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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-03-16 · 11 (16.3.1870) · p. Seite 96

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
11 (16.3.1870)
Date
1870-03-16
Page
Seite 96 (sequence 4)
Language
German
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-6 dei bca viele» Lichiseiieu btt Selbftverwaüung auch Scharren seire» »oehauden find, nxrttr. Sit stlbft jugtbtn*). Ctn Utbtlstand tot härtesten Srt zeigt sich in vielen selbstständigen mittleren nid kleineren ütememtoa — ich möchte ihn den schmatzen Fleck »er Selbstherrlich keil nennen Ich meine die dadurch herbeigeführre gefährdete Stellung der EnUasbearrtea, besonder» »er Camorra und Schächter. Wenn willkürliche, grundlose ldlridignag von den aus kurze Zeit angestellreu Rabbinen nur selten und zwar nur in Gemeinden von abnormen Zuständen Vorkommen, so ist Wechsel »» Lautsten und Schächtern — wie di« Bacauzenlisten beweisen — in vielen Gemeinden stehend« Regel. Ohne sich einer B«r< leymrg der Amtspflicht s, huldig gemacht zu haben, wird diesen Beamten au» reiner Willkür, meist zm Befriedigung der Herrscherbegier de« zeitigen Vorsteher», gekündigt. Ich turne ganz würdige Männer, die diese« Schicksal traf, die plötzlich brotlos de« größten Elende preisgegeben waren. Diese Dhatsache wäre bei dem notorisch sich erweisenden Mitleibe der Juden ein Räthsel, wenn nicht die Herrschsucht eine» kleinen Tyrannen, die sich hier gellend machen kann, sie erklärte. Es ist oft die Rede davon gewesen, Bereiue zu stisten, um das Schicksal der Hinterbliebenen Wirrwen und Waisen von Lulmsbeamten zn. mildern; ist es nicht nöthiger ans Mittel zn sinnen, daß nicht Menschen in ihrer besten straft durch Willkür au» ihrem Berufe gerissen werden? Dem» es wird diesen Männern oft schwer wieder einen neuen Wirkungskreis sich zu verschaffen, nachdem es den Anschein hat, als seien sie ihrem Berns« nicht gewachsen. Denn es heißt: rr* et! C*ptST * l 272 „einen Menschen retten heißt die Welt erhalten", so müssen wir umgekehrt sagen: ein Znftand ist ein verwerflicher, der es ermi glich». Menschen ohne Grand ihre Existenz zu rauben. Zum Üefcc i rr Regierune muß hrrvorgehoben «erden, daß sie alles Mögliche aufbietet, am jüdische tzemeiudebeamteu zu schützen, nur ist sie hierin zu schwach. Ich kenne eine» Fall, daß sie Männern, die während ihre» Borstrheramte« rhne Grand lne jüdischen Beamten qnältru, bei ihrer Wiederwahl die Bestätigung versagte. Wäre es nicht gerathen, daß diele Frage an einem Gemeiadetage zur Spraöze käme, und daß Mittel geschaffen würden gegen die willkürliche stündiguvg von Aemeiadebeamren? Z. Wochenbericht. *) Gaiy gewiß! Wir haben anch noch nirgend» ausgesprochen, daß wir einer wohl geregelten, die inneren Religionsangelegenheiten der Inden dem bareauki arischen Gotfiaden entziehenden staatlichen Aufsicht über die jüvischeu Bemei ideaugelegenbeiten die unbedingte Autonomie durchaus vorzög eu! ,^Die Freiheit ist eine gute stost, aber es gehört ein guter Magen dazu", schrieb nu» unlängst ein College. Aber wir find der Anficht, daß der Zug der Zeit ans die Autonomie hingehe, daß die staatliche Aufsicht «ehr und mehr unhaltbar «erde, und daß es darum höchst zeitgemäß sei, in jüdischen streifen sich auf da», was kommen wird, vorzubererteu. (Red.) Ktetttn, 10. März. Die in unterm vorigen Berichte erwähnte Geschichte von den traurigen Folgen einer ohne gerichtliche Eheschließung vollzogenen jüdische» Trammg stellt sich, nach un« zugegangenen Privatberichten, noch viel schmählicher heran«. Die betrogen« jung« Frau verfolgte die Spur de« mit dem HeirathSgute entlaufenen Manne» und erfuhr, daß derselbe bereit» in Kattowitz eine Frau mit einem Kinde habe „sitzen lasten". | In der jüdischen Volksküche zu Breslau führte dann da» Geschick | die beiden Frauen mit dem Shemanne zusammen. Von dem ' Gelbe der zweiten war nur noch ein Rest vorhandm, der Staat»- j anwalt aber hat keinen Anlaß wegen Bigamie, sondem nur wegen i Unterschlagung einzuschreiten. Hier hat also die Vernachlässigung > de» StaatSzesetze» zu einem Verbrechen gegen die jüdische Reli-! {|ion geführt: e» ist gegen göttliche» und menschliche» Recht gefehlt! Der Mann ist au« O»«i?czim gebürtig, in Kattowitz, l wie angegeben, verheirathet. Der Rabbiner in Czarnikau — { oder wer sonst dort die Trauung vollzog« haben mag — konnte I nicht ermitteln, ob der Mensch ledigen Stande» sei, wohl aber konnte die» da» Gericht! <g» ist kaum denkbar, daß bei Einsorderung der erforderlichen Papiere die Sache nicht rechtzeitig vereitelt worden wäre. Jede» weitere Wort de» Tadel» und der Warnung ist hier entbehrlich. Einer unserer Herren Eorrespondenten. au» Beeltn sandte un» einen übersichtlichen Au»zug au» der von vr. Geiger daselbst gehaltenen „DienstazSvorlesunz". Wir sehen daran», daß der Redner über die Entwickelung de» Judenthum» von Mose» bi» auf die Gegenwart, zugleich auch über Ehristenthum und J-lam gesprochen und dabei seine anderweittg bekannten Ansichten vorgettagen hat. Wir setzen nur die Schlußsätze de» Briefe» und auch diese abgekürzt hierher: „Die I'-, ständige Rede hatte auf die anwesenden Conservativen die Wirkung, daß sie einander sagten: der Mann schadet un» nicht»; selbst die eifrigsten Freunde de» Redner» wagtm e» nicht, die sonst üblichen Bestallsbezeugungen ertönen zu lasten. Da» Ganze war im Kanzelton vorgettagen. rath) de» Kreise». Der sei ein Bruder de» Schawlaner Grundherrn Leinet und von ihm sei zu bossen, daß er dem Unwesen seine« Bruder« und der Bauern steuern werde. Die Sache konnte nicht sofort auSzeführt werden, weil ein der polnischen Lprache mächtiger Schreiber nicht leicht auszutreiben war. Da ereignete sich in Schawlan ein unglücklicher Vorfall von .erhängnißvoller Einwirkung auf die ganze Sache. In der Stadt vohnte ein Mann mit Namen Jacob Jtzigsohn; er war der Schotnik (der jüdische Untercommissar) de» städtischen Polizei- :nspector»; in diesem sehr einträglichen Amte hatte er sich berest» «in Bermözen von mehr als 3000 Rubel gesammelt und war der Gläubiger der ganzen Stadt geworden. Der Mann war 1 ber nicht nur entsetzlich genau, sondern betrug stch auch gegen k ie Leinigen äußerst brutal; besonders war e» ein Sohn, nunmehr bereil» 18 Jahre alt, welcher von jeher die ganze Wucht der väterlichen Streuze zu tragen hatte. Schon feit etwa drei Jahren ha.te dieser sie väterlichen Mißhandlungen nicht mehr s> ruhig h »nehmen 'vollen und zeigte sich in Wort und Werk r-iderhaaria gegen den Vater. Als nun dieser im Jahre zuvor durch ein Verschulden de» Sohne» und mit diesem zugleich (obwohl mit Unrecht) in eine Anklage aus Hehlerei war verwickelt worden, w iche ihnen etwa ein viertel Jahr Untersuchungshaft und mehr als 500 Rubel an baarem Gelbe gekostet hatte, da nur der Mann mit der ganzen Welt zerfallen. Alle seine Ausstände zog er ein, fest en Haushalt beschräntte er noch mehr, die 2 eindschaft aber zwilchen Vater und Sohn kannte keine Grenzen mehr. Der Vater schlug den Sohn, der Sohn den Vater, zu Hause hielt sich der Sohn nur noch selten auf, er lebte meisten» unter Christen, aß und trank mit ihnen und machte kein Hehl darau», daß er den Glauben wechseln wolle. Am 7. März war e» wieder zu heftigem Stteit und zu Thätlichkeiten zwischen Vater und Sohn gekommen und in seiner Wuth ergriff letzterer ein Messer, um den Vater damit zu erstechen. Die Mutter war hinzugeeilt und hatte den Stoß glücklich abgelenkt, und nur die eine Backe de» Vater» hatte eine tiefe Wunde davon getragen. Forlstürmend ries der Sohn: „Wartet nur, ihr sollt mich zum letztenmal« mißhandelt haben; ich will dem Herrn Semet sagen, daß ihr mich durch eure Mißhandlungen hindern wolltet, zu sagen, daß ihr da» Ehristenkind um« gebracht habt, und der wttd mich vor euch und euren Mißhandlungen schützen". Die Mutter war ihm nachgeeilt, um ihn von diesem Schritt abzubringen; da hatte er auch die Mutter mißhandelt und von sich gestoßen. Am Semet'schm Hofe jubelte ihm Alle» entgegen; denn-rum hatte man für die schändliche Beschuldigung einen festeren Anhaltspunkt, und man instruirte ihn, nicht anf den Vater allein solle er die Beschuldigung wälzen, sondern auf den Rabbiner und die Gememdevorstände; man dictirte ihm sogar Alle», wa» er vor dem Untersuchungsrichter auSsagen sollte, in die Feder, damst er Alle» geläufig und ohne Widersprüche vorbringe. Auch gewährte man ihm Alle», wa» sein Herz begehrte, schmeichelte ihm sogar mtt der Hoffnung, einstenS der Universalerbe de» Gutsbesitzer» zu weiden, der niemals verheftathet war. In Schawlan war ob diese» Ereignifie» All«» voller Eni-

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