Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 19 (11.5.1870)
- Date
- 1870-05-11
- Page
- Seite 159 (sequence 3)
- Language
- German
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tet KrkamtE geton^ fteb, daß a»ch da« positive Judenthn« Refonae» »icht ®tr ffr nicht uuberrchltzst hatte, sonder» fie auch von inanchrr Sette gebiete, daher der Rabbiner sich ihnen nicht verschkleßm darf nnd th« sogar mitunter dir Zattiative obliegt. Selbstredend ergibt sich auch rn» diesem Studium die praktische Anforderung an den Rabbiner für den religiös« Zugendunterricht lotrksam zu sein, in die jugendlichen Gemüther Derständuiß für dir unvergänglichen kehr« und die große Geschichte de« Iuden- Hum« z» bringen und fie mit Liebe trab dauernder Wärme für die väterliche Religion zu erfüll«. Diese praktisch« Momente ergeben sich ebenfalls au« dem eigentlichen Ziele de« Vereint, da« Wissen zu wahr« und zu färbe«. Besprechung« in ben statthabenden Versammlung« leiten von selbst auf da-'Gebiet der auf dem Boten de« positiv« Jndmchum« zulässig« Reform«, dir Grenz« »erd« «uterfucht, innerhalb der« sie sich beweg« kämt«, d« in ihre rtsp. Gemeind« zurückkhrend« Mitgliede« ist et dann auhetmgegeb«, mit v«rsöhn«dem Geiste und insofem der Friede der Gemeinde -nicht gestört wird, manche Reform in« Leb« zu ruf«. Der AuStanfch der gemacht« Erfahr«,-« auf d« Gebiet«, auf d«« sich der amtirend« Rabbiner bewegt, ergibt für Berns und Schul« ein« weiter« praktisch« Gewinn; und daß durch diese Zusannnenkünste ein einheitlicher Geist 1» dm Vereins» Mitgliedern erweckt wird und hierdurch der Hoffnung Ran« gegeb« werdm darf, e« werde sich ein einheitliche« religiäse« Band. «n die Gemeinde» schließe», ist wohl nicht al« der praktisch« 'Ergebnisse geringste« zu betracht«. ‘ Wir warm Zeuge de« Entsteh«« de« Verein« und seiner Fortbildung, und e« Hab« sich un» obige Wahmehmuug« er- .gebm. Der Verein zählt noch nicht »ach Dezennien; bleibt er seiner Lendeuz tr«, so ist ihm Dauer und endlich« Anerkennung —-»sichert. - An die irraelitischeu Gemeinden ln Europa and Amerika erläßt die „Alliance 3«r. Naiv." soebm folgenden Aufruf: „Brüder in Europa und in Amerika! Wir komm«, um im Ramm der allgemein« israelitisch« Allianz eure Mitwirkung zu einem Werke zu erbitt«, welches GeG'fegnm wird: «ß handelt sich nm Waisen, und Gott selbst nennt sich tn'der hak. Schrift den Vater der Waisen. Unsere Allianz, Vrüder, ist dgr Bindestrich zwsschm all« Ntaekit« auf de« Erdenrund, flr ist e« im Rrarm der Liebe, der Gerechtigkeit und der Freiheit. Dadurch hat fie Spmpathi« gesund« und groß«Etafl«ß in dtt Welt erlangt. Ihre Stimme »Kd Überall gehört/ und jüngst erst, al» fie zu Gunst« der arm« Jude« in Rußland erhob« wurde, farü fie in all« Herz« Widerhall. Auch wftd, Tank unserer Allianz, di« Lage Mferer Glaubensgenossen Kr jenem traurig« Lande fich besser Malt«. Die jungen, aröeit«lustig« und tnklligmt« Männer «rdm «ach Amerika außwande«, in jme« Laut-, «d der Hauch « Freihett die gebmgtm Herz« belebt, und Dmsmig«, welche nicht entschließ« könnm den Bod« zu veikassm, in dem Gebeine khrrr Vorfahr« ruh« werdm wk zu helfm sachm. HungerSnoth ist verschwunde», da« gwße Elend hat auf» rt. Aber hier steh« bleib« hieße auf hall«m Wege stille steh«. Inmitten jener Bevölkerung, welche der Hunger dezimkrt hat, gibt e« Tausende von Dass«, welche «rrf dm SKaß« mnherkrm, ohne Unterricht, ohne Aufsicht, ohne Arbeit; was sollte au« ihn« «erd«, wenn wir fie nicht in Schutz nehme«? Sich selbst ütrrlaff« werdm fie die Schande ihrer Glauben«- genoss« sei«, wohl gelettrt könnm fie deren Ruhm werdm. Zwischen diese beidm Möglichkeit« gestellt gibt e» kein Zaude«. Es ist Unerläßlich, diese Linder an« »« Dörfeir, wo fir in Unwissenhett verkomm«, zu zieh«; e« ist unsere Pflicht unser Werk zu vollenden, indem «tr fie in Städten uaterbringm, wo sie durch Unterricht sich ein« Ankunft schaff« könnm. Ader wo find« sich die zu einem solch« Werke nöthigen Hilfsmittel? Die, reichlichst« Sammlungen würdm nicht dazu hiuretchm. Gedanke, «ingezebm durch die Ueberlieferung« dervergangeu -- ---- Lt^msserer MMe aufgriaucht und mtt Oegeisierung aufgenommm «ord»; er eboet, nach unserer Meiumig, alle Schwierigkeit«. Dieser Gedanke ist die Adoption dieser Waisen durch di« Israel. Gemeinden in Europa uad Amerika. Erzogen in Frankreich, Deutschland, Jtalim, Amerika werden sie unter den wohlthättgm Strahl« der Civilisaiioa heranwachsm, werdm nützliche Mmschm, aufgeklärte Israeli:« werden. AIS Adoptivkinder der Gemeinden, welche fie aufnehm«, werdm sie war, stimmte Börne in dm Eher der Patriot« ein, ja er schlug schon ein« dmtschthümelndm Ton an, und der Taumel hatte ihn schon so sehr verdeutscht, daß er blinh« Gehorsam predigte. Sei» Bruder war mtt viel« ander« jüdisch« Jüngling« als Freiwilliger auSgrzogm. Aber wmn Böme auch vergaß, daß er Jude war und sich nur al« Deutscher fühUe, die Frankfurter vergaß« e« nicht, und erinnert« ihn uavorfichttg und brutal an sein« heimlich« Schwur. Er fiel alerste« Opfer der Reaktion; er wurde aus seinem Polizeiamte verdrängt, sowie die Frankfurter Judm in daS Ghetto zurückgewiesm wurdm. Die freche Art, wie diese um ihre dreifach verbriefte Freiheit geprellt wurdm, trotz deü halb« Versprechens deS Wiener CongresseS empörte sei» Freiheitsgefühl tief, und er spitzte zuerst seine Pfeile znm Kampfe für seine Stammgenossm und geg« di« Frankfurter Spießbürger, welche die Judmstättigkeü von 1616,' „dies« Roman der Bosheit" (wie Böme sie nennt) im neunzrhutm Jahrhundert wieder eingesetzt hatten. Jndessm schim diese Schrift seinem Vater, auf dessm Veranlassung fie wahrscheinlich entstand« war, um Tadel geg« seine Thätigkeit alt Deputirter beim Congreß abzuwetsm, zu spitz und verletzend. Er entzog fie Anfang« der Oesfentlichkeit. (Fortsetzung folgt.) Weg« Mangel» an siama erscheint Mt Fortsetzung kt» Feuilleton«: «Die Berliner Gesellschaft tu de» Jahre« 1780—ISIS" in nächster Nummer. Sine Priestcrwache. Li» sehr spaßhafte« Jutrrmezzo hat sich an tiittn sehr eruste» Ort, nämlich dem jüdischen Friedhoft in Otteusen, zugetrage», «o „berechtigte" Hamburger zu ihre» Bäte» versammelt werden. Man hatte mir Mißfall» bemerkt, daß da» uuvertilgbare Geschieht der „Schn-rrrer", weiche« Leb» und Tod gleich eifrig an«b»tet, sich der. weit» Weg nicht verdrießen ließ und di« Leidtrag»d» gar erschrecklich molestirte, «in die« dem, »ine alte Bitte «der Unsitte bei derartig» Gelegmheit» zu sein pflegt. Also beschloß der Borstaud, da» nächste Mal, wmn ei» jüdischer Leicheozog sich in« ,,Preußische" bewegte, ein» altteftammiarisch» Polizisten dorr auszustell», um di« zudringlich» Bittsteller in gebührender Lntferunog zu halt», die Lharowi aotilm Obolo» in modern» ^jetten emzntreib» versuch», ohne dazu „legitimirt" zu sein. Gesagt, gethaul Der Polizist ersibeiut, stellt stch majestätisch an dm Pfonm de« Friedhas« aus — di« Schnorrer stürz» wie Heuschrecke» an ihm vorüber und aus die wehrlose Menge Io«, die verzweifelnd zu dem Mann de« Gesetze» hinaus blickt, der sich ebensowenig von sein»: Post» entfernt, wie der zähe Lultusmiuifter Mühler. Gütlich stürzt «in Beamter de» Begräbniß« Wesen« zornig ans unfern Mann lo» uul» »st: „Aber wq« sind Sie denn da? Geh» Sir doch auf dm Friedhas — jag» Sie die Schnorrer fort!" — „34 (nm nicht." — „Warum denn niiht?" — „3« sehen Sie — ich bin ein Loh» euch darf all solcher keiur Lebhmstätte beirrt»." — „Dal hätte» Sie uu» vorher fog» soll»!" schrie noch zornig« der Andere uad eilte verzweifelnd von daun». Die Schuorrer aber pries» dm,!*t die Priest« in so «rciufivr Siellung versetzte» selbst wem, ste zur Polizei gehör», mch ging» reich beladen mtt Beute heim. (Ars.)