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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-03-23 · 12 (23.3.1870) · p. Seite 107

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
12 (23.3.1870)
Date
1870-03-23
Page
Seite 107 (sequence 7)
Language
German
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107 Die« genüge. Hoffentlich gelingt rt in der einen oder andem Art, die Schmach abzmvenden, daß man in Prag mtt einem Rabbiner auf eine Weise oer- und überhaupt handele, die freilich dmchau« „nicht mehr ungewöhnlich", aber doch einem Rabbiner gegenüber bisher kaum in einer Dorfgemeinde vorgekommen ist. Eine General-Versammlung hat denn auch bereit« 400 Fl. Zuschuß gezeichnet und Doraulbezahlung der Synagogen- Plätze pro 6381 vom 1. Januax c. an votirt. Ich werde Ihnen s. Z. weiter berichten. Bußlaud. A«rsff«u, 6. März. (Orig. - Corresp.) Bon dem Tode unsere« Obec-Rabbiner» Bär Metsel« haben die hiesigen Be» richterstatter dm politisch« TageSblättern ausführlich zu berichtm sich beeilt, ^selbst von der kleinlich« Chicane, mit der die Cmsurbehörde dm Berewigtm noch über da« Grab hinan« verfolgte, indem st« dm hiestgm Zeitung« untersagte demselben einm würdig« Nrchnif zu widmen, dm alle vorberettet hattm, selbst hiervon läse» wir die Mittheilung in einig« deutsch« Zeitung«, die uns hier zu Gesichte kam«. Aber Metsel« Name gehört auch der Beschicht r an; p o l n i s ch e Historiker «erdm seine« Parriotismu» und seiner politisch« Wirksamkeit gedmkm. Ich aber, dm der Selige mtt seiner Freundschaft beehrt hat, möchte hier Einige« berichten, wa i ihn als Iudm» als Rabbiner und al«Mmschm kmnm lehrt. Metsel» war von entschied« orthodoxer Gesinnung, gehörte aber keine«wrg« zu Dmjmigm, für die jede noch'so kleine Un» wesmtlichkett ein Pfeiler de« Glaub«» zu sein scheint. Zugleich war er von einer seltmm Toleranz durchdrungm. Die'« beruhte nicht etwa auf Energielosigkeit, auf Schlaffheit der et-mm Gesinnung oder Nonchalance; sie lag vielmehr in dem klar« Bewußtsein, dtlß die Meinung eine« Jedm berechtigt sein kann, und daß e« Niemandem zusteht, die seinige al« die efo}<g wahre Andern aufdrängen zu «olle». Mit Sorgfalt vermied er jede Art von theologischer Dtscuffion; konnte er aber einmal einer solch« nicht auswetchm, so bmahm er sich dabei mit einer Feinheit, die man sonst eher bet Diplomatm al« bet Theologm sucht. E« läßt sich dmkm, daß in der Warschauer jüdi 'chm Gemeinde, die nahe an 80,000 Seel« zählt, alle Parteien reichlich verttetm sint. Meisel« stand über allm und ließ sie nie zu Reibung« ktmm«; er war im vollstm Sinne ein üfaff snw obff »pm, er liebte und suchte Fried«. Und diese« Sttebm nach Fried« wandte er nicht nur in allgemein« Angelegenheit« an. Auch die Schlichtung von Prtoatstreittgkettm erachtete er al« eine Pflicht seiner Stellung, und dir Zahl der Prozeffe, die durch seine Intervention beigelegt oder geschlichtet word« find, kann nach Hundert« gezählt werdm. Daß Stteittgkeitm zwischm Judm und Christ« seinem Schiedsrichterspruch übergekm wurdm, kam sehr oft vor; aber auch die Fälle warm nicht seit«, wo er zwischm Partim schlichtete, die beide Nichtjudm war«. Diese Wtrksamkett «ahw ihn natürlich sehr in Anspruch «no sein Hau« war zu jeder Stunde von zahlreich« Person« jedm Stande» förmlich belagert; dmn nicht m»r al« Schiedsrichter, sondern auch al« Rathgeber wae er unaufhörlich von allm Settm angegangen, und fein Rath war stet« treffend und maßgebend. Seüie Hillel» Natur hatte für Jedm Zett, rmd Niemand, auch nicht der Geringste, wurde mibefriedigt eritlaff«. Die Thätigkeit Meisel» dm vehörd« gegenüb« war chie solche, daß sie einem jedm Andem die ganze Zeit ausgefüllt hätte. Kaum traf eine jm« hart« Polizeiod-r Verwaltungs-Maßregeln, von d«m Willkür wir hi« leid« so oH heimgesucht werden, einm Judm al« solch«, gleich war Meisel» zllr Hand um sie abzuwmdm od« ihr wenigstm« die Spijx abzubrech«, wa» seinem Einfluß käst imm« gelang. Bei )« au» solch« Bllanlaffungm mtt dm höchst« Beamt« gepflogen« Unterredung« wußte « mtt erstumlicher Schlagflltigkeit die leichtgeschmiedet« Anklagm gegen seine Glauben«gmoffm zu vemichien. Di^e Untllredungm sind im Volke d« Gegmstand zahlreich« Anekdoten geworben, di« dm Mann beinahe zum Mythe» mach«. Auch auf andere Gemeind« im Königreiche Polen dehnte n seine Wirksamkeit au», immer Fried« stiftend, Unglücklich« und Verfolgt« beistehend. Für seine Collcgm in dm andem Stadt«, so wie für seine Unt«. gebmm sorgte « wahrhaft väterlich. Dm Letzt«« übllließ « da» ganze Honorar, da« au» dm Sch ied»g«ichtm oft floß, wa« jährlich eine Summe von einig« tausend Rudeln auSmachte. Da» Dllbältniß Meisel» zu dm einzeln« Mitgliedem sein« Gemeinde war ein innig vertraute». Man kann ohne Uebertteibung sag«, daß e» kaum eine Person von Anseh« in Warschau giebt, d«m Verhältnisse ihm nicht bekannt, und daß kaum eine Familie zu nmnm sein würde, die nicht Einmal eine Gefälligkeit -W>et liebevolle Aufmerksamkeit von Meisel» erfahr« 'hätte. Die Kind« Meisel» sind ganz im Geiste fein« Toleranz «zog«, und bei ihn« geht da» orthodoxe Judmthum mit b« medttn« Bildung Hand in Hand. Alle find sie übrig«» friedliebend und wohlthättg. — (Schluß folgt.) — Die B u. H. Z. berichtet: 2« Handelsvertrag d« Schweiz mit Rußland soll nach einem Telegramm auf Schwierigkettm stoß«, weil die msfische Regiemng die völlige Reciprocität für Angehörige der »«schieden« Religion« nicht zugestehm will. E« handelt sich hier, wie d« »Bund' bem«kt, um die Juden. Verhandlungen, die unlängst zwischm Rußland und dm Vlleinigtm Staat« stattgefundm, last« leider nicht erwattm, daß man in Petersburg dazu zu bring« sein werde, dm Forbllungm, auf welch« die Schweiz bestehen muß, ein offme» Ohr zu leih«. Bekanntlich hatte Präfidmt Grant Anlaß gehabt, sich beim PllnSburg« Kabtuet für die Gleichstellung d« Judm zu verwmdm. E« wurde ihm erwidert, man sei bereit, dm Judm alle mögliche Unterstützun g zur Verbesserung ihr« Zustände zu gewähr«, »mit man auch eine absolute Emancipation nicht gewähr« könne, da sie noch auf zu heftige Opposition stoße. D« amerikanische Staat»se«etair hatte darauf geantwortet, er hoffe, daß die rusiische Regierung e« mit ihr« Politik »«- embar sind« werde, dm Jud« die gewünscht« größem Rechte wirklich zu bewillig«. Die Erfahrung zeige, daß die Aufhebung d« Beschränkung« die betreffende Klaffe nur hebe und dem Gemeinwohl, sowie d« social« Organ isatton nur Vorschub leiste. Literaturbericht. K»«ß«rßer, Dr. I., Rabb. in Altstrelitz. Real-öucyclopädie für Bivel und Talmud. Heft I—IV. Diese« Werk, welche« seiner Vollendung entgegen geht, ist eiuZengniß fleißige», eingehenden Studium«, und e« wäre demselben eine «eit« Verbreitung zu wünschen. Di« Artikel find nicht so anüsührlich gehalten, wie die in dem von demselben Verfasser 1857 herau«gegebenen „Geist der Öada", aber sie entsprechen dem Zwecke, die wichtigsten Stellen »der die alphabetischer Ordnung gegebenen Materien znsammenxistellen uud so zu verarbeiten, daß ein anschauliche« vild dem Leser vorgesührt wird, während reichhaltige Qnellennachweisungen Demjenigen, der selbst Nachsehen will, de* weg zeige«. Dazu kommt, »aß die Artikel, gut stvlifirt, ein ledbare«, ja fast unterhaltend zu nennende« Buch bieten. Um bester al« dmnh receusirerde Bemerkungen den Geist und di« Art de« Werke» zu kennzeichn nt, werden wir im nächsten Blatte den Artikel „lofc*«)hafe" mittheile». Zwar halten wir diesen Artikel nicht für de» gelungensten oder vollständigsten — wir könnten gediegenere wählen — aber wir wählen diesen, weil un« der Herr versah er daraus austnerksam «achte und derselbe gerade zeitgemäß ist. wenn wir de« Leser sage», daß da« Werk nach bester« Abhandlungen bietet, s» kann er sein Unheil darnach selbst bilden.__ Briefkasten der Redaktion, ff. in A. Unser Watt will nur CK bwb> nrn "cn bieten; daß hebräisch« Gedichte nicht zu dieser Kategorie gehören, können wir bedauern, aber nicht ändern. Der Artikel im M7 kam un« für diese Üt. zu spät. — Dt. C. Die vemerkung, daß STB bier und da durch „Orgel" erklän und überseht sei, ist in der einschlägigen Literatur schon besprochen: in der dem chvn trro trm beigegebeneu.Erklärung ist C*33 so erklän, — em Jnstrumem, welche« verschtedene rrop TO hervorbringt, Orgel, lieber die Orgel in den verschiedene« Kirchen hat u. A. Joel gesprochen. — jt. E« kommmen Zeitungen au» Ihrer Gegmd mir direkt nicht zu Gesicht, Einsendung von Aulschnitten daher sehr erwünscht.

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