Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 11 (16.3.1870)
- Date
- 1870-03-16
- Page
- Seite 98 (sequence 6)
- Language
- German
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93 niiht die Verwüstung mterfchätzen, welche da« berüchtigte „Send, schreiben an oen Probst Teller" und die darauffolgenden Jahre de: Uebergang«periode in jüdischen Familien anrichteten. Wir werden Gelegenheit nehmen, specieller hierauf zurückzukommen, wellen für heute nur noch Le« gefeierten Namen« eine« Schleier» m icher erwähn«. welcher bereit« zu End« de« vorige» Jahr» hundert« für die Gleichstellung der Juden im Jntereffe der Kirche eirtrat, tnoem er in der kleinen Schrift: „Briefe bei Gelegenheit der politisch »rheologikchen Aufgabe und de« Sendschreiben« jüdischer Hausväter" die Emanzipation der Juden forderte, damit sie nicht genöthizt wert« durch ein Scheinbekenntniß in die Kirche einzutieten und ibr Elemente zuzuführen, die den Glaub« sch vächen. K Areme», 27. Februar. (Orig.-Corresp.) Hier ist jüngst rirr Christin zum Judenlvum übergetreten, um sich mit dem Manne ihrer Wahl verbeiratben zu können. Dieser Fall hat bei den bestehenden engen Beziehungen de« Staats zur christlichen Kirche die Cc mmisfion des Senat« für kirchliche Angelegenheiten veranlaßt, „sich nach Mitteln umzukeben, da« Motiv für solche Ue.'erlritte zu entfernen". r... cz Sirsfatt. <Lriz.-Correip.) Sonntag, 27. Febr., hielt im hiesigen Humboldtverein Herr Mar Kurnik einen Vorttag über „Lekfing's Leben und Schriften". Wir würdm wohl werig Deranliffunz bab>m, seiner in diesem Blatte Erwähnung zu tbuo, wenn nicht einige Momente darau« bervorzuhebm wären, die un« Juder, ganz besonder« angehen. Nachdem der Redner al« Einleitung zu seinem Vortrage über Voruriheile, die hie und da not) vorkommm, sich geäußert, kam er, wie leicht zu erwarten, aus om Mann zu kpreckun, d:c im vorurtbeilsfreien Handeln und Deaken ei» Zoeal im wehren Sinne de« Worte« zu nennen ist. Der Raum, der für bitte Zei»en bestimmt ist, dürfte e« wohl kaum gestatten auf den Vorttaz selbst eiazugehen, obwohl er maache« Interessante bot, und wft wollen daher bloß den Schluß anführen. Er lautet ungefähr: ,,Wa« würde jener Lessinz. von dem Mendel-fohn sagte, daß er um eia Jahrhundert keinem Zeitalter vorauSgeeilt fei, wa» würde jener Mann, der mit keinem „Nathan" der Welt die Augen öffnen wollte, dazu sagen, wenn er hörte, daß heute, nach fast hundertjährigem Zeittaume, noch ein Strest über confefsionelle Schulen geführt werden kann, daß man heute noch die Erbschaft niä't anzetreten, die er mit keinem „Nathan" der Nachwelt hinterlassen hat?" Lauter Bestall belohnte den Redner, der mtt wahrer Be» gei'terung gesprochen hatte. Oesterreich. Karküad, 7. März. (Drig.-Eorresp.) In unserer jungen Geneiade regt sich ein frisrbe« Leben. Ich sage: junge Gemeinde, denn wir haben eist vor noch nicht langer Zeit die Rechte eimr Eultu«gemeinde erlangt. Früher hatten wir blo« einen „humanistischen Verein" und waren vom KreiSrabbiner in Lichtenstatt abhängig, der un« bei seinen zahlreüben AmtSobliezenheiteu nur selten da« Licht der Religion anzünden konnte. Unsere Gemeind« entbehrte eines Prediger«, unsere Jugend eine« Religion«» lehrer«, unsere Tobten eine« GctteSacker«. Wir waren in Allem und Jedem auf HeliopoliS- Lichtenftadt angewiesen. Jetzt, nachdem un« die Rechte einer Cultusgemeinde sind bewilligt worden, weri den wir einen Prediger und einen Religionslehrer anstelle», um i den Lebenden gerecht zu werden, und haben bereit« ein Grundstück , ang staust, um unsere Tobten zu begrabet:. Die Zahl unserer Gerieindemitzlieder wächst in erfreulicher Weise. Wir zählen scho a jetzt 103 jüdische Famllien und werden wahrscheinlich nach Vollendung der Eisenbahnsttecke Eger-KarlSbad-Töplitz noch einen bedeutenden Zuwach« an Glaubensgencffen erhalten. ir. Holland. Amsterda«, März. (Drlg.-Corresp.) Mit Freuden begrüßen wir hier zu Lande die Herausgabe Ihrer „Jlraelitstchen Wochenschrift", mit der Tendenz, die mittlere Richtung im Judenthum zu vertreten. Wir verfolgen mit großem Jntereffe de« Gährung«proceß, der sich momentan in Deustchland vollzieht; denn j auch hier hört man schon von fern den unterirdischen Donner rollen i der ein Herannahen eine« Vulkanausbruche« in religiösen Berj hältnissen ankündet; doch auf diesen Punkt komme ich später; zurück. Für heute berichte ich Ihnen über einen Bortrag, de« l ein christlicher Theologe der lutherisch - resormftten Gemeinde! in Hoorn, Herr vr. L. Tideman, in „de maatschappy tot nut \ van t' algemeen" in Zwolle gehalten hat. Ich nenne Ihnen nur i das Thema de« Vottrag«, füge hinzu, daß der Borttagende keine sehr fteundlichen Gesinnungen gegen die Judm hegt, und Sie , werden wissen, wa« Sie zu erwarte» haben, vr. Tideman > wählte zum Thema „AhaSveru«, den ewigen Juden". Erlaffen Sie mir die Detaillirunz de« Vorttaze«, der im Druck erfchienm ist: e« ist ein Durcheinanderwerfe» der Begriffe über RabbiniSmu«, Synagoge u. A. Derselbe vr. Tideman hat im Jahre 1808 ein Werkchen „Het EffeniSme" herauSgegebm, in welchem 1 er freilich die Arbeiten, die über die Effäer von den neuen jndi-! schen Gelehtten geschrieben wurden, besonder- Frankel'« gründ» ( lichen Aufsatz über die Effäer in seiner „Zeistch-.ist 1846",! Grätz' u. A. zu Rathe zieht, doch scheint vr. Tideman» für das alte Judenthum mehr Borliebe zu Hab«, als für da« unserer I Zeit. Die jüdische Presse in unserem Baterlande lhierüber später | Mehrere«), an deren Svitze „het Nieuw J«rattiettsch Weekblad" I unter der vortrefflichen Haupttedaction de« Herrn I. A. M. Chu» i maceiro steht, nahm sich der Sache an und fertigte vr. Tideman ■ in mehreren Leitartikeln gründlich ab, sie wie« ihm sei» unbe»! rechtigte«, unselbstständige« Urtheil über die Inden nach und, wa« besonder« an diesen Wiederlegungen zu lobe» ist, sie waren «in« ' ira et studio geschrieben, wa« oft unseren jüdische» Redakteuren fehlt, wen» sie einen Judenfeind ungefährlich mache» wollen. 1 Herr Chumaeeiro folgt vr. Tideman auf Schritt und Tritt und widerlegt ihn mit der Geschichte der Inden in der Ber» ganzenheit und Gegenwatt. Sie sehen, daß e« auch bei im«"—" trotz der mit Recht vielgepriesenen und vielgelobten staatliche« Frttheit — nicht an feindlichen Angriffen fehlt; doch auch da« üppigste Blumenbett läßt Unkraut wachsen, H ist aber Sache unsere« moralischen Fortschtttte« und »nserer Thetlnahme an allen guten Bestrebungen der Neuzeit, die Giftpflanze» auSzujäten. Noch ttne kurze Mitthestung. In der deuffchen jüdisch« Presse war in letzter Zest vittfach die Rede von. btt Befreiung der jüdstchen Gefangenen von der Arbttt an den Sabbathtagen. Die hier erscheinende „De oude Tyd" (die alt« Zest) bringt Folgende«: „In dem L,rbett«hause in Amsterdam war e« für die jüdischen Bettler ein hatt Ding, auch am Sabbathtage arbesten und entblößten Haupte« mtt gefalttten Hände» beten zu muffen. Eine Bittschrift über diesen Uebttstand von Sttten ihrer GlaubenSgenoffea im Jahre 16SS blieb unbeantwotttt, bi« im folgend« Jahrhundett man den jüdischen Bettlern am Sabbathtage zu ruhen gestatttte «ater der Bedingung, daß sie „in 5Tagen da« Arbettrpensum von 6 Tag« abliefern." Fürwahr ein auch den deuffchen Ministem empfehlen-wetther Au-glttch! NVV Nt non #b Ntt Da« Judenthum gewinnt und der Staat vettiett nicht«. A. Notiz. (0.) Die folgenden Sätze, welche einem Aufsatze im Februar- Hefte 1870 der Grenzboten „Au« Bukarest" entstamme», dürste» wohl gettgutt sein, unsem unglücklich« GiaubenSgmoff« in