Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 20 (18.5.1870)
- Date
- 1870-05-18
- Page
- Seite 168 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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168 einiger Zeit in den Zeitungen von sich reden gemacht hat, well die preußische Regierung vergebenseine Sn-liefernng gefordert hat. Heppner bemüht sich in jener Broschüre, mitunter in ziemlich drastischer Weise, für die Wahl Geigereifrig Propaganda zu machen. Je' mehr der Ton dieser Schrift geeignet war, bei größerer Verbreitung den mißliebigsten Eindruck zu üben und gerade da- Gezentheil .ivorznrnfen von dem, wasie eigentlich bezwecken wollte, deft. mehr beeilten sich die Spitzen der sogenannten Liberalen, die ganze Auflage der Schrift anzukaufen und noch am Vorabend der Wahl in die Stampfmühle wandern zu lasten. Einige Eremplare sind aber glücklich gerettet worden; zwei derselben find in mein« Besitz übergegangen, und ich bin daher im Stande, Ihnen Einigehieranmitzutheilcn. Heppner mahnt an die große Wichtigkeit dieser Wahl, well ejetzt vorzüglich darauf ankomme — ich citire wörtlich auder Schrift — .endlich die schon so »ft vergeben» angestrebte Saht-teiger» duntznfttze». Dran «an braucht einen Mann, der nicht blost sreistnaig ist »er Theorie nach, sonder» anch in der Praxi», eine» Mann, der dnrch sein eigene» Leben zeige, wie man Jude sei» Straf, ohne sei» Menschenthma darum zu opfern. In seinem Epoche machende» Serke „Urschrift und llebersetzuugen der Bibel" hat er unter Benutzung der früher von christlicher Seite gemachten biblischen Forschungen nachgewieseu» dadie sogenannte» fünf Bücher Most» keinelweg» vollständig an» eine« -inst« seien, sonder» daan dem ursprünglichen Serke tausend unnütz« Hände gepfuscht haben. Daß Beiger nun, nachdem er die Autorität der Bibel bekämpft hatte, auch die relativ« Bedeutung de» Talmud» betonte, versteht sich von selbst und ist an» den in de» verschiedenen Jahrgängen der erwähnten Zeitschrift «thalteneo „bibelkritische» und talmudischeu Miaeellen" ersichtlich, wie an» seinen praktische», reformawrische» Bestrebungen. Da- Beiger in der Praxi» nicht vollständig seiner Theorie nachkommt, daß er als» die Reform »ich« so weit auädehnt, wie man von seinen Anschauungen erwarten sollte, . da» kommt daher, daß er, wie jeder vernünftig« Reformator, nicht Alle» j auf einmal über den Hansen stürzen will, sondern de» Bewohnj hefte» und Bedürfnisse» der Zeit billig« Rechnung trägt und die Rrfmmatio» schrittweise vollzieht. I» dieser Beziehnng muß man eine» kleine»Unterschied machen zwischen de« praktischen Rabbiner Beiger und dem theoretische» Belehrten Beiger." Sic werden an dieser Probe sattsam erkennen, wie Heppner richtig und getreu den modernen Leon de Modena konterfeit hat. Doch ich habe Ihnen ja nach dieser Richtung hin in meinem zweiten Briefe (s. S. 135 d. Bl.) nähere Data über den Doppelgänger Geiger bereit» gegeben; ich verlasse daher diese» Thema und gehe dazu über, die Geschichte jener gewaltsamen und unerhörten Thatsachm, welche ich in meinem ersten Briefe angedeutet habe, einzuleiten. Die sogenannten Liberalen gingen mit einer ganz unbedeutenden Stimmenmchrhett al» Sieger au» de« Wahlkampfe hervor. Man hörte deshalb im Anfänge vielseitig, daß die Gewähltst mit Rücksicht auf die so bedeutende Minorität und dem im Wahlprogramm gegebenen Versprechen gemäß Recht und Gerechtigkeit werden walten lassen und nicht noch ferner einen Gewissenszwang durch die Berufung einezweiten Reforrn» prediger» «erden au-üben wollen. Aber gar zu bald zeigte sich, wie diese Hoffnung ein leerer Wahn fei, ettel und nichtig, bestätigte sich'» vielmehr» daß die Gegner einig darin seien, den Kvß vollendauf den Hals der Besiegten zu setzen. Am 14. Januar 1869 war daletzte Mitglied de- Berliner Rabbi» natzu einem besseren Leben sanft entschlafen; ein Schlaganfall hatte dem segen-reichen Leben deehrwürdigen Elchanan Rosenstein ein Ende gemacht. Vor dem Leicheubegänzniß am 17. Jan. hielt And die Trauerrede in der Synagoge, sie war zugleich die Grabrede für die jüdische Gemeinde Berlin-, soweit sie bi» dahin noch in ihren Institutionen bestand. Da- Herz blutete mir, und gleich mir so Bielen, Vielen, ale» Aub wagte, vor der heiligen Lade, im Angesichte der dichtgedrängt« Mmge, von dem geg«seitig« amt-brüderlich« Verhältnisse, von Htllel und Schammai zu sprech«, sogar e» wagte, ein« Stein auf d« Sarg de- Berstorb«« zu werfen, indem er behauptete, mau sage dem Verewigt« nach, er habe den Arm« nicht genug ge« spendet. Waaber der sckige Rosenstein auch nach dieser Richtung hin in der rühmlichsten Weife gethan hat, verkünd« beredtere Thaten als der beredte (?) Mund Aub-, verkünd« so viele nothleidende Gelehrte, bedrängte Arme, Witt»« und Waisen, dm« der Selige so geme, nach Kräften und Umstand«, oft «migstm» mit einem Rathe, in der liebreichst« Weise ertheilt, fördernd zur Hand gewesm ist. E» gilt Zmgniß abzulegm für ein« aufrichtigen jüdischen Gelehrt«, der berett» im Lande der lauter« Wahrheit lebt, und da sage ich Ihn«, damir Sie Gelegmheit nebmm e» in wettere Kresse zu bring«, daß ich e« au» dem Munde de» edl« Dahiugeschiedm« in zufälliger Weise erfahr« habe, wie er in dm letzt« Jahr« seine nicht unbedeutende Einnahme für di« Assistenz bei dm jüdisch« Eiden an Arme zn vertheilm pflegte. Rosmstein war todt, Aub ttat nunmehr auch da-Rabbinat an. Der Mann, der, wollte er ehrlich und aufrichtig Gott und Mmschm gegenüber sein, am allerw«igstm „Rabbiner" sich neun« dürfte, well wir, wie bisher, unter diesem Ramm nur ein« nach rabbtnischen Grundsatz« lehrmdm und lebend« Lehrer in J-rael zu versteh« Hab«, er unterstand sich nunmehr, die liebt« sie ebensall» und schlug sich ihretwegen am dem Fürsten von Lichtenstein, welch letzterer i« Duell blieb. Di« glauben»starke Frau zog sich hieraus zurück und lebte nur noch für wohlthätige Zwecke und die Erziehung ihrer Tochter*). Roch eia dritte« Fräalei» Jtzig lebt« al»Am» Ephraim angesehen in Sie»; in Berlin aber setzt« eine vierte Tochter de» Baaqnier, Ara« Sarah -evtz, die Baftftenudschast ihre» Vater» »ach best« Tod« fort, und der Adel und di« Schöngeister versammelt« sich nach wie vor in ihre« < Salon. Juden beruh« einzig und allein ans der Rar«. und Stände-Antipathie; > «ne andere wichtige Erscheinung in d« Berliner «reift» war He», die religiöse Unduldsamkeit trägt herzlich wenig dazu bei. Der Jude ist in xitttt Hertz Sie war 1764 in Berlin gehör« und war nach streng den Augen de» deutschen Junker» ei» Emporkömmling; für d« Bürgrr ist! jüdische» Btundsäjp» erzogen worden. Ihr Vater, vr. de Lömo», war von er der Fremde. Nicht» ist so tzth wie diese national« Antipathie«. Wenn st« portugiesischer «bknuft und ihre Mutter war au» Frankreich. Ihr elterliche» Frankreich verhälraißmäßig schnell hat vertilg« (?) könn«, so kühn die« davon Hau» war eia bescheidene», in welchem sehr viel ans Frdmmigkeft und Festher, daß sich hier der J»raelit in ungeheuerer Minorität befindet. I» Deutschland h,,teu an d« alljüdisch« Tugmd« geseh« wurde. Doch war damtt die dagegen, in .Holland und Pol«, befand er sich lange in der Lage und fast in | Sorge für eine geistige ««»bilduu^ ähtftich der, wie wir sie btt Mendettsoh» dem numerisch« Berhälmiß de» amerikanischen Mestiz«, **»» da» vorurtheil getrost« Hab«, nicht »»»geschlossen. Dft Sephardi« pfleg« ja immer sich gegm ibn war von derselben Art wie da» j«seit» de» Orean» geg« da» , «« Art Adel unter ihr« Blanbenlgenost« zuznspreche» und so hatt» di« g«ii'ck,te Blut. Tie Taufe ändert daher an de« alt« Berhälmiß nicht da»! Ej»der de Lömo» Unterricht in fremd« Sprachen and intTauze». Ohne Zweifel Beringste. Ta» Vorunheil ist ohne Zweifel noch nicht »erlchwunden, aber tMt« der jung« Henriette dft Liebhaber-Theater btt d« vauquftr« «ob« e» geht seinem Ende mtgeg«, und die Mischehe, dft in Frankreich selten ist, „nd Jtzig verboten, aber man lftß fie, «ft e» Mod« war, dft Comödft» unwird in D«tschland ttn alltägliche» Ereigniß. (?) Als», und da» darf man gehindett lefen, die sie nicht spftftn durste, und selbstverständlich la» st« auch nicht vergessen, nicht der Einlaß in die Salon», nicht der Zutritt zu Aemteru - und Würden verwisch« die unsichtbar« Schrank« zwischen d« Rae« und *) Herr Lehmann macht im „Mag. f. d. k. d. Ausl." daraus aufmerkden Stäuben, sondern dft Heirath. Ter römisch« Pftbejer hatte Recht, sich sam, daß Herr H. dftse Beschichte irrthümlich mü Fra» von Arnstein« Ram« erst dann al» dem Patrftier ebenbürtig zu betracht«, al« er da« Eonnubiu« ' verbindet, und daß noch zwtt andere verlineriuu« von jüdischer Abkunft, dft erstritten Hane." — (Dir glaubt« Litt«, wenn auch falsche, so doch immerhin ' erst kürzlich in hohem Alter verstarb«« Marianne Saaling und dft Sthttstint-rttlante Betrachtung wönlich wiedergeb« zu müssen. Unser Standpunft , stellen» Regina Frohberg, zur Zttt de« Eongreste» von 1816 in Sie» ist de kaum und werd« wir gelegentlich hieraus zurückkommei. Red.) gelebt Hab« und Zftrd« der dortig« Salon» toar« (Der Uedettetzer.)