Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 12 (23.3.1870)
- Date
- 1870-03-23
- Page
- Seite 106 (sequence 6)
- Language
- German
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106 dem Tempel seine volltönenden Ocgelklänge geholfen? — so wenig nie sei» Gesangbuch und dreijähriger Cyclu». WaS nützt' mir die Schale, wem der Kern, das Interesse, fort ist? Ohne diese wichtige Frage mit d'esen Schlagwörtern abthun zu wollen, erlaube ich mir dieselbe mtt einer kleinen Geschichte zu illustriren: „In einem Dorfe lebte ein Wirth, welcher lange Zeit ein sehr gutes Bier führte und in Folge dessen einer zahlreichen Kundschaft genoß. AlS jedoch später den Kunden seine Waare nicht mehr mundete — au» welchem Grunde, ist uns nicht berichtet — stand sein Gasthaus leer und er sann auf Msttel, den Schaden zu bessern. So schiffte er sich eine Musikbande an, die durch ihre Klänge da» Publikum anlocke« sollte, und letzteres bekam zu dem Ohrenschmaus« und Tanzvergnügen da» unbeliebte Bier zu trinke». DaS ging — wie der weife Nathan sagt, — so lange eS ging. — Al» jedoch die Leute genug Musik gehört hatten, blieben sie wieder zu Hause oder gingen dahin, wo sie bessere» Bier für ihren Geschmack zu finden hofften." Ein höchst profane» Gleichuiß, nicht wahr? - Aber paßt e« denn nicht? Kanuouer, 5. März. (Orig.-Corresp.) Ihr Herr Correspou« dent von hier führ, in Nr. 8. d. Bl. au» der von dem Herrn Landrabbmer vr. Meyer in der Repräsentantensitzung gehaltenen die Einführung einer Orgel betreffende« Rede an: Daneben aber auerkanvt« (btt Redner), daß, wenn wirklich ei« wesentliwe, «othwendize Verbesserung de» Gottesdunftes dadurch (durch di« Stusühruug einer Cffrf) erziel« würde, die gesetzliche« Bedenke» schon t« Hiubliü aus rrs*? nr sich beseitigen ließen. Dieser Satz ist aber weder dem Wortlaute noch dem Inhalte nach von Herrn Vr. Meyer in jener Sitzung au«gesprochen «ordm, wie ich mit um so größerer vesttmmtheit behaupten darf, al» ich die b,-treffende Rede in ihren wesentlichsten Mo« menten während de» Borttagö ausgezeichnet habe'). Isaak Hirsch, Mitglich de« Repräseutautea^allegium«. An« Sübbeutsßkaub, 13. März. (Orig.^orresp.) Die AustrittSecklärungen in unserem Nachbarland« Baden mehrest^ sich in ttouriger Weise, und zwar nicht von orthodoxer, sondern neologrr Sette. Infolge eine» jüngst ergangenen llrtheil« de» großberzoglichen Oberroth» nämlich haben die Israeliten zu Freiburg t. B. die schriftliche Erklärung abgegeben: daß sie, wenn bi» Ende diese» Jahre» die längst al» „unzeitgemäß" anerkannte Ministerialv.-rordnung vom 31. December 1849 nicht aufgehoben, oder eine „der Neuzeit angemessene Kirchmverfaffunz" nicht in'» beben treten sollte, au» dem Verbände der badiichen Judenfchaft auStreten würden. Gleichzeitig beauftragten sie den Synagogenrath, diesen Beschluß mit dessen Motiven zur KennMiß aller jüdischen Gemeinden de» Landes zu bringen, mtt der Aufforderung: sich demselben in allen Theilen anzuschließen. — Da nun, wie Schreiber diese» jüngst au» sicherster Quelle in d,w badischen Residenz vernommen, die Regierung daselbst nicht :m entferntesten Willen» ist, sich in Zukunft mit „Kirch enverfassungen", welcher Eonfeffion immer, irgendwie abzugeben, so kann man die bedauernSwerthen Folg« diese» Schrittes der Freiburger Gemeinde schon jetzt mtt ziemlicher Sicherheit angeben. .X Oesterreich. -rz. Me«, 9. sRärz. (Orig.-Corresp.) Sie sind in Ihrer letzten Nr. voll Erstaunen über die große (thatfächlich noch zu gering angegebene) Zahl von jüdischen Professoren,- Assistenten «. an der hiengen Universität. Nun, wenn einmal da» Kapttel der Toleranz, oder sage« vir richtiger, der schönen Harmonie zwischen Christen und Jude» zur Sprache koount, da köunte ich Ihne» ei« Lange» und Brette» erzählen. E» herrscht hier in Wien *) Unser Herr Sorrefpeabet hat »hne Zweifel durch «i»e» Upmi memoria« eine PrivatLn-mm, i» di« »ssizielle Debatte gebracht; di« verhaudluug hat schon var Unserer geü ftattgesuade». (Red.) wenigsten» zwischen beide» Co«fessione« ei» förmlicher Wetteifer sich gegenseittg Gute» zu thun. Allwöchentlich werde« hier die Liebesgaben veröffentlicht, welche der Kaiser dm verschiedmsten und entlegensten Plätzm der Monarchie für Kirchmbautm re. zuwendet. Da werden Sie immer — nach Verhältniß — auch jüdische arme Gemeindm (au« Anlaß von Synagogenbautm rc.) bedacht finden. Unser Magisttat, in welchem sich auch mehrere jüdische Gemeindcräthe befinden, thut desgleichen. Er wendet jetzt der Talmud-Thora (der von einem Vereine im Interesse eine» umfassenderen hebräisch« Unterricht» gegrüudetm Volksschule) eine jährlich« Subvmtion von 500 Fl. zu und hat ihrem Vorstande zur Erbauung eines eigmm Schulhause» 2000 Fl. zugesagt. Bei dm in diesem Winter stattgefundmm Holzvertheilungen wurdm jüdisch« Arme sehr reichlich bedacht. Im Carueval werdm vom hohm Adel Bälle behuf» Unterstützung der Arm« arrangirt, wobei Fürstinnm und Gräfinnm die laäie» patronoaaoa machen. Da wird regelmäßig auch einer Dam« au» unserm jüdischen Adel da» Pattooat übertragm, und sie genießt gleich dm Uebrigm da» Vergnüg«, am Arme eine» Erzherzog» auf dem Balle Cercle zu mach«. Diesmal war, wie ich glaube» Frau Wimer von Welt« die Glückliche. Jndessm, wa» wahr ist, unsere jüdische Aristokratte schont da» Geld nicht, wo e» Unterstützung der Armm und Bedürftiger, gilt, mögm sie welcher Confessio» immer angehörm. Demnächst wird auch zu Gunst« de» hiesigen Taubstummm-Jnstttut« im Karltheater eine WohlthLtigkettS-Vorstellung stattfindm, an welcher verschieden« Herren und Damen von der v>:.g sich bethetligen. Der Direktor de» Theater», Ascher, isr ein Jude, wie ich glaube, ein Berliner. Er sowie Sonnenthal verfehlm am Jom Kippur nicht t« Bethause zu erscheinm. Doch ich komme in» Plaudern, — nur rasch noch zwei Rotizm. Man will hier, wie ich höre, eine jüdische Blindenanstalt gründen, und ein Verein junger Leute bildet sich zu dem Zwecke, um hiesige jüdische Autorm zu «nterstützm und bei Drucklegung ihrer Schriftm ihnm behülfltch zu sein. Zunächst soll Fried mann'» Text und Commmtar der Mechtltha mitHUfe de» Verein» erscheinm. Alle» schöne u«d liebe Zeichen de» Emste» und der Strebsamkeit. Gemetndeskandale, die sich vielleicht pikanter lesm, kan« ich Ihnm Gott Lob von hier nicht meldm. L. N. im März. (Orig.^onesp.) Die „Gegmwart" und mehrere Blätter habm Ihnm von der Jnsolvenzerklärung der Meisel-Synagog« berichtet. Sie wollm von mir Nähere», Zuverlässige» erfahrm, da Sie an Nächftbethettrgte und Betroffene, ebm wett sie die» sind, Sich nicht wmdm mögen. Die Wahrheit ist in Kürze und mit Weglassung alle»^>ersönlichm diese. Da» Defiztt schreibt sich noch von der Reftmlration der Synagoge vor der Anstellung de» Rabbiner» her. Diese» Defizit wurde dadurch schwebend gehakt«, daß man immer die Einkünfte au» dm auf n"r) vermietheten Sitz« antizipirte und sich durch Vorschüsse half, welch« VorstandSmttglieder und Nicht- Mitglieder leistetm. An sich habm die Einnahmm stet» die Au»- gab« fo vollständig gedeckt, daß man 12—1500 Fl. Bauschüldm abtrazm konnte. Seit eine Hauptperson de» früher« Vorstände» durch geschäftliche Unfälle zum Rückrritt veranlaßt, und besonder» seit im Oktober v. I. ei« neuer Borstand gewähtt war, gerieth die Finanzgebahrung in» Stock«, und währmd man ohne Zweifel nach und «ach da» Gleichgewicht hätte hersteüm können, griff man zu dem — einfachen Auskunftsmittel, die Sache rein — kaufmännisch zu behandeln: man verhandette mtt dem Rabbiner über ein« Accord (unter der Hand abmach«, heißt man da», wie St« vielleicht — nicht wisse») und stellte, da er darauf nicht eiugehm wollte, die Zahlung rin. Man hat sich auch a» die Repräsentanz gewendet, aber in einer nicht geschickt« Form, wmtgsteu» kann ich Ihn« sag«, daß der Rabbiner in diese Form nicht gewMgt Hab« würde, wenn man ihn geftagt hätte.