Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 15/16 (13.4.1870)
- Date
- 1870-04-13
- Page
- Seite 133 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/5369809-5934980-5935156--0220-5369954- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Israelitische Wochen-Schrift. Beilage zu 15-16. Breslau, irr. April 1870. I. Jahrgang. Lehrer, Lehrer-Wittweu und Waisen in Deutsckland/ Dir Unterstützung«, welche geleistet werden, sind erheblich, fcabei besitzt der Verein schon ein nicht unansehnliche« Vermögen. Sr erfreut sich besonder« in Süddeutschland (Sitz der Verwaltung: Frank» furt a. M.) ziemlicher Verbreitung (etwa 200 Mitglieder) und mancher freiwilligen Beiträge und Spenden. Dennoch glauben wir nicht, daß ein Zusammenwirken der Gemeinden zum Zwecke der Cultu«beamtm-Unterstützung entbehrlich ist, wie der ,3«r. Lehrer', da» Organ de« Verein«, jüngst behauptet« und dm Vorschlag, daß der Temeindetag diese Sache in die Hand nehmm solle, etwa« bitter tadckte. Wir gestehm jedoch unumwunden, daß der erwähnte Bericht unser« Dorautsetzungen weit über» troffm hat. — An die Erwähnung diese« Werke« gegenseitiger Unterstützung knüpfm wir dir eine« Liebiöwerke« der durch ihre Hochherzigkett bereit« wohllnckannten Gebrüder Elzbacher in Cöln. Dteselbm gründm «in i«raeltttsche» Asyl für Alte und Krank«, haben jedoch statutarisch angeordnet, daß auch Nichtjuden in dasselbe aufgmominm werdm könnm. Lei der Mtnisterkrise in Oesterreich taucht vfteder der Name de« H. v. Wtnterstrin, al« für da« Handeltministerium in Aussicht gmommm, auf. Der Kaiser soll geäußert habm: .Ich würde mich faktisch nicht daran stoßen, daß Winterstein Jude ist. aber-' So berichtet die »Gegen«/ nach der »Grazer Taze«post'; ob diese Amßerung jetzt oder bei einer früheren Gelegmheit gethan ist, ersehm wir nicht, «s ist auch nicht von Belang. Dte»mal dürft« nun die Dinge ein« Wendung nehmen, die dm Eintritt eine« Judm besonder« unwahrscheinlich mach« würde. Da« österreichisch« Krteg«minifterium hat, nach dem „P. LI."» eine Weisung dahin ergehm lasse», daß die Mann» schastm zu keiner gotte«diastltihm Handlung gezwuagm werden soll«. Sollt« da« nicht «too» zu unbestimmt «»«gedrückt, d. h. wiedergegebm sein? Daß die Soldat«, wenigst«« die christlich«, ntihl mehr zur Kirche commandttt und geführt werdm sollt«, wäre — wen« wir darüber urthettm dürfen — gegen all« mllitärische Tradition; sollt« nicht vielleicht nur die Assistenz, der Wachedienst, dt« Honneur« bei fremden gottesdienstlichen Handlung« aufgehobm sein? G« wäre da« für jüdische Müttärpersonm wichttg genug. Der ilraelttische Fraum-WohlthättgkettSverein in Pest will «ine Frauendmckerei etnrichtm und junge jüdische Mädchen, welche sich zu Setzerinn« auöbildm wollm, unterstütz«. Ueber da« ConrU zu schreib« oder zu glossirm, liegt un« fern, wir wollm nur bet Gelegmheit der allen unsiren Lesem bekannt gewordmm stürmtsösm Gcmm, die jüngst dott auf» grfühtt «ordm find, daran erinnern, wie die Zeitung«« voll von höhnisch« Bemerkung« über tumultuarische Auftritte im ungar. ttraelttischm Congreß gewefm find. Die Parallel« zu ziehm wird man un« erlassen. E« knüpft sich hieran eine Notiz über die Brüder Lemaan, Abtö«, von der« Tretbm Notiz zu nehmm wir bt«her noch kaum Lust hattm. E« sind dies« Leute Eonvertitm, Franzos« wie c» scheint, welche sich in Rom auf» halt« und von da au« gegen ihre früher« GlaubmSgenossen polemische und bekehrung-süchtige Pamphlete ergeh« lass«. Die französisch« und italienisch« jüdisch« Blätter beschäftig« sich, wie gesagt, schon seit ltngerer Zeit mtt ihnen. Neue? und Interessante« ist bet der ganzen Sache nicht zu find«. Nunmehr. habm sich die Beidm an dm Papst mtt der Bitte gewendet, ’ S. Helligkeit möge bei Gelegmheit de« Concil« fi<l> auch der - Judm erbarm«, sie zum Eintritt in dm Schooß der Kttche «talad«, et werde jetzt, da der heilige Geist einmal stark in, Arbett fei, gewiß fruchten u. s. w. Zugleich führ« sie ein« Streit über Dogmatik, Mesfia«lehre, Tradition un) Autorität im Judentbum. Wir erhalten hmte dm „Mont-:" vom 4. d. M., worin ein Brief de« Herrn S. Bloch, Redakteur de« „Univ. J«r.", abgedruckt ist. Die Abbös werden in demselben scharf zurückgewiesm, zugleich erklätt H. Bloch, daß er sich nicht wieder mit ihnen einlassen und ihren noch in Aussicht gestellt« Brief, in dem sie eine conclnaion fondroyante geben wollen, unbeantwortet lassen werde. Da» BemerkmSwerthe bei der Sache ist hauptsächlich, daß der „Monde" da« Lloch'silw schreiben in seine Spalten, in dm redaetionellm Theil, aufgmom.nm hat. Der Gesetzentwurf über die Naturalisining sämmtlicher Jutr.i in Algier ist, wie der „Univ. J«r." erfährt, jetzt dem Staat«rathe vorgelegt. Der „Dien", russisch-(jüdische) Zeitung, rrelch« bisher die hart« Maßregeln der russisch« Regierung in raöglichst mildem Achte darzustellen versucht hat, ist jetzt zu bericht«« gmöthigt, daß alle unv«heiratheten Judm den beffaravtschm Grmzdtstrict, Ki'chmew, Hab« verlass« müssm, und daß dt«! Vertreibung der Familie« bald in« Werk gesetzt werdm solle. Präsident Grant, welcher sich, wie wir früher mttgetheilt habm, auf Ansuchen einer Deputation amerikanischer Judm bet dem lszarea für di« rufstschm Judm verwmdet hatte, hat dem Spwche, jener De» putation jetzt die Erklärung zugehm lassen, daß die Verwendung fruchtlos gebliebm fei. Wir könnm in Wahrhel t sag«, daß vtt die« ganz und gar vorauögesehm habm, aber mcn soll ja „settrm ’ Mund nicht dem Bösen aufthun"; wir hattm wie man sagt, in der Feder, dm amerikanisch« Glaubensgenossen zuzurufm: spart mere Mühe und schenkt da« Geld, welche« ts,r in gewiß nicht unerheblich« Summm für KabeUelegmnwne »r. dgl. au«- gebt, lieber dem erst« besten hungrigen Einwanderer- Ein Arttkel der „Pos. Ztz." über die Berkomramhett der lttthauischen Judm ist durch viele Blätter zezang«. Mögen die Zustände auch nicht allzuschwarz gemalt sein, es geht auf« Dmtlichste au« der Schilderung hervor, daß die Schuld an der Gesetzgebung, der Verwaltung, an der sittlichm Dei-kom':mheit der nieder« Beamt« liegt. Die einzige erfteultche ' hricht, die wir an« Rußland bring« könnm, ist die feierliche (rund« steinlegung einer Synagoge in M '»kau, welch; an: 20. März stattgefundm hat. (sin Herr Minar hat dabei eine Preftgt in russischer Sprache gehaltm und wird, wie der Correspondmt de« „Maggid" glaubt, wahrscheinlich zum Rabbiner für Mo«ka» gewählt «erden. Au« Rumänien berichtet „Rev. J»r." eine weitere schändliche Handlung der Deputirtmkammer. Ein Gesetz von 1853 bestimmt für Aerzte, welche im Staatsdienste gestand« habm, sowie für derm Wtttwm Pmsioneo, setzt au«drückli>h-fest, daß zwtfchm Eiugebormm und Fremd«, Christ« imd Zndm lein Unterschied gemacht werdm solle und ordnet eh« zum Best« der PmsionSkasse zu machend« Abzug von 10 p(? t. der Besoldung an. Di« betreffrndm jüdisch« Aerzte, deren ft ns im Berichte namhaft gemacht werdm, habm diesm Abzug el«fall«, erlitt«. Die Kammer hat aber beschlossen, l>aß die Jutm kein« Anspruch auf Pension habm >'o>lm, unt das» ihn« die etnbehaltenm 10 pCt. auch nicht zurückers'tattet we> dm soll«. Die Verhandlung bat schon am 6. Februar stattgefundm, ist aber erst jetzt bekannt geworden, weil der „Monttein offictel" darüber nur in seinem rumänischm Texte bericht ft, h der französischen AuSzabe aber die Schmach verschwieg m hat. Welche Sprache hat ein Wort für solche Gemeinheit! — In Linßantinoprl hat man wieder einmal ein« Judm gefehm, der ein türkische« Kind in einem Sacke gettigm habm