Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 19 (11.5.1870)
- Date
- 1870-05-11
- Page
- Seite 163 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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168 ((Sin Telegramm vom 28. April hat inzwischen , gemeldet; Die in Teknssch v^rgekommenm Rnhestörnngm Md ddrih das Müttär «nkerkiAiN woKäi^ rmh"M die Nuhe 'vollflanvtg wieder^ hergestkN; die" RätzöGstchrer der Axredentm, die znm großen Lheil fremde Bagadnndrn waren, find verhaftet. Red.) Holland. F. Amsterdam, 20. April. (Orig.-Eorresp.) Schon seit einigen Jahren geht man hier zn Lande mit der Idee um, in Holland „ein Lentral-WaisenhauS für die J-raelitm" zu gründen. Ehabm zwar die größeren Städte des Lande», Amsterdam (zwei), Rotterdam, Haag» ihre Waisenhäuser, doch diese Anstalten kommen infolge der Statutenbestimmungen fast mir den Eingeborenen zu güte, während die Waisen aus dem Lande die Wohlthat einer solchen Anstalt entbehren mußten. Da» Eentral- Wdisenhau» sok.nun allen jüdischen Waisen Holland» offen flehen mkd.die Hanptftadt Utrecht, weil i« Centrum de« Lande« liegend, ist als Sitz desselben bestimmt. Es ist bemerkenswerth, daß reichlich« Gaben au» allen Tbeilen de» Lande« nicht allein von unfern Glauben» genossen einlanfen — es haben sich fast in allen größeru Gemeind« SubcomitöS gebildet — sondern auch von christlicher Seite« von Pastoren und and««, Geistlichen geschehen Schritte zur materiellen Unterstützung diese« m-rnschmfreundlichen Unternehmen». So zeichnen sich auch die Freimaurerlogen au«, und erst in den letzten Lagen hat di« Loge l'Jnsöparable in Bergen»op«Zoom einen Beitrag von 50 Gld. eingesendet. In den nächsten Wochen werden bereit« in da« naieiagerichtete Hau« 15 Waisen nach de« Loose ausgenommen werdm. Der Borstand ist an» intelligent«, dem Judenthum trm anhängend« Männe« zusammengesetzt, besonder« find e« junge Zwisten, die sich der Sach« mit großer Wärme annehmen, ich nenne Ihn« beispielt» Ipeise Advocat du Mosch in Utrecht und Advocat Jakob»zoon im Haaa. Wolle Gott da« Werk segn»!!8erdimt aber eing solche Idee nicht -««ch'llr Dattschland angeregt zu werdm? Wie oft liest man nicht in jüdisch« Aättern von jüdisch« Wais«, die hülflost dasteh« und der Prlvatwohlthätigkeit anempfohlm werdenl Wäre e« nicht eine lohnende Aufgabe für dm Ge» «eindetag in Leipzig, die deutsch« Gemeinden auf dies« Ge» dankm hinzuweis«? Ein Eentral-Waiseuhau« für Nord- Deutschland, oder für Deutschland überhaupt, wieviel Gute« könnte eine solche Anstalt stiften, wieviel Waisenkinder, die sonst geistig verkomm«, vom moralisch« Untergänge befrei«? Ich würde mich freu«, geehrter Herr Redactmr, wenn Sie «einer Ansicht beistimmtm und in biifcr Angelegenheit Ihr« publicistischen Einfluß gellend mach« nürden.*) Auch bei m» wird ein „Niederländischer Juristentag", der erste, stattfiud« und al« Comstömstglieder sind ernannt unsere Glanbendgenoffm: Goudsmit, Professor, z. Z. Rector an der Leidener Univerfität, A. de Pinto, Landeöadvocat und Decan de« Advoeatenorden« im Haag, A. A. de Pinto, Vortragender Rath i« Justizministiium, und van Nierop» Advocat in dieser Stadt. Am 16. März starb in Rio de Janeiro in einem Alter von 33 Jahr« der in wett« Kreis« bekannte Consul-Gmeral Sr. Maj. de« König« der Niederlande, I. Po«no, Ritter best Orden« de« Niederländisch« Löwm und Officier der Stofe von Brafili«, ein Mann, der eine« groß« Ansehen« sich erfreute. ' ( Literaturbericht. --(Fortsetzung.) . . *) Die hier angeregte Idee verdien» »hne Zweifel Beachmng, da auch in Deutschland zwar viele größere «emeinden Waisenhäuser haben, dir aber meist nur für die «emeiadeangehörigen sorgen. Dvch könnte eia allgemeine« Institut nicht genügen. (Red.) KtNkon, zweite gänzlich umgestaltete und sehr vermehre Ausgabe. I. Theil: Rzpellmbuch von vr. Ludwig Philippsohn, IV. Band, de« ganzen Werkes VI. Band. „Der Roth gehorchend, nicht dem eigne» Driebe" hat Herr vr. Phil.I wie ixjr an» dem Vorwort ersehen, diesen an« fünf Blumen bestehenden RovKenstranß der Oesfentüchkett übergeben; überdrüßig der stierdächtigunge» seiner «eguer wollte der Verfasser Anfang« feine Dichtnngea dem Institut »nd dadurch vielleicht der Welt überhaupt wtziehen; .aber da« Pntlitn» braucht Belletristik; Keiner trat in dir Arena, «einer wenigsten«, der vor de« Dreimäunrrgericht de« Institut» «uade gefunden hätte: m-.d so überwog und besiegte die RücksichMahme auf die Abonnenten alle Bedenken, allen Widerstand. Freilich «erden damit die Abonnenten, di« an der no» velliftifche» Dhättgkeit de« Autor« keinen ««fallen gefunden habe» und totu « sieb« derselbe hat verzichten wollen, nicht zufrieden sein: den» ' .chefftr schlechte Rvvelleir al» gar keine- — jineme« sulcht» «mspruch ifkwvk da« Publikum »icht lesefuNerhuugrig genug, aber im Allgeneinen ist eiue »ovelliftische Benkbeituug de« jüdischen «rschichtöftoffe«, wie Herr vr. Ph. st« in einer langen Reih« poetischer Produkte veröffentlicht lsat. nicht ohne Verdienst, auch dann nicht »hne Verdienst, wenn da« künstlerische Moment ge^en da« ftofsttche zurütktritt. Dir Mühlbach hat viellaicht mehr zur Berbrchmng hjstorischer Kenutuifl« im »olke deigetragcu alt Konti oder Dropsen; estHwbt viele Klaffe» der Bevölkerung, die ein wiffeuschaftlihe« Serk, und sei r» mich noch so allgemein verbildlich geschrieben, an« keinem andern «rnnde zurückweise» al» wett keine Liebedaffaire dar» vo>Wmmt. Wer, ohne grade künstlerische« und dichterische« Talent in größenn Maße in sich zu spüren, sich dennoch der Ausgabe unterzieht dir ««schichte mit romanhafte« «lemantr» zn versetze» »nd dadurch einen Strahl hist »rischer Wiffeufchast in die untern Bolttschichte» zu leiten, verdient, um mb dem Auror zu rede», „in eine« bescheidene» Maße einige Aoerkenuung seine« Sttebeu»". Rnr möchten wir de» stilgewandten Redactenr der ^Ztg. de« Judenthum«" bitte», de» Rouianjargou nicht allzusehr überwuchern zu la sen, «leich in der Einleitung zur ersten Rovelle, wo der Berfaffer die durch >>ea italienischen Krieg hervorgerufene Aufregung nnt grellen Farbe« schildert und daun de» Leser bittet, sich au» dem Sirrsal, (der doch möglicherweise diese» sammt Weib und Kind nnt Roth und Tod bedroht) in seine Rooell« zmütkznzieheu, W ei» abgebraulbter und obeueiu drolliger Romautllallesselt. Sprachliche UachUlssiakeite» wie: ihre leuchtenden Augen skub der' Bffderhall seine« Herzen», and viel« ähnliche, sind freilich bei eine« dielbeschäftigteu Manne zu entschuldige», ober die Lektüre wird doch durch solche Kleinigkeiten «ine« gebildeten, an korrrcre Darstellung gewöhnte» Leser znweilen peinlich. Die erste Rovelle romanisirt den Talmndiste» Rabbah, da« Harpt der Schule zu Pumpadith». Dir Liebe«sce»e am Krautenbett Jfra« sat einen fwulichen boni-güllt, der lebhaft au Duma« erinnert und de» vir,» den Arbeiten eine« jüdischen Theologen nicht gesucht hätten. Die zweite Rovelle behandett eine nicht auiotereffante Episode au« de» Leben R. Meir» vou Rothenburg. Der Schüler diese« istabbi, Kaengsa, hatte sich in desien Tochter Sar-H verlieb», ohne «egenliebe zu finden. . Er ließ sich lausen und schwur seinem Stamme und besonder« seine« Lehrer tödtliche Feindschaft. Um sich zn räche», hetzte er die «roßea de« deutsche» Reiche« wider ihn, daß sie zwauzigtauseud Mark «olde« van de» Inden »erlangte» und R. Meir für die Zahluug verantworttich machte,, da dieser sich de« größte» Ansehen» und Einflüsse« bei seinen «landen»-«offen erfreute. Die Summe wurde nicht zusammeugebracht. R. Meir floh, vorher veriobte er seine Tochter mit pinnt Lievlingtschüler »scher, der dies« vor deu Rach, stellnngeu Kaengsa'» gerettet harte. R. Meir wandte sich in kegleitung feine« «emeiudediener« nach Bregenz, wurde dort von Kaengsa «ttdrckt und festgenommen. Kaengsa wird von Mose», dem treue» Dieuer de» R. Meir, erschlagen; Ascher kommt auch nach Bregen,; R. Meir weigert sich da« Lösegeld, welche« seine «laabenSgeuoffea für ihn zusammeugebracht hatten, an,«- nehmen; er bleibt und stirb» im «esäuguiß; aber er wird, da Kaengla, der trenlos;, wdt ist, würdig behandelt; Ascher geht mir seinem Weibe nach Barcelona. Die Darstellung ist nicht ohne Lebendigkeit; mtt da» kabbalistische Jnttrmezze mit dem Briefe Abnlesta'» stön den Frrtgang der Er- »ählung. (Schluß folgt.) vriefkastt» der Redaetion Rabb. Lautest in verlad: Die Broschüre erhalten, de. kstülf: Wie oben erwähnt, quinire über Empfang der Knaben und der Reisekosten, t. st. in verlad: Der Auffatz ist recht schön und blühend stplistrt, aber fUr di« Wochenschrift nicht verwendbar. ». stk. In Br: Rächsten» auszunehmen, vr.Lohn in v.: vr.L. in E. und Rheinprovinz: recht bald, habe immer Raummangel. De« Sekretär Empfehlung.