Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 12 (23.3.1870)
- Date
- 1870-03-23
- Page
- Seite 104 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/5369809-5934980-5935152--0188-5369925- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
104 *na pn nrarrt, in Gefahr spenden ist Silber ’iOBQ-’l'D'a poiB ."uao, auf dem Todtenbctte Legate testiren ist Kupfer, tdktp rbn 'xKrvtVrti Wir berichten daher lieber über einige WohlthätigkeitSanstalten, deren Berichte nnS jungst zngegangen find. Daß wir auch einmal etwas aus der eigenen Gemeinde erwähnen und daS betreffende Referat vorauflellm, wird unS wohl nicht verargt werde». Die hiefige „N. Stett. Z." schreibt: „ütba bat eon dem verstorbene» Rabbiner vr. Reifet ius Lebe» gerufenehiesige israelitische Waisenban« liegt «us jetzt der sechszehate Jahresbericht pro 1869 vor. Das zünftige Ergebuiß, welches in dem verfiosfeueii Berwaltuugüjahre erzelt wurde — die Jahresrechmmg schließt mit einem Ueberschuß »ou 4251 Thlru. — verdankt die Anstalt dem Bankier Hermann Friedläader in Berlin, welcher derselben ei» Legat des verstorbenen Bankier Jacob Saling daselbst im Betrage von 3000 Thlr». überwies. Im Uebrigeo macht das Waisenhaus erfreuliche Fortschritte. Die Erstehung, welche die Zöglinge genießen, ist, wie wir wiederholt her- «o.'hebea «ollen, keineswegs, wie leider häufig bei unseren derartigen christliche» Anstalten, ein« nothdürftige Abfindung mit einer lästigen Pflicht, der mau unr gerecht wird, soweit es unbedingt uothweadig ist: di« israelitisch« Anstalt läßt sich angelegen sein, ihre Waise» zu tüchtigen Menschen für das Leben rorznl-ereiten »nd die eixenthümliche» Anlagen der Kinder schon ftützeitig aulzr bilden, so daß sie, wenn sie später ins Leben treten, eine» ihren Neigung, m entsprechenden Berns zu wählen in der Lag« sind »nd nicht ohne Weiteres dem Proletariat anheimfallen. Ja dieser Beziehung ist die Anstalt ihrer übernommene« Ehrenpflicht so sehr eingedenk, daß sie, wo besonder.: Anlagen und Wünsche ihrer Zöglinge hervortrete», dieselben mit uamhafeu Opfern die besten Schulen besuchen läßt. Durch das Institut der sogeraaateu „Ehremuüuer" ist auch für den nothweudigen Zusammeuhaug ter ILaisen mit der Familie und der Gesellschaft gesorgt; indem die betreffende Ehreamotter die besondere lleberwachung des Kindes llbernannnut, für feine über die Leistungsfähigkeit der Anstalt hiuausreicheuten Bedürfuiffe entweder ans eigeae» Mitteln »der au» deue» von ander» zum Gebe» kerriien Menschen Sorge trägt und da« Kind häufiger als Gast in den Kreis der Familie zieht, bildet sich in jene« schon frühzeitig da» tröstend« Bewußtsein, daß es nicht gänzlich verwaist und von der Ungtu Gesellschaft easgestoßeu sei, eia für da» künftige Lebe» gewch nicht zu unterschätzetder sittlicher Factor. — Man vergleiche mit dieser Fürsorge nur die Art, wie unsere christliche Gemeinde «ft den sogenannten Pflegekindern verfährt! Hier ist noch ein recht wunder Fleck nuferer Gesellschaft, der ebenso wie unser ganze» gerühmte« Armeapflegewesen einer gründliche» Beleuchtnag bedarf. DaS israelitische Waisenhaus in Königsberg i. Pr. scheint in seinm Einrichtungm dem hiefigen ganz ähnlich zu sem. Der neunte Jahresbericht (pro 1869) erwähnt, daß 10 Knaben unterhalten werden, weld>e verschiedene, auch höhere. Schulen besuchen. Die Kosten der Verpflegung find erheblich größer als hier. DaS GiffammtvermSgen beträgt bereits 17,000 Thlr., die Einnahmm pro 1869 rund 2600, die Ausgaben 1800 Thlr. AuS derselben Stadt liegt der erste Jahresbericht des israelitischen Studien-BeförderungSvereiotz für Ost- und W-stpreußen vor. Ter Derein Imt den doppelten Zweck, arme jüdische Studenten zu unterstützen und für Ausbildung jüdischer ReligionSlehrer zu sorgen. Zur Empfehlung dieser Zwecke ist in dem Lorworre deS Berichtes viel Schöne« gesagt, doch erkennen unsere Leser sie wohl ohne Erläuterung als trefflich. An dem Bereine haben sich bereits -!7 Gemeinden der Provinz (incl. Königsberg) mit 1024 Thaler Beiträgm betheiligt, einmalige Geschenke 1238 Thlr. Im Sommer erhielten 10 junge Leute 325 Thlr., im Winter 11 290 Thlr. Ein eigenthümlicher Verein besteht seit 1864 in der israelitischen Gemeinde in Altona unter dem Ramm „FeuerungSverein". De« neurwiditten Statuten entnehmen wir Folgende-: Jede- Mitglied zahlt 1 Schill, wöchentlich Beitrag; dafür und für dasonst geschenkte Geld, Zins« u. s. w. wird Feuerung angekaust und in Portionen beim Beginn de- Winters unter sämmtliche Müglieder, welche nicht in Rückstand find, ver» loost. Nach Umständen giebt eS auch Extraverloofungen. Niemand ist aber verpflichtet, seinen Gewinnst zu erheben, sondem Jeder kann die Katt; der Direktion zurückgeben. Die Leser verstehen hoffentlich; wir aber sag«: btTKT orwt wahrlich ihr versteht daS Geschäft, ihr seid schlaue, durchtriebene Leute, man sagt'« euch nicht umsonst nach; ihr bringt e» fertig, einem bekowedm Armen (wie heißt da« doch gleich aus nicht-jüdisch-deutsch?) Holz zu geben für sein Geld, und ihm eine Wohlthat zu erweisen, ohne daß er „sein Geficht zu waschen" gibt, ohne daß er „danke" zn sagen braucht. In Frankreich, d. h. in der ftanzöfisch-jüdischen Presse, wird seit einiger Zeit eine Fehde wegen einer von Rabbiner Astruc in Brüssel verfaßten biblischen Geschichte für Schulen geführt. Rabbiner Trönel, Direktor der Pariser Rabbinerschule, ist gegen daS Büchlein ausgetreten, der Verfasser und der Rabbiner Rordmann vertheidigen dasselbe. Wir haben es nicht gesehen, und eS ist auch nicht so wichtig, daß wir darüber reden sollten. Der Vorwurf, daß Grundlehren de« JudenthumS (Offenbarung u. ähul.) durch rationalistische Phrase weggedcutet seien, scheint allerdings ganz gegründet. Der Streit ist an fich «nerfteulich, wchlthuend und nachahmungSwerth aber der höchst anständige Ton, in dem die Polemik gehalten ist"). Oberrabbiner Isidor hat auch sein Votum abgegeben, und zwar gegen den belgischen College». Der Ton dieses Schreiben« klingt etwa« „oberhirtlich", doch ist et erklär: ch, daß sich die Juden Frankreichs französtrt haben. klebrigen« spricht auch Rordmann auS: „sicherlich, die freie Erklärung der Schrift hat ihre Grenzen, und selbstverständlich kann man auf die Ehre Rabbiner zu sein (ftanzöfisch: de repröseule» le jadalsme) keinen Anspruch machen, wenn man die Lehre de« JudenthumS bekämpft". Der französische Senat ist über die Petition deS Herm Bloch wegen direkter Wahl der Rabbiner durch die Gemeinde (f. unsere Nr. 7) zur Tagesordnung übergegangm"). — Zu der von Rönan einst bekleideten Professur deS Hebräischen am College de France, welche nach 9t In an’8 Absetzung Munk s. A. üme hatte, find jetzt als Candidatm borgefchlagen: tn erster Linie Rönan selbst, in zweiter M. I. Derenbourg. Dieser Vorschlag ist wohl nur Form, aber eine Anerkennung für den jungm jüdischen Gelehrten. — Ein jüdischer Eisenbahnbeamter, Hirsch Heymann, hat ein in einen sehr tiefen Graben gefallene» Kind und einen Soldaten, der bei der Rettung deS KiudeS selbst in Gefahr gerathen war, gerettet. ES ist die« um so bemerken»- werther, da Heymann schon zwei goldene Rettungsmedaillen besitzt. Au« fbmräie» fort und sott Klagen. Die Mißhandlung« der Judm nehmm kein Ende. Eine tn Pari« erscheinende Brochure: l'Occiäeut et I» persöcutiou isnllite en Roam&nie enthält „eine siegreiche Widerlegung der Brochure Eogalnitscheano'S gegm die Jud«" (bettchttt „Rev. J»r.") — aber wa« für ein leidiger Trost und welch' eine schwache Hülfe! Ein einzelner Zug. dm sowohl der „JSraeltt" al« „Maggid" erzähl«, ist, wie uNS dünkt, zwar nicht n« (wir entsinnen «u», dasselbe schon etwa im Januar gelesm zu habm), doch er ist iu der That zu scheußlich - charaktenstisch, um ihn nicht nachttäglich zu erwähn«. Bei dem Proeeß über eine Räuberbande, welche vielfach Raub und Plünderung gegm jüdische Dorfbewohner verübt hatte, plaidirte der Bettheidiger derselbm also: diese Leute Hab« nur gtthan, wa« unser Gesetz befiehlt; fie wollm die Juden verttetbm, fie habm al» gute Patrioten gehandelt. Und darauf hin find mildernde Umstände ange- »ommm und einige der Angeklagtm fteigesprochm worden. — Wiederum hat ein Krämer tn Bukarest auS reiner unprovozitter Ruchlosigkeit auf ein« jüdisch« Jungm geschoffm «nd hat ihn •) Die beide» Märzhefte »es „Uuioers Jsr.", welch« auch über da« Lftrur'fche Buch mehrere Artikel bringe» und über die Leuatsfitzuug ausführlich berichte», erhalten wir erst in dies«, Augeublick», »n spät um fie »ach zu benützen.