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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-03-30 · 13 (30.3.1870) · p. Seite 113

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
13 (30.3.1870)
Date
1870-03-30
Page
Seite 113 (sequence 5)
Language
German
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118 In Vran ist ein Jude, und zwar ohne Zweifel «in Eiugeborner, Namen- $a:?m Bsnichou, Mitglied des Gtadtrathes. Aljüngst der Gchuletat berathen werden sollte und geg« die Position für dm hebräisch« Unterricht Einspruch erhob« wurde, vertagte die Versammlung diese Lerathung, weil Bönichou nicht anwesmd war. Aldieser dann in der nächstm Sitzung erschim, setzte er sogar noch e ne Erhöhung durch Anstellung eineweiter« Lehr» gehülfm durch. So sind die Zudm selbst in Algier weiter als in — Berlin, wo der Magistrat, wie wir unlängst erzählt Hab«, einen Zuschuss zu dm jüdisch« Schul« abgelehnt hat. — Zn der Sitzung der „Alliance Z-r. Univ." vom S. d. M. hat Herr A l b. Cohn die Eiziehung-kostm für dreißig polnische Waisen, welche in Pariser Schul« rc. unterzebracht wndm sollen, übernommm. Währmd vor ein paar Monat« eine höchst romantische Lebm-grschichte d^ Papste- und sein« nächstm Vorfahr« durch die Zeitungen gegangm war, macht jetzt kin Bericht die Runde, wonach PiulX. gar jüdischer Abkunft sein soll. Die Mastaiverdankm, heißt r-, ihr« Grafentitel ein« Ferrettt, welche ein« altadel> gen Familie anzehörte, jedoch in Sinigaglia ein« getauft« Zudm Mastai heirarhete. Schon vor 24 Jahr«, al« Graf Mastai-F«r<tti als PiuS IX. dm Thron bestieg, v«öffent« lichte Marqvi- Consolini «ine gmealogische Broschüre, in d« er die jüdische Herkunft dn Mastai'S nachwie-. D« Verfass« wurde förmlich geachtet, seine Schrift verbrannt. Zwischen den Familien Mastai und Consolini herrscht freilich seit lang« Zeit eine wahre corsische Bmd«ta. Ein Consolini fiel sogar von d« Hand eine- Mastai, wie es in Sinizaglia allgemein heißt. Die ganze Geschichte war b«eitvngefsm, ab« ein römisch« Publicist zerrte ein verschont zebliebmes Exemplar dn «wähnt« Broschüre au» dem Staube hervor und vervollstö-digte sie mit reu« Beweis«. Die „Ccrrespondance de Rome" sucht ihn jetzt zu widerlegm, wie ef heißt, mit wenig Glück. Wie gleichgültig unS die Sache auch ist, sc mag sie doch «wähnt wndm, zugleich ab« erinnert der Familimname des Papsteuns an eine andere Geschichte, welche der „Educat. Zsr." schon im Februarheft «zählt hat und die wir heut Nachtrag«. Zn Sinigaglia war ein Direktor d« dortig« Handelsgesellschaft an Stelle des auS» scheidmd« Grafen Mastai, eines Brud«s des Papstes, za wähl«. Ein jüdischer Kaufmann, Vitale AScoli» wurde von Mastai empfohlm und gewählt, lebnre jedoch ab, weil es ihn, da er die jüdisch« Feiertage strmg kalte, schw« sein würde das Amt gehörig zu versehen. Die Gesellschaft wählte ihn jedoch einstimmig und «klärte, daß sie von sein« Erklärung Akt nehme, und es ihm ganz freistelle, seine Feiertage zu beobachten. AuS Jerusalem v«öffmtlicht Herr Alb. Cohn den Bericht des Henn Dr. London, Oberaizt eS am dortigen Rothschild'schen Hospital. Wir theil« die Hauptziffem mit. Im Jahre 1869 wurdm im Hospital »«pflegt 456 Kranke, davon sind 391 geheilt, 56 in Besserung, 9 gestorben. Die Zahl o« gratis ärztlich Behandelten und mit Medikamenten Verfehmm beläuft sich auf 21,133 (währmd de- BestehmS des Hospital«?), nämlich 12,646 Zudm, 6034 Muhamedaner, 1453 Christen. Auch vr. London bestätigt leid« die Nachricht von d« an Hung«Snoth grenzenden Theu«ung. A. Cohn «biet« sich auch die kleinste Gabe anzunehmm und schlcunizst zu v«wmd«. AuS Amerika Hab« wir, wie jedem Kinde bekannt, eine Reihe dn nützlichftm mechanischen Wnkzeuge und verbesserter Construktionm empfangen. „ZSraelr.e" und „Deborah" weisen nun (in mgljsch« und dmtsch« Sprache) darauf hin, daß man dm — wenn wir nicht rer« — von DD. Wise und Lilienthal construirtm Minhag Amer-ca nach Deutschland gebrcicht habe, beschw«« sich jedoch, daß man — sie nenn« Dr. Geiger alden Contrefaifmr — diethue, ohne dn Erfind« zu zedmkm. , Warum habt ihr ab« auch auf «re »«besserte Mechanik kein j Patent genommen?! | Berichte und Correspondenzcn. Deutschland. v Briefe au« ZterN», L (Orig.-Corresp.) Auch zu Ihn« ist d« Nothschrei aus d« Mitte hiesig« Gemeinde über die imm« mehr sich steigernde Bnletzung d« GewiffenSfreiheit durch die gegmwärttge Gemeindevertretung gedrungm. Sie wundern sich mit Recht, daß Männer von Bildung, die in politische« Be-! ziehung die fteihettliche Entwickelung mit all« Kraft anstrebm; und da- Bann« d« Gewissensfreiheit hoch schwing«, sich nicht! mtblödm nach religiöser Richtung hin ein« Zwang au-zuüben,! d«, von Zudm gegen Zudm geübt, fast beispiellos in dn Gei schichte dasteht. Sie gestatt« mir hinzuzufügm: Man preist unsere Zeit glücklich, wenn man ersähtt, wie unsere Vorfahr« zezwungm wurd« in den Kirchm Bekehrung-Predigt« mi: anzuhören, in welch« sie über die Bedeutung deS Christent'iumS und d« eigmm Religion Unwnth aufgeklärt wndm sollt«. Solche Barbarei ist allerdings nunmehr besettigt; selbst d>.: sogmannte heilige Vater t« Christenheit, wmn « auch nocl» vor mehr«« Jahr« dem Raube des Mortara-KindeS seinen atiostclisch« Segen verlieh«, « wagt e« nicht mehr, die Zudm k'iomS zu dm Bekehrunzspredigten d« PatreS eScortirm zu lass«. Üb« noch hat da« Grab d« Zeit jme Barbarei nicht ganz zug, deckt — und Zud« selbst übernehmm die ttaurige Rolle, solch« Zwang gegm ihre eigenen Brüder schonungslos fortzusetzm. ES niahnt mich diese Handlungsweise an jme Schriftstelle: „eS hcr:schen üb« euch eure Feinde" (3. B. M. 26, 16), nach d« Deutung des Sifra: „Feinde auS eur« eizmen Mitte". Halt« Sie diese Anwmdung auf die hiesigen Gemeindcv«hältnisse nicht fir zu hart; ich w«dc die Thatsachm selbst r:dm lasten, und sie werden die Richtigkeit in eines strengen Urtbeil» näh^r erweisen. Indem ich Ihn« ein Resumö über die Ereignisse d« letzt« Jahre gebe, komme ich Ihrem mir wiederholmtlich auSzedrückt« Wunsche in dies« Beziehung nach. Wenn Sie hierbei meine Ihnen sattsani bekannte Wahrheitsliebe hervorheb«, so darf ich Ihnen »«sprechen, auch f«nerhin Ihres V«trauens werth mich zu zeigen. Allerdings werden Sie von mir nicht verlangen, dnji ich Ihnen die Facta nur chrcnikmäßiz vorführe, vielmehr U'crden Sie mir gestatt«, daß ich mich ein« einig«maßen pragmai chen Darstellungsweise bediene, ohne die Lbj«tivität selbst irgendwie aufzugebcn. Sir wissen, wie die durch das am 31. Januar 1864 erfolgte Hinscheiden des sel. Dr.Sachs wahrhaft vnwaist gewordene Kanzel erst im August 1866 ihre Besetzung durch Dr. Arik erhalt« hat. Sie wist« ab« nicht (?), in welch« Weise die Qualifikation des Letzteren für das hiesige Rabbinat geprüft worden ist. Die Gemeindev«tretunz ordnete nämlich auk hr« Mitte zwei dem Kaufmannsstande anzehörigc Mitglied«') ab, um Dr. Aub in sein« Gemeinde zu Mainz predig« zu hören. Das Ref«at dies« Hör« lautete günstig, und darauf hin wurde Dr. Aub zum Rabbin« hiesig« Gemeinde gewählt. Allerdings war von dem Gewählt« Manches bekannt, was ihm zur 'Empfehlung gereichte, wiewohl « als Gelehrter eines besonderen Rufenicht genoß. Hatte « doch nur durch einige Abhmd» lungm üb« Trauergebräuche "), wie durch die Abfassung eines Lehrbuches der jüdisch« Religion in d« wissmschaftliiben 5Belt sich kaum bemerklich gemacht; allein man rühmte sein einfahes, schlichtes Wesen, daihn ab« nichtsdestoweniger in feiner Gemeinde kämpfend auftreten ließ, um eine größere Spaltung *) Und einen Srjt, wenn wir uni recht entsinnen. iRe>.) —) Und eine üb« Minhag, die demjenigen sehr gelehrt vvtkon men konnte, d« nicht wußte, daß da» Wanze nur au» dem Pri Lhad isch au»- züglich übersetzt war. (Reli.)

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