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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-04-20 · 17 (20.4.1870) · p. Seite 144

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
17 (20.4.1870)
Date
1870-04-20
Page
Seite 144 (sequence 4)
Language
German
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- 144 H»M an Schild« fU/it, ft glmtcn ih» M emtSU, Rfegtr n) Xmm, weil fit ihr tmaoL Mit fen SalfMt eine» selche» BntcaKX iß «her sch«, immerhin tota* gnMnaca." Dr. Fischhof ist bekawttl ch Jud«; e» ist allerding» nicht erfcrderlich, daß die B. B. 3diese» ttmjtaafe erwähne — mtr da» ist eigettthümlich, daß der k«isatz „Jude"' nie vergeffe» wird» wenn dem Träger kein Weihrauch gestreut werde» soll. Dir habe» da al|e von einem bedeutende« Maime gehört» der au» dem Zudeathiou au-getreteu, von einem ander», dm wir mit Stolz de» Ursern «euren, und der stolz darauf ist, e» zu sei» und zu bleiben; dagegen gibt e» auch Leute, auf di« stolz zu fei» »«der Christen noch Juden Ursache habe«. Bon einem solchen Individuum berichte» bei dem Referate über einen Prozeß, die „Alton.Nachrichten". Ei» Zeuge» der Blumenfabrilaut I,, konnte mf die Kruge» o» er lutherischer »der iSraetttrcher Eonsesio» sei, keine» Lnfschlnß geh», »eil er M »ich, misse. El sei möglich» daß sei» Later Israelit gewese», geranft sei er »ich» morde», 91» er fer»er k» Eid verweigerte «afe ih» ertlört w»rde, daß er dag» gezwungen werde» könne, antwortete er, daß er sich aarttrlich der Gewatt söge» mkffe, imd leistet« de» Eid »ach jüdische» Ritu». Der Rann selbst ist aber wahrscheinlich stolz darauf,'nicht zu wiffen, welcbe Religion er habe. Nun auch SxrateS sagte mit bescheidenem Stolz:: „Äh wnß nicht". Der Kolnidre — am Pesach? — nun freilich wir würden auch nicht vom Kolaidre reden, aber daö ,^kath. äkirchen» blatt" that dies und zivar bei Gelegenheit bitterer Klag« darüber, daß es so wenig gehalten und nicht mehr mit Inseraten bedacht werde, waS „ein Berrcith an der Kirche Gottes" sei,! und bei Gelegenheit eineS heftigen Ausfalles gegm die Stadt > Braunschweig. Also nun ist der Zusammenhang doch klar» j paffend wie Kolnidre im Pesach. Wer'S aber noch nicht versteht, dem wollen wir'S erklären (nach der ,H. Reform"). Die Stadt Brawifchweig Ijat Tetzel'S Ablaßkastm, den ihm bekanntlich ein Ritter geraubt, in ihrem Museum aufgestelll, ( darob ärgert sich daS ,K. K ' und sagt: die christliche Religion j lernt gar keinen Ablaß künftiger Sünden, wohl aber die jüdffche, > und gibt nun eine llebersetzunz deS Kolnidre rc. Die ,9tef." weift die Angriffe und falschen Folgerungen zurück; dankeuSwerth, jedoch für unsere Leser überflüssig. Bo» hier ab führt nun der Weg »ach Stoa, von wo »ach dem „Pungolo" zahlreiche Blätter eine Schandthat berichte», die wir mit Weglaffuug der Detail« wird ergeben. Gin Priester 1» Ferrara hatte ei» juugeS blendend schöne« Judeumädche» zum Opfer feiner Lüste gemacht. Daun brachte er dasselbe «uter allerlei Vorspiegelungen «ach Rom in ei» Kloster, wo sie natürlich bekehrt werden sollte, um für ihr gemordete« Glück wenigsten« die „ewige Seligkett" einzutauschen. Zweimal hat sie sich dort au« Verzweiflung an« dem Fenster gestürzt, schwer verletzt ist sie zurückgebracht und liegt in einem HoSpital der „Barmherzigkett" und hat» wie ei» Berichterstatter sagt, die Wahl zwischen Schleier und Selbstmord. TB TP »Wie lauge noch?" lautet ein beliebter Reftain der S'firagebete, „wie lauge »och wird die« Priester» regiwent bestehen?" Aber vr. Geiger will nicht, daß «tt »och also sprechen oder fühlen; e« ist gegen sei» „sittliche« Gefühl", daß wir »och an „Amalek" denken, die Paralcha Sachor ist ei» Anachronismus, und wenn wir auf Rom und seine Klöster weifen, so erhalten wir wohl zur Antwort: „wer wird sich um solche Kleinigkeüen echauffiren» e« ist ja so schön in der — Oranienburger Straße —". Und so wie es von dieser Sette heißt: schaffen wir doch die alten Erinnerungen, die Spuren de« Trennenden und Jüdisch-Besonderen hinweg, so hören wir dasselbe von anderer Seite: „so ungefähr sagt da« der Pfarrer auch, nur mtt ei» wenig anderen Worten". Die Gebrüder Lemann nämlich haben'« erreicht! 506 Bischöfe — darunter 14 deutsche, 29 österreichische — haben dem Eoncil ein Postulat»« überreicht, worin Papst und Concil aufgefordert werden, die Juden auf dem Erdenrund einzuladen, endlich ihre» harten Sinn zu beugen, Frieden zu machen, ihre alten Erinnerungen falle» zu lassen und in den heiligen Schooß u. s. w. Da» Attenstück ist in zahllosen Zeitungen abzedruckt, wir erspare» daher füglich die Mittheilung d«S Wortlaut«, dagegen geb^l wir^ über die Veranlasser des Ganzen folgende Erzählung au« der ,^Ostd. Z.": Die Gebrüder Lewa»» haben diese» Postularnm de« h. Later übelreicht — und Pius IX. sagte zu ibnen: „Siehe da die beide» israelitische» Brüder, di« beide» Priester, welche «ei Eifer für da» Heil ihre» Bolle» habe». Ja, meine Kinder, Ihr seid Söhne Abraham» und ich auch. LH, um alle diese Unterschriften za sammeln, habt Ihr viel hermngehe» und Euch recht aburühen müssen." Die beiden Brüder antworteten: „3«, heiligster «ater, wir sind viel herumgegangeu, unser ganze» Ball in «a» Großen einem andern gesellschaftlichen Silrareut« erlaubt sich zu entfalten und zu entwickeln. Unter seimr toleranter Regierung hatten e» di« Jude» endlich gewagt, da» sociale Ghetto zu verlasse», in dem sie bisher einsam gelebt hatten. Sie hatte» »Ehrend de» Kriege» große Reichthümer erworben, und al« sie nun in die Ges -llsbaft eiwretea wollten, bot ibarn derselbe die Mittel, sich schnell die franzssisch« Eivilifatio» auzueigue», zu der sie ein geheime« Gefühl der Berwoudtfchast zog. Den, die Juden habe» manche Eigenschaft mtt den Franzos,-u gemein, die dem Deutscheu weniger eigruthüm. lich find: zunächst da», war mau eigentlich „esprit“ nennt, Geist und Witz, feinen Geschmack, Spottsuckt und die Kunst, di« lächerlichen Setten einer Sach« schnell zu ergreifen; »an» den gesunden Menschenverstand und einen gewissen praktischen Rationalismus, de: auch in da» Leben hinübergettagen wird. Luch ein Alle» durthdringruder Scharfsinn hatte sich in dem Leben der Israeliten eben so sehr eingebürgert, wie in den Werken chre« Geistes. Außerdem «erden die jüdißhen Ehen neisteu» ebenso wie die ftauzösischen durch die Bermmst diktirt, und iu beiden herrscht ein Familieugeist, der diese Wahlen der Bermmst weih« und di« ziirtlichste Kinder- und Elteruliebr er» zeugt. Die edle Gewohuhett einander büzustehev, di« Klugheit und der Sinn für Sparsamkett, der Wunsch sich zu zeigen, die natürliche Beredsamkett — noch tausend andere Eigensä asten, die man beim Nachdenken finden könnte — da» Llle» ist nirgend» zweien Böllern in so hohem Grade gemeinsam wie den Franzosen und den Israelitin. E« ist daher nicht Zufall, daß Heinrich Heine und Meyerberr sich so schnell in Frankreich arclimatistrt haben: sie waren eben schon iu Dnrtschland gleichsam die geistige« Repräsentanten Frankreich« gewesen.") Die Juden Berlin» si chten also iu dir Gesellschaft einzutreteu, uud da *) Wir begnügen nn» damit, zu b,-richten, daß F v. Hoheuhauseu gegen dies« Jdeoiificiruug de« siaazöfische» mt jüdischen Geiste» im „Mag. f. d. k. d. AoSlaudeS" energisch protestirt. (Red.) sie bei den Bürgerliche» noch aus Borurtheile stießen, welch« der Adel uicht «ehr theilte, so richteten sie ihr« Blicke auf di« hohe Lristokratie. Uud diese I ließ sich nicht umsonst bitten. Durch die Einförmigkett uud Formeuftreuge ( der Geselligkeit in ihren eigenen Kreisen waren di« junge» Leut« au« de«! «dkl auf» «eußerste gelaugwettt, und sie flüchteten sich daher gerne iu die | Häuser der reichen Jude» und zu ihren schönen und liebenswürdige» Dichter», ' deren Erziehung und Bildung die Eltern musterhast besorgt hatte». Die! Herren ttafen hier Alle», wa» sie zurückhalten konnte: Luxu» uud Ueberfluß, Eleganz, geistreiche Unterhaltung und überdie» große Freiheit; denn die Wirthe waren äußerst nachsichtig, wenn man ihnen den Gegendienst erwie», ihre» Ursprung zu vergessen. Luderersett» war ater ja gerade der Adel auch in Preuße» von de» liberalsten Ideen, die damal» in der Last lagen, wie berauscht, uud de«halb lag »och ein besonderer Reiz für ih» in d»m Umgang« mtt Menschen, die erst seit gestern emancipirt waren uud ohne alle» vor« nrtheil, ohne Bergaugenhett und Ueberlieserung in einer Gesellschaft lebte», dereu Gesetze und Grundsätze sie nicht kannten. Uud wa« allensall» »och von Borurcheil in der Arisftkratie zurückgeblieben war, da« ward durch die Erwägung hinweggerämot, daß man von diese» Emporkömmlinge» durch eine xr tieft Kluft geschieden sei, al« daß man ihre Berührung hält« fürchte» müssen, und so ward Alle», wa» e» LiGgezeichuete« i» Berlin gab, iu dieft jüdischen Kreise hiueiugezogeu: Zuerst brache» die Diplomaten da» Ei«, damr folgten die Edelleute der Mark uud selbst »ft köuigl. Familie war dnrch zwei ihrer hervorragendsten Mitglieder vertrete», und auch die Gelehrte» »ad Schriftsteller fehlten nicht. Der erste uud bedeutendste Anstoß z» einer Bereinigung dieser verschiedenen Elemente war Mose» M«»del»s«hu, da» Original z» „Ratha» de« Weisen." Krä»klich, häßlich und arm, war er» I« Jahre «tt (1743), »ach Berka gekommen, um einem augebetet«» Lehrer, Fräakel, zu folge». Lufaug» lebte er i» der größte» Roch uud mehr all einmal mußt« et sich au seinem Brote rin Zeichen mache», wft wett er henft esse« dürft ohne

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