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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-05-04 · 18 (4.5.1870) · p. Seite 151

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
18 (4.5.1870)
Date
1870-05-04
Page
Seite 151 (sequence 3)
Language
German
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151 M«f amtzlPtü! Mmc Mn anfrat Set»; <te Ansfpench fc* HaoG fM# omM sie als |titaMM. 3a kn 5. S«W» — 9.100 — ke Ipftfett n «in» rinWtigr (Mach spätere goeschnagen «kn «lS ganz richtig orwieseae) Rnstcht apnltscher Loahleertt; — — gleich kenft n »UM» *a «mcher» faat*", aa kcn Jak« Apella, welchen Name» all» jcnfriM kn Tiber — ka hottigm ®krt*»— awkncakm Juden appellatiktfch ftlhrten, indem n itzaeu leichtgläubigen Giaa »«wirft. Jedermann wirk aaa geneigt sei» ja faagia: Sie sännt sich velehrnnglsncht tmk setchtglänbigkett ta »iaem aak knaselben Volkscharakter? Wie laim sich Der, welcher bei offenn Propasiaaba siir seiae Ansicht labere geaiiunm »iS, in leichtgläubiger ober abergllubischtt Seile doa Aaberea besiianaea lassen? Dhat aber Nichts, „der gäbe «erd oerbräunt"; herhaltea mliffea wir immer, unb ginge auch all« Logik darsibn zu Gruak«. Israel «ber wirk sich ia seiner Logik, ia seiner klaren Anschauung», weis« auch karch tote jetzigen liebreizenden Lockungen nicht beirren lassen. Die Zeiten ber Apella sind vorüber — >777, -nb rbutsn, bas Jadenihn« der Jetztzeit kann am lichte» Dag», kann unnmchr frei erklären, daß «s außer jenir seiner nationalen, dreifachen lkrone keine anderweitige .Frsumig" bezehtt als di« eines ,Mitten Namens", welchen es sich dnrch die hiaaaaiftisthea Grnukidern seiner Lehre, karch allseitig«, allztitige Be thßtigaag allgemeiner Menschenliebe, durch die glänzenden Namen seiner «vissenschaftlichen Größen bereits erworben hat. Und in solchem Streben wird Israel — der Einzelne und die Ge sammtheit — wch ferner ans harren, welche» verderblich» Ansinaen man auch an uns stellt, was man immerhin in No» von uns will. Sir sind and bleiben unsere» Bernses eingedenk: „Ihr Alle seid mir «in Neich doa Priestern" (Ezod. IS, 6), „seid Alle heilig" (Scott 19, 3) — heilig im Denken und im Dhnn — .amsehlbar ist nur der himmlische Schutz, fels (Deuteron, 32, 4), „der Einigeiuzige, (froigt" (Deuteron. 6, 4). Belästige man darum da» Judenthum doch nicht länger mit jener Phraseologie »m den „Verheißungen der Rückkehr" und der „Seinlese"! Senn, »oie der Papst selber meiM, die ersehnte Weinlese wohl „noch nicht ganz vorgeuommen werden kann", mm, .welch« .Einzelne Lraubea" kann di« Lurie dann pflücken? Doch wohl nur saure, ans welchen kein „edler Kirnewitin" gewonnen wird. „Er hoffte, daß er Trauben bringe, doch er bracht« Heerlinge."-will man di« von uns haben???*) •) Während Obiges gesetzt wurde, widmet die „Verl. Monl.-Z." dem Berliner Longttß der Missions-Gesellschaften folgendes Votivtäfelcheu: Die wir behalten vollen, die kriegt Ihr nicht, und dir Ihr kriegt, die wollen wir nicht behalten. Israel in Berlin. (Ned.) Wochenbericht. (Schluß vom 27. April.) Kr»«i»eich hat man sich gewöhnt als dich -and der Gleichheit aller Culte, als die Heimath der modernen Ideen, als stet von religiösen BorurtheUen zu betrachten. In Hinsicht auf die gesetzltchm Einrichtungen und die öffentliche Verwaltung ist das anch richtig. Daß gleichwohl auch dort mch viel, recht viel Judenhaß tu verschiedenen Schichten der Betöllertrna waltet; ist nur denjenigen unbekannt, welche die Dinge 'in »erschönemder Entfernung betrachten. Doch muß es auch dm best« Unter« richtet« überrasch«, u«erdiugS in französisch«« Blättern und Schrift« einem Juden haß zn begegnen, der an glühendem Fa» natismus und wilder nackter Rohheit die Wuthauiibrüche ultramontaner Volksblättchen in Bayern und Oestemeiö» weit hinter sich läßt. Ss ist leider nur zu klar, daß daü Alles mit dem Sonett? mit den auf Herstellung der päpstlichen Allgewalt gerichtet« Bestrebung« zusammenhängt, und daß es sehr unüberlegt wäre» diese Dinge alS ganz unbedenklich und unbedeutend auzuseheu. Da hat ein Ehevalier Gougenot de» Mouffeaux schon geg« Ende des vorig« Jahres ein Buch: „Dec Jude, da« Judmthum und die Berjudung (jvckuisution) d>w christlich« Völker^', gefchriebm, dem gegenüber die Schriften und Red« unserer Wagmer, Wagner, Wantrup nur haimlose Neckerei« find. Wir seh«' au« französisch« Blättern freilich, daß der Ehevalier ein halb Wahnsinniger ist, deffen Verstand durch Magie und Geist-rseberei zerrüttet ist — aber wenn mm die ultramontanm Zeitung« ihm gleichwohl semndtt« und seiae und seiner Gmoff« unsinnige Behauptung« als Beweise gelt« last«? Wir wollen nach dem „Untv. Jsr." eine kloin« Prob« gebm. ,,-e Monde" vom 1. d. M. dtirt die Wort« einet italienisch« Freimaurers: ^.ich Hab» kea Orden mrlaffen, «eil ich die tiefe Uebtrzevgnng gewonnen habe, daß wir aur ko» Werkzeug der Inden warm, welch« na» zur gänzlichen Zerstörung de« Lhriflenthums trieben — die finden leiten das Ganze". Der „Monde" seht hinzu: Me Berliner «esellscha/t in den Jahren 1789-1815. von L. Hillebrand. (Rach der „Revue des deur monde«".) (Fortsetzung.) Unter den jüdischen Salon» in Berlin zeichnete sich besonder» der de» Banquirr Lohen durch seinen Luxus und durch seine Eleganz aus; die «migrirte Erzieherin eia«» Prinzen von Geblüt, grau >wn Genlis, die in diesem Hause als Gesellschafterin angestellt war, ließ hier französisch« Lomödie spielen. Di« reizende Tochter des Hauses, Adele Lohen, lernte hier Leuchsen. ring, der zugleich Mystiker, Lharlatan und AbeMeurer nar» kennen, und es fehlte wenig, ft> hätte er sie geheirathet — natürlich nur wegen ihre« 8ermögen»; aber sie rettete sich noch bei Zeiten und heiratheti bald daraus einen preußischen Grafen. — In einem andern Salon, bei dem Geheimrath Ephraim, verkehrten namentlich die adeligen Offiziere und die Männer der Wissenschaft mit Borliebt. — Der Banquier Meyer blieb hinter den genannten Häusern nicht zurück, und seine Töchter vertunkelten durch ihre glänzenden Heieathen das Glück ihrer Frenndin Adele; kirnt sie kamen durch ihre Heirathen in die Lage, die elegante Gesellschaft zweier Hauptstädte, Berlins und Wien«, zu beherrschen. Schön und litbensndtrdig. waren Velde seit ihrer erst« Jugend vielfach umworben worden. Sarah, die ältere der beiden Schwestern (geb. 1700), soll sogar »ou Lesfing tmk von Herder angebetet worden sein, auch Goethe fand sie reizend und correspondirte mit ihr, obwohl sie, wie böse Zungen behaupteten, nicht geistreich war; Frau v. Genlis betete sie an mch der Fürst von Liga» war von ihr lebhaft eingenommen. Rach einer traurigen und herzlich kurz« Lonventionseh« «rat sie zum Lhristenthnm über» keime dann wieder zum Glauben ihrer Väter zurück und verheirnthete sich endlich mit einem litthauischen Edelmann, Baron Grotthni». Sie hatte ein; Me« Herz, aber litt au einer Eitelkeit, wtlche an Tollheit ge gränzt zu habet scheim, und au ausfallender Loquetterie. — Ihre jünger« Schwester Marimme war weniger koke», aber dafür war sie geistreicher; ihr» Schönheit war zwar weniger kerftlhrerisch, aber desto reizender und zierlicher war ihre Gestalt. Sie »erstand es besser als ihre Schwester, ihr» hohen Ansprüche zu verbergen, «eil sie kälter und klüger war. S» sie einen Genuß haben konnte, ließ fie sich denselben nicht entgehen, uni, sie kostete ihn »aun mit einem gewissen Wohlbehagen, getreu ihrem Sohsspruch: Apri* moi le dein#«! Mit 15 Jahren ließ fie sich ohne Wissen ihrer Eltern taufen, u-n leichter Zutn« in die hocharistokratische Gesillschrft zu erlangen, sür die sie schwärmte. Und fie erreichte ihr Ziel. Goethe, der fie 1797 kennen lernte, fand sie außerordentlich liebenswürdig und machte kein Ge heimniß daraus, daß fie in ihm eine sehr lebhafte Zuurigutg erweckt hatte. Roch 13 Jahre später hatte er in Döplitz um für fie Augen und um bei ihrer Anwefmcheit fühlte er sich wohl. In Berlin hatte st« immentlich unter dem diplomatischen Lorp« ihre Anbeter: der sächsische Gesontte, Gras Geßler, ward dlv« von seinem vornrtheil gegen ihre jüdisch« Geburt Mn einer vermähluug mit ihr abgehalten; der dänische Gesandtschaft s-Attochö, Lhristiau Graf Bernstorfs, konnte mir dnrch die energische Siderreii« seine« Vater« Mn einem Hrirathsantrage zurückgehalten werden, und als eidlich sein Vater ge storben war, kam fein »mrag — zu spät; denn ihr Lhrgei, hatsie unterdessen zu einer morganatischen Lhe mtt einem Fürsten »in Rinß zetrieben. Nach dem baldigen Tode ihre« Gatten erbte sie rin ansehnliche« Bermigeu und den adeligen Namen Fran von Eybenberg. Run fiedelte sie 1799 nach Sien «ber, von wo au» fie jedoch häufige Besuch« in Berlin matzte. In Heiden Hauptstädten verkehrte sie mit den vornehmsten Dame», uw die Herzozw von Kurland, die Fürstinnen von Ligne und von Llary leben mtt ihr src,' vollkommen gleichem Fuße.-Aber die Nemesis wuchte um di» beiden Schwestern sür di» UnlaMerkett de» Mittel» zu bestrafen, dnrch da» sie emporgekommen waren; fie erlebten noch einen Glückswechsel:!xr lSaron Grotthni» ward dnrch den Krieg ruinttt und seine Frau mnßtt sich sehr einfchräaken; and die Stttwe de« Fttrstrn von Neuß, die nur für lten Augenblick lebte, mußte plötzlich nach der Schlacht bei Austerlitz den »ollsttmdiipn Verlust ihre» vermögen» erttagen. Sie starb 1914 arm und verlassen. (Forts, s.)

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