Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 17 (20.4.1870)
- Date
- 1870-04-20
- Page
- Seite 145 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/5369809-5934980-5935162--0233-5369966- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
145 bnk«»#cknb, Min »tr btt imf 3abt, Mb btt caigt Jnbe t* rat Schlißt seines &wft» bk Treppe» M iln » Rn mminigk» Bifchöft» brr lieft bbu*fi<Rkgra. I» Ibm |*bn »ir pm letzk» Male bk Reise wm bk veil» gemacht." Unb Pi«» IX. tmtbcrtt liebe»»!: ,Meine Rtabtr, ich »hm« Sner PostulaMm «», ich »erbe t» selbst bm Ckfretit beS CmcII» über,zeb«. I« e« ist pastnb, j« eS ist gnt, «» bk JSrneSk» einig« Work bei Ermahnnng Mb bet Ermnthignng z» richte». 9att , Rntk« hat « bet heilige» Schrift gewisse Werheißnrge» bet Rückfthr. kßen» bk Weinlese »och nicht ganz vorgenommen we^n kau, «öge n»S bet Himmel wenigsteaS einige Lranbe» schenken." Dann segnete bet heil. Water bk beiden Brüder Mb sagte ihnen noch tß itmt Lrnmthignng: »Ihr arbeitet sstt Lner Walk, ba» ist ei» hoher Beruf; Ihr wollt für Sr «aS Kose» gethan hat: sie befreiend Dagegen sieht man, wie vortheilhast eine tolerante Um» gebnng, wie sie die Türkei bietet, wirkt» an ->em Erlaß deS griechischen Patriarchen Georg von Eonstantinopel. Er hat-an seine Gemeinden einen Hirtenbrief erlassen, in dem folgende Sähe z» lesen sind: »Der Bberglanbe ist ein verabschennngStolirbig«» Ding. Znnt Unglück sehn wir beinahe bei alle» christlichen Wöller» b«S Orint» bk ertra- »»gante Idee anstanche», baß bk IStaeliten Christeublut genießen, »m babnrch be» Segen be« Himmel» z» erlange» »bet »n> ihrer tcabitionelk» Rache gegen Christen Wealtge zn ihn». Deshalb eben steht man »nch cht stlnllagen »ab Conflifte anSbrrche», durch welche bk sociale Harnionie nnkr be» Entwöhne« beffelbn Lande», ja sogar ei» «ch beffelbn BaterlanbeS gestört wird. So verbreitete «au anch vor Kurz« m erst da» Gerücht dn bet Lntftlhrnag kleiner Chris leukiader, am Anlaß )i verdächtignug« zu staben. Wir ansererseits veralifchen« dergleichen lügmhrfte Idee», wir belrachk» dkselben al« Lbergiarbe» beschränkter and glnbenSschwacher Mensch« uul> mißbillige» benselbn offiziell. Sir glruben, daß jebet fromme Christ von seinen israelitischen Mitbürge« gllnttiger denke» sollk. Sekt bk mosaischen Gesetze, »ach bk gegenwärtige sociale Sntwickelnug bet Indtn, »och auch bk natürliche Saustmuth derfelbw rechtsrrtigea so lüg«,hafte Zunutthuagea." (Schluß ftlgt.) — — Lkrichte und Correspondenztm. Dealschla«-. ll Briefe auS Aerti», ÜL <Orig..l5orresp.) Sie werden begreifen, daß. je gespannter die Micke auf die Neuwahl der Gemeindevertreter am Schluffe de« Jahre- 1868 gerichtet waren, desto eher und desto mehr die geeignetst« Vorbereitungen für d« bevorstehend« Wahlkampf getrost« wurden. Mau fühlte e», daß noch nie die Erganzung-wahlm unter entsterm Verhältnistm vorgeuomm« sei«. Während früher Prinripieu tu dm Vordergrund trat«, lag« jetzt vollendete Lhatiacheu vor, die sich zumeist iu dm drei Jahr« entwickelt halt«, denn au« dm Zusag« von damal« war etwa« ganz Andere« und Gruudverschiedme« geworden. Al« vollbrachte Tharsache betonte da« Begleitschreibm zur Ea»didatew«ste. wie solche auder am 17. November 1868 stattgehabtm Versammlung hervorgegangm: „Ein Prediger und Rabbiner ist berufen, die neue Synagoge dem Gebrauche äbergebm und ein nmer Ritu« daselbst einzeführt worden. Während aber", heißt e« in jenem Schreib« weiter, „dem Berlaugm eine« Theil« der Gemeinde vollauf Gewährung geword«, harrt eia großer Theil derselbm noch immer der Erfüllung seiner gerechten und billigen Wünsche. Wohl hat «au in der alt« Synagoge, ohne alle Gewähr für die Zukunst, die vor 13 Jahr« in dieselbe eingefährte Gebetorduung belast«, aber die Belehrung von der Kanzel nicht so ertheilt, wie sie dm religiös« Gefühl« der ständig« Besucher de« ehrwürdig« Gotte-Hauses eutsprechm konnte, mtsprechen mußte. Doch wir wollm kaum vernarbte Wuitdm nicht wieder austeißm, wohl aber mit 8uz und Recht darau erinnern, daß der ältere Gemeindebeschloß, wonach zwei Rabbiner und Prediger berufen werdm sollen, noch immer unausgeführt ist. Allerdiuz« find feit zwei Jahr« Schritte zur Verwirklichung diese« Beschlustes gescheh«, und wir dank« e« nur dem gut« Sinne und der UeberzeuguuzStteue eineS THeile« unserer Repräsmtant«, daß diese Verwirklichung nicht in einer Weise erfolgt ist, welche die Auflösung unserer bald zwei Jahrhunderte blühenden Gemeinde zur Folge gehabt hätte. — Gewiß Hab« die oerschiedmen Partei« da« ei»e große Jntereffe, die Gemeinde zusammen zu halt«, sie ferner stark und groß werdm zu sehm. Da« aber kann unsere« Eracht«« nur gescheh«, wenn das dem einen Theile bereit«' gewordene Recht auch dem andern nach gleichem Maße zu Theil wird. Das setzt voran«, daß der zu berufende zweüe Prediger uud Rabbiner nicht der Vorkämpfer der weitestgehend« Reform« sei, sondern daß er in Wort und Thal da« historisch-positive Judmthum lehre, uno die Gmreiude auch klar «kenne, daß derselbe nicht erst seit gestern und h«te, morgen Hunger» zu müssen. Später kam et zu einige« vermögen, indem er von einem jütischen Familienvater, der ihn als Lehrer feiner lkinber achten gelerm, zum Theilhabrr feines Geschäft» gemacht wurde. Er hatte sich derheirathet und seine Familie betete ihn an; aber seine Lwze war gegen da» Jahr 1760 noch lange nicht so, wk fie 20—25 Jahre spä ter sei» sollte, «r hatte da» Für uid Wider aller Religion« reiflich erwog« und b« Glaub« seiner Väter al» b« vollkommensten gesund«, we»halb er selbst ch« un- «rschlltterlich treu geblieb« war vad seine lkinber in denselben hatte erzieh« last«. Anfang» ha«« sie vkl darunter zu leid«: bk vorurtheile de» Volk» war« »oh stärker al» brr Wille de« König», nach best« Wunsch „iu sein« Staaten lieber nach seiner Art selig werdm sollte". .Hier, iu diese« sogeuaunku Land« der Toleranz", sihrkb MendelSsoh» datnai», ,zebc ich wegen der Intoleranz so zurütlgezog«, daß ich au» Lkbe zu «ein« Kinde« gezwung« bin mich d« ganz« Tag eiuznschließen. Stur von Zeit zu Zeit geh« ich mit meiner gamilk spazier«. — Papa, schrei; dk lkbe Unschuld, wa«m schrei« un» diese Gastmjuug» nach? Warna»-»erfta ste un» mit Ski»»? Sa» Hab« «ir ihn« getbau? — Ja» lieber. Papa, sagt eia andere» der Kinder, st» verfolg,» na» immer in b« Straß« uni, schimpft» un»: Juden, Juden! Ist e» im» eine so große Scharbe, Jude zu sei»? — «ch, ich schlage dk Aug« nieder uud seufze bei «k selbst: Menschen, Mensche»! wk »eft habt ihr e» komm« lass«!" Zu dies« Anfechtung« kam noch dk Exklusivität der Jnd«, dk noch «rößei: war al» die der Christ«, welch« «nch mußk MeadelSsohu desitz«, um deutsche Bücher pt lesm und pt schreib«, nachdem bk jüdische Gemeinde in Berlin »och 175« ei» Kind au» der Stadl »erwies« hatk, well r» ein Buch im Aufträge «ine» Christ« «n» einer Straße in eine «ndet« getragm Und MeudclSsohu schrkb dort sogar sei» .Jerusalem", «in Sers, da» ltant al» „da» Anzeich« einer groß« Reim« begrüßte, dk sich zwar längs«» vollpehe» aber «Oc Religion« rin« werde", der »ollständig« Xfmaang von Kirche mb Staat. Da» Han» Mendelssohn» war einfach, bescheib« und gastsrruadschastlich; er vereiuk hier dk ftrmerftrrngm Tradition« de» JudmU,,tm» mit dem EtwmripatioaSgeistr de» Jahrhundert». Der Sabbach war geheiligt; die Smnmetbinde umschloß da» Haar der HauSftau nach alter Sitte; dk junge Dorothea, dk Tochter br» Philosoph«, ward vru ibm zu 15 Jahr« ver heirathet, ohue daß er sk beftagt hake. Der kesfliche Greil ließ stch nicht ahn«, daß ste und ihre Schwester H«^ rette, dk beide gule Köpfe, aber phamastisch und txaftirt warm, dereinst feiner Erziehung ein so grauiame» Dem«N und der Welt ein so auffallende» Beispiel der Abtrünnigkeit gebm würdm, indem sk sich mit srommem Cistr dem .Katholizisimi» in dk Arme warft». Auf der andern Seite hatte der Geist der Ncuzei: in da» Hau» Mendelssohn» Eingang gesund« und mit ihm dk Gastfreundschaft für vornehme uud gebildete Christen. Freilich mar er dafür bei bin alt« Orthodox« schlecht angeschrieb«, und wenn «au ste gehört hätte, so hätte man d« Töchtern J«racl» alle Berühmng mit dm Christ« untersagen ntlifftn. Aber diese juugm Damm ftlbst dcchku auder«. Fü> ste hatte da» wirk« Mendelssohn'» schon d« praktisch« Erfolg gehabt, das ste eine freiere und de» Tendenzen de«. Jahrhundert» mehr entsprechend« Erzikbnug «i »alten hatten. Sie liebt« moderne Lektüre und nammtlich die englisch« Romane. Sk hattmFranMsch gelenk, weil es zum gut« Ton gehörte uud wtt wem hält« fie converstr« soll«, wen» nicht mit d« jung« Edelleuk», dk au» Pari« zurückgekomm«? Allerdings verstand« dk Elte« dk fremde Sprache nicht; aber um ft bester — die junge Welt lonnk ja dann ohne Coutrolle mit einander plaudern. „Deßhalb ließ« sich," wk Schlei mnacher seiner Schwester (Angust 48) schrkb, ,Me jung« Herr« vom Ad«! and von der wiffenschaft, welche dk seine Welt seh« wolk», ohne sich zu vkl Zwang aufznleg«, in dies« groß« jüdisch« Hänse« einsühr«, wo sich alle Männer von Geist eifrig versammeln." (Forts, folgt.)