Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 15/16 (13.4.1870)
- Date
- 1870-04-13
- Page
- Seite 132 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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132 uatrr lein» Umständen emschließen liaxta auch tinuu! tintn anftänbigtn 3»k» ganz mb ohne Seitenhieb« ihre» teftn Boquffl^ttn. Selbst mm ctnul rm reicher Jude bn einem der Herren Gnade zu finden scheint, so «streckt sich dieselbe niemal» ms den zanzen Mensch», plötzlich guckt der Pftrdefuß an« de« anständig» -leid« hervor, ein Makel nach immer an ihm hast» bleib». To hat, um nur Sine« jn erwähnen, Hermann Grimm 1867 ein» Roman, betitelt „'unüberwindliche Rächer" geschrieben, der bereit« eine zweier Auslage erleb« hat. Graf Lnhur, der letzte Sprößling ein» alt» tldellfamilie vom wunderlichAm Lharastrr, ist der Held der Erzählung, der anher fein» übrigen Leid» ganz besonder« an acuter Uiuvahrscheinlichkrit eine« wes»« laborirt. Graf Arthur har sich, um die Schuld» seine« Bat«» 1» bezahl«, geuöthigt -rleh», alle von birst« ihm hinterlassen« Güter zu verkante», nxd so ist da« Stauung« an ein» reich» Jud» -kam»« Baruch David gekommen. Ties» hatte aus sein» Visitenkarten fein» Borna«» stet« atgeftkzt drucken laff», so daß ans ^«.selben Bar. David zu lestn war. Daher kam es, daer ans sein» Reis» in Italien ic., wo man ihn an» sein« Ursprung nicht näh« kann», Baron David genannt wurde. Um der Unarnehmlichteir näherer ilnsklärung» zu entgehen, suchte und fand er «in» bankerott« Baron, dR ihn für schwere« Geld adoptirtr und in seinem Hans« al« Pseudo-Vater lebte. >11 nun Gras Arthur sich mit rntt reich» Amerikanerin verlobte, will die Mutter derselben ihrem zukünftig» Schwiegersohn durch d» Wiederankms seine« Stamm-««» er« strndige Ueberraschung bereiten. Zu diest« Zwecke bexstbt sie sich zu Herrn Baron David, der fie sehr freundlich ansnimmr, aber nicht umhin kam fi« aus jede« Stück seine« luxuriös» Mobiliar« aufmerksam zu mach», rnd ihr t» Pret» der Bi>der und sonstig» Kmsigegmstäud« bi« aus Helstr und Pfennig genau anzugeben. Bei der Abwickelung de« Geschäfte« zeigt sich Herr Bar. David än-erft ronlam, dem er erbietet sich, da« Gut um den Seldfikvßenprei« wicher abzulafi» und weift dst von seine« Adoptivvater weg» dieser Liberalität ihm gemacht» Bar warst mü edelmännischR Noblesse zurück. Allein Herr Grimm hatte vorher, um den Juden zu kennzeichnen, erzählt, daß Bar. David gleich nach Anlauf de« Gute« ei« beträchtlich« Zahl gewaltiger Stämme an« den Forst» deffelb» hatte fäll« und verkanstn lassen, darum benutzt « nun auch die gute Gelegenheit» d» Gdelmmh de« Jod» gehärig hRabzusetzen, und stlgt d« Ertlärrngen desselben, daß er r« sich zur Ehre rech«, da« Gut inzwtsch» für d» Grb» nur verwaltet zu Hab«, rnd daer durch»« kein» Gewirn bei de« Handel such«, in Parenthese dst Bemerkung hinzu: „De« hundert Stämme hau« Herr David wahrscheinlich vergesse»." Als» Jude bleibt Jude, heißt da». Gin andere« Gebiet, aus tvelchem dst Jud» eine bed»lende und wirssam« Dhätigkeit entwickeln ztnd d» Neid und Haviel» Judenfeind« ans sich gezogen haben, ist da« der wiff»schast rnd d« Publicistik. während man nun ab» in der modern» belletristisch» kitRatnr dst leb»«, wahre Schild«»ng eine« jüdisch» Marne« der wiff»schaft vergeb»« sucht, tritt nn» dst Karrikarur de« „Preßjuden" nicht selten in recht bo«. Hafter Zeichnung entgegen. I« jüdische Publicist erscheint iu dies» Erzrugniss» d» deutsch» L'teratur al« ein charakterlose« Subjekt, al« Söldling der Parteien, der heut« mit der Regierrng durch Dick und Dünn geht und mvrg» nach der P seife ein» oppofitionelstn Actimgestüschast tanzt» gerade al» ob dst politisch» R»egat» unter d» Jud» oder vorzug«weise unter d» Jud» zu find» wär»I Verschwindet nicht dst geringe Zahl jüdisch« Journalist» überhaupt um« der groß» Menge christlich«-. Hat man dem unstr jen» auch mr «ine verhälmi-mäßig gleiche Zahl charakterlostr Ritt«, Mantelttäg« und Kah»»flüchtig« wie nn»« dies» gesund»? Doch wann hat je da« Rilchn« nach Wahrheit rnd Recht gestagt? Seine B«echtignng hat et zu all» Zeit» iu d« Hamansch» Lüge gesucht “31 htm d tr* (U ist da ein stemde« Bolk, da« üb«all zerstreut und nirgend« daheim ist, da« ein» Staat im Staate bildet» da« bei nn» nicht» zu such» ha» und nn« d»uoch d» Al« vom Felde nimmt. Darum muß H au«ger»ttet oder Mttrieb» werden, wenn e« sich vor uns«n Götzen nicht beug» will. — Da man e« ab« leid« 'nicht mehr aulrott» noch vertreib» kann, so «oll» wir e« moralisch hinricht«, sei« Ehre besudeln, sein» gut» Ram» vernicht» rnd mit dem Fluch der Lächerlichstit brandmark». Nun frägt vielleicht Manch«: B«l»hut ei denn der Müh«, üb« diest kläglich» Ausgeburten de« Rischu« rin Won zu v«lstr»? Sind dieselb» nicht ebenso ungefährlich wst jene« Souplet in „Bon Lwse zu Stuft"? wir glaub», der Unterschied liegt sehr nah«. Dst Erzengnisse der Romanliteratur dring» durch alle Schichten d« Bevölkerung, und e« gstbt Areist, in welch« dst zahlreich« Lektüre dies« „Werke" für ein fördernde« Bildung»- mittel gehalt» wird. „Sie hat vstl gelestn" ist in dstsm Kreis» eine Bezeichnung, welch« so viel bedeut« al«: Sie ist nicht ungebildet. In dm Anschauung» de« täglich» Leben« körn» zwar dst Romane nur in d» seltmftm Fäll» Unheil anricht», d»u da >st die Erfahrung und dst prosaisch« Wirklichkeit ein wirksame« Präventiv- und Reaktionimittel. Ander« »«- hält e« sich ab« mit d» Ansicht» üb« dst Juden. Diese find noch imm« in d« groß» Menge, »hu« Uutrrschstd de« Stande«, von d» krassest» Borurtheil» beherrscht, vstst Les« und noch «ehr Leseriuu» kernen dst Jud» mr vom Hörensagen und von de«, wa» dst Roman« ihn» von dmselb» «zähst», und zwar nehmen fie dies« Grzähkuug» tu «ine» All« iu sich ans, in welchem -diese Lektüre Vau nachhaltigem Eindruck auf Gemttth und Anschauungsweise ist. So st»« sie au« d» Roman» dst vegrisst „jüdisch uud betrügerischideutifieire», uud mähe«» dst Jud» auf» eifrigste bestrebt sind, d» Schutt d» Borurtheist geg» sie hinwegzuräumen, mach» e« dst 'Herr» Romancier« sich zur Ausgabe dieselb» imm« »» Reue« zu sörde» rnd zu pflege». — w«n ei daher keine Frage sein kann, daß diesem schändlich» Gebahr» »tgegeugearbeistt werd» muß, so ist e« um so schwierig«, «tu wirksamt» Gegenmittel aufzufinden. Um zuerst von dm hierhergehörtg» Dheaterftück» zu red», so sind »st nicht d« Anficht, daß Besprechung» tu d« Presse oder Rücksprache mit dem Direftor Abhilfe schass« wlstde; dmu so laug« ein Stück dst «affe fllfit, uud dst jüdische Frau «ommerzieuräthin I. und dst Frau Baukstr Z. und mit ihn» vstst ander« Jud» und Jüdtrn» demstlb» mü wohlgefall» ihre Aufm«ksa«keit sch»k», werd» dst Herr» Dheaterdirektor» dies» äowonastntto aä doeniuom berntz», um alle diesbezüglich» Remonstration» al« ungerechtfertigt zurückzuweis». — Da» Einzige, wa« dst Juden thun könnt» und allerdingl um ihr« Ehre will» thrn müßt», ist, solch« Stück« nicht zu sehen. Allein hi«zu wäre «tu einheitliche« Zusamm»wirken der Juden «- forderlich, da» schwerlich durch dst Presse |» erziel» ist. Ebensowenig vd« noch wenig« läßt sich geg» dst judmseindlich« Romauliteratur direkt Vorgehen. Dmu w»n auch die jüdisch« Presse ihr» Lese» al« Machwerke diese« Genre« namhaft machte, uu» diese tu der-DH« dst Lertüre derselben verschmähen sollt», so dürste da» »och kein» Berstg« »«rmlaffm, solch« Romane zurück,uweiftn. wir Hab» vor länger« Zeit tu eine« läng«» Artikel mehr«« Romme »sts« Art desoroch», uu» deuftlb» d» Herr» Friedrich Spielhagen tu verliu uud Franz Dingelstedt») tu wt» eiugesaudt. Bei Ersstrem, welcher durch «inen Borstag im Berlin« Handwerken, «ein üb« Faust uqd Rathau Veranlassung zur Entgegnung gegeb», hatte die Einsmdnnz de« Artikel» d» Erfolg, »aß dst bestess»»« Sstlle bet Beröfftntlichung de« Borttage« b«d»t»d gemildert wurde. Bon Letzterem. Hab» wir seit der „Amazone", »elch« damal« «tt besprach» wurde, nicht« Reue« gelesen. — w»a demnach dst Beschäftigung mit diesem Zweig d« deutsch» LiteraMr gerade keine «quickliche zu u»n» ist, so «Erste fie doch zur Au»Mung rin« Ruße- »d« Erholung«stunde vv M? ft-RIV PtXQ rfrb M71 selbst dem Marne d« Wissenschaft sich empfehlen, um stet» von Reue« de« darin zu Tage ttestud» Rischu» »tgegenzuwirk». Die wirksamste Opp»fitton körn» di« Jud» jedoch «a uud allein durch da» Leben führ», indem fie durch daffelbe di« Behauptung» uud Schilderung» j»« Skribent» Lüg« straf», imm« mehr uud mehr kn hohen Sittenlthr« M Judeuthum« folg«, ihr» Kinde» ein« gründlich« religiöse Erziehung geh» und so et« Geschlecht heranbikdm helft», da« dm Giftstacheln beschränkt« rnd vorurthetttvol« Romanschreib« unerreichbar Alle zu de« Autrufe hiureißt: .Hührwahr, weis« uud »«ständig ist diese« Volt". (D»ter. 4, ü). Wochenbericht. Stettt«, 7. April. Aust Yrrnßr» nicht» Reue«. Während der ganzen Dauer der Reichötagösesfion ist noch kein Wort über Juden gesprochen worden; wir glaube» diesenegativ« Factum hervorheben zu dürfen, da bi-her wohl noch keine parlamentarische Campagne ohne Debatten über Juden abgelaufen sein mag. Bon den Conflicten wegen dejüdische» Religion-unterrichtam Gymnasium der Provinz Posen haben wir schon zu oft und ausführlich erzählt, aldaß «st nicht Anstand nehme« sollten, damit fortzufahren. Wir wollen also nur in Kürze erwähne», daß die »Ostd. 3-* schon wieder eine den frühere« ganz ähn» liche Geschichte au» Jnowracla« berichtet, auch dort ist da» Gehalt dejüdischen Reltgion-lehrervom Etat gestrichen u. s. w. Erfreuliche Resultate zeigt der fünfte Jahre-bertcht der »Achawa, Bern» zur Unterstützung hülf-bedürsttger t-raelttlscher *) lieber diesen Herrn ist uu» aus znveklLffigste Wesse Folgende» bekamt. Al» jung« Gelehrt« stand « in sein« Vaterstadt F. tu freundschaftlichst» Beziehung» zu jüdisch» Familien. Erst al» «tu jüdisch« Freund ihm «iu Larleh» verweigerte, »d« (bo» wollen wir dahingestellt sein lassem «in gemachte« dringend znrücksorderte, sproßte iu ihm jene Feindseligkeü ms, die dam tu seine« «st-berühm« Werke, den „Ccfera eine« ko»«opolitssch« Nachtwächters," üppig«, wem auch nicht duftend« Biüth» trieb. — wst bring» nächsten» «iu« Art twu Gegenstück zu Eigene Artikel. (Red.) Hierzu eine Vellage.