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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-03-09 · 10 (9.3.1870) · p. Seite 87

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
10 (9.3.1870)
Date
1870-03-09
Page
Seite 87 (sequence 3)
Language
German
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87 Mitte" gertrm möchte, auch vom großen Trosse dafür gehalten wird, freilich „Rarer Bewahrer de« Licht«, Denn «a» ist klarer al« — Nicht«?!" ' Tagesfragen. Zwei Polen über die Orgelfrage. Seit länger al« einem halben Jahrhundert wird über die Orgelfrage gestritten, e« ist eine wettschichtige Literatur darüber erwachsen, die Zahl der Gutachtm für und wider, selbst der gedankte», ist sehr groß. Ist die Frage dadurch erledigt, ist sie auch nur von der Stelle, ist bei alle« dem etwa« heran«» gekommen? E« sind allerdings einige Punkte geklärt, wir können darauf hin: nicht eingehen, weil wir nur die nachstehenden Voten durch einige B,«erklingen einletten wollen, und weil wir gleich nnd kurz und bündig zeigen werden, daß die Krage bisher ganz falsch gestellt worden ist und darum heute noch gerade so steht wie vli SV Iah,«. Eö ist wahrlich sonnenklar, daß der Orgelstrett, verglichen mtt anderen bei der Cultu»reform angeregten Streitpunkten, höchst m,wesentlich ist. Wird etwa der Lehrtnhalt de« Juden» thum« dabei be.-ührt, wie bei der Abänderung mancher Gebete? Greift die Frage tief in da« religiöse Leben und die Einhett de« Judenthu n«, wie die Einführung de« dreijährigen Cyclu«? Be» droht sie den Bestand d>.>« Judenthum«, wie die übermäßige Kürzung oder gar Löschung de« hebräischen Element« im Gottesdienste? Und wie nun erst, wmn man die Orgelftage etwa mit vorgeschlagmen ehegesetzlichen Reformen vergleicht! Wie kommt e« nun, daß die Einführung der Orgel in größeren Gemeinde« jju den tiefsten Zerwürfnissen führt? Und wie, daß s diese Einführung wiederum in anderen, kleiner« und mittler« Gemeind« in aller Eintracht vor sich gegangen ist? Wir kommt es, daß einige Rabbiner, lebmde und verstorbene die sich in Lehre und Leb« ganz orthrdox gefühtt Hab«, gegen die Einführung der Orgel kein« Einwanb erhob« hoben, und daß wiederum L«te, die nicht« romiger al« orthodox sind., und leb«, auf« Heftigste dagegm opponttm? Wir könnt« l st Frag« noch häuf«, aber e« ist genug. Man hat offenba? die ganze Frage falsch an- und aufgefaßt. Man hat über die Zulässigkeit der Orgel gestritten; nun, wenn diese nun unwiderleglich dargethau wäre, wa« dann?! Man hat die Frage den Rabbarern vorgelegt; ganz verkehrt! Die Orgelftage ist eine Geschmack« frage, da« ist de« Räthsel« ganze Lösung. Und da will man mtt Stell« au« Talmud und PoSkim, mtt historisch«, antiquarisch« Untersuchungen. mit Gelehrsamkeit und Scharfsinn antworten?! Der Eine schwärmt für die Orgel, der Andere fühlt sich durch fie in seiner Andacht nicht gehoben, aber auch nicht gestört, dem Dritten ist sie kn der Synagoge ein Gräuel. Ganz ebmso schwärmt der Eine für R. Wagner» der Andere zieht Mozart wett vor, der Dritte hält sich bei den erst« Takt« de« Tannhäuserspektakel« die Ohr« zu und läuft davon. Hat man je gehört, daß die Drei einander durch Gutachrm bekehr« wollm? Allerdings handelt e« sich bei der Orgel nicht bloß um äfthettsche Gefühle, sondern wesmtlich auch um religiöse, aber innner um Gefühle, individuelle Ansichten, Sttmmungen, Erinnerung«, Sym- und Antipathien; wie soll man dem mit dm bisher erbraä'ten Gutachtm beikommen?! Fe«er komm« allerdings dabei auch Gründe de« ReligionSgefetze« in Betracht, aber lange nicht in erster Linie. Und wieder ist da« Urtheil auch hierin wesmtlich von individuellen Gefühl« abhängig. Der ganze Apparat der Gelehrsamkeit, alle Stell«, die je über 111 npn (fremde Religionsgebräuche) geschrieben sind, wecdm Da« wäre dmn auch zur Ausführung gekommm; allein hiermtt «ar e« nun schon zu spät. Am folgend« Tage erhielt der Rabbiner den Befehl, die Stadt nicht zu verlast«, und die beidm Jncriminirten wurtm in« Verhör gmommen. (Fortsetzung folgt.) Rath« der Frevler" oder: ..Berilucht sei der Mann, der nicht wandelt im Rath« der Frommen u. s. er wählte aber an besten Statt die segnende Form, um darin unserem größten Lrhrer und Propheten nachzuahmen, um im Sinne und Geiste der Lehre zu '«den, die zu verherrlich« er unermüdlich bestrebt ist ."fi-iTi ,1Ni<1 non iSlp’ Mögm sie immerhin fluchen: der Segen der lauteren Erkenn miß wird gerade dadurch immer mehr und mehr über di« Menschheit sich auSbreiten. -X Jüdische und römisch-katholische Kehrweise. Gegenüber der bekannt«« Fluchepistel, die die römische Curie unlängst r om Stapel gelaffen, vüftte e« nicht unzeitgemäß sein, eine altüberliesette Art jüdischer Docttin ihr gegenüber zu stellen. Diese letztere findet, unter viel« ander« Stellen in Talmud und Midraschim, auch im Midrasch-Tehilim, zum ersten Bers« de« ersten Psalm«, ein« sehr prägnanten Ausdruck. Dieser Brr« lautet bekanntlich: „Heil dem Manne, der nicht wandelt im Rathe der Frevler, und auf dem Pfad: der Sünder nicht steht, und auf dem Sitze der Spötter nicht verweilet"! Dazu der Midrasch: Mose» rief Israel vor feinem teimgange in die Ewigkeit ermunternd und anregend zu: „Heil Dir, «rael! u." (ü. B. M. 33, 2g.), und auch David schickt seinen heilig« Gesängen, die er dem gesammten Israel als National gut hintrrläßt. gleichsam als Widmung einen AuSruf de» Heils voraus. Bride ab« haben diese Lehrmethode: mitW orten de» Segen» zu beginnen und zu schließen, der lauterst« Quelle aller Beleh«ng, unserer heilig» Thora nämlich, entlehnt, die Salomo in seinen „Sprüchen" (8, 8—9] vou sich selbst sprechen läßt: „Gerecht sind alle Aussprüche meine« Mundet, nicht» Falsche« und Verkehrtes ist in ihnen. Alle find fie gerade für d« EinfichtSvollen; gerad' und einleuchtend denen, die Erkmutniß gefunden", glicht«, da« dem klar denkenden Geiste, dem rein «d lauer empfindend« Sinne irg«dwie anstößig erscheinm könnt:, fiudel sich in diese« göttlich« Buche, und Biele« findet darin eben deshalb eine mehrerer Worte »der Buchstaben benöthig«de Umschreibung, um entgegengesetzte Begriffe, die doch kaum al« solche von un« bezeichnet werd» möchten» soweit al» irgend möglich de« Ang« und Ohre de« Leser« fernznhatt«.Wohl hätte Daow faf« können: „verflucht sei der Man», der da wandelt i« (Zusatz der Red.) Auch die „BalkS-Zeitung" bespricht den Charakter der altjüdischen Anathemaü rrungen, welchen die de» Apostels Paulus und die der späteren Kirche nachgebildet find. Sie hebt her- > vor, „daß bei Mose» nicht enva Glaubensansichten, Meinung«,; Lehren, Anschauungen oder Behauptungen mit Fluch belegt werden, > sondern nur Thaten, und zwar Thaten schwerer Stind« Und auch j da werden nicht solche Thaten mit einem Fluch bedroht, welche der rich- | terlichen Bestrafung anheim gestellt werden können, sondern solche, die j sich durch Heimtücke oder Heimlichkeit der Bestrafung entziehen und deshalb moralisch gebrandmartt werden mußt«. E» ist nicht uninter- > eff,int, die Verse 14 bi«" 26 im 5. B. M., Cap. 27, hierin zu bettachten. Verflucht wird, wer sich ein Götzenbild von Menschenhänden? machen läßt und e» zur hiimeichen Anbetung auftichtet. Verflucht wird, wer Vater und Mutter verächtlich behandelt. Verflucht wird, wer die Grenzsteine im Besitzthum seine« Nächsten verrückt. Verflucht wird, wer einen Blinde» auf dem Wege irre fühtt. Verflucht wird» wer da beugt da» Recht de« Fremdling«, der Waise und der Wittwe u. s. w. Jeder Kenne: jener allen Schriften weiß, daß unter Fremdling der Nicht-JSraelit gemeint ist. Dieser Fremdling, der einen anderen Glauben hat, mrt in dieser und in vielen anderen Stellen der alten Schrift mit ganz außerordentlicher Sorgfalt gewahrt vor der Unbill und der Unduldsamkeit de» rechtgläubig« Pöbel«. E« genügt jenm allen Gesetzgebern mcht, daß im dritt« Buche Most« : geschrieben steht: „Liebe Dein« Nächst« wir Dich selbst"; vielmehr i wird für Jeden, der den Fremdling nicht al» „Nächst«" bettachtet,! nah besonder« im 5. Buche Most«. Cap. 10, Ber« 19, ausdrücklich | anbofohlrn: ,Hhr sollt de» Fremdtinz lieb«, denn Fremdling« wäret! Ihr im Land« Leyptm".

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