Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-05-11 · 19 (11.5.1870) · p. Seite 161

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
19 (11.5.1870)
Date
1870-05-11
Page
Seite 161 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
83% known words query
IRI
…/5369809-5934980-5935179--0251-5369982
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

3« in an bn Universität ja Prag durch Professor Francetconi a-g«haltr»» Borlefuugm »ras dieser zu Beginn de» Schuljahre« 1840/47 di» Berstlguug, de» Htrer» israelitischer Religio», »hu« Unterschied ihre« »kadraiisch«» Grade«, «iuea besondere» Platz io de» hi»t»re« Bänken der letzte» Ahtheiluug «»»weise». Darob entstand ei» Dunrult, über nxlchen in de» daoialige» Zeitungen folgeudn Bericht erschieu: ,/Dnm da« ist kein Baum, der faule Früchte trägt", heißt et im heilige» Evangelium, und diese« paßt buchfttblich a»s unsere hiesige» Hebräer, welche sich «icht begnügen damit, daß «an ihnen de» Besuch christlicher Schule» und Collegir» gestattet» wie et nicht in Rom nad nicht in Neapel der Fall ist, sich auch »och vermessen, mit ihren lauge» Nase» und Schlitzaugen sich in der Ritt« der christliche» Student«» die besten Plätze anlznsuche», statt sroh zu sei», daß man sie überhaupt da duldet und »ich« in de» Trödelmarkt sendet, wo sie hiugehöreu k." Die Sache »erhielt sich, wie au» den iw« >bt Zeidler hiutrrlaffeue» Papiere» zu ersehe» ist, »Lmkich so: Mittwoch de» 28. Oct. wurde ei» israelitischer Hörer, der in einer der Vordre» BLuke Platz genommen hatte, eben deshalb au« dem Collegium ansgewieseu uud mußt« den Saal verlasse». >m 30. vetober setzte» sich fünf Hörer der Logik vor Aukuust de« Professor» in die dritte Bank mittlerer »btheiluug. W» der Professor in« Collegium kam, überschaute er da« Auditorium, und seine erste» Worte, aus die erwähnte» Logiker deuteud, toareu: ^>ie da setzen sich aus di« Hintere» Bänke". Die Worte bliebe» ohne Erfolg. Der Professor wiederholte dieselbe», „Ihr müßt hinaus", schrie er wütheud und unter siet« sich steigernder Aufregung eine« Dheile« der Zuhörer uud fortwährende« Dobeu siege» di« israelitische» Studenttu forderte von diesen Letzteren der Professor di« Nugat« m Name» und Wohnung, ließ da»» die christliche» Hörer zusammeutrete», sie ei» Gesuch um Drenuuug von de» jüdische» Studeutru «ttersrrtigeu uud heruach der: Studietl-Direttor P. Zeidler überreiche». Uud die Antwort P. Zeidler'» V Er erschien bei der nächste» Borlesung am 81. Ortober selbst i» Hbrsaul«, er t«gab sich zu jener Bank, auf «elcher er abgesondert di« itirael irischen HSrer sah, »ad setzte sich i» fei»«« Priestergewande mitte» unter sie. Hiermit war da« Gesuch Professor Arancesroui'« uud seiner christliche» Hörer erledigt. Auch au« Lemberg ist ein Act der Toleranz nach dem dortige» „JSraeltt" zu berichten. In tiefem Jahre wurden die mosaischen Sträflinge zum erst arm ale au« Staatsmitiela mit Pesachkvst versehen und im Strafhaus« für fie eine besondere Küche eingerichtet. Am 3. Halbfesttage wurde durch vr. Löwenstein ein feierlicher Gottesdienst für die Sttäflinge im Beisein der Beamten abgehalten. Aber e« fehlt auch die Kehrsette nicht. In Prauchnik bei Jaroßlau fand am Erew Pesach ein Pöbelauflauf gegen die Juden statt, Schläge, Fenstereinwerfm u. s. w. Der 74jährige Rabbiner wurde in seiner Wohnung auf gefährliche Weise bedroht. „Gegen alle diese AuSschreitungai haben wtt leider keinen Schutz von de» Behörden erlangt", berichtet der genannte ,,J»- raeltt". Armer: „Bei Muakarz in Ungar« wurde ein Jude von drei reichm Bauern bei einem Streite auf der Straße in Gegenwart mehrerer Zmgm todtgefchlogen. Die Bittwe, von hier (Lemberg) gebürttg, suchte vergebm» Gerechtigkeit für sich und die drei Waism deß Ermordeten. 'Die Bauem befindm sich wohlgemuth auf freiem Fuße, und da» dorttge Stuhlgericht erflärte der Wittw«, die ungarischm Gesetze seim ander» al» in Galizim". Au» demselbm Lande, an» Melec, erzählt die „Gegmwart" eine ähnliche mchlo» und unprovozirt an einem Judm begangme Mordthat. Genug davon — immer doch noch auf Ostern dies« Thatml DaS Fanattfirm in der Charwoihe trägt offenbar noch immer in jmm Ländem feine Früchte. Gehört auch die Ermordung der Engländer bei Marathon in unsem Berichts Dm Thatsachm nach nicht, fie find auch dem Leser hinlänglich bekannt! aber ebendeSwezm — wie ist da» doch, daß die Ermordung der vier vomehmm Leute „die Welt in Bewegung setzt" und schier dm griechischen Thron bedroht, und daß von Mordthatm an hundert rumänischm, galizischrn, ungarischm Judm kaum geredet wird? Englische Lord» und gemeine Leute, zumal Judm — welch' ein Vergleichs — Freilich da» ist so der Welt Lauf, aber ist da» wirklich die christliche Lehre und in christlichm Staatm die Moral?! Und dann habm die englislhm und auch die continentalm Blätter .da auf einmal entdeckt, „daß e« thörich: sei, von griechischer Wiedergeburt, griechischen Fortschritt zu rede», eine Nation, deren Boden stet« und überall von m>- gestrafte» verbrechen Mrgiftct ist, und deren geschichtlich denkwüldige One dem Neiseudm fast ebenso unnahbar sind, ivie die Städte der Xartawi; «in Staat, der eine Schmach der Civilisaüou ist." So die ,Aime»". Nun, wtt hörtm ja bisher immer von der civilisatorifihm Macht und Mission de» Christenthum», wie nur rrst der Halbmond verjagt und« diese Länder der Herrschaft de» Christmthum» übergebm «erdm müßtm» dann würde alle» so herrlich sei« —? Gehen euch jetzt erst die Augen auf? Wir Andem, zumal Judm, wußtw längst, daß die Muhammedaner der Türkei hoch über mrm christlichm Griechm und Armmiem stehm; auch mglische Staatsmänner, die an Ort und Stelle Lergleichungm »«gestellt habm, habm e» auSgesprochm—. Und da erzählt auch unser Alb. Cohn in seiner Rede bei der Gmeral- Bersammluag der „A. I. ll." „Eine viertelstündige Damvferfahrt über dtt Donau führte mich von Guirgewo (Rumänim) nach Rustfchuk (Türkei). Ha, diese Rumänm wollm civllifitte Leute fein, aber auf der andem Sette wohnen di«! Türken, die Barbarm! Ich habe in Allem da» Gezenthell gefunden." Der Jahresbericht der „A. I. ll.", dem vir*die» mtnehmm, ist so ebm ftanzöfisch au-zegebm. Wir habm nicht vor, Auszüge zu gebm au» dm Redm Crvmieux, Isidor», Cohn», dem Rechenschaftsberichte und dm Protokollm — cfi dünkt tut» Unrecht; mögm alle unsere Leser der Alliance bettretm, dann erhaltm fie die Berichte gratis, die dmtsche Ausgabe «.'scheint bald. Rur eia Curiosum. Oberrab. Isidor erzählt, wie er im Bade mtt einem Berliner zusammmgettoffm sei, der eine Parallele zwischm preußischem und ftanzösischem jüdifchm G emeindewesm gezogm und ihm dabei gesagt habe: „Sehet unser«» prachtvollm Trebel, wtt allein habm ihn gebaut, "und wa» da» beste ist, ll v»t pay», compiitement pay» (ist vollständig bezahlt!) An welch« Wiadbmtel ist da Hr. Isidor gekowmm — oder hat er die Feinhett eine» Berliner Witze» »icht vrrstandm, hat der Mann vielleicht gesagt: „wir find bezahlt, gründlich bezahlt"? — In Paris haben in der Synagoge am zwettei, Tage Pesach unangmehme Austritte stattgefunden. Auf Rabbinat»befehl fing der Vorbeter beim Muffaph gleich die laute Schmone esreh an. Wa» dann geschehm. berichtet „Reo. J»r." in diplomatischen Wendung«, „Univ. J»r." erzählt von presquv uns Twente, uns vöritadle tewpßte — kurz e» ist offmbar gar nicht parifisch, sondem recht polnisch hergegangen. Am fiebentm Tage hatte man einerseits «ergeuts lle ville aufgebotm» andrerseits hatte Rabb. Z. Cahn die Reform von der Kauzel begründet, gerechferttgt, die Ruhe wurde nicht gestört. Wie man auch über diese Reform selbst dmkm möge, da» ist unerhört, un» deutschen Judm unfaßbar, wie man dergleichen, ohne ein Wort vorher zu sagm, von obm hrmnter decretirm mag! Bezeichnmirer noch ist ei» Zug au» dem Elsaß. Der Rabbiner von Colmar hat ein Rundschreibm an seine Gemeindm erlaffm. und sie ersucht, einige Pijuttm wegzulafsm. Dagegm ist ein Protest erschimm, worin e» heißt: „Laß« euch nicht« von untern religiösen «Gebräuchen nehmen, sonst weiß mau »icht, wo diese Nesormprojecte aufhören; da« ttanrige Beispiel der religiösen Verhältnisse in Deutschland kann un« in dieser Beziehung hinreichend ausklären." Ein schlagmder Beweis für da», wa» wtt am Schluffe unsre» Leitarttkel» in vor. Nr. geiagl haben. In Eorfu find drei Juden, ein Redactmr eine» jüdischm Blatte» (Famiglia JSraelittca) und ein Notar unter allgemeinem Jubel auch der christlichm Bevölkerung zu Municipalräthm gewählt wordm. Der von un» unlängst erwähnte Karubi Massud, Mttglied de» i»r. Ecnfistoriums in Ora«. hat dm Ordm Jsa-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.