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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-05-04 · 18 (4.5.1870) · p. Seite 153

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
18 (4.5.1870)
Date
1870-05-04
Page
Seite 153 (sequence 5)
Language
German
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168 in Fabriken arbeiten dürfen, auf Leranlasjnng de» bomrd depottas de« Parlamente vorgelrgt ist. Diese« hat schon 1867 in Betreff derjenigen Juden, weiche den Sabbath feiern, einige Eonzesfioner, gemacht, welche jedoch nicht »»«reichen. Wie viele Inden in Deutschland würden ganz einfach sagen: mögen die Leute doch am Sonnabend arbeite«! — Au» Ungarn wird berichtet, daß bet einem in Felegyhaza in einem Zudenhause anrgebrochenen Brande ein Polizeibeamter da« Lolk auftorderte, den Juden in« Feuer zu werfen. Zum Glück war der Hantherr abwesend. Bald darauf aber brach« noch mehrere Brände au«, ein Jude, der eben einen beim Lösch« Beschäftigten gerettet hatte, wurde zum Dank dafür vom Pöbel beinah« geiödtet. Der Stadttichter, bet dem die Judm nun Schuh suchten, wie« fie mit roh« Wort« ab, die Oberbehörd« hat jedoch eine Untersuchung etngelettet, und die Bedroht« werdm Schuh find«. Der König von Pvrtngnl hat zwei Judm in d« Grafenstand erhoben. Jn>r»erikn wird die Stimmung in Betreff dahin autge» wanderter russischer Judm besser. 81 ist in New-Pork ein Eomitö gebildet, welche« für dt« Einwanderer sorg« will. Nachdem in>« besondere Grömteux sich mit hervorragend« Männern in Amerika in Gorrespondenz gefetzt und dmselbm erklärt hat. daß man »nicht daran dmk«, Bettler und Leute, die nicht erwerbtfähig find, hinüber zu smdm, schwindet die -urcht vor Ueberbürdung und scheint besonder« die Gründung von Ackerbau-Talenten emstlich in« Auge gefaßt zu werdm. Wie wir vorauilgesehen, dmkt man vornehmlich an da« Waähington-Lerrttorium. Die „Rev. J»r." «eint, daß auch Algier «sftsch« Judm alt Lolonisten gebrauch« könne. Jedmfall« überall besser alt in Nutztand. Da« König«- berger Eomttö klagt «nterdess« schon jetzt über Mangel an Geld und Ueberfüll« an Hülfesuchinden. Da ist r« dmn erfreulich, daß di« „Alliance Jlr. Univ." mehr Verbrettung und Mitglieder gewinnt. Wa« einer unserer Her« Torrespondmtm jüngst' al» wünschen«wetth bezeichnet«, daß dt« Lokal »(Eomttö« der Mtttelgemeinden die Netneren in der Nachbarschaft zum Beitritt einlad« mochtm, ist berett« geschehen. Da« 9!omttö in Liegnitz hat vor ettiigen Monat« ein« solch« Aufruf erlass« und veröffmtlicht jetzt eine Liste der veigettetenen, der« Betträg« ca. 2909 ftc«. bettagen. Auch au« größer« und mtfernter« Gemeind« Hab« sich Mttglieder dem Liegnitzer ilomttö angeschloffen. Gin« ähnlich« Aufruf hat Herr Rabbiner vr. Schwarz in Göln versandt — möge er gleich« Erfolg habm. 1869 zählte die „A. I. U." au« Deutschland 1562 Mttglieder, in Part« 1852 — roir hoff« zuverfichütch, daß die Zahl der erster« fich in diesem Jahre sehr bedeutmd vergrößern «ttd. (Auch hier ist die Zaji von 18 auf 59—60 gestiegen.) ' «. S. den 27. April. Die „Göln. Ztg." berichtet: Dt» Z-rstänbe in per jüdisch« Gemeind« verlmü, namentlich die letz«, Rabbinerwahlenh hed« eine |n(( Anpchl Mhtbarer Gemeinde«»», »lieber de»«»«», sich mit einer Denkschrift m die Minister der geistlichen Unßeleßenheti« «n» de« Innern |i Makra »nd, fdU dt» Rechtübestündig- Mt (d Gesetze» Mn 1847 für inner» Gemetndeangeleßenhetten noch »nertomtt wird, de» ß 58 in Kroft setz« z» laste», »«noch bet eine« innerhalb einer Synagogen-Gemeind« «istchend» Streit über innere rnltnüeinrichtuuge, di« beid« Mrbegeichnrte» Minister berechtigt sin» , ans d« Antra, »er Interessenten eine G«»ntoche»»» »er »bwaltenden Differenzen durch «in» za diese« Zwecke ringnsetzend« t-mntissi« einttete, zn lasten. Kann durch »en An»sp«ch »er st »«misst« de, Lvnflict nicht anügeglich« »erd«, so habm dir Minister aattt Benntzung de« von »er «mnmisfio» abgegebenen Guiachien« darüber »aordnnng z» tressrn, mit loelcher Maßgabe «twrder dir Errichtun» eine» abgesondert« Gmte»di«str« »der dir Bildung einer neu« Synagoge z, gestatt« ist. 'Die Z." zwrifell daran, daß da« Ministerium fich auf dies« Weitläufigkeit« etnlass« «erd«, man werde da« ganze Gesetz einfach aufheb« —. Aber ohne vorher di« Siecht»«, Schulden- und Befitzverhältnissr zu ordnen, geht da« doch wohl nicht an! Berichte und Correspondenzm. Deutschland. IfcfflB, ’5. April. (Orig.. #crt.) i Gestatten Sie mir, Sie «ns zwei Stele« «tsmerksam g» mach«, di« in hier erschien«« Druckwerke» an« der jüngst« Zeit enthalt« stad. Die eine gehör» in di« «udrik: „Moderne» Atsch»«" »nd die ander«!ft da» reine SegemheU davon. I» «r. 14 de« „Rag. f. d. Li», d. Ausl." erwidert ei« Herr M. Maaß au« Spronau auf eine Kritik seiner Schrift: „Die Religion de« Jaden- »hnm» und die polftisch-soeialen Prineipi« unsere« Jahrhundert»". Damft mag er «» an» halten, wie er will, nnd wir hätten »»« nicht weiter darum gettlmmert, «mu er nicht schließlich, um jeglichem Mißrerftändniffe «orzubeug«, die Bemerkung machte, „daß der Unterzeichnete nubedingt »er Ueberzengung ist, daß die heutigen gebildet« Juden fich mit d« mehrgenannten Principie» in »ollkonunmer Uedereinsrimmmtg befind«, aber nur insoweit ste ihr Judmcha« möglichst vergesi« und fich nur al« ckultnrbürger der Gegenwart bettachten". Wir «thalt« an» ,ede» Unheil« über dies» Satz nnd last« lieber die Redaniou de» ^Ma^" spretheu. Sie meint: ,£m M. Maaß hat wohl niemal» Gelegrnhei: gehabt. Männer, wie dm verstorben« Rabbiner vr. Michael Sach» in Berlin» d« Seminar- Direktor vr. Zacharia» Kranke! jn Breilau und sehr viele andere jüdischreligiöse Zeitgetuess«, dir wir ihm nmnm könnte», näher kenn« z» lernen; sonst würde er sich diese« Kompliment, für da« ihm die.gebildeten" Jndm nicht dank« werden, wohl erspan habm". — Aber den Rach »ollm wir Herr» Maaß gedm, fich eine Stelle au« dem Bericht ,ine» Süddeutschen über „die Anwesenheit Sr. Königl. Hoheit de« Kronprinzen von Preußen" (Berlin, K. Dnnker, 1870) anznsehm. K» kan» Her« Maaß virlleicht nicht» schadm, etwa» von eine« „gebildet«" Ahr.stm }«lemm. Di« Reisend» besucht» nämlich auch den Klageplatz der Jndm, «inen Dheil -der weftlichm Dempelplatz-Mauer. „Rührend ist der Anblick", schreibt unser Bers., „wenn an Feiertag« die Jndm, Jung ut» Alt, Man» und Seid, da ihre Klag» um Jemsalem anstimm«, ihre Gebet« »urtb Lvaltm nnd Löcher im Gesüg« der unterm Steine hineinfltistirn, um fie in »erborg»« Räum« de« kempel« gelang« zu laste«. (?) Auch jetzt «arm einig» Rabbiner zugeg«. Al» der Kronprinz wünschte von dieser Stün« etwa« zum Andmkm mitzunehmen, hämmerte sogleich Jemand an eiuem der Steinries» herum, um ei» Stück abzuschlagm." Da erlaubte sich der Reisebeschreiber die Bemerkung, daß da« di« Gesühie »er «twesmdm Jndm sehr verletz« könm», und sofort befahl »er Kronprinz da« Häm«»» einznstellm, und begnügte sich mit einigen Mauerpflänzth». — -W-Omtzen, 24. April. (Orig.-Svrresp.) Wäh.cnd so Manch« mit Freuden dem Augenblicke entgegensehen, bir jede staatliche Bevormundung und jeden Thetlnahmezwang aus hebt, können wir' hier zu Lande nur mtt einem gewissen Grauen eine solche Herrschaft der Formlofigkett erwarten. Große Gemeinden «xistiren nicht — kleine, zum Theil nur Mtnsanim, bilden die Mehrzahl. Durch die zur Zeit noch bestehende Organisation, sowie durch die Unterstützungen durch den provinzialfvnd» all>än wird e« nun ermöglicht, daß Lehrer in genügender Zahl «ngestellt werden können, um, im Ncthfall durch Wanderuntervcht, der Jugend Kenntniß von den Grunblehren der Religion zu verleihen. Die Oberaufsicht des bettefienden Landrabbinerü abor ist unumgänglich, um dir oft widerwärtig kleinlichen Streitigkeiten dieser Homoncnli von Gemeinden mit ihren Lehrern und vio« reraa entweder im Keime zu ersticken, oder wenigsten« zu verhüten, daß nicht jede Bagatelle an die große Glocke gehängt wird. — Man komme uns nicht mit Amerika! Etwa« Andere« ist rt, weiut auf jungftäulichem Boden ein neue« Gebäude errichtet wird, ein Andere«, wenn au« Trümmern und auf umwühltem Grunde statt de« festen Hause« eine nothdürftige Behausung hergestellt «erden soll, vielleicht — die andern Vorzüge unserer Orgimisation hoffe ich den Lesern Ihre« Blatte« in der Folge mitzuthetten — werden Bedenken ähnlicher Art in Berlin an maßgebender Stelle schwer genug wiegen, um nicht alle«, auch un«, mit einem Federstriche in da« Tohu Wabohu hineinzuftürzen. Zwar itm jetzigen Leiter diese« Ressort« wäre e« wohl nicht unangenehm — wie e« in diese« Blatte öfter treffend »»«geführt worden — einen solchen Zustand über die Juden zu verhängen, so daß re nicht ungern gesehen «erden sollte, wie man hier fich erzählt, wenn durch Grlrdigung irgend eine» wtchttgen Ämter aue tem Schooße der

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