Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-03-16 · 11 (16.3.1870) · p. Seite 94

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
11 (16.3.1870)
Date
1870-03-16
Page
Seite 94 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/5369809-5934980-5935151--0177-5369915
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

94 * G gehauchten Erklärungen der Kabbala über den Grund, da- Warum der Mizwoth, lieber an als die trockenen Erläuterung«»-de- Gesetzes, man lauschte d«r Zahlenmystik, d« Anagramm«, .Buch» stabcnerklarung«, Versetzungen u. s. v., die verstande-mlßig au«» geführten halachischen Schlußfolgerung« ließ« daS Herz kalt und waren immer nur Wenigen vollkommen klar. Die kabbalistische Richtung werde vorherrschend, bis sie endlich in Opposition gegen die Isländische trat. Die» gilt vorzugsweise auf den Gebiet«, auf dm« da» Gemüth seine Ansprüche nicht ausgeb« kann, also nimmtlich in Hinsicht auf da» Gebet. ES Hab« wohl viele von unser« Ortbodoxen nie ein« Ehaffidim Siddur und Machsor in der Hand gehabt, fie würd« sonst find«, daß eS nicht deutsche, moderne Reformer zewesm sind, die zuerst das Jätmesser an daS Blumenbeet der Pijjutini gesetzt Hab«! In einem Ehaisidim« Machsor ist unter den Jozeroth, Selichoth rr. aufzeräunlt, wie nur etwa im Hamburger Tempelzebetbuche. Der Chassid bindet sich beim Belm nicht an die Vorschrift« deS Schulchc>n-Aruch, er betet, wenn die „Erregung" in ihm dazu erwacht. Dabei habm wir von dieser Ricktung Männer kmnm gelernt*), die der Bildung und der Erwerbung von Kenntnissm jeder Art zugethan sind, klare Köpfe in ihrer Art, die mit einem gewiss« Mitleid aus die Proschteks, d. h. auf uns Nicht-Chassidim allzumal, blick«, und — wir können dies begreif«. An Freudigkeit und innerer Glückseligkeit lei Erfüllung der Mitzwoth find fie unS wirklich voraus. Sie dmk« von dem Ungelehrt«: „er weiß ja nicht, waS er will und thut ' und von dem Lamdon: „er quält sich mü der Schale, wir aber gmieß« die Frucht". Doch wir habm von dies«, unser« Lese« zum Theil ganz unintereffantm Sach« und Person« schon zu viel gesproch«. *) Frnlich nur gelegemlich Hierhergekommene; wie «« an Ort »nd Stelle »»«steht» gestehe» wir nutzt zu wiffeu. " Feuilleton. Me jüngste (ob auch die letzte?) Alutbeschuldigung gegen die Inden. Ruch authenrisltze» Berichten dargestellt von vr. Ralf. (Fortsetzung.) Beide betheurrten ihre Unschuld, bracht« selbst christliche Entlastungszmgm, daß die Sache unmöglich sich so verhalt« könne, wie ihn« zur Last gelegt werde; ob da» alle» so zu Protokoll genommm wurde, warm fie zu bmrtheilm unfähig, da» Protokoll wurde in «sfischer Sprache geführt, und «sfisch verstand« fie nicht. Als fie darum «blich da» Protokoll unterschreib« sollten, weigiwten fie sich, obgleich man fie dm ganz« Tag und die darauffolgmde Nacht ohne Speise und Trank zurückhielt, und iva» da» Schlimmste dabei, e» war an einem Freitag Abend, der Sabbath Isatte begonnm, die Männer, vom Assessor j zurückgehaltm, konnter dm Sabbath weder durch die gotteSdimstj liebe noch durch die h<iusliche Feier innerhalb deS Familienkreises ehr« und heilig«, und eS gibt doch wohl nichts Schmerzlichere» für dm ftrmggläubigm Israelit« als dies. Um Mittemacht war dämm die Frau des Israel Bloch gekommm, war dem Grundherrn Sem et zu Füßen gefall«, hatte so lange geweint und gefleht, bis dieser sich für l ie beiden Männer beim Assessor verwandte, in Folge dessm dmselb« gestattet wurde dm Sabbath im Kreise ihrer Famlli« feie« zu dürfm. Abend» aber, sofort Tagesfragen. - »Zwei Arten über die GtzgeArage. «te4to».)v Hab« Rrir die Frage i» ihre richtige Fassung gebracht, so ergiebt sich daran», daß und wamm die Ansicht« darüber diametral auseinander geh« können, daß Rabbiner als solche gar keine besondere Kompetenz habm, darüber ein maßgebende» Urtheil abzugebm, daß die Phrasm der Schwärmer für die Orgel in der Synagoge, besonder» w«n fie nur dm Christ« nachgesprochm find, ebmsowmiz Beachtung verdimm, al» da» zelotische Red« derjmigm, welche einer Orgelsynazoze dm Charakter einer Synagoge absprech«, in derselb« nicht bet« zu woll«*i erklär« u. s. w. Wer ist denn nun zu einem llrtheil competmt? In erster Linie der Musikkenner von Fach, in zweiter Jedermann von ästhetischer Bildung, und zwar im Allgemeinen der Christ ebmsowohl al» der Jude, denn eine besondere jüdische und christliche Aesthetik giebt eS nicht. Wir zebm nun ein Votum des Herausgebers der „Revue Israel." von Jfid. Loeb. „Wir haben gegen den Gebrauch der Orgel leinen an» der Religion hrrgeleitete» Eiuwaut und begreifen kaum die um einer so unbedeMenden Sache willen entstehende gewaltige Bewegung; aber wir hören nie in unfern Tempel» eine Orgel ohue eine» peinlichen Eindruck zu empfinden. Sie ist da nicht am Platze. I» einer Itirche, unter den weiten Gewölbe», de» schweren Säulen, den kalten Steinplatten, i» dieser feuchten, düster» Atmosphäre, klingen di« Töne der Orgel wundervoll und der Sturm der Töne entspricht den Stürmen des Herzen«—). Diese Stimme paßt zu de« tkoloß, den sie bewohnt. Aber in unsern Tempeln von leichter und elegante, Bauart, inmitten der frohen Eeremonie» aasen» Ellltu«, unsrer leichtbeschwingten Gesänge diesen brutalen Sturm entfesseln, diese» betäudrndea Wirbelwind schleudern, diese« Gewitter bei heiterem Himmel lollaffea — da« ist eine Verirrung de« Geschmäcker und ein Uafiaa. Nehmt in unseren Tempeln Violine, Harfe, Bioloncell, wenn ihr darchan« mufikalisch« Instrumente braucht, aber laßt da» Ungeheuer in der Höhle fingen, die man ihm erbaut hat." *) Etwa» Andere« ist e«, wenn einer sagt: „ich kann da nicht beten, die Orgel stört mich". Darüber läßt sich nicht rechten. —) Wir übersetzen an« dem Französischen, der Leser bringe gefälligst da« Evlorit der sraazöfischea Phraseologie in Abzug. nach SabbathauSgang, mußt« sie sich wieder gestellm und man drang in fie die ganze Rächt hindurch thell» mit Bitten, theil» mit Drohung«, das Protokoll zu unterschreib«; «blich am Morgm — die Leute warm bereit» so mürbe gewordm, daß fie überhaupt nicht mehr wußten, wa» fie thatm — da unterschrieben sie. Etwa zwei Tage nachh« »«breitete sich das Gerücht, die Dorothe, da» Kind de» Baue« Galase», sei tobt aufgefunden Word« und zwar au d« Hinterseite seine» Hause» unt« d« Dachttaufe, allwo e» bedeckt von einer großen vom Dache herabgerollten Schneemasse geleg« hatte. Jetzt wurde un» die Sache mit einem Male klar. An dem Tage, da da» Kind abhandm gekomm«, war Thauwettn eingettetm. Der untere Rand d« gewaltig« Schn«decke, welche die sehr schief« und sehr hoh« Strohdächer — da» ganze HauS besteht ja fast nur aus dem Dache — bedeckt, hatte zu schmelzen angefangm, da» Dachstroh war f«cht gewordm. In diesem Falle kömmt e» vor, daß oft mit einem Male die ganze dicke Schneemasse vom Dache rollt und Erwachs«?, oft« jedoch Kind« zu Schadm komm« DaS Kind war von einer solch« Schneemaffe bedeckt Word« und darunter erstickt. — Obschon da» Alles von mehrerm Christ« wiederholt und mit allen Nebmumständ« bestätigt wordm war, so wurde doch die Sache auf Betrieb deS Grundherrn Sem et auf jede Weise zu vertusch« gesucht. Der Rabbiner, der davon Kunde erhielt, ließ dm Stadtleuten anbefehlen: „ES soll Keiner AbmdS schlafen geh«, bevor er nicht daS ganze Hau» und all' die übrig« dazu gehörigen Räumlichkeit« durchsucht hat; dmn

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.