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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-03-09 · 10 (9.3.1870) · p. Seite 90

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
10 (9.3.1870)
Date
1870-03-09
Page
Seite 90 (sequence 6)
Language
German
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90 zu kritisirm. Wir führe» nur zwei Punkte an. Die Juden haben, wenn sie vertrieben «erden, da- Recht, ihre Häuser in bestimmter Frist zu verkaufen; sie genießen auch an dem neuen Wohnsitze fünf Jahre Steuerfreiheit u. s. «., u. f. w. Ueberhaupt werden die Juden ja nicht „vertrieben", sie dürfen nur an ihren Ort« nicht wohnen bleiben. Leider verstehe» wir kein Russisch, in dieser Sprache muß da» ein großer Unterschied sein. Wer doch Russisch verstände, „wer ist weise, daß er dabegreife"! Da verwenden sich «mn die Brüder in Amerika bei ihrem Präsidenten, daß er sich verwende-aber sie wollen keine Einwanderung der Polen nach Amerika. Wir reden darüber schon einmal mehr. In <!»lif«rui« ist die Stimmung besser; Herr Peixotto in St. Francisco hat sich Crömieux gegenüber warm für die Einwanderung erklärt und erhebt in den Blättern feine Stimme dafür. Doch auch „Jew. Time-" sähe Einwanderung russischer Juden gern, damit sie dort fern von ihren Rabbinern, ihrem Talmud-. rH3!< OW) tm, sonst würden wir unS freu«, daß wenigstenein Blatt eS au-spricht, daß Amerika noch Raum genug für Hände bat. Berichte und Correspondenzen. Deutschland. E Derki«, 1. März. (Orig.-Eorresp.) Am 26. v. M-., Abends 7", Uhr, hielt der Talmud-Verein (iran BW) seine diesjährige General-Veriammlung. Indem wir uns Vorbehalten, in einem späteren Artikel Wesen und Tendenz deS Verein» näher mitzutheilen und zugleich auseinander zu setzen, zu welcher LesstunzSfähigkeit derselbe geführt werden könnte, heben wir für heute auS dem Verwaltung-- und Rechenschaftsbericht Folgendehervor: Das Eapital-Vermözen des Vereinhat im verflossenen Jahre eiren Zuwachs von 1150 Thalern erhalten und bettug am Schluffe desselben 11085 Thaler. Die von 257 hiesigen und 39 cuswärtizen Mitgliedern (der Verein zählt außerdem 4 Ehren- und 15 immerwährende Mitglieder) eingezahlten Beittäge betnizen 640 Thaler. Die Vereinsschule wird von 32 Zöglingen besucht; ein höherer EursuS für daS Talmudstudium zählt 9 Hörer. Die Lehrer für allabendliche Vorttäge, welche von hiesigen Tilmudzelehrten besucht werden, wurden mit 192 Thalern honorirt. Die Unterhaltungskosten der Unterrichtsanstalt betrugm 539 Thlr 4 Sgr., wäbrend die VerwaltungSkosten incl. Beleuchtung und Heizung der Locale 226 Thlr. 17 Sgr. erforderten. * Aerti«, 2 März. (Ortg.-Corresp.) Da- Streben der Alliance J-raelite in Pariunter der bedeutungsvollen Devise Dri:n WT bz muß im Herzen einejeden Israeliten, der noch ein Gefühl für die Zusammengehörigkeit in sich birgt, die lebhafteste, thätiglte Theilnahme erwecken. Wenn wir bisher die bedaucrnswerthe Erfahrung gemacht haben, daß die Alliance unter den Juden Deutschlandnicht die Theünahme gefunden, welche dieselbe mit so hohem Rechte beanspruchen darf, so dürfte diese geringere Betheiligunz erklärlich «ein. Einerseits ist die Kenntniß von den edlen Bestrebungen und den großarttgen Resultaten der Alliance noch nicht überall hingedrungen, anderseits wird schmerzlich der Mangel einenäheren Cmttal-PunkteS für die Anmeldung zum Beitritt und die Entgegennahme von Beiträgm vermißt*), da Pari» zu weit hierfür ist und nicht unbedeutende Nebenkcften verursacht. Unsere Hoffnung, daß hier *) Dergleichen Stellen resp. Personen sind in veutschlaud in ziemlicher Anzahl vorhanden und in den Berichte» der A. I. U. namhaft gemach«. Luch »er Red.». Bl. gehort zu denselben. Der Lursverlnft bei «insendnug der Beträge nach Pari« ist sreilich unangenehm. ( Red.) durch die am Schluffe vorig« Jahre- (in der Bersammlung zu Ehr« der französischen Spitz« der Alliance) in Aussicht, gestellte Generalversammlung ei» Emttal-Comitö für den bezeichnet« Zweck sich bildm werde, ist bi» jetzt ohne Erfüllung geblieb«. Eine allgemeine Versammlung ist nicht einberufm «ord«, dabisherige Comitö sucht aber mehr und mehr eine eigene Stellung im Anschluß an dm Gemeindetag in Leipzig zu nehmen, um im Verein mit dem Haupt-Comitö in Königsberg einem Beschlüsse jene- Gemeindetag» gemäß lediglich der Angelegmheit der russischen Jud« seine volle Thättgkeit zuzuwenden. So heilig und herrlich auch diese» Streb« sein mag, so wird doch hierdurch derjmige, welcher nur tm engsten Anschluß und in der direkt« Betheiligung für die Bestrebungen der Alliance J-raeltte in Pari» die Verwirklichung der erhabenen Idee »ganz Israel ein Brüderbund" möglich findet, sich nicht beftiedigt fühl«. Und warum sollt« wir auch eine Sonderstellung einnehmm. wo e» gerade gilt durch „vereinte Kräfte" große Resultate zu erziel«? Außerdem dürften sich Viele in ihrem religiöse» Gewiss« beunruhigt fühl«, wenn sie erfahren, daß von den angesammelten Geldern viele junge Leute au» Rußland subvmttontrt werden, die hier fett längerer Zeit ihre geistige Ausbildung anstreb«, in religiöser Beziehung aber nach all« Richtungen hin vollständig fehl geh«. Man wird, von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, den bekannt« Protest de» Rabbinerin Würzburg nicht unmotivitt find«. Aufgefordert von Mehrer« in Berlin und von viel« Auswärtig« lege ich daher der geehrt« Redaction dm dringlich« Wunsch an- Herz, sich bereit zu erklären für Entgegmnahme von Beittittsanmeldung« und Beiträgen für die hohm Zwecke der Alliance J-raelite in Paris, außerdem noch durch die weiteste und ausgedehnteste Verbreitung eines die bisherige Thättgkeit und die erzielt« Resultate in prägnanter Kürze resumttendm Berichtes die Theilnahme für die Alliance in dm jüdsschm Kreisen von ganz Deutschland wach zu ruf«*). Krefeld, 16. Februar. (Oriz.-Corresp.) Unsere Gemeinde hat seit mehr als einem halb« Säculum, als Sitz eine- Oberrabbiners, ein« guten Klang und nicht nur daS geistliche Oberhaupt, sondem auch der jewellige Vorstand warm stets bestrebt die Gemeinde zu heb« und Institution« zu schaffen, die da« materielle und geistige Wohl der Glieder förderten. ES besteh« hier 2 Ohewro«, eine Chewrah kedwchah, welche vor mehreren Jahr« ihr 100. jährigeS Jubiläum feierte, und die andere Chewrah machaneh .Jehnda, zum Andenken an dm ersten Oberrabbiner b/f) JuaStp 2^ *mnö gegründet. Beide Vereine verfolg« die schön« Zwecke in mTOJl miay rrrrn, besitz« neu organisirte Statuten und ein VereinSoermögen, welche» tm Wachs« begriffen ist. 'Zwei Frauenvereine sind nicht minder thätig, die statutenmäßig« LiebeSdimste in ausgedehntestem Maße zu leisten. Eine zweiftassige Elementar- und ReligtonSschule, welche fest 1864, Dank der Liberalttät unserer städtisch« Vertretung, zu einer städtisch« Schule erhob« wurde, erfreut sich eine» gut« Rufe» unter ihr« Echwesteranstalt«. Der RituS in unserer Synagoge ist der altherkömmliche, wobei da» Sttebm, veraltete Mißbräuche abzustell«, schon längst sich bemerkbar machte. Alles das sind in hiesiger Gegend anerkannte Dinge. Wmiger bekannt dürste eS fein, wie da» Wirk« unsere» erst kürzlich hier unter Betheüigung aller Confessionm installirtm nmm Oberrabbiners 0r. Horowitz feine segmSreichm Früchte zu ttagm anfängt. Wir sah« und sehm L«te da» Gotteshaus besuch« und sein« beredt« Worten lausch«, die seit Jahr« sich gänzlich fem *) Wir können un» in diese« Augenblicke über diese» Vorschlag »och nicht schlüssig wache», bitte» de» geehrte» Herr» lkorrrsp. nm nähere Angaben — privatim, «ven» t* so belieb» —. Sir sind erftanvt f* sehe«, daß dir i» üssentlicher Bersammlung am lt. Oct. versprochene Berufung der Mitglieder der A. I. U. in Berlin »och nicht ßattgeftmden hat. (Red.)

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