Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 15/16 (13.4.1870)
- Date
- 1870-04-13
- Page
- Seite 126 (sequence 2)
- Language
- German
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12« auf bte eigentlich rel igiös«» Frage» und Beziehungen »ollen wir einen Blick werfen. Betrachten wir bo£ Vsrhälttriß voa Ätaat und Religion. Rach de» Sine» soll die Mligion tzen 8t«t beherrsche«, bol Beim bet bmDrrlich« Ochmmg RI Sen»- n»h de» Andern soll ber Staat gar «eine ReiiHttn kennen. Es bkAlmpf« einauber weltlich« unb geistliö-e Macht. Wir gehen auch baraus nicht »«her e«, wir fass«» nur btt Resultate in« Auge. Sie fisl^rs, die die Völker nicht;jnr Ruhe kommen lassen. So streitet nun da« Priesterthum gegen jeoe freie Regung unb Entwickelung im politischen Lebe», in ber Wissenschaft, in Wort und Schrift, gegen jeden Fortschritt und jede Berl«ffer»ng; denn eS zütett für seine Macht, steh: saue» Einfluß bedroht, untergraben, vernichtet. „Gebt bie Religion ftei", heißt es, „unb ihr uehmt dem Volke Gott unb gebt es der Zügellosigkeit, Rohheit und Ver» thierung preis." Darum soll die Staatsgewalt ihre» Arm leihen, baß Schule trab Erziehung, Ehe und Famllie ber Kirche, ber Priestermacht uuterthiinig bleiben. Darum aber hegen nun zehntausenbe.vo« Gebildeten Haß, tobt,ich«. Haß gegen bie Religion, bi« ihnen uur i« Gewände henschsüchtige» Priestetthums unb in ber Gestalt geistknechtenben Zwanges erscheint. Wie wäre eS sonst möglich, baß Biele sich rühmen fett ber Schulzeit kein Gotteshaus betteten zu habe»! Ist Gott bank« eine Schande nnb beten on Verbrechen?^ Ist llubank unb Gefühllosigkeit eia Erbtheil der menschlichen Natur? Das kann nur sein, weil man sie zwingen möchte ökirchea zu besuche», well man ihnen Wirten" ««gesetzt, die sie nicht gewählt, auf deren Wahl sie kein« Einfluß habe», deren Wort ihn« nicht zusagt. Darum geschieht eS, baß bie Bibel unter jedes andere Buch gestellt, die erhabenst«« Stelle« mit Spott überschüttet «erbe«, weil sie in ber Bibel stehen, denn eS soll für KnechtSsiun und Verbuinpfung au» be» heiligen Schrift Grütze unb Schutzwrhr gesund«» »»erben. So «vogt ber Kamps, in Wott unb Schrift, in ber Tiefe und auf der Oberfläste, ja in alle Kampfe der Rattonea und Partei« mischt sich vergiftend ei» bitterer Tropf« bei Glaubens- Haffes. Israel ruft autl seiner Pesachgeschühsr Moses' altes Wott: „Laß da« Otff Kh«t>. so wirb es »tt di«««!" lsebt dem Mensch« Frchheit, Rttiglonsfveiheit, so wird er gem »ab freudig Sott bttneir. wie es seine innerste Natur heischt. Israel spricht durch feine taufeabjähnge Geschichte: «vas quält uni) «attett ihr ench, «oaru» zankt und streitet ihr? Geht, so Hab« wir ja bestand» »ad uns fttt gefühtt, selbst iu der ktrperktch» Knechtschaft und glücklich selbst im tiefst« Elend. Wo ist der Staat, der sich um unsere Synagog« gekümmett, oder sie uas erbaut hätte? Wtt Hab« nichts begehtt, als daß er sie «ns vor Zerstörung und Verunehrung schütze. Hat weltlich« Obrigkeit uns Geistlühe eingesetzt, unsere religiös« Angeütgev heften geordnet, Hab« wtt Einmischung begehtt? Wo ist die Behörde, der «tt solch« Macht eingeräumt, das geistliche Oberhaupt, welches sie sich anzemaßt hätte? Alle», waS wtt verlangt Hab«, ist Schutz, Duldung, gleiches Recht» Freiheft de» Gewissens und der religiös« Ueberzettguug. Gerade darum hängt Israel innig an seiner Religion, und hat auch das lleinftcHäuflein opjerft«dig für Synagoge, Schule, Gemedtte» und Wohlthätigkeitt anstatt« gesorgt. Wtt wmden uns auch noch zu dem Gegensatz, zu dm Schranken zwisch« Toleranz und religiöser Wärme und EianbenS» iunigkeit. Rtt wäre das ein Gegensatz, wenn man e» nicht dazu gemacht hätte. „Wenn jeder Glaube recht und wahr ist", sag« btt Fanattker, „bann ist es keiner, w«n jede Lehre unb Meinung gedulbtt werbm soll, bann gibt eü gar keine Religio« mehr. Rein, wen» wir überzeugt sind, daß wtt dar recht« Glaub« Hab«, dam, ist es unsere Pflicht diejmig« zu ihm zu führen, die ihm fern steh«, dann gebietet es bie Liebe zum Rächst», ih» nicht gleichgültig in sei» Verderb« stirrz« zu laff«. Und «üff» wtt nicht btt Rechtgläubig« vor de« verderblich» Beispiel, vor dem Gift der Irttehr» schütz«? Ist es nicht Pflicht des Staatsoberhauptes, soweit und solange wie möglich, Feuilleton. Meder Körne und Heine. Uw Professor Dr. Graetz.*) ««höre» auch Börne uud Heine iu die jüdisch« Geschichte? Aller, ding«! Es floß nicht bl»« jüdische« Blut iu ihre» Ader», souderu arch jüdischer Säst in ihre« N-rveu. Die Blitze, di« sie bald i» regenbogea. artigen Farbe», bald iu grellen Streifen über Deutschland flamme» ließen, waren mit jüdisch^almndißher Elektricitär geladen. Sie haben zwar Beide sich äußerlich Mm Judeiah mne losgesagt, aber uur mir Kämpfer, di» de» Feinde» Rüstnng uud Fahne ergreife», um ihn desto sicherer »a triffeu uud desto nachdrücklicher zu veenichteu. Beide habe» sich mit einer Deutlichkeit, die nichts zu wünsche, übrig läßt, ausgesprochen, wie viel ihnen an der Kreuzesreligio» lag, die sie, der Sin« in eine» Kirchlein in Offen dach, der Andere in Heiligenstadt, lanm mit »7» kippe» betamaen. So waren sie Heuchler? Ra» mache die kanheit Mer Einfalt der halben Dorspsarrrr verantwortlich, di« sie mu dem Tanftvassrr lesprengte», oha« sie m» ei» anfrichtige« Slaubeasbekeuumiß zu beftagen. Drotz de« Taufwaffer« haben ihre Gegner sie als Jude,: betrachtet und befchimzfft. Da« Shristeuthnm hat daher »ich» de» mindeste» Grund, Birne und Heine wegen der leeren lleremoaie, die st« sich in der Kirche gefalle» ließe», zu seiner Heerde zu zähle». Einer von ihnen hing trotz seiner r-echseluden Stiummnzen im Herzen dem Judenthum aufrichtiger au, als die Friediänder'«, di« sich als dessen Vertreter geberdeien. Diese beiden reichixgabten Persönlichkeiten, die Wir freuen uns unser» Lesern schon j«tzt einige Auszüge bas dem II„ dem Schlußbaad« de« großen Graetz'scheu Geschichtswerke», gebe» zu könne». Um so mehr ist es zu bedauern, daß durch ein Versehen de« Setzer« eine kleinere Schrift dazu gebraucht worden ist. Wir haben aber Botkehmug getroffen, daß der gediegenen Abhandlung in Zukunft auch durch größere Schrift ihr Recht werde. (ssted.) man ungeachtet ihrer inner» Verschiedenheit als rin Zwillingspa«» «nsteht» aus die Deutschland hinterher, wie aus das Zwillingspaar Schiller und Göthe, stolz ist, gereichen desto mehr der Judeaheit zur Zierde. De« gelänterte» Geschmack, da« lebhafte, rückstchtslose Sahrheitsgeftlhl und ' m Freiheitsdrang verdanken dir Deutsche» größte, Dhril» diesen beid,, Jade», dir st« im Lebe, mit ihrem widerlichen HepHepttseschrei verfolgten. Börne and Heine Hab.» den mittelalterlich«» Qualm, de» di« Deutsche, künstlich, um da« Licht zu verdunkeln, um sich an häuften, mit ihre« blitzartigen Geist» durchbrochen und dem reinen Lichte wieder Zutritt verschafft. Witz und Geist, für die außer Lefstag nur Wenige in Deutschland bis dahin da» rechte verstöndaitz hatten, machte» sie in der dentschen Lite»atur heimisch und «erbannte» die deutsch« Hölzernheit and Uabeholseuheit, aber welch« sich die Nachbarvölker lustig z» machen pflegte». Ja ihrer kindische» Lerbiffenhett gegen die Juden behaupteten di» Deutschthümler, die Nühs und die Hnadt-Radowsky, da» Judenthim könne keinen Mann von Lharafter, keine Seele mit fteierem Kuustfiua an« sich gebären; La strafte fie die Geschichte sofort Lügen und beschäiMe pe. Da» Judenthum stattete einen charakterstarke» Freiheitsapostel mit einer Sprach« aus, welch« an die Propheten und an die römische» Eaton« crnmtTtt, und dieser verwirrte all« Begriffe der Deutsch«» von der Staatsrechtslehre, uud e» stellte noch dazu einen kunstsinnigen Dichter aus, mtt einer Misguag von inniger Porste und geißelnder Ironie, und dieser warf alle ihr« Kuaftregel» über den Hausen. E« ist wohl nicht allzuübertriebeu, zu behaupten, daß kein Volk der Erd« in der GestaltenMe der Geschichte zu gleicher jsrit zwei solche eigenarttge Naturen erzeugt hat, welche «tt Börne uud Hcine »er. glichen werden könnten. In der Geschichte de» jüdischen Volkes sehr» sie nicht vereinzelt. Börne erinnert mit seiner Gefühlstiefr und seinem zugleich verwundenden uud heckenden Witz an den prophetischen und psalanstischen Spott über Verkehrtheiten. Heine hatte Seitenstücke an Idu-Esra, illcharist und Immanuel Neon. deren Satyre sich über sich selbst lästig ma>hte, die ebeufall» äußerlich hell auflachten »nd innerlich riese. Gram bärget. Der mamnqsaltige Blitthenschmnck dr» BtirneHrine'sche» Geiste« ist au» üdischer Erd« emporgeschoffeu und nur von europäischer Eultnr benetzt worden. Da« beweist ihr! tiefe Verwandtschaft mtt einander trotz ihrer Lerschiedenljeit und