Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 15/16 (13.4.1870)
- Date
- 1870-04-13
- Page
- Seite 131 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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181 «ttytet, ba| bkfe Ara» aa eine» Lag« mehr tta»I’Mti(rtit »bt, als b»rchsch»i«lich zehn reiche Ehrißendame» in eia er Sache, saß fi« eine nicht unbeträchtliche Zahl armer veewanb», «»»erhält, baß sie eine a»sge»«ich»«tr Gattin nnb Sntter «tt eine» tiefen Gemltth nnb «inen reine» (»erzen ist, baB verschweigen die Herren, denn des würde ja den Effekt bei so wohl ,el»n-en«n geistreichen nnb humoristifch«» Skizze, vielleicht der einzige» Vas« in der großin, weite» Wüste bat Romans, total vernichte». Den» «er verzeiht wähl Vieser Ara» um ihrer rührenbe« Etteruverrhinmg, um ihrer srlbstansopsnnben Familienanhüiglichkeit, um ihre« milden wvhlthätige« Herzens S'Mrn ihr« Krenbe an schönen Kleibern nnb zolbene« Schmuck, ja selbst ihre grannnatischen Fehler nnb gesellschaftlichen Schnitzer nicht gern nnb nachsichtsvoll? Line ander« beliebte Aignr der moberue« Romane ist her an« geringen Anfänge» reich geworbene Jade, der sich in den Besitz von ftinb* nnb tzvttrrgütrr» gesetzt hat, bie früher der Stanonsitz altadliger Familien ge» wefrn sind. — Sir »olle» anch hier einränme», baß die Mittel zur Erwerbung be» ReickNhnm» nicht bei Allen immer bi« lautersten gewesen stab. Aber stnb den» bi« christlichen Reichen stet» bnrch ehrliche Mittel z» ihrem Vermögen gekommen? Sir branchen gar nicht bis ans de Ranbritter be» Mittelalters, bi« Ahnen vieler hocharistokratischer FamUien zurückzngehen, anch bie »«genwart bietet «ti» zahlreich« Beispiele, wie „christlich« Spekulanten" ober „spekulative Lhristrn", wir Louise Eruesti sagen würbe, sich zn bereichern wußte« bnrch bie Roch der Lreditbedürftigen nnb bi« Sparpfennige »er Armen. Der kürzlich in Neapel entdeckte Bankenschwinbel bietet die schlagendste Illustration hierzn. — Sa» «hu» aber bi« Roinanschrriber? Sie schildern de» jüdisch«» Gelbmann als eiie» verschmitzte», abgefeintteu Gauner, ohne Herz und Gewisse», der bi« von chm gerupfte» Opfer, wem» nicht» «ehr an ihnen zu verdiene» ist, niirleiblos und brutal zur Thür hin ans führt, hoch fahrend und erbarrmngslo« i esanders gegen christliche Hilfesuchende, kriecherisch und von hündischer Denuth gegen reiche Knude», dir ihm die entehrendste» Beleidigungen ,m de» Kops werfe» dürfe», ohne seiner Unterwürfigkeit auch nur de» geringste» Abbruch zu thnu. Da» Gelb nnb der Schwindel sind sein« Götter, in seine« Geiste ist kein Ran« für ein« höher« Idee, sem Gemüth ist keiner sanftere» Regung fähig, w» es sich mo den Mannnoa handelt, sei» G«sch«ack ist der Sklave seiner Geldgier nnb seine» Hochmnths. Di« schöne» adlige» Güter «tt ihren schattig«» Parke», ihre» ttuposante» Wälder» «tt tansendjährigr« Eichen sind für ihn nur lukrativ« Holzbestünd«, bi« unbarmherzig gefällt werde», um de» Prosit vorweg zu nehnreu. Es ist ja nicht bi« sfreude am Grundbesitz, ap ßanbwirthschaft nnb Ackerba», sondern bi« Szeknlatioo »nb da« Geschäft, bi« ihn zn« Gutsbesitzer gemuht haben. — Dahingegen ist brr christliche Kausman» stet« «in Ausbund vonGewistrnhastizkett und ReellitL«, an seine« Besitz« klebt kein Atom von Schwindel, Betrug »der Unricht. Sri» Gewisse« ist golbrei» und spiegelglatt, den» er hat feine Reichthümer erarbeitet t« Schweiße sei»»« Angesichte«. Darum ist er voll Mitgesihl für Rothleibenb« und Dürftige, er giebr zinslose Darlehen an arme Handwerker, er läßt Nein« beute mit ihre» geringen Lapttalten Dheil nehme» an seine» gewinnreichen, aber ehrliche» Spekuletione», und weist mit sittlicher Entrüstung all« „jüdische» Geschäftchen" ab: er sei kein Blutsauger, kein Halsabschneider, kein Jude, — Obgleich ans de» Stande der Arbeiter Iw» vorgegangen und ehedem selbst Lastträger gewesen, ist der christlich« re che Kaufmann dennoch durch Erfahrung und Selbsterziehnng ei» gebildeter Rann mit geläutertem Geschmack. Er hat sich ei» Gütchen gekauft und eine Villa im reinsten Styl darauf gebam, um seine Mußestunden im Kreise seiner ssamilie dort zuznbringe«. Ei« ammtthiger Hauch edlen Kunstsinnes ist über da» Ganz« ausgrzoffen, kostbare Skulpturen schmücken Trepp« und Bestib >le, seltene Malereien ziere» die Salons, in welcheu sich an besonder« dazu bestimmen Tagen oder Abenden ein auserwählrer Kreis von Gelehrien, Künstlern und Schöngeister» zu gemüthlicher Plauderei und geistreicher Eouversatim um den edlen Sirth einstnden, während in den überladenen und geschmacklose» Salon« der jüdischen „Geldbarone" nichts als Börsknsreunde, Eourtiers und Spekulanten sich zusammenstnden, bie von nicft» Anderem als von Eonrsen, Getreidepreiseu und Wechseln zu sprechen »erstehe». Es ist überflüssig uachzuweiseu, wir «enig diese Schilderung iw Wahrheit entspricht und welch großen Antheil an diese» Karrikawre« »er Judenhaß im Allgemeinen und der Reib im Besonder» hat. Es genüge «ine Thatsache, mn da» wahre Sachverhältniß recht klar zu lege». Al« Lesstng, der groß« deutsche Lessiug» der Gelt de» Rathau getei, wollte, da hatte und wußte er nicht wovon er leben sollte während der »ec »der fünf Monat«, welch« ihm die Vollendung dirses Werkes kosten wir»«. Es ist herzerschütternd, die Briese an seine« Binder au» dieser Zeit zu lefm. Dreihundert Thal er brauchte er, wie er dimselben am 7. November 1778 schreibt, um das Serk in Muße ausarbeilen zu können, und von allen seinen christlichen Freunden, von allen christliche» Reichen fand sich Keiner, der dm damals schon berühmten Manne das Gelb giliehe» hätte. Ei» Jude «a»'s, ei» jüdischer Kaufmann Namens Moses Weffech in Hamburg, der, ib* schon selbst nicht reich, dem Dichter freiwillig durch deffen Bruder da» Durlehn anbieten ließ'). — Allein was kümmert dt« Herren Romauschreiber trle Wahrheit, die Geschichte? verschließen sie sich doch absichtlich vor der lebendige» GegcNwart, die sie eines Beffereu belehre» könnte, um ihre« Haß aib ihrer Böswilligkeit gegen die Juden Ausdruck zu gebe». — Ja, diese Rancvue gegen di« Inden ist bei ihnen so zur Idiosynkrasie geworde«, daß sie sich *) S. Stahr, Leffi»k Thl. II.. S. 285 f. Viele Gebrauch machten, denn nicht selten wurde die Red-: durch dasDazwischensprechm einzelner Gimieindemstglieder unterbrochen." (Jeder Jßraelit wird au» dieser Schilderung seher, daß Herr v. Maltzau nicht einer Predigt, oder einer Derascha, sondern einem Schiur mit obligatem Pilgul beigewohvt hat, dafür spricht auch die sitzende Stellung deß Vortragmden.) Wenn Herr» Maltzau eine eigenthümliche rituelle Gnvohn» heit bei den tunifischen Jude« besonders auffiel, nämlich die „der monatlichen feierlichen Absolution", welche in jeder Synagoge vom vorfitzenden Rabbiner verkündigt, und von einer Anzahl herumzieheuder Uulerrabbiuet in den Privathäusem nachgepredigt wird, damit auch die Kraum» welche hier von jedem öffentliche» GottesdienstauSgeschlofien sind» de» Sündeuuachlafse» thellhastig werdm mögen — so ist daS ohne Zweifel eine complicirtere Art deS jvp 0? (vielleicht verbunden mit DTU mnn „Gelübde-Lösung"), und berechtigt durchaus nicht zu der Annahme, daß die dortige» Juden darin eine Indem attät»- Ertheiluug für noch „zu begrh«»de Sünden", eiue „Freisprechung von allen etwa lästigen Verpflichtungen, mögen sie nun persönlicher oder rommercieller Natur sein", erblicken. Daß eia luaifer Jude, der diese Absolution empfangen hat, glauben sollte, er sei hierdurch nicht verpflichtet seine Schulden zu bezahlen — da» glaubt denn doch Herrn Maltzau Keiner, der die jüdische Religion meht als vom Hörensagen kennt. 8» find das dieselben Argumente, die man christlicher Seit» geraume Zeit gegen da» Kol-nidre gellend gemacht hat. „Die Vielweiberei," fährt unser Reisender fort, „obwohl im Prinzip bei der hiesigen Judenschaft auftecht erhalten, findet in der Praxis jedoch di« seltenste Einwendung, ich hörte mrr von einem Dutzend Fällen (unter 30,000 Juden). Auch die Ehescheidungen sollen nicht so häufig sein, und von dm Rabbinin nur im Falle der Kinderlosigkeit gestattet werden. In Ganzen ist die Moralttät der wohlhabenden eben keine schlechte, wa» man jedoch von den ärmeren, die wirklich oft bettelarm fini>, nicht behaupten kann, daran ist jedoch die Ermedrüftmg, in der sie lebm, die Unterdrückung von Seiten der Araber, die Geringschätzung ihrer eigenen Landeleute und vor allen Dingen der schlechte Rathgeber, die Noth, schuld. Doch während in den Armen-Quartteren von London und Paris der Frnude, welcher da erscheint, sich auch in Person und Eigenthmn bedroht sieh), ist die» im Judenviertel von TuuiS nicht der Fall. Die sauste GemüthSart der hiesigen Israeliten läßt keinen Oiedanken an Handgreiflichkeiten und Gewaltthaten aufkommen. Im Kleir» haudel fand ich die hyperbolische Ueberfordetung, wie sie in Algier Mode ist, hier nicht; auch zeigte sich die Waare meisten» gut und preiSwürdig." «cht jüdisch. Mitte März erhielt Herr vr. Rüls in Memel von noch auficher.r Kinderhand folgend«« Schreiben: „Lieber Herr Doctor! Wir «ollm anc, in diesem Jahre das Pnrimsest nicht verstreichen laffev, ohne unserer unglückliche» Glaubensgenossen zu gedenken. Wir schicke« Ihnen für Ihr Krankenhaus diese kleine Summe k.; unterschrieben: Joseph, Ernst, Bertholt, Recha, Paula." — Seitdem nämlich da» Uniertzlttzungswerk zu Gunsten der westrissischen Glanbensgenoffe» begonnen, signriren alljährlich in den bette sende, Lassabüchern „die Pnrimthaler der Kinder des Rechtsanwalt Metz ans Ptters- Hagen" (jetzt Minden) und in jedem Jahre ein Kindername u ehr — Alle« echt jüdisch.