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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-04-13 · 15/16 (13.4.1870) · p. Seite 127

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
15/16 (13.4.1870)
Date
1870-04-13
Page
Seite 127 (sequence 3)
Language
German
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127 Glcmdenteinhett im Lande z» Wahre», damit Me in Frieden mit N einander Mta? Und wem» wir die Erwachsen«! «nter!«, Irr» gtändigm nicht mehr zu retten vermöge», müsse, »ir un» nicht der Kindererbarmin, ist«Snicht»erdiinstlichfieihrenverlarmrnEltern zn entziehen?" So Werden oder wurden alle Ärtnel l)«t ««ligiSsea Fanatismus verthetdigt, gerechtfertigt, gelehrt nnd geübt, und et kann eine Eoafesfiv« «eben der andern nnr tan» bestehe», wenn sie ebenso stark und zahlreich ist, also daß gleichsam «in bewaffneter Friede zwischen ihnen herrscht. Und darum sehe» wieder so Viele in der Religion »er da» friedenftörende, Menschenwürgende llngethüm, welches sie auSwtte», wenigsten» a»S der gebildeten Menschheit verbann« möchte». Israel ruft au» seiner Pesachgeschicht« da» altx Wort: „Au den Götzen übte Gott Strafgerichte". Wozu wollt ihr für de» wahren Gott und de« wahren Glaube» streiten? Israel zeigt auf feine tausendjährige Geschichte uud lächelt, wenngleich »nter Thränen. „Seht her, wir find von der Wahrheit unserer Religio« innig durchdrungen und haben wahrlich von unserer Ueberzeugungstreue Proben gegeben; aber wir »olle» Keirum überreden, bekehren, seinem Glauben abwendig machen. So lange ihr nach der Rechtgläubigkeit ftagt und nicht nach dem Rechtthun, so lange werdet ihr schwanken zwischen dem Fanatismus de» Glauben» und dem ebenso gefährliche« des Unglauben», fo lange «erdet ihr Heuchler heranbildeu und Rellgiontverächter, jo lange werdet ihr die Tine» dahin bring«, daß fie auf die.Frag,:: ,,wa» glaubst du?" ingrimmig antworten: ,^ar nicht»" und auf die ' Frage: „welche hältst du für die wahre Religion?" „gar keine" — und Ander« werden, abgrschreckt von solcher Glaube»»« und Gemüthlosigkett, dem Wahn in die Arme gettiebeu uud, aufgestachelt von Priestern, jeden Augenblick bereit sei» über den Gegner herzufallen-. Darum muß Israel de« Weg innehaltm und zeigen, der durch di« Fluchen mittm Hindu, chführt, darum darf 3»rael nicht sterbe«, c» soll und wird „leben und di« Thate» Gotte» erzählen!"" ‘ Aber zum Erzählen bedarf man unser nicht. Die Geschich ten teme* OTq di-«ehre» üler »echt, Wahrheit, Frieden Liebe, Freiheit find ia«m Mmch«; Unrecht, Lüg«, Gewaltthat, Haß, Knechtschaft lehrt und preist mtt ausdrücklichen Worten Riem md. Nicht in de» abstrakten Lehrsätze«, nicht in schöne« Sprüchen liegt der Menschheit Glück und Erlösung, sondern in deren Bethättgung. Israel fol nicht nur di« Lehre« Gotte» verkünde«, sonder« seine Thaten erzählen, dnrch That erzählen. De» Ti VB Thaten GotteS soll Ausübung seiner Thatgebote TOB non*o entsprochen. Darum heißt «»: 2Ast22 TOD W thut am Pesach, feiert da» Fest — oder behalten »ir die wörtlich«, dem Juden geläufig« Urbersetzung bei: ,mmcht Peßrch" wie et geschrieben steht, IOT TtSWEno nach allen seinen Gebot« und Satzung«-,. Glaubst D», lieb« Leser, oder hast Du Dir sage« lassen, 3-rael könne die Lehren uud gefchichttichen Erinnerungen bewahr«, überhaupt das Jndmthnm erhalte» ohne die That, oh« dir vebnng de» Gebotes, der „Ervrmomalgefetze" über das Pesachfeft? Da müßtest Du di« Augen verschließe» gegen das, was offen vor ihnen liegt, und mit leer« Gründe» und hohlen Reden gegen Thatsache» streiten. Sage mir: würde e» heut noch Jude» gebe», wen» nufere Bo:ettem vor hindert, zweihundert Jahren aufgehört hätten „Pesach zu mach««" und ebenso da» weitere Gesetz Israel» zu übm? Sieh in Dir bekanrtte Familienkreise. ES hält mancher die Pesachsatzung nicht und ist doch noch Jude — allerdings, weil er e» im Elternhaus gesehen und geübt hat; e» „gibt" mancher de» Seder nicht, aber er hat die Erinnerung daran au» seiner Kindheit bewahrt; «erden auch feine Kinder, seine Enkel davon wissen? Werden sie noch dem Judenthum anhängen,. ihm aaxebören, e» lieben, kennen? Beantworte Dir diese Frage nach Deiner Erfahrung und —- „mache Pesach wie geschrieben steht!" gegenseitigen Antipathie. Nicht bloß ihr Witz war jüdisch, svnder» auch ihr Wahrheitsdrang, ihr Widerwille gegen Schaustellungen, ihr Haß gegen da» Bemänteln uud verschleiern, ihre Berachlung gegen offizielle» Bepräage, gegen benebelnde Weihrauchlwollen, gegen das betäuhiud« Glockingeläut« für nicht» nnd wider nicht», gegen aoibrostanische Orgelklänge filr Lüge, Menschenknechtung, Rechteverdrehung nnd Menschenfchlächterei. Die demokratisch«, freiheitlglUhend« Gefinuung, di« bei Börne »lehr, bei Hein« weniger, die spiuozistisch einschneidende Zergliednnng, die bei diesem mehr, bei jenem weniger hervortritt. da» Alle« war an ihnen urjüdisch. Im Thrih eulhume geboren und im offiziellen Geiste erzogen, wären Beide nicht Da» geworden, wa» fie waren: befreiende Mächte, welche eingewurzelte Verkehrtheiten und blödsinnige Dhorheite« mit lachender Men« bannen halfen. Sie, die Geknechtete», wurden Befreier uud erlöste» ihre Feinde von dem Do -peljoche politischer und gesellschaftlicher Unmündigkeit. Fast hätten die Deutschthümler Dank dafür verdient, daß fie mit ihrem Rückfall in die Barbarei die Juden s» «mpfindlich gequält haben. Sie haben dadurch, wenn auch nicht Heine, so doch entschieden den zu träger veschaulichlrii geneigt» Börne ausgerüttelt und ihm den Pfeil in di« Hand gedrückt, womit er sie in'» Herz traf. — Ludwig Börne »der Löb Barnch 'geboren Franksnrt a. M. 1786, st. Pari» 1837) erblickte da» Licht der Welt in demselben Jahre, in dem e» für Mendelssohn uuterging, als hätte die üieschichle für den Verlust de» Weisen von Berlar den verwaisten Inden n«ch einer andere» Seite hin wenigst,«» einen lkrfatz bieten wolle». Börne hatte «inige Lehnlichleit mit Mendelssohn: da» schüchterne, scheue, etwa» linstsche Wese», die Gelbstbeherrschnng, die Lharaktrrgröße, da» strenge Rachleben nach einer gefundenen sittliche» Ron». Beide wurde» durch den Zufall, ohne daß st« es wollten, bewunderte Persönlichkeiten. Beide schöpften an» sich ästhetisch« Regeln, ohne dazu geschult zu sein. Börne'» Bildungsgang war eigenthüwlich. Sein Vater» Jakob Barnch, ein Schützling de» österreichische» Kaiserhaus«», von Jagend auf im stete» Verkehr mit Hosteutea »ad Fürsten, versteckt wie «in Minister nnd ansgeklärt wie der Lrri» der Berliner, war de« JudeMhum halb »der vielleicht ganz entfremdet*). Richtü- •) vsrgl. übe: Börne rak seine» Vater» Halwng Börne'» Briese. »eftoweniger ließ er au» AawMenrückstchteu seine Söhne in althergebrachter Weise erziehe». Br suchte für st» einen Hauslehrer (Jakob Sach»), Ikt selbst zn den Aufgeklärt«» gehörte und sich Friedländer zu« Muster genommen hatte, und verlangte von ihm, daß er seine Söhn: durchaus in ftvckalter Weise unterrichten nnd ihnen nicht» von der nenmvdischen Aufklärung deibringe« sollte. S» lernte Börne Bibel und Anfangsgrüirde de» Talmud in geistloser Weise, gewahrte schon früh, daß da», wa» Vater und L«hrer ihm beibracht«», ihnen selbst nicht Lebens ernst war, und gelangte dadurch zur Zwiespältigkeit i» seinem Jauern. Bin weibliche: Haustyr-a», trug dazu Lei, ihm da» jüdisch-religiös« Lebe» widerwärtig zu machen. Die Vertreter de» Judenihum» in der Frankfurter Gemeinde waren auch nicht geeignet, dem für Schönheit empfänglichen Knaben ei» freundliche« Bild ,n zeigen. Der au» Pole« und den chaßidäischen »reisen bernsme Rabbiner Pincha» Levi Hnrwitz. die letzte rabbinisch« Größe in Fawkfnrt, der di« Mendelsvhn'sche Peutateuchttbersetzung verketzert«, hatte ml der Judengaffe in Frankfurt Aehulichkeit, Me Tugenden und eine abstoßend« Außenfeite. Hätte Börne Mendelssohn zum Vorbild; haben »men, so wäre er wahrscheinlich bei feinem Brüste und bei seinem Henge zur Si«. lichkeit und Wahicheil rin begeisterter Anhänger de» Judeuthmn« gewvrt e». Ader e» war in seiner Nähe Nicht», wa» eine» idealen Zug dwbot, nnd so entwickelte stch «ihm eine Art Abneigung gegen da» jüdischeLesen, die gl mH bei seiner ersten Ausfahrt in'» Leben zum Durchbruch« kam. < Forts, folg.) Me jüngste (ob auch die letzte?) Mutbefchirldiguiig gegen die Inden. Nach authentischen Berichten dargestellt von vr. Nüls. (Schluß.) Aber da war man auS den, Regm unter die Traufe: gekommm. Der Gerichtshof war erst vor Kurzem, vermöge einer Art Straf» Ges. Schriften Xll. S. 320 und Börne'« Leben von Gutzkow!840. Brest de» jungen Börne an H. Herz lS6l.

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