Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 10 (9.3.1870)
- Date
- 1870-03-09
- Page
- Seite 89 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/5369809-5934980-5935149--0171-5369910- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Malbim 1× ep/1002711
OCR text
89 Religionsunterricht mit dem größte» Eifer betrieben werden, so daß er nicht „im Argen" zu liege» brauchte» während der Elementarunterricht in der jetzigen Vlüthe erhalten werden kann. ' Alle diese Uedelständ» würden also durch diese nicht schwer vorzunehmende Reform beseitigt werde« können. Wol'l ist die Zahl solcher Lehrer nur gering, da da» Lehrerseminar n Hannover ziemlich da» einzige Institut Norddeutschland» ist, da« solche Männer «»»bildet, «ährend au» den anderen Anstalten gleicher Art mir Slementarlehrer hervorgehen; aber Gemeind««, die ein Gehalt von 700 Thlrn. nebst freier Wohnung geben können, werben schon einen tüchtigen Lehrer bekommen. ' I« diesen Gemeind«» müßten auch die sog. „Schnorrgroschen" ganz wegfallen, denn wenn fich schon „gebildete" Leute solcher Ausdrücke bedienen, wa« soll erst dann der Xm hwurei thun? Der betreffende Lehrer würde sich schon mit seinem selten Gehalte begnügen und lieber auf Kibbudtm und Zutrinkgelder ganz verztchten, al» sich solche Ausdrücke sagen z« lasten. Den Ausdruck „Lesehalle", zu welchem der Tempel am D"' ««geschaffen werden soll, Hab« ich nicht recht verstanden. Ich Hab« nie bemerkt*), daß e» sich Jemand an diesem Tage erlaubt hätte ein Journal im Tempel zu lesen; höchsten» werden wohl einige vom anhaltenden Beten Ermüdete di« deutsche lleber. setzung im Machsor sich arischen, wie die« ja in jeder Gemeinde geschieht, and die» ist, meiner Anficht nach, nicht so strafwürdig. Wa« mm da» Leuchten der beiden Punkte „in all' den düstern Schatten" betrifft, so scheint Verfasser de» Briefe« vergessen zu haben, daß er in seiner Einleitung die Behauptung aufstellt: „Vom Scheitel bi« zur Zehe ist kein Heller Fleck." Er hat aber mtt dieser ÜKHauptung insofern Recht, al» auch diese beid«n leuchtenden Punkte in vielen Gemeinden lange, lange Schatten werfen. Doch dc»on ein andere» Mal. v. Wochenbericht. Klettt«, 3. März. Berliner Blätter berichten, vorläufig al» Gerücht, daß mehrere conservattve Gemeindemitglieder, und zwar bedeutende Geschäftsfirmen, die jüdischen Gemeindesteuern ,u verweigern verabredet haben. Ob die» mit der in unserer »origen Nimmer erwähnter, Geiger'schen Predigt, welche am vorigen Sonnabend wirklich in der alten Synagoge gehalten worden ist, zusammenhängt, «tsten wir nicht. — Die La-ker'sche Rede bei der Debatte über die Todesstrafe können wir nicht unerwähnt laste», da fie — soweit au» den vorläufigen Berichten erfichtltch — mit einer Verweisung auf die ,,Recht«ent» Wickelung Ivi den Juden llr späterer Zell", da die Todesstrafe fast unmöglich geworden Kr.r, begonnen und mit dem Worte de» Propheten „ich will nicht, daß der Sünder sterbe" geschloffen htt. Wir benutzen diese Elelegenhett, über die Tode»strafe'au». führlich zu sprechen, nicht"), würden auch vorstehende» nicht bemerkt haben, da e» sehr -atürlich und einfach sei» sollte, daß LaSker die erwähnten Stellen und Thatsachen kennt und angeführt hat; aber wir sind nicht sehr daran gewöhnt, jüdische Männer bei solchm Gelegrnheitm da» Judenthum vertreten oder auch nur erwähnen zu sehen. Sie treten wohl kür die Rechte der Juden, oder für einen einzelnen Juden ein, aber da» *) Dteti beweist »ach betamaem talmndtschen Satze »ich«»! (Red.) —) wer kur»», populäre uud »ach gründlich» Belehrung über da« 8erhllltni» de» (kudeuchNM» p» r,d««strase sacht, den verweisen wir ans die tlrtu« Brvchüre Mn D. Cafftl: „Sendschreiben an Pros. Birchvw" (Berlin 1869), die am Schluss« die« khema bespricht. Judenthum? Und doch steht die Ehre de» Juderithum» unermeßlich höher, al« die Anstellung eine» Juden al» Lehrer oder Richter. — Eine häßliche, leider schon sehr oft pasfirte Geschichte erzählt die „Post" au» Ezarnikau (Posen) von einem Manne, der ein Mädchen, eine Waise, nach jüdischem RituS, ohne vorherige Civilttauung, geheirathet und dann alsbald mit der Mitgift davongelaufen ist. Möchten doch die Rabbiner vor« fichtiz sein, die schwere moralische Verantwortlichkeit bedenken! E» kann freilich in vielen Fällen unbedenklich sein, wenn die Ehuppa ein paar Tage vor der gerichtlichen Trauung stattfindet, abrr man muß sich doch seine Leute an sehen, und wie die Geschichte mit ihren widerlichen Detail» erzählt ist, liegt doch wohl eine große Kahrläsfigkeit, jedenfalls allzuwenig Menschen» kenntniß, vor. Die „Gezenwatt" bringt au« Wien eine Liste von jüdischen Profestoren, Prtvatdocenten und Asfistenten bet der dortigen Universität, die un» in Erstaunen gesetzt hat. Die Gesammtzahl beläuft fich bei den drei Fakultäten auf ein Dutzend. Ist nun auch die Zahl der Juden in Oesterreich vorbältnißmäßtg bedeutenl> größer al» in Preußen, so ist doch unleugbar, daß Preusien weil zurücksteht, und welch' glänzende» Licht wirft der Umstand, die» zahlenmäßige Derhältniß, auf die jüdische Intelligenz! Freilich ist auch da noch kein Jude ordentlicher Profeflor, aber da» ist bei der kurzen Zeit, seit der die akademische Laufbahn erfchlosten ist, auch gar nicht zu ermatten. Der Mathematiker Spitzer ist in Wien zum ordentlichen Professor am Polytechnikum ernannt. Au» Grensble berichtet „Rev. i»r." einen schönen Zug. Die Frau eine« geachteten jüdischen Kaufmann» war gestorben, da» Leichengefolge sehr ansehnlich. 'Es wohnen aber nur ein paar Israeliten in jener Stadt, sie haben keinen ..repr&entsnt da culte“! Da trat der protestantische Pfarrer vor da» Grab, sprach zu der Versammlung herzliche Worte über die verstorbene, indem er vorausschickte, daß er, in Ermangelung eine» Rabbiner», die» für seine Pflicht halte, und entließ die Versammlung mit dem Segen der al'gemeinen Brüderlichkeit. Nach dem „Educat. Ursel“ berichten wir nachträglich mtt großem Vergnügen, daß die israelitische Gemeinde in Triest bei der Beerdigung ihre» Rabbiner« TedeSchi 500 Fl. an die Armen aller Konfessionen hat verthrilen lasten. Dasselbe Blatt erzählt, daß fein „eonfratello“ der Corriere Urtel, in Rim confiScirt worden ist, ein Schicksal, welche» den Edmsatorc selbst Monat auf Monat betroffen habe, bi» er sell zwei Jahren gänzlich verboten worden sei. Ueber die Militärpflicht der Juden in Rnßlantz, nämlich die Au»dehnunz derselben bi» zum 31. Jahre, welche erzählt und „berichttgt" worden ist, erfahren wir endlich — wie "ir erwartet haben — durch den „M." Zuverlässige», ftellich in der vorsichtigen Weise, die diesen, Blatte Gebot der Nothwendigkeit ist. Da» offiziöse Dementi war ganz richtig, richtig wie alle solche; da» Gesetz ist nicht für „Rußland" gegeben, sondern für Polen, auch da mit gewisten Clauseln, die wir, da wir fie au» sorgfältiger Emballage nicht gut herau»wickeln können, auf fich beruhen lasten.— Dasselbe Blakt erzählt, daß R. Meir Malbim, einer der bedeutendsten T ilmudisten der Gegenwart, zum Rabbiner in Lentschütz (Polen) erwählt ist. Der Präsident tstrant hatte sich, wie bekannt, für die russischen Juden zu venvenden versprochen. Der amerikanische Gesandte in Petersburg, Eurtin, hat nun ein Memoire über die Berhältniste der Juden in Rußland eingesendet, welche» die jüdisch-amerikanischen Blätter riitlheilen. E» ist leicht zu sehen, Wem der Gesandte al» Sprachrohr dient, Wer ihm soufflitt hal. ,Hetr. Lead." unternimmt die leider! sehr leichte Arbeit, da» Schriftstück in der Aufzählung der „Wohlthaten und Erleichterungen", welche den Juden in Rußland zu Theil geworden sind,