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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-05-11 · 19 (11.5.1870) · p. Seite 160

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
19 (11.5.1870)
Date
1870-05-11
Page
Seite 160 (sequence 4)
Language
German
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160 Unterricht an der Seite der übrigen Kinder empfangen, welche sie al« Brüder behandeln werdm; sie werde» sich gleich diese» den Handwerken oder den höheren Leben-berufen widme« und einst nicht nur für sich selbst sorgen, scudern vielleicht ihrerseÜS die Wohlchäter ihrer Glaubensgenossen werden Ihr Alle, davon find wir überzeugt, schenkt diesem Gedanken Beifall, die Ausführung ist leicht, das Resultat sicher. Paris hat das Besspiel gegeben, indem eS sich an die Spitze des Werkes stcklt. Wir adoptire» dreißig Waisen, welche in Paris selbst ernährt, unterrichtet, auf unsere Kost« «zog« werden. Wir nehmen sie an KindeSstatt an. Mögen alle Gemeinden in Europa und Amerika alle, ohne Unterschied, große und kleine, unS auf dem von unS eröffnetea Wege folgen! Möge jede nach ihren Mitteln einen Stein zu diesem Gebäude beitragen und ihren Namm an di«S Werk der Wiedergeburt hefte». ES ist daS edelste Werk, welches auSgeführt werden kana! Taufende von Waisen rette», sie unterrichten, Menschen auS ihn« machen, das heißt nicht nur ein Werk der Liebe üben, eS heißt vor Allem im Interesse unseres Glaubens und der (Zivilisation arbeiten. Brüder in Europa und Amerika, wir erwart« euren Beitritt! Möge er unS fo schnell wie möglich angezeigt werdm, denn daS Werk ist dringend*). Wir senden euch unfern brüderlich« Gruß. DaS Central-Comitö der Alliance." lUnterschristm.) Wochenbericht. Stetti», 5. Mai. Der Eonzreß der deutsch« Gesellschaft« für Judenbekehrung hat in Berlin am 27. u. 28. v. M. richtig stattgefundm. Die „Boss. Ztg." bringt ausführliche Berichte, dm« wir einige Züge entnehmen. Exminister Westphalm präfidirte und klagte, wie die Reimer allzumal, über die gering« 4h folge der Judenbekeh- :.g. Axmfeld aus Köln klagte über Mang« an lebmdigem Verkehr der verschied«« Mssfion-gefellschast« unter einander. „Die unS gegmüberstehende Schlachtreihe (die Judm) wird immer drohender und geschloffmer. Wir müssm deßhalb gemeinsamen Plan und gemeinsame Parole Hab«-, Profelytm wandern von einer Gesellschaft zur andem und führ« ein Vagabnndmleben." (D. h. das Grindel, welches sich für ein Stück Brod kauf« läßt, — und nur von solchem ist in diesem Zusammmhange die Rede, d«n der Jude, welcher um eine Heirath u. dgl. will« überttet« will, braucht nicht die Intervention einer Misfionsgesellschaft — macht das Geschäft so oft wie möglich.) Der Redner fordert ferner „Wirksamkeit der Gesellschaft« bei Rothständm der Israelit«, wie in Rußland und Jerusalem" — d. h. wie man im MittAalter Schwert in der ein«, Cmcifix in der andem Hand dem Judm zurief: „Tod oder Taufe", so zeigt man jetzt von dieser Seite dem Hungernd« Brod. ES ist gut, daß die „Liebe" sich einmal unmaSkirt zeigt! Paulus Cassel klagte über Mangel an Thellnahme für die Judmmission Seitms der christlich« Laien und Geistlichen. Mehr auS der Rede dieses Mannes auszuziebm könnm wir nicht über unS gewinn«. Am andem Tage sprach Delitzsch, wie sich erwart« läßt, würdevoll. Er preist sie Judmmission, alS eins der fchön- *) Der unermüdliche Rülf schein» breit» teu von der Alliance vorgeschlagenen Weg betreten zu haben. Gleich mit dem erst« von Memel einlausend« Tampser sandte er unS zwei russisch« ttuab« mil der Bitte, sie nach Rostock zu spedirm, wo sie von zivei dortig« Kaustntt«, Herr« I. Bernhardt und A. Keibel, ansgeuonuum werd« sollt«. Wir wiffm nicht, sa e« ist un» ein Räthsel, wie Herr vr. Rillf die Fäden seiner edl« Wirksamkett bi» nach Rostock, einem Orte, wo eine Gemeind« wohl erst ttu Latsteh« ist, gesponnm hat. Oha: Zweifel find aber j«e zwei ttuab« nicht di« einzig«, die er imrerbriug!, und dann, wen» aus Rostock zwei ttiader komm«, dann freilich kämen auf Berlin oder Pari» ziemlich je tausend! (Red.) st« Juwele in der prmßischm KönigSkronc. (Bon König Wilhelm hat man noch nicht gehört, daß er sich ali Ober- Protektor der Judmmtfsioam gertrt hätte.) DaS Judmthum, sagt er, ist schon lange nicht mehr in der Lage, sich gegm da» Christmthum vertheidig« zu «äff«, eS trstt aggressiv auf. Währmd die Synagoge von ihr« Kindern wie von einer Mauer umgebm ist, muß die Kirche sich von ihr« Söhn« verrathm oder wenigstens pretSgckm lasse». Er erkennt die Verdienste Zunz'S und Anderer um die Hebung der Wissmfchast de» JudenthumS an und verlangt Gründung eia« Professur für jüdische ktteratur und Geschichte an ein« deutsch« Universität (natürlich im christlich« Sinne). Doch hiervon genug. Hinan schließ« wir eine Notiz au» d« „N. Z." üb« die Gebrüder Lehmann: „Reultth Hab« diese Unermüdlich« d« Vorstand der Judeuschast in Rom ausgesorderr, mtt ihn« über die Wohrhett der mosaisch« und christlich« Religion z» dispntir«. Dt« arm« kmte, vielfältig gedrückt and »och mtt« Gregor XVI. gezwungen, tkapuzdrerpredigt« zu ihr« Bekehrung auzahSr«, sah« sich geaitthigt, dem Begehr« z» willfahr«. Sie deputier« ihr« Sekretär, He«« Affarev, um mtt d« beid« Herr« zu ditkutir«. Natürlich ward eia Resultat nicht «reicht »ad «au trennte sich mtt« Austausch ein« Reih« nicht»sag«d« Höflichkeiten." Wir üb«laffm die Lrüd« dem Gelächt« d« Welt. D« Karlsbad« „Sprudel" hat eine Gmealogie und Biographie der» - selb« gebracht; d« Schluß d« ziemlich lang« und „Wechsel"» ' voll« Geschichte lautet: „Ab« bald sah« sie ein, dag Roche^anuevat-Paraplui-Stelloge», fromme Knoppern-Lonjei wr« und dankbar» Wechselscherz« »och kein Anrecht ans ein« Freikart, zur Lrtrafahrt in den Himmel, gewthrm und sie wechselt« eine« Lage» nach langjährig« Ueberleguag und schwer« Gemüthtkämps« endlich ihr« Glaub« und ihre Hemd« und begab« sich in di« lutherisch« Kirche. Al» sie ab« «tarnt«, daß darin schon so viele Juden stad, kehrt« sie auch dies« d« Rück« und zog« ein in d« Schooß de« Katholicismu» nach Rom."^ , Kehr« wir jedoch nach Dmtschland zurück. Ein« ganz klein« Schulcouflict berichtet wird« die ,Oftd. Zeitung" au» Pleschen. Die dorttgm jüdisch« MazistratSmitgliedn Hab« »«langt, daß in dm Schulvorstand auch einige Judm gewählt »«den. Sie haben ihre Candidat« mtt Majorüät gewählt, d« Bürg«meistn hat ab« die in d« Minorität gebliebmm Evangelisch« al» gewählt proklamirt. Hi«gegm Beschwerde der Judm, welche ««langt«, daß die Schule nicht mehr „mangelische" sein und heiß« solle, weil sie auch zum Verbände d«» selb« gehören. Von d« Regierung abgewiesm, weadm sie sich an Herm v. Mühl«, und dies« hat gmehmigt» daß die evangelische Schule statt deS bisherig« NammS „evangelische Stadtschule"' von mm an d« Namm „deutsche Bürgerschule" führ« darf» und gleichzeitig angeordnet, daß die jüdsschm SchulsocietätSmitglieder auS ihr« Mitte zwei Schulvorsteh« wähl«. — Sollte Herr v. Mühl« zu dem Glaub« gekommm fei», daß die Welt ohnehin nicht mehr lange steh« werde?! Die von uns angekündigte öffmtl. Versammlung de» Ausschüsse» deS Gemeindetages in Leipzig hat am 28. Aprll und I. Mai stattgefundm. Auf die Tagesordnung war« gesetzt: 1) die Zwecke de« GemeindetageS refp. de« zu gründend« Gemeindebundes überhaupt, und inSbesond«e 2) Armenpflege, Kremdemmt«ftützung und mögliche Beseitigung d« Mißstände und de» Unwesm» d« Bettelei, 3) PmsionSwesm d« Gemeindebeamtm und 4) Förderung d« AllianceJSraöltteUniverselle. Wir erwart« Mittheilung üb« die Ergebnisse. Die wohlbekannte Jacobsonschule zu Seesen hat, nach geschehm« Erweiterung, daS Recht Zmgniffe für dm einjährig« Timst zu ertheilm, «halten. Dn Tod deS Abt P. Hieronymus Zeidln in Prag gibt der „Presse" Anlaß, an ein« Charakterzug au« deffm Leb« zu «innern:

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