Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 12 (23.3.1870)
- Date
- 1870-03-23
- Page
- Seite 103 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/5369809-5934980-5935152--0187-5369924- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
108 Htfd „Dogma" im Judeuthum kein« Berechtigung hat, habe» hm, sollte eigentlich gar keine! Beweise! bedürfe«; denn wie hot da! Judeuthum bestanden, ehe der Gchalchan Anich versaht mid gedruckt war! Hat da nicht jeder zum Lehr« (zur ntmrtf Berechtigte da! Recht gehabt, unter den verschieden«, mtgeg«- geletzt« Ansicht« der früher« Lehrer «ad der vorhanden« Bücher «niSzuwählm, oder »nach seiner eigmm Ansicht zu entscheid«? Oder hat dies« Freiheit seit der Drucklegung de» Gchulchan Sruch aufgehört, Hab« R. Jos. Karo und R. Mos. Jsserle! dieHoraah noch einmal (nämlich nach R'Abina und R. Asche) abgeschlossen? Worauf stützt sich diese! angebliche Rocht, worauf fühl solche Behauptung, wo steht da! geschrieben?! Beschrieb«? — Da würden wtt uuS «in schönet Register von Borwürfm der allergröbftea Unwissenheit zuziehen; geschrieb« ist e» freilich hundertfach, der Schulchaa Amch soll in Pansch und Bogen von ganz Israel al! unantastbare Norm derHalacha aagmommm sein, kein Jota deffelb« darf aagefochta: werde«; ab« „wer ist die Autorität von der Autorität?" Und wenn da! uoch so ofl gedruckt ist» so wird man doch nicht verlmigm, dah wir un! auf d« Standpunkt de» grob« Am-Haarez om, wenn da? best« Ningt: de» edifach« „gut« Jud«" stell«, dem Alle», wai mü hebräisch« Lette« ged«ckt ist, der Thora gleich stcht?! Doch wir wollm nicht weit« polemifirea, wir haben e! auch um mtt dinn „orthodox« Dogma" zu thun und woll« zeig«, wol-n die! «tstand« ist. Um jedoch kein«» Les« ein« voreili;m Triumph od« ein urnöthige» H«zleid zu beretten, wollm wir zuvor noch bem«km, daß eine Revision de» Schulchan Amch sich nicht gerade nur nach d« «leichtemdm Sette wendm od« der couftantefte Gebrauch nicht Stand halte» wanen. Lin tresfrnve» Beispiel bietet der fbn ~im. der gewiß von Doch« zu Woche durch den allgemeine» Brauch in genz Israel überliefert ist, und de» man doch verdoppela wollte l Gewiß ist da» auch eia Beispiel , hrenwerther Selbstständigkeit (wie wir den» damit Überhaupt nicht» gegen di« lkhre großer Männer Vl, eine» 8). Jech. Landau und wer sonst diese »evn adoptirt, gesagt habe» wollen!), ab« immer nur rach einer Seite. , prinzipiell auf da! Suchen von Erleichterungen autzeh« dürfe. (Dmjenig«, welch« da! Gesetz d« Thora im Wege steht, wäre damtt nicht gedient, und wir dmk« nicht daran ihn« beispringm zu wollm.) Wir führ« auch ein Beispiel d« and«« Art an. E» betrifft die Bcschneidunz!frage. Der Talmud, wie d« Schulchan Amch, hat offmbar dm Fall, dah Jud« in größer« Zahl prinzipiell die Beschneidung verweigem vürd«, nicht vorhergesehm; die Bestimmung, daß d« Uebertnt« diese! Gebote! nur wie d« llebertreter ein«! jed« audern zu betracht« sei, scheint un! auf die hmtigm B«hältnifse nicht z« passen. Daß ist natürlich nur u»f«e Privatmeinung; daß ei« einzeln« Rabbin« nicht competmt fei, dngleichea Frag«, aber auch miuder schiv« wiezmde, auf seine alleinige Hand zu beantwort«, habm wir berett! angedeutet. (Schluß folgt.) Wochenbericht. Stetli», 16. Mär;. Schon längst hat e! un! fast al! ein Unrecht, eine Uur«lassunz!sünde verkommen wollen, daß wir üb« so manche, ja so zahlreiche Handlung« der WHllchitißleit, über Legate, Stiftung« Anstalten. V«eine u. s. w. nicht öft« und regelmäßig berichtet habm. Ab« ein Hind«ung!gmnd ist d« erfrmlichstm Art: ti wird zu viel! Wolttm wir au! dm unk zugänglichen Blätt«n alle! D«artige zusammmtragm, wollten wir nur die aonmkanisch-jüdischen Zeitungen zu diesem Zwecke «cerpirm, Gott Lob! uns« Raum würde nicht ausreichm. Und die Au »wähl? Ist die Keine Spende der kaum Wohlhabmdm nicht so «wächimbwerth wie die Tarfcnde de! Millionär»? De! Manne! Thal wird auch ohne un! ««kündet! Testamentarische Legate ließ« sich schon eher übersehen. Ab« da fehlt gewöhnlich eine Hauptsache. Hat der Testator Leibe!- erb«, nahe Verwandte? Wo nicht — wa! soll dann da! Rüh« mm? Soll «'! mttnehmm?! Wärm« wir lieb« ein alte! IT" Nolarikon auf. In gesund« Tagen geben ist Gold» Mensch« waren in Folge derselb« gestorbm und die Behördm thatm wmig od« gar nicht», um diesem Unwesm zu stmern. Die Angst d« Israeliten steigerte sich zum Entsetz«, al! da! Pesachfest Ijerannahte. Die Christ« ring!umh« hattm laute Drohung« au!gestoßm, daß sie an dies« Tag« Alle! massa- «ir« würl>«, und d« Hof und die Geistlichkeit thatm alle! Mögliche, rim die Volk!w«th noch mehr aufzustacheln. Am erst« P,fachtage wurde da! tobte Kind mit allem möglich« Pompe der katholisch« Kirche unt« ungehmrem Zusammmlauf mtt wahrhaftem Märtyrerglanze begrab«. Die Jöraelttm zittert« in ihr« Häufe«, ab« mtt Au!»ahme wmig« klein« Excefse vei:lies doch alle! noch glücklich. Die llntnsuchungScc mmifsion bot alle! auf, um ein Geständniß Gett«! d« JSraelttm zu «- pvffen. DÄnn«, Frau«, Kind« trieb man zufamm«, sperrte sie tagelang ohue Speise mid Trank ei», drang in die Häuf« ein, oft mittm in d« Nacht, um nach vorgeblich« Anzeigm de! begangene» V«brechen! zu such«, besonder! hatte man e! auf die Büch« abgeschm, worin steh« sollte, daß die Jud« Christ«- , blut zur gottesdienstlich« Fei« de! Pesachfest«! nothwmdig! hält«, und die Sache wurde um nicht! besser, al! d« Goovnna« von Kowno eia« Bmollmächttgtm zur Uaterfuchuug!- eovnnisfiou schickte. Dies« war, wie die Uebrigen, im Hofe eingekehrt und hatte sofort mtt sein« College» gemeinsame Sache gemacht. , Endlich am 23. März laugte da Adjutant de! Gmeralgmtverneur Rasimow von Wilna, d« Gardaapttain Graf Tolstoi, ca in Begleitung eine! gelehrt« J!raelitm Ramm» 'Levando. d« ein Sekretariat beim Gmaalgouvemmr irme hatte. Sofort mit ihrem Erscheinen nahm die llntersuchüng eine and«: Wendung. D« Graf war ein sehr einsichtsvoll« und! wohlwollend« Mann; n bezog {eine Wohnung im Hofe, fondem in einem Gasthause, und da! erste wa! er that war, daß « den ' jung« Verläumder au! seinem Schlaraffenleben amHofeherauönahm und ihn in einem Privat)anse, von vin Männan, zwei Jud« und zwei Christ«, bewacht, untabrachte. D« Graf hatte sofort da! ganze schändliche Lügmzewebe durchschaut. Schon am andem Tage bekannte d« junge Mmsch fct Gegenwart ^eS Grcfe», de! Seaeta«! Levando und de! KconSrabbinm von Schaulm, daß alle«, wa! « bisher gegm die Jriden in Schawlan auSgefagt, Lug urd Trug fei, daß ihm all«! vom Arzte und dem Polizeicommijiär de! Hofe! in dm Dttmt gelegt, und daß ihm Sem et selbst alle Schätze verheißen, wenn « sein« Glaub« wechseln wolle. Alle! da! ließ d« Graf Tolstoi zu Protokoll nehmm. Al! nun der junge Mmsch vor fette früh«« UntersuchungScommifsion kam, und man ihn wird« von all« Seit« bearbettete, widerrief « feine AnSfage, die « dem Graf« gemacht hatte, vorgebend, die Jud« hättm ihn dazu verleitet, obschon seine beidm christlich« Wächt« beschwöret, daß die beidm judtt'chm — und andere GlaubmSgmossm hatte«indessen nicht gefprochm — durchaus keinen V«snch dazu gemacht hättm. (Fortsetzung folgt.)