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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-05-11 · 19 (11.5.1870) · p. Seite 162

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
19 (11.5.1870)
Date
1870-05-11
Page
Seite 162 (sequence 6)
Language
German
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102- Bellas der Katholischen erhalten. Dieser ist jedoch, wem» wir nicht irre», schon einmal einem Juten verliehen worden. Mit einer Reihe hervorragender WoblthätigkeitS beweise beginnen wir den nächsten Bericht. Berichte und Korrespondenzen. Deutschland. -k. Bon der russische» chreuze, 28. April. (Orig.- Corresp.) Eia gewiffer S Levi in Moskau wollte seine- BruderS Wittwe, welche mehrere Kinder hat, -heirathen. In Rußland hat ihn felbstoerständlich kein Rabbiner trauen wollen, ja eS wurde von dort aus an mehrere hervorragende Rabbiner DentfchlandS geschrieben, um auf den Levi aufmerksam zu machen, damit er nicht durch Verheimlichung deS Sachverhaltseinen Zweck erreiche. Verschiedentlich abgewiesen (vermuthlich bezieht sich auf diesen Fall eine jüngst veröffentlichte Erklärung deS De. Jolöwicz, daß er eine gewisse Trauung nicht vorgenommen habe. Red.) «endete er sich nach Eisenach an Dr. Heß, der ihn Kischwez traute. Deo Baier deS Levi, der dieS nicht glauben wollte, schrieb an Heß und erhielt zur Antwort: Eisenach, de« 12. April 1870. Geehrter Herr! *«f Ihre ««frage t heile ich chnen ergebenst «it. daß ich in der Thar Ihre« Soha Samson Levi mü der Wittwe seine« verstorbe»e» Bruder» getraut habe. Der Standtpunkl, de« ich i» dieser Beziehung einnehme, ist kurz dahiu zu kennzeichne«, daß da« Judeuthum der Gegenwart an diejenige» Gebote und Verbote, welche die Ritualgesetze betreffen, als, namentlich an die Sabbath-, Speise- und Lhegesetze nicht mehr in unabänderlicher Weise gebunden erachtet werde» darf; daß vielmehr diese mosaische« Beftimmnngen geschiLtlich und kritisch ansgesaßt «erden müssen. Rach «einer Ueberzevgung ist daher die Jfrage der fortdauernde» Gültig leit dieser Gesetze nur nach de» Ergebnissen der Wissenschaft, nach unser» heutige» sittlichen «nschaunngen und nach unser« bürgerliche» Beftimmnagen zn prüfe«. Bon diesem Standpunkte, der auf der jüngste« Leipziger Synode von Dr. Geiger, Professor Fürst und ander» hervorragende» jüdische» Rabbinern und Gelehrten gleichsall» vertreten worden, ist mir ein Bedenke« gegeu die rabbinische Einsegnung der nah de« bürgerliche» Gesetze» bereil» rechtügültig vollzogene» Ehe Ihre« Sohne« mit seiner Schwägerin nicht beigegaugen. Achtung troll und ergebenst (gez.) Dr. «. Heß. Die Frechheit, mit der hier die Leipziger Synode, welche über Ehesachen überhaupt und Eh« mit der Schwägerin inSbezuzugestehe». Hiera» wird jedoch die ««läßliche Bedingung gekuüpft, dach die betreffende» Landidate« sich zugleich barilbrr anSzuweyen vermögtz», daß sie in der Regel an eine« «stattliche» Gymuasinm der im Reichlrache »ertretene» Königreiche und Länder die Gymvastal-Gtndie» zurückgeleR, teziehungtweise Mt gute« Erfolge a» einem dieser Gymnasien die Makuritätlprüsung bestaude» haben. Für de» Minister de« Reichere» gez. Biegeleben. Die BeschrLnknng von 3 Jahre» hängt mit der Bestimmnng zusammen, daß innerhalb dreier Jahre in Oesterreich von Staatüwege» ei» jüd^heol. Seminar errichtet werde» soll. Mi««« Trotz der Einladung znm Besuche der Genera>-Bersa»U»l«»g de« israelitische« Waisenv-erein«, trotzdem angekündigt war, der Hoffcha». spielet Herr Sonnenthal »erde ei» Gedicht von De. lkompert vortrage», waren doch die Räume de» versammln»-«sacke« nicht gefüllt »nd „sah «an Biele, die »icht da waren". Wir »wie» nun keinen Bericht über diese General-BersamMnng gebe». Wir wolle» «tue einige Bemerkungen zte'dent Berichte, de» der Obman» de« Verein«, Herr v. Wertheimer, gelesen, machen. Da die Wiener israelitische LnltuSgemeinde etwa 30hi» <0-000 Seelen zählt, so ist e» selbftverstäadkich, »aß e* nicht ax Waise», Me hilchßtdßislig sind, fehlt. Die Zahl derselben betrug nach dem letzte, Jchre»berich»e vom Jahre 1869 137. Diese Schützlinge «erden jetzt van Waise»»äter» »ich Müttern überwacht. Wen» man «na bedenkt, daß manche dieser Herren »nd Lame» »ege» anderweitiger BernsSpslichte» tc. diese! Ehreuanu ehe» blo» al» Lite! betrachte» »nd daß die Mütter der Kinder, welche »m da» tägliche Brod zu kümpse» habe«, sür die Erzieh»»- ihrer Kinder wenig oder nicht« thu» köuuen, so ist e« leicht einznsehe», wie itothwendig die Erbauung eine« Saisenhanse« sei. Trotz alldem ist e« de« Vorstände diese« Bereit»« bither »uh. gelungen, diese« Ziel z» erreichen. Der Rochschrei, dem «Kr hier Ansdruck gegeben, Ningt wiederholt an« de« Berichte de« Herr» Obmann« hervor. Er fand sofort ei» Echo, indem Herr Emattnel Biach erklärte, 500 fl. zu« Bau eine« Saisenhanse« z» spende». Der Borstaad »ah« dankend diese Erklärung ans; er «einte jedoch, e« sei der jetzige Moment, wo die Mildthütigkeit anderweitig sehr i» Anspruch genommen wird, d. h. wo massenhafte Snmmcn der projectirte» Blindenanstalt zngewendet »«den, »icht geeignet, nenerding» an de» Wohlchäigkeitlstuu zum Zwecke der Erbauung eine» Waisenhause« zu appelliren. Wir könne« e» nur wünschen, daß der Vorstand den geeignete» Moment bald finden möge »Nd daß bald „feie Steine davon erzählen", «» soi einem wirkliche» Bedürsniß Rechnung getragen worden. (Presse.) Kumänieir. Aerkad, 26. April. (Orig.-Corrcsp. auS dem Hebräische« übersetzt.) Sonntag den 24. d. M. gegm Abend fielen die Bewohner der Kreisstadt Tekstsch aber die dortigen Juden her und mißhandelte» sie aus daS Fürqkerltchste. Biele flohen i»S freieFeid und ließen HauS und Besitz im Stich, alle Zurückgebliebmm wurden halb tobt geschlagen, viele Läden geplündert, sondere gar nichts beschlossen oder nur verhandelt hat, angerusen wird, wird freilich weit von derjenigen übertroffen, mit der Heß sich über ein sonnenklares biblisches Verbot hinwegfetzt. „Rabbinische"' Einsegnung einer biblisch als Jncest bezeichneten Ehe! Haben Sie dafür ein Wort? — Oesterreich. Wien, im April. (Orig.-Eorr.) Am 18. Febr. c. sandten die österreichischen Hörer de» jüdisch-theologischen Seminar« zu Bretlau eine Petition an da« österreichische LandGvettheidigunr.S-Ministerium» de« Inhalt«, e» möge« ihnen, da in Oesterreich keine wissenschaftliche Anstalt zur Heranbildung von Rabbiner» epistirt, die Vergünstigungen de« j 23 de« Wehrgesetze« vom 3. Tecember 18>v zu Statten kommen. Dieser Paragraph bestimmt nämlich, daß die Eaiüidate» de« geistlichen Stande» aller Eousesfione» von dem Präsenzdienste in der Armee frei stnd und nur im Krieglfalle, wenn dieselben inzwischen die höhere» Weihen erhalten habe», al« Feldgeistliche eingezogr» werden solle». — Herr Eonsul Dr. Lohn in Breilau versah die Petition mit einem rmpfehlenden Anhänge. In Folge dessen ist dieser Tage folgender Bescheid an die Petenten ergangen: 4876—V. Wien, am 2. Avril 1870. Die k. k. Ministerien sür Landervertbeidigung und dann für llultti« und Unterricht, ferner da» k. k. Reich»-striez«ministerinm haben fich in dem Beschlüsse geeinigt, vorläufig mit der Beschränkung auf die Dauer von drei Jahren, vom Jahre 1870 angefange», de» vom vre«lauer Rabbiuattstminare aulgestellte» und von dem dortigen l L Eonsulate legalisieren Studienzeog- »isse» rücksichtlich de» Ansprüche» auf die Enthebung von der Prlsenzdienst- Pflicht »ach > 25 de« Wehrgesetze« vom 3. December 1868 die Geltung von Zeugnisse» einer von der Regiemng al» öffentliche Anstalt anerkannten Rabbmatllc'.ule nach Maßgabe der dielsall« bestehenden Gesetze und Vorschriften Wohnungen vernichtet, die zwei Synagogen zerstört, alle Thorarollen und anderen Bücher zerrissen und die Stücke ans de« Straßen umhergestrrut. Diese Scene dauerte über fünf Stunden, dann ward e« ruhig. Gestern am 25. war der Tumult noch größer und furchtbarer. Sechzig Soldaten kamen au» dem Lager Morgenin die Stadt. Die Juden glaubten, daß sie zu ihrem Schutze gekommen seien, und kehrte» in ihre Behausungen zurück, aber gegen Abend ging nun der Schreck« erst recht lo<. Alle Judenhäufer wurdm zerstört, alle Lädm auSgewühlt und «aS nicht geraubt wurde, ward vernichtet. Viele find schwer verwundet, manche tödtlich, selbst kleine Kinder Hab« die WÄHen» den nicht geschont. Ich berichte Ihn« diese« nach Aussage zweier Männer, | welche sich glücklich hierher gerettet haben, auch bestätige» dat- I selbe verschiedene hiesigen Kaufleuten zugegangene Telegramme. I Wie wird eS nuu vorige Nacht gegangen sein, wie «etter gehen? Wie man hört, irren Männer, Frauen und Kinder auf dem Felde umher, suchen jammernd ihre Angehörigen —. Soviel für den Augenblick über diese Gräuel. Und nuu, Herr Redacteur, Tekutsch ist nicht etwa von Jude« überfüllt (wie die gewöhnliche Ausflucht der Rumänen lautet) sondern di« über 5000 Männer zählende Stadt hat etwa 60—70 jüdische Familien und diese find zumeist Handwerker! Ich habe keine Worte für meinen Schmerz. Gott schütz« uu«! E. Taube», Kreilrabbiner.

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