Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 13 (30.3.1870)
- Date
- 1870-03-30
- Page
- Seite 111 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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111 Werbung „profamr" Kenntnisse nicht» wisse»; die deutsch«Orthodoxe« wollen oder können der Wiffenschast de» Mnzang nicht wehr«, strelea für sich und die Ihrig« nach „zeitgemäßer Bildung." Dritten»: die Letzteren können, alle- Poltern» und alle» Steifen» auf de« Schlich« Arnch ungeachtet, dem Drängen der Zeit nicht widerstehen, sie haben 1» de» Äottetdienst Reformen «ingeführt, »eie Ehorgesang und Predigt in deutscher Sprache, Abschaffung de» Mitzwot-Derkauf», de» Klopfen» bei der Purtmverlrsung u. dgl. in., Reform«, welche die polnisch-imgarischen Orthodoxen >p»uz ebenso perhorreiziren. wie die weitestgehenden der linken E nte. Jene wolle« ferner im bürgerlich« Verkehr»- Ikben sich ärßerlich durch nicht» al» Anden kennzeichn«, «ährend der polnkschimgcnisch« Orthodoxe da» Sprechen im Jargon, da» Trag« einnr drri Juden al» solchen kenntlich machenden Kleidung k. ebmso gut für heilige Religion-Pflicht erklärt, wie Sabbathhaltm und Koscheressen, die Schriften eine- Rabb. Hirsch ebensowohl für *7lKn ncTC erachtet, wie die eine» Geiger, und die erster« eb«sowenig lesen würde, al» er — sic versteh« könnte. Dieser Unterschiede ungeachtet hat die Orthrdoxie dennoch ein gemeinsames Princip und ist al» eine Partei zu betracht«. Wie die D«tschm ihre Inkonsequenz in Hinsicht auf die erwähnten Prmkte zu rechtfertig« vermögm, Hab« wir nicht zu untersuch«. Wir mach« ihn« ab« daran» keinen Vorwurf, und wm« z. B. die Statut« d« Adaß Ji»roel auch die schreiendste ^lnconsequmz begeben, indem sie L«te, welche „in ein« vom jüdisch« Religionsgesetz verbot«« Ehe leb«," von d« Mitgliedschaft au-schließen, aber solche zulaffm, welche Sabbath« und Speisegesetz«! übertret«, so daß ein rabbinische» Verbot (ps*) rnn'n) über klar biblische gestellt, und ein Prinzip ausgestellt wird, »elche» von jeden, Gesichtspunkte au» al» unsinnig*) bezeichnet werdm muß — so wollen wir doch die Gicknder der Gemeinde ginn „nach der gut« Seite b«rthetl«", sie würdm wahrscheinlich Alle ausgeschlossen Hab«, die nicht in jedem Punfte strmz nach dem Schulchan Aruch leb«, aber umher dann Minjan nehmm k! *) Mao wird sich dich nicht auf den Satz berufea; uro ater V fl fff Tf-ei1?. Llrilänsig: wir l«b«a eben gesagt, daß wir dieJknconftquenz mild« benrtheiün; ater warum di« Statuten die Inkonsequenz auch, und zwar in haarsträubender Lleise, auf die (Schreibung hebräischer Worte «uldehueu?! Da» find die Partei« der Link« und der Rechten. Dciß zwisch» dies« noch ei» breiter Raum für eine wirkliche gro'je Mittelharter bleibt, bedarf nun wohl keine» Nachweise» «ehr. Die Prinzipi« dies« Mittelpartei, der unser Blatt dien« tpil, glaub« wir in der Eharakterifinmg der von «n» geschildert,» Partei« ebmfall», soweit al» «» vorerst aöthig ist, genügend angedeutet zu haben. E» versteht sich jedoch von selbst, daß wir auf Einzelne» z« genauer« Bestimmung unserer Ansicht« »och zurückzukommen gedmkm. Arber koderstrafr.. Bo» vr. I. Hamburger.-) Die Todesstrafe iß ein vermtchtniß de» Altertkum», gegen deren Foitbeßand in de» cioilistrte» Staaten mit Rech» angettmpst wird. Sie hat da» glenhe vergeltu»-«rech«, ja» talionio, in seiner wbrNiche» Avfsaffnug, die Raä«, Blutrache in ihrem niedrigen, leiblichen Sinne zu ihrem Boden und peßt nicht mehr siir de» modernen Staat der Gegenwart. Der Mosaismn», sau« die Bibel überhaupt, hat allerdings noch di« Todesstrafe, ober schon »ech einem ganz andern Priuzip« und in einer Umgestaltung, die deren Autführurg so sehr erschwerte, daß sie nochwendig zur Aushebung derselben führte. Die Todesstrafe erscheint in der Bibel im Bergleich damit, wie ste bei den andern allen Böllern gehandhabr wurde, als schon halb abgeschasst und kam in der nahbiblische» Zeit immer seltener vor, bis ste nach der Aussprüchen der I«- devtendsten Sesetzeslehrer in Rischna und Talmud gcr nicht mehr zur vellziehung komm« sollte. I» den erste» Kapiteln der Bibel, in der Erzählung Von dem ersten Brudermorde, ist die Berbaunung at: der Stelle der Todsstrafe, mit der aachdrüülichen Warnung: „daß chn nicht riidte, wer ihn treffe,'») Worte, welche die Abschaffung der Todesstrafe als Sach: der Blutrache, >«s gleichen BrrgelMngsrechts, jn» talionis, einfür allemal anssprechen. ü rst bei der wiederbegründung der neuen Gesellschaft «ch der Sündsluth toxi der Todesstrafe auf das Brrgehr» de» Mordes gedacht, aber in einer sichtlich das Alterthum weit überragende» Weife. „Jedoch «erd« ub euer Blut eu:es Lebens fordern; von jedem Thiere fordere ich es, von der Hand des Menschen, von der Hand des Line» gegen den Andern fordnce ich das Leben *5 Menschen; Wer Menschenblnt vergießt, deffea Blut werde durch Menseln -««agoffeu. denn im Lbenbilde Gotte» hat er den Menschen gemacht."») Die ') Aus deffen RealencpklopSdie »c. (Siehe >en LrteraMrbericht in nnferer Nr. 12.) — An diese» l. Thiil (Gesetz, Prircip, Geschichte und >3edeatung der Todesstrafe) schließt sich noch rin zweiter an, welcher von »er Berhängimg und den Arten der Todesstrafe handelt. Außerdem wird am Schluffe auf die ergänzenden Artikel: Mord, Straft, Schäden, Sittenlel re, Zufluchtsstätte und Shnhedrium verwiesen. >) I M. 3. 15. ») I M. », 5. 6. Bei dn Conftontation wollte jedoch d« Zeuge weder von der Sache etwa» wissm, noch dm Mann jemals gesehen haben; eö sei ihm da» nur so vom Arzt AlesanSki und vom Eomi misiatr Grovintki in den Mund gelegt worden. Et widnrief auch seine ganze ftühere Aussage, gab an, wie man ihn zu verleiten gesucht, zeigte all' die schön« Kleider, welche er brreit» empfang«: aber e» sei ihm unmöglich die Wahrheit läng« zu ver« schweig«. Bei dieser Au-saze verblieb er auch während der - Eonfrontation mit den genannten Person« und wurde nunmehr an Händen und Füßen mit Kett« belastet nach dem Krei»- gefängntß zu Schaulen abg-führt. Nachdem nun!>ie Untersuchungrcommission die strengste polizeiliche Aufficht gegm den Rabbiner sowie gegm die übrigen Anzeklagtm verordnet, verließ auch diese d« Cit Um dies« Zwang lo» zu «erden, richteten di« J-raelitm Schawlan'» eine fernere Eingabe an dm Gmeralgouverneur zu Wilna, schildert« ihm alle ihre Leid« und stellt« ihm da» ungerechte und gehässige Versah, « der Untersuchungskommission in seiner ganz« Schändlichkeit dar. (Fortsetzung folgt.) Die Durimfeier in Äul'a. Nachstehende mir von einem glaubwürdigen Augenzeugen gemachte Mittheilungen von der Purimftier in Susa, dem eigentlichen Schauplatz« jener Begebenheiten, zu deren Lrinierung wir Purim feiern, werden von Interesse sein. Da« Borleftr der Megilla wird di rt unter drei Perftnen »enheill, und zwar wird der erste Theil rem Shc.cham. der zweite »an Hauptlehrer und der dritte dem Kantor Uberttagen. Beim Herausgehe« aus der Shnagoge (wo selbst am Purim di« größte Stille und Andacht herrscht) wird jedem ein mit Asche bestreute« Li mbst einem lslase Liqueur überreicht, welche» er sofort gemeßt. Tie Hauplmahlzett wird m diesem Tage außerhalb der Festungsstadi aus fteiem Felde geholten. Tag» zuvor nämlich begeben sich sämmtliche Julien der Smdt an einen Ort, de« st« zur Liunahme des Mahls bestimme». Lin jedes Haus, das ungefähr 15 Familien saßt, wählt stch seinen Platz aus, und damit er licht verwechselt werde, wird ein Pflock in die Lrde gestoßen, worauf der Name de« Hauses stch befindet. Ungefähr 30 jüdische Häuser find es, die an der Mahlzeit Thal nehmen. Nachdem nun all« in getrennte» Gruppen dersammelt sind, wird von jede« Hause das Minchaglbat verrichtet und zur Tafel geschritten. Auch di« rirauen nehmen an diesem Tage Himer ihren Männern Platz, was an andern Tagen nur selten geschieht. Mit großem Jubel und geräuschvoller Freud« wird vvn Allen gespeist, und zur velustizuug der grauen und Linder werden Possenmacher und Zauberkünstler gemtsthet. Di« Männer jedoch unterhoitea stch meist mit ernsten Dinge» und di« Gchetzesbmdi-t«, »on denen keiner ohne tzoa Traktat Megilla stch an des«« Tage zur Mahlzeit setzt. bestpden stch zu» größten Theil i» eifriger Dtsputcäiao. vis »um Anbruch de» Tage« zieht stch »«» Mahl hin und da« «»:§«». gebet vereinigt wieder Alle in der Stznqgoge. M. Mawliz.