Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 17 (20.4.1870)
- Date
- 1870-04-20
- Page
- Seite 146 (sequence 6)
- Language
- German
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146 sondern immerdar ihm Ziel und Richtschnur gewesen ist. Der Reform der Wissenschaft, oem Zuge der Zeit sind wir so ergeben, wie irgend Einer, der sich deffrn vielleicht rühmen mag; aber wir wisien auch, waS wir dem einigenden Baude schuld«, welche alle Irden deS Erdballzusammmhält, und sie berechtigt, nebm ihrer Stellung al- Staatsbürger sich in ihrer Religionsgemeinde als (Glieder der gefammten Judmheit zu bezeichn«.— Wohl ist unsere Stadt durch da» Synagog«. Gebäude in der Oranimburgerstcaße um ein« Schönbau reicher geword«, aber mit welcher die Kräfte unserer Gemeinde übersteigend« Kostmlast! Noch wct§ die Gemeinde nicht einmal, wie hoch die au sich gewiß gewaltigen Kosten dieses Prachtgel'äudeS sich belaufen. Das aber fühlen und wissen wir Alle, daß der zu splendiden Verwendung des GemeindevermögmS md» lieb ein Ziel gesetzt werdm muß, damit Ordnüng und Sparsamkeit, ohne Berkürzung berichtigter Forderungen und Ansprüche, wiederum Regel und Vorschrift werde. Die Gemeinde, welche früher keine Schulden cinzugehm brauchte, steht, abgesehen von der Synagogenbau-Anleihe, tief verschuldet da, ihr Grundbesitz ist mit Hypothek« belastet, milde Stiftung« mußten, ohne Nötbigunz, sich zu Geidoperation« hergebm, und die Steuerschraube scheint endlos werdm zu vollen." — Nun soll« Sie auch aus dun Programm der liberal sich nennend« Partei — in Wahrheit aber den ungerechtesten Zwang ausübmd — einige Sätze kenn« lern«. „Wft wollm dm Fried« in der Gemeinde", heißt es in dem betreffmden Rundschreit«, „und glauben il>n am sichersten dadurch zu erreich«, daß wir auf dem betret«« Pfade mit Mäßigung vorschreftm. Die alt« Institution« bestehen nebm den n«m unangetastet und sie soll« nicht anzetastet werdm, eS ist nie der Versuch dazu gemacht worden". NoH nie aber ist ein cffmtlich gegebmeS Vcrsprechm, so heilig und theuer in feine« Inhalte, so trmloS gebrochm worden, wie es hier unter der Devise des Fortschritts geschehen ist. Ich werde in meinem nächst« Briefe Gelez-nheit nehinen, Lurch einige Details die» näher zu erweis«. Merkt», 18. April. In den Zagen vom 26. hi« 28. April werden wir hier in Berlin einen absonderlisten Longreß haben. Dir sLmanlichen deutsche» Gesellschaften znr Beförderung de« Shristeochum« unter de» Inden werden hier tag«», auf Emladnng der' hiesigen Gesellschaft, deren Präsident der Exminrfter ». Westphale» ist und natrr deffrn Vorstand sich außer dem komischen Herrenhäusler L-eafft v. Pil ach eia» Schaar der streagglänbigfteu evangelisch«» »der richtiger lntherffche» geistliche», darnater der lwvermeidliche Laak, befinde». Aach einer Miuheilnag in der ,^lreazzeim»g" wird u. A. der jüdisch« Prosetpt, Proseffor Paul»» Laffel, vormal« Selig Laffel, welcher t8ÜÜ al« Mitglied de« Abgeordneter Hause« für Teltow mit Waatrup in lächerliche» Reden rivalist, te, ihn ab«, in posfirlichem Aulehen mit hinter sich ließ, einen Bortrag stier da« fchvnerige Thema Hallen, „wie di« Theil- »ahm« »er christliche« gemeinde» tm der Judenmifstou erweckt na» in reicheren, Maße gemehrt »erden kan»/' Di« lZvdrnrmsstoa ist i» Deutschland Übel daran; auch in de» iiirückgebliebenst«» Gezrudeu von Tentschland wollen di« Bauer», wen» st« auch »och für die klaftern delehruug mehr beitragen, al« pur Erhöhung der Schultet rergehälter, doch kein Geld für die Jndenbekthrnug «rseru. Der groß« englische» Judenrnsstoasgcsellschast, deren Missionäre stch ostmal« wachen-, ja mauateloug in d>» ruit zahlreicher jüdischer Limvohnerschast versehene» polnisch-deutschen Slldten de« Osten« niederlaffen, soll jeder getaufte Jude tau halbe Düllio» Thal,* kosten, als, tmrseadmiü mehr, al» der hiesigen HeidenmiffioaHgeftllschaft nach de» Abgeordneten Parffiu« Berechmwg der getaufte Laster. Die deutsche» Judemoifstoudgesellschaften ziehen ihre Beiträg« außer von jüdisch«, Prosechteu uur au« den exclusiv orthodoxesten streife, der woblhabeudea Sevöllerrmg, und in diesen Kreisen pflegt mau mit Geldbeiträgen keine« weg« verschweul «risch umzugeheu. Da» Thema de» Proseffor Löffel ist also sstc diese Ges.-llschafreu sehr zeitgemäß. (Ostd. Z.) bl K««d«rß, 10. April. (Orig.-Corresp.) Die hiesige Talmud-Thora-Schule hat daö Recht, Zmgniffe zum einjährig« Dienst auszustellcn, erhalt«; der Rse'schm Schule (Freischule) ist es verweigert worden. Sie können sich deukm, welche Sensation dies nach verschieden« Seit« hin erregt. 0 L«««o»er, 13. April. (Orig -Correip.) Wiffen Sie,! daß manche freundliche Leser Ihrer Wochenschrift es nicht in der Ordnung gesund« Hab«, daß Sie von der Jubelfeier unsere«! Fraumvereins nicht» erwähnt«, da doch andere jüdisch« Blätter dies getha« Hab«? Die Sach« selbst ist Ihn« ja bekannt gewesen. Indeffm wie seg«»reich auch der Verein gewirkt und wie ft«dig man die» in der Gemeinde anerkannt hat, so besteht und geschieht doch Aehnlkche» aller Ort« unter Jud«, und so wäre von hier al» Besondere» nur zu erwähn« zewesm, daß die Feier ohne all« Pomp und ohne groß« Lärm begangen Word« ist, ganz so wie es hierort» Brauch ist. Da» „wir selber, wir müssm un» lob«" ist hier nicht so im Schwange. Doch will ick Ihn« bericht«, daß acht hiesige Dam« zu einem Comitv zusammengetret« sind, um für ein N211V zur neu« Synagoge zu sammeln, und in drei Tag« 1450 Thlr. znfammmgcbracht Hab«. Junge Leute Hab« 400 Thlr. zu einer Cduppa gest«ert, ein Mitglied hat 100 Ld'or für zwei Eande» laber und ein TCT "0 gespendet» und ein andere« Mitglied schmkt zwei weitere Caudelaber. In der zwölstm Stunde ist nun aber ein Maler-Strike hier eingetretm, wodurch die Vollendung der neu« Synagoge zu der Ihn« früher gemeldet« Frist ftaglich geword« ist. j 3 Aempe«, 7. April. (Oriz.-Eorresp.) Da Sie, geehrter; Herr Redakteur, bei jeder Gelegenheit einen so regen Antheil am , Schulwesen nehmen» interessirt Sie vielleicht eine Aenderung, die in jüngster Zeit hier vor sich gegangen. Die Missionsschule nämlich, die bisher hier bestand« hatte, ist durch d« jüngst erfolgt« Tod ihre» letzt« Lehrer» eingezaagm. Wenn wir nicht irr«, war eS die einzige Schule dieser Art in der Provinz, und wer weiß» daß neben unsem christlich« Mttbürzern auch viele Juden ihre Kinder in diese von Missionär« geleitete Anstalt geschickt haben, der bedauert sicher nicht, daß auch sie zu leb« aufgchört hat. Sie hat zwar hier keiue einzige Seele bekehrt, aber ei ist doch besser so, und wft zweifeln nicht, daß unsere Gemeinde gern da» Opfer bringt, da» jetzt an sie herantritt, und daß sie ihre Schule willig erweitert. Zu dm bisherig« drei Klaff« werden noch zwei n«e errichtet werdm, so. daß unsere Jugmd von nun ab dmselb« Unterricht von Jud« erhalt« wird, für dm sie bisher der Mission hat dank« müffm. Leipzig, 12. April. (AuS einem Privatschreibm de» Her« M. Kohner.) ,,E» ist unsere Absicht, die nächste Sitzung de» „geschästSführmdm Ausschusses de» GemeindetazeS" währmd der Meffe am 30 April und 1. Mai abzuhattm und zwar öffmtlich in unserer Synagoge lmau bekommt kein große» Lokql hier währmd der Meffe), um dm amvesmd« deutschen GlaubmSgmoffm Gelegmheit zu gebm, durch unsere Verhandlung« dft Tmdmz« deS Gemeindebunde» kenn« zu lern« und dm sich interefsirmdm und etwa anwefmdm Borstehe« und Repräs«- tantm deutscher Gemeind« Gelegmheft zu nützlich« Vorschlägm zu bietm. Dadurch glaub« wft da» Jntereffe tu größer« Kreis« anzuregm.-Wir denken auch ein zündmde» Wort für die Alliance in die Maffe zu werfm und zur Bildung von Zweigvereiom und Beitritt rc. anzuregm, wodurch fakttfch jeder Verdacht einer Coucurrmz von unserer Sette widerlegt wftd. Wenn der Materialismus der Meffe dft Mensch« uichft gar zu nnempfindlich für Allgemeine» macht, soll >Y*k die Versammlung von Sezm sein*). Oesterreich. 7m der «ttUttn Pmm, 8. April. IV. (Orig.-Corr«sp.) Nachdem da» Uebel — die Sistirung der CougreßvollzugSbestimmung«» — heretngebrochm und der CrystallisatiouSproceß der concentrirtm Congreß-Salzlöfunz allüberall in» Stock« ge- *) Die» ist auch unser herzlicher Wunsch, wir veröffentlichen daher sehr gern da« vorstehende und bedauern nur sehr, daß e« durch die I «tägige Panse etwa» spät geschehen muß««. (Kcfe.)