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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-03-16 · 11 (16.3.1870) · p. Seite 97

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
11 (16.3.1870)
Date
1870-03-16
Page
Seite 97 (sequence 5)
Language
German
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97 Dir lleberzeugunz, daß noch einig« solcher Borträge d« vr. <8. in Berlin ganz ««schädlich machen «erden, hat auch bewirkt, daß von dem Ihnen bekannte« Proteste gegen sein Auftreten in der alt« Synagoge Abstand gmommen worden ist." Die iLtreitkgkeiten in ttaf*ni über die Evngreßbeschlüsse haben ei» Echo im Reichstage zu Pest gefunden. Der jüdisch« Deputirte Wahr man» uni) der Minister Eötvös vertheidigtm die Beschlüsse des Eongresseü, die Abgeordnete« der Linken Jokai und Szedenyi traten für die ablehnende Partei Schomre Hadath i« di« Schranken. Der Legiere protestirte dagegen, daß die politische Macht sich zur Verbreitung von Neuerung« hergebe, u«d es macht einen eigmthümlich» Eindruck, wenn er, der christliche Demokrat, den Juden Wan die ruhmreiche Geschichte des glaubeusfesten und unerschütterlichen Israel erinnert'). Ein Urtheil in diesem Streite wollen wir hiermit nicht abgegeben Hab«; die in Ungarn streitenden jüdischen Partei« sind von den deutschen zu weit verschieden, als daß wir uns nicht die äußerst, Zurückhaltung aufcrlegen müßten. Ans lgeter»b«»rg enthält die „L.- u. H.-Ztg." folgend« Bericht: Seit längerer Zeit beabsichtigen die hiesigen Israeliten ein Etablisiemeat zu gründen und mit den erforderlichen Mitteln au»- zustatten, in dem arme und zureisende Juden Aufnahme und Pflege so lange sind«, al» es die Umstände erheisch«. Zur Förderung dieses wohlthätiz« Zweckes ist ein besondere» Comits gebildet. Diesem Eomit« wurde am 18. d. Mts. von dm hier lebend« Kuraiten die Summe von 5000 Rubel übersandt mit eine» Begleitschreibm, in das ich dmch Zufall Einsicht erlangte und das al o lautet: „Wmn Ihr auch, die Ihr Euch für allein rechtgläubige Judm haltet, uns verachtet weg« unserer einfach« Sittm und unseres bescheiden« Wirk«», und Einer aus Eurer Mitte in einer Versammlung «ns vorwarf, daß wir weder durch 1 S«ttam auch, venu „J«r. tkttzl." Jokai entgegnchlllt, dag er den Schalcha» mich, dm er »ertheidige, nicht kenne. So lehn sich |amikn «>e» «m, fort hatte mb dm Iodenfeinde» in enrgegnm: ihr kennt ja dm ralnmd ir. nichtI .fsumdelszeist uns ein vorragendes Vermögen zu erwerb« verstehen, rioch uns auf dem Gebiet der Künste und Wissenschaften auSzu» zeichnm wist«: so zürnen wir Euch doch nicht und zum Bewnie dafür bitt« «ir. beigeh «de kleine Gabe als Beisteuer zu dem wohlthätigm Zwecke, der. Jbr für die Bedürftig« Eurer Leute vorhabt, freundlich annehmm zu well« und noch eine Bemerkung unS zu erlaub«. Es ist richtig, daß wir gegen Euch zurückstehm und weder Rothschild»! noch vorragmde Geister, wie Ihr sie habt, zu dm unsem zählen könnm; allein e» hat Jeder von uns wa» er braucht und aucl» noch zum Mittheilen an Andere, und e» kann Jeder leien unl> schreiben und sich in seiner Sprache schriftlich und mündlich richtig ausdrücken. Wir Hab« keine eigentlich« Armen unter an» und, was noch mehr und mehr wetth ist, keine einzige schmutzige Seele." Die amerikanisch« Blätter bietm diese Woche nichts Reue». Berichte und Correspondenzen. Deutschland. D Iserkiu, 7. März. (Oriz.-Corresp.) Am 26. v. Mt», hielt vr. I. Beer im Verein für die Geschichte Berlins ein« Vortrag, der „die alt« Begräbnißstättm der Judm in Berlin" zum Thema hatte, zum größten Theile aber Reproduction« der von demselb« bereit» ftüher in der „Vossisch« Zeitung" m,d in der „Gegmwart" veröffentlicht« Mittheilunzen über dies« Gezm» stand enthielt. Was un» hierbei besonder» interessirt, ist die von vr. Beer angegebene Zahl von ca. 80,000 in Berlin lebenden Nachkomm« der dort (auf dem Friedhofe in der Oranieuburgerstraße) Begrab««, von reuen wohl */,0 zum Christmlhum über» zettet« seien. Wir halt« diese Zahl« entschied« für zu hoch gegriffen (hat sich doch vr. Beer bereit« einer solch« Ueder» treibung schuldig gemacht, al» er in Nr. 18 der „Gegmwart" die Zahl der innerhalb 150 Jahren auf demselb« Friedhöfe vorgekommmm Beerdigmigm auf 12,000 angab — eine zu große Zahl für die damalige kleine Berliner Gemeinde), wiewohl wir setz«; sofort «urdm Bot« an d« Rabbiner, der noch in Schaut« war, abgesandt, um diesem das Sreigniß mitzutheil«. Die Lot« ging« die ganze Rächt hindurch und langt« ande« Morgen« in aller Foihe in Schaulm an. Man ließ wieder ungesäumt die^Rabdinin und die Vornehmst« der Stadt zusammmkommm und beschloß noch heule ein Schreib« an dm Gouverneur von Kowno und d« Gmeralgonvemmr in Wilna mit einer gmanem Darlegung >es Sachverhalts zu richt« und um ihr« Schutz zu bitte». Jndesien war auch Semet nicht «nthätig geblieb«. E» ging et« Cllbote an d« Unterf««hungsrichter Jachimowitz nach Schado«, um ihn schnell nach Schawlan zu Holm; er kam au»h sofort und rahm im Hofe sein Absteigequartier. Zunächst wurde nun di« Section der Kindesleiche von dem Arzt de» Hofe«, Alesanski, geg» alles Gesetz und Recht (denn dazu ist nur der Kreisarzt berechtigt) vorgmomm«. Es konnte jedoch keine Art von Verletzung roustatirt werdm, mit Ausnahme ei rer klein« Wunde am Kopfe, welche, währmd da» Kind auf »em Felde lag, durch «in Schwei» war verursacht Word«. Dennoch trug dieser Arzt!richt Anstand zu begutacht«, daß durch diese Wunde dem Kinde da« Blot wäre abgezapft wordm. Hierauf begab man sich in großer Gemeinschaft in das Hau» de« Rabbiner, legte best« Schrift« und Bibliothek unter Smt-fiegel und richtete an denselben nur die eine Frage, ob er ein Bett auf dem Bodm nntet dem Dache steh« habe. Der Rabbiner vemeinte und bewies, daß niemals dasiibst ein Bette gestand«. Er »urde nun auf dm Abend nach dem Hofe citirt. Er nahm ein« Jud«, der etwa» Russisch verstand, mit sich; dm ließ man aber nicht vor, und obgleich sich der Rabbiner ausdrücklich dagegen verwahrt hatte, fungirte dennoch der Hofarzt Alefanski, da der Rabbiner kein Russisch verstand, al- Dolmetscher bei den Verhandlung«. lZoMeyung folg«.) Ein -ilriofum. In einem weltberühmt« l ohmisch« Badeorte Prüfte nmlich d:r Drch'ant die Schüler der Volksschule. Unter Ar'erm ftagte eo sie: „Wer kann mir da» schöne Spriichlein ai rgm: In n.-inem jung« Herzelein?" Alle schweig«. „Nun, weiß e» Niemand?" Niemand rühr' sich. Der Dechant greift in ferne rieche und holt einen Kreuz» c hervor. „88er e» iveis«, bekommt d«es« .Krmzer". Da ertönt eine Stimme und rezitirt: „Wohnt va> lie!.'e JesuSlein" u. f. »o. „Da» ist schön, nehmt gleich ein Bistfpiel un ihm," rief der Dechant au», „kirmne herau» zu mir". Der Knabe steht vor ihm. , Wie beißt Du?" „Jacob Leioy" antwortete der Sohn ein?» jüdischen Hau'irer». F.

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