Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 10 (9.3.1870)
- Date
- 1870-03-09
- Page
- Seite 91 (sequence 7)
- Language
- German
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91 hielten. Ein auf Verwendung unseregeschätzten Oberrabbiner- ' tut Leben gerufener Synagogenchor wird ahpw X zum ersten Male Probe seiner Uebungen ablegrn, und zweifeln wir nicht, daß dir» selbe viel zur Hebung und Verschönerung de- Gotte-dienstebeitragen »ir). Wie wir hören, wird eine neue Synagogen »Ordnung geschliffen, und so dürfm wir mit inniger Zufriedenheit auf unser« Gemeinde-Einrichtungen blicken. Bor Allem möge erwähnt sein, daß hier wirklicher Friede herrscht, denn die wider» strebenden Partei«» fügen sich gern und bereitwillig dem gemeinsamen Interesse, wohl kennend da- Wort unserer Weisen: „Ohne Frieden nichts!" OTO f« oft» pH DK n. —ch. Magdeburg, Ende Februar. (Orig.-Corresp.) Unser« Alten hattin doch mit ihrem schönm Au-spruche Recht: 13t? ms» ms» „Der Lohn einer guten That ist wieder eine gute That", dem» wie dader Fluch der bösm That ist, „daß sie fortzeugend BöseS muß gebären", so trägt jede- Gut^ den Keim zu neuem Guten in sich, ms» Nims rns»$». — Wamich zu diesen einleitenden Worten veranlaßt? Gestem »var hier iTTCJD JTon, veranstaltet von den beiden Vereinen „der Krankenunterstützung" und der „k eerdigungS-Gesellschaft". Die Betheiligung war eine zahlreiche zu nennen. Der letzzenannte Verein, zu dem fast sämmtliche Mitglieder der Gemeinde gehören, unter der bewährten Leitung der Herren S. A. Levy und M. S. Kauffmann, besteht fest mehr al- 30 Jahren, der andere ist im Antritt-jahre de- Herrn Rabbiner vr. Güdemann (dessen Wirksamkeit auch auf diesem Gebiete hier im guten Andenken steht) in- Leben gerufen worden und wirkt unter Leitung der Herren Guthmann und Blumenthal recht ersprießlich. Diese Vereine wetteifern im Wohlthnn. Da war eö ein „Wort zu seiner Zeit", das unser gegenwärtiger Herr Rabbiner am gestrigen Abend sprach. Er forderte in beredten Worten zur Gründung eines „Zweig-Vereinder Alliance JSraelite" auf. Seine Worte zündeten, und Viele der Anwesenden zeichneten sich als Mitglieder in die Listen ein. (Auch am Sabbath Schekalim sprach der Herr Rabbiner über die großartige Wirksamkeit der Alliance, unter Anlehnung an die Worte der Haphtara: „Und sie besserten jeden Riß am Hause aus, wo sich nur irgend etwaauf dem Erdenrund zum AuSbessern findet"; darum steuere Jedermann feinen „halben Schekel" zu diesem heiligen Zwecke.) Dagegen finden die Aufrufe für die Berliner Hochschule'' hier nur sehr geringen Anklang. Der praktische Sinn der finden zwingt ihnen die Frage auf: Wozu? Um Epikorflim zu erziehen, dazu bedarf eS doch wahrlich keiner Hochschule, da» können die jungen Leute durch mehrjährigen Aufenthalt in Berlin «o ipso werden. Sollen wir Geld hergeben um! „Rabbiner" aulbtlden zu lassen,, die nur. etwa zum Export nach! Amerika taugen?!! Laffm Sie mich mit einer erfreulichen Nachricht schließen. Ein Mitglied der hiesigm Gmieinde hat bei Eintritt der allzu» rauhen Witterung eine bedeutende Summe Gelbe- und Brennmaterialien (im Werth« von über tausend Thalern) zur Der» theilung an die ärmere Bevölkerung — ohne Unterschied der Religion — der Stadtbehörde überwiesen. E. C. Aeun-nrg. (Drifl.-Jomfo.) Die gute alte Zeit! Heute kannst Du, lieber kesir, wenn Dn nicht -a» Glück hast ul» Kind eine» Hamburger Gemeinbemitgl ehe« da« Sicht der Welt erblickt zu haben, sür einige lumpige Thälerchen zu der Wll -de gelange», die noch vor acht Jahren mit tausend Mart ausgewoze» wuide. ,Za tausend Mark bezahlen", sagte Dir der Vorstand, „»de.- eine Tochter der israelitische» Hammonia sreien", denn zu jene» schönen Zeiten {.ab die Gemeinde gewissermaßen einer jeden ihrer Töchter «och 4J0 baar, Thaler zur Aussteuer, wenn ein Fremder um ihre Hand warb. Damals mußte man aber auch den Weg durch die Gemeinde zurücklegen, um Bürger »der Betverbtreibeuder in Hamburg zu werden. Die politische» Rechte I»er Gemeinte find nunmehr vom Strom der Neuzeit hiuweggeschweriimt; aber, — »ent: auch nur al« religiöse Lorporation anerkannt, — imoonirt fie doch n»«l> immer durch die Größe ihrer Mittel, ihre Wohlthütigkeit und die Bedeutung ihrer Schulen, Stiftungen und j -otttsdienftliche» Einrichtungen. Der Vorstand, der fich ftüher al» kleiner! Senat de« Staate» im Staate gerirte und fich selbst ergünz'e, ist durch l ein Nepräsentantencollegium beschränkt worden und hat die Juri«diction in { Lulti,»angelegenh-iten gänzlich eingebüßt. Letztere werden von den beiden getrennten Lultu«»erbä»den — Synagoge und Tempel — durch dazu ge wählte Hollegien selbst verwaltet. Die vereinigte »rast beider Lultu«verbände ist im Stande, da» Arm, nwesen in einer den, Ruse der hiesigen Gemeinde entsprechenden Weise zu leiten, und e» ist zugleich, um die Freiheit de« «ultu» möglichst wahren, einem jeden «emeindemitgliede gestattet. 10 p«t. seine« Beiträge« zu d,n »osten der Gemeinde sür einen »der den andere« «ultuir erdand ,» bestimmen. Leben kann ein Jeder unbelästigt in der alten Hansastadt, ohne sich zu einer vom Staate anerkannten Religio» zu bekennen. Mit dem Ster den ist e« jedoch mißlicher bestellt, und Mancher, der sonst an dem Gemeint'ele&ea kein Interesse hat, sucht durch den Eintritt in dasselbe fich da« >nre«ht uns einen anständigen Platz nach dem Tode zu ficher». H. ZSttze«. (Ortg.-Lorresp.) Herr Oe. Dessauer, Hörer de» jlld.- theol. Seminar» in vre«lau, ist zum Prediger der hiestgen Gem.-tiide qewählt worbe«. Litcraturbericht. .bspariB rv-ai dkö "aban-m Kinis Einleitung in den Jerusai. Talmud von vr. Z. Frankel. Breslan 1870. Schletter'sche Buchhandlung. (sn einer langen, fruchtbaren Schriftstellerthätigkeit hat Frankel den „Eingang" zu unbekannten oder vernachlässigten Werken de« jüdischen Alterthum« zu eröffnen gesucht. Seine zahlreichen größeren Schriften halten fich wcht auf der von Bielen betretene« Heerstraße und wenden sich nicht an da« große Publikum mit feinen verwirrenden und zerstreuenden Sn. sprüchen. Sie begnügen sich damit, treue Wegweiser durch die dunkelsten Gebiete de« jüdischen Schristlhum« zu sein. Sin solche« Werk ist e» auch, aus da« tu kurzen Worten hier ansmerksam zu machen wir sür unsere Pflicht halten. S« ist ein Werk, da« Licht in ein wahre» Ehas» bringt. Seit anderthalb Jahrtausenden liegt da« Studium de« jerusalemischen Talmud« brach. Die ältesten Gaonim kanntin ihn nicht; Saadia gedenkt seiner nur flüchtig und eingehende Forschung ist ihm auch nicht zu Theil geworben, seitdem im ll. Jahrhundert R'Lhananel und R'Nisfim ihm einige Beachtung zuwendeten. Erst im 17. Jahrhundert hat der eine oder andere Traktat einen Erklärer gefunden, aber nur Ein Mann hak e« gewagt, einen Lommentar zum ganzen jerusalemischen Talmud zu schreiben. So blieb derselbe ein versiegelte« Buch, von dem auch den Gelehrtesten die ftemdartige Sprache, die ihm eigenthümlichen Termini, der verwahrloste Text, die elenden Alt«, gaben und Schwierigkeiten anderer Art fern hielten. Diese Schwierigkeiten znm großen Theile hinwegzuräumen ist die Aufgabe, welche sich Frankel in dieser „Einleitung" gestellt hat, und welche er in glänzender Weise löst. Einen Au«zug au« dem bedeutenden Werke zu geben, wäre ein Wagniß, da« an diesem Orte nicht unternommen werden kan». Wir wüßten auch nicht, wa« wir al» besonder« wichtig und intereflant vor Anderem hervorheben sollte«, ob die schöne Schilderung der Zeitverhältnisse, au« denen der Ierusalemische Talmud hervorgegaugen ist, im I. Abschnitt; ob die höchst verdienstliche Abhandlung über die Sprache und die Zusammenstellung und Erklärung aller Jdioti«men desselben im 2. Abschnitte; ob die gelehrte Uederficht über Lehrmethode und Redactton de« Jerusalemischen Talmud, die un« der 3. Abschnitt bringt; ob da« dein Geschi>ht«s»rscher ganz unentbehrliche Register aller im Jerusalemischen Talmud genannten Autoren, da» nicht weniger al» die Biographien derselbe» an» tausend entlegenen Stellen zusammenträgt; ob endlich die Geschichte de» Studium« de« Jerusalemischen Tcilmud«, die Aufzählung und Besprechrng der Eommentatoren und der Aitsgaben, die der fl. und letzte Ab schnitt enthält. Bor dem grrnzenlosen Fleiß, de, Hingebung, der Gelehrsamkeit un» dem Scharfsinn, dic allein die« Werk schaffen konnten, schweigt der Talt de« Recensenten. Aber wieviel da« Werk an sich auch bieten mag, wir begrüßen e« auch darum mit Freude, weil e« der Bürge ist sür ein schöne« versprechen, da« nn« der Berfaffer giettt, da» versprechen, dieser für da» Studium de« Jerusal-mischen Talmud» epochemachende Sinleitungiu recht bald de» Lommentar zu demselben. ,«nähst zum Seder Seraiw., folgen ,» taffen. _'__J- Briefkasten ku r Rebaetion IL in C. Persönlichkeiten sind tut unbekannt. Daß ich Ihr Schrei, den nicht ausnehmen kann, sehen Sie wohl selbst ein. E« ist aber an die Adreffe befördert. — Veeili», Hamb. Noch 3 mal 3? werden nicht» daran ändern, daß ich keinäußere veranlaffung habe. Innere U->ereinftimmung der Ansicht, große Sympathie, allerdings l Selbstverstäudi.chl — A—r. So lange da« »um noch inag, möchte nicht gern Gedichte bring,-«. Man möchte mir von Kinderkrankheiten sprechen.