof zu Dolschan übergesühn wurde. Dort hob vr. Stein in einer länger« Red« die Verdienst« D.'» um dt« Wissenschaft, um di« jüdisch« Religion »ad die seine» Privatleb«» hervor, woraus der Gemeinderabbiner AVer «och i» kürzerer Red« sein« Gtastnß aus jüdisch« Studirrnd« rllhmlichst erwähnt,. Am Sabbath, »«gO.April, verschied Herr Joses Hirsch i« After von 76Jahr«, eine vereinzeltt, wenn nicht gar einzige Grscheinung au» einer srüher sehr zahlreich« Klaffe von Prager ülemeindemitgliederu, welche al« Privatleute de« Thorastudiu« ein« beträchtlich« Theil ihrer Zeit widmet«, bei ihm «jn Drirrchtil; «io andere» Drtmhet ward« von ihm al« Vorsteher de« jüdisch« Ho»pital« der Ar»«- »ad Krankenpflege und da» letzt« DriMheil seine« Geschäft gewidmet. Sein einziger Sohn war ihmi« Tobe voraagegaogen» fein Schwiegersohn, Landrabbiner vr. Hamburger in Emd«, war zur Beerdigung zu erschein« verhindert, dageg« war schga vor seinem Sblebm eia Enkel, der al» Zögling de« Seminar« in Vre«lau ««Ute, hi« angekoinmm. Derselbe sprach am Grabe seine» Großvater» tief ergreif«»« Wort«, nachdem sch« vorher aus dem vadhofe Herr Gemetnderabbiuer Adler eine Red« gehalt« hatte. So ging der Erlösungßmonat für unsere Gemeinde recht traurig zu Ende, möchte ich bald Freudige» au» derselben berichten können! Uumänie«. * HSerknd, 2. Mal. Sine Korrespondenz von diesem Datum berichtet unS über die Scenen in Tekutfch Detail», welche mit dem in vor. Nr. abgedruckten Briefe wesentlich übereinstimmend und verbreitet fich ausführlich über die jede» jüdische Herz be» trübenden und empörenden Schändlichkeit«!, welche von de» Barbaren an den zerrissenen und auf die Straße geworfene» Thorarollen verübt sind. Wir geben nun auch den Bericht au» dem „Rumän. Moniteur": S« griechisch« Ostersonntage, t« 2». Sprit >b«d», kam« mehrere Griech«, vi« in Tekutfch wohnhaft sind und sich d« Tag über vergnügt hatte«, in ein« Louditorei, wo sich bereit« einige Jlraeüten besauden. Ein, wie e« scheim, abflchllich gesuchter Streit entspann sich »wisch« eine« der Snwesmd« und.einem der Nmangekommruen. Bald'wurden all« handgemein »ad der Kamps setzte fich auf der Straße dergestalt fort, daß dt« Griech« in die Wohnung« und Läden der Ilraelitm drang«, die darin enthaften« Waar« a»>s di« Straß« warfen und schließlich auch di« Synagoge verwüstet«. Jn Tekutfch warm an dem Tage nur 15 Dorobanzm (Gentdarm«). Al» dieft di« Ordnung wieder herstell« wollt«, ward« st« durlb »« mit Messern» Knütteln und Revolve« bewassuetm Pöbelhaus«, der zumeist au» ft emd« »um Feste nach der Stadt gekomm«« Eismbahnarbeite« bestand, znrllckgetrieb«, so daß die Behörde Militär reqniriren mußte. Um 10 Uhr verlies fich dt» Menge von selbst. Am Montag Morgen tras von Furcmi ein« Truppeu-Abtheilung von 60 Mann eia; dt« an» Fotschan ebeasall» commandirte Compagnie tonnte, weil der Sereth ««getreten war, nicht bi» Tekutfch gelangen. Am Abende ging der Lärm von Neuem lo«, da inzwischen von d« Rädeltsührnn keiner zur Haft gebrach« wvrdm war. Die 60 Mann hatten kein« Befehl zu schieß«, vermocht« daher nicht» au»zurchtm und mußt« abwart«, bi» di« Masse fich von selb«« verlies. Drei von ihn« ward« verwundet; von den Ilraelitm hat aber kein einziger leiblich« Schad» gmomm«. Die Umersuchung hat ergeb«, daß dir Ruhestörungen vorbedacht und durch einige Frmnd« im Verein mft einheimisch« aber im Land« nicht» geltend« Ransbold« aagezettelt ward« stad. Die Regiemag hat sosort Trupp« au» Galatz nach Tekntsch beordert, um die rohe Land«, di« mehrere Hundert zählt und bewaffnet ist, in Respect zu halt« und die weitere «utbreiwng der Epceffe zu verhüt«. Am Dienstag traf die Compagnie au» Fokschan ein und nahm die Rädeltsührer, <0 an der Zahl, in Haft. welche» mit Berehmng erfüllt. Kinder und Enkel hinterläßt. wir ersehen daran» auch, daß Fm» w. (Red.)