Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 15/16 (13.4.1870)
- Date
- 1870-04-13
- Page
- Seite 134 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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134 sollte. Armenier waren, wie üblich, die — Zeugen, und die uralte Geschichte wurde wieder neu. Indessen in der Türket geht eS nicht mehr »türkisch' zu, eS wurden augenblicklich die schärfst« und wirksamsten Maßregeln ergriffe», und eS ist gelungen, de« Wahn und den Fanatismus in Schrankm zu halt«. Unsere Leser, velche eine lange Erzählung von einer »Blutbeschuldtgnng' erhallen haben, werden auf genauer« Bericht verzichte». In Palißinn ist Gott fei Dank der Reg« endlich Anfangs v. M. etagettet«, aber etwas zu spät, wie man verfichert, die HungerSnoth droht anzuhallm und sich zu steige«. Sir M. Monteftore hat außer bedeutend« Summ« für die Jud« IVO Pfd. Et. für die Christ« und ebmseviel für die AtuselmänNer abgeschtckt Wir fr«m unS mittheil« zu könnm, daß die Sammlung« für Palästina auch in Deutschland gut« Fortgang nehmm. Die Jud« in Amerika begim.cn, wie wir von Anfang an gehofft, zuversichtlich erwctttet Hab«, die Einwanderung russischer Jud« «tt geringerem Widerwillm anzusehm. Sie «erd« mehr thn«, fie werd« fie unterstütz« und fördern. Am 13. März hat i» Nero-Kork eine Bersammlnng z« diesem Zwecke stattgehabt. Ist dieselbe anch, ungünstiger Umstände halber, schwach besucht ge- «esm, so soll« doch „die recht« Männer" dagewesm fei». ES ist vorläufig ein Conrtts zu «etterer Berathung der zu er» greifend« Maßregel» ernannt worden. Di« Idee, die wir bereits vor einem Jahre in unserer erst« Anregung der Sache anaMentet Hab«, scheint in Amerika Anklang zu find«: die einwandernd« Arb« soll« colonisirt werd«. Der Gouverneur Salomo» hat sehr große Besitzung« in dem Terrttorium Washington; die Leser erinaem sich, daß wir ihn« von seiner Ernmnnng, als der erst« eines jüdisch« Gouverneurs, erzählt Hab«. AIS mir die erste Kunde davon las«, sagt« wir unS: ist daS vielleicht der Finger Gottes? Wir erinnettm unS deS — damals verfrüht« — Unternehmens jenes Richters Noah, eine jüdische Colonie auf seinem Territorium zu grünt« jetzt wäre die Zett da. Wir lesm mit Freude und voll Hoffnung, daß ,^>ebr. Leader" dieselbe Idee anregt. ES ist Denjenigen, welche amerikanisch« Zustänbm ihr« Autmerksamkett zuweadm, wohl nicht unbekannt, daß es anch ia dm Vetrinigtm Staat« ene Partei gibt, welche dm Staat zu einem »christllch«' mach« «oll«. In PittSburg und Albany habm Meetingstattgefundm, welche in die Grundverfaffuug Sätze bring« möchtm wie: „der Staat muß auf Ghristmthum gegründet w-wdm", „nnr wer in Christus Gott erkemtt, kann Bürger der Vereinigt« Staat« fein." — Ob diejmigm jüdisch« und allgemein« Zeitung«, welche ia dies« Wühlerei« nur moelrer^ und farce sehen und sie Ironisch behandeln, Recht habm, oder die „N.-Kork. St.-Ztz.", welche die Deutsch« (und dir Jud«) wamt, die Sache nicht zu leicht und spaßhaft zu nrhm«, könnm wir nicht wissen. Jndeff« 'kvri tlto Ö*1K ist ein Satz, der unserer Zustiminnng nicht bedarf. Wir füg« noch eine Nvttz auS „Hebr. Lead." beit „ES dürfte wenig bekannt sei», daß Beethoven ia Meidling« bei Wi« in sein« letzt« wrglücklich« Tagen, wo er da- Gehör gänzlich verlor« hatte, theilweise von zwei seht gebildet« jüdisch« Dam« gepflegt wnrdt. Dtt eine war die wahrhaft jüdisch-fromme, geistreiche Frau Samuel Lewing« und dir andere ihre geniale Tochter, Frau Anspitz, eine Schülerin degroß« Mannes." Berichte und Correspondenzen. Deutfchümd. 0 Briese auS HterN«, U. (Orig.-Correfp.) Am Schlnffe meineerst« Briefelf. Nr. 13) Hab« ich Ihn« kurz ffl» gedeut«, wie nicht lange nach dem am 21. Juni 1860 «» folgt« Amtsantritte des vr. Aub ein« vollständige Enttäuschung auch auf Gettm d«jenig« sich etnsteüt«, welch« noch irgendwie Erwartung« an diese Wahl geknüpft hatt«. Aub zeigte sich zwar von vornh«ein sehr thättg — «S galt di« von' dm Semeindebehördm geforderte LaltuS» Reform «tt Dampf» Echnelligkett z» schaff«, und wirklich war schon im September dareformirte Gebetbuch mtt all fett»« Fehle« und Mängeln, welche die Elle und Hast fast auf jed« Sette »rrrath«, fix uud fertig gedmckt — man fand ab« doch bald auch kn jenem Lag«, daß Aub mit seinem sehr mittelmäßig« Rebnertaleate» von manchem Lehr« ein« Filtal» Gemeinde überttoff«, nicht der Mann sei, d« eia» und durchgreifend da» ersehnt« Neo«Judenthum schaff« könnte. Die nunmehr tt» all« Kreis« sich kund» gebende Mißstimmung vermehrt« sich, als Aub, wenn auch in ganz naiv« Weife, mehrfache Taktlosigkeit« sich za Schuld« hatte komm« last«. So z. B. hatte « bei d« Einweihung d« n«m Synagoge am Septemb« 1866 in Gegenwart dtt Gmnalllät und des Graf« Bismark, d« «st einige Woch» vorh« von d« blutig« Schlachtfetde« hetmgekrhtt war, mit Nachdruck auf die Worte Gotte« an David »Du sollst mtt kein« Tempel «bau«, Deine Hände Hab« zu viel Blut vergoffm" hingewtesm*). Fern«; Am Schluffe de- BerföhaungStagr» konnte Aub ia fein« Begeisterung zu dem AnSrufe sich ver» stetgm: „wir stehen jetzt wie H«knl«t am Scheidewege", womit bald darauf das Publikum daS Regtst« d« geflügett« Worte llr Berlin bereicherte. Uni« solch« Umständen konnte anch d« großarttge Tempel mtt d« Orgtttön« und de« nmm Gebetbuch« keine Befnch« anlockm, und selbst die Wenig« kam«, wie Aub in ein« Predigt sich beklagte» „ohne Gebetbuch in d« Hand, ohne GebelSwort aaf dm Lippe« und ohne Andacht im Herz«." In d« ersten Zett fein« Funktion versuchte Aub auch in d« alt« Synagoge di« Reformpredigt« aud« vi«ztg« Jahr« mtt all« ihr« FloSkein and Pheafm zu wieder- Holm, hi«bet auch mtt Ironie dm MeffiaS-Glanbm zu behandeln und höhnend zu ftag« „ob man etwa ia Jerusalem ein neue« Fürstenthum einricht« würde?" — allein e» machte sich bald dtt Unwille deS Publiknnw hinübtt fühlbar, »in Wink von ob«, soll auch erfolgt fei», und Anb lenkte ab von sein« bisherig« WLise. Seine Predigt« botm zwar immerhin weniger pofittv Jüdische«, ste war« ab« auch nicht «ehr offmfiv und h«außfordernd gehakt«. Er »«stand sich vielmehr dazu, als ein ge« hörig« Doppelgänz«, »ä«lich in zaeirrt« Gestalt, zu «schein«. In d« alt« Synagoge betete Anb andächtig «»tt, war «für die n«e gestrich«; dort trug « die Haphtarah mit dm dazu gehörig« EegmSsprüchm sogar in d« altübkich« Sangwelle vor, hi« hörte mauthneinevollständtg awdificitteUebersetzung dtesttSegen-sprüche deklamttm. Dort betete « .*p3V irajn rrbte - ww hi«: „Erfreue unS, wie Du einst »nsne Lättr durch Elia d« Prophet« nfrmt hast."") Aub konnte sogar am Sabbath *1 Latz will mW »ich» so schlimm bedanke». „Ich red» von Leine» Zeugnisse» vor König«» vvd schäm« «ich «ich«." (tzted.) —) wir wären neugierig, dm Sinn dirser Phrase (rasen zu lerarat Wann hat deuuElia» uusere Verfahren erste«? Er weist de» Vorwurf zurück, daß n Israel betrübt Hab«, ab« erstem?! Oft« ist di» Verheißung: „ich sende euch sElias rc." nach Aub'« Meinung schon erfüM? Sann de«a?I Odtt damal« am karm»l?i Erwartet also Lub, daß Gatt wird« durch rin Zeichen feiner Allmacht di« vaaltzdiemr z»rückw«tst?t (?k«d.)