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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-03-02 · 9 (2.3.1870) · p. Seite 81

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
9 (2.3.1870)
Date
1870-03-02
Page
Seite 81 (sequence 5)
Language
German
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- 81 Synagogen-Borllan d soll dagegen beim Gecieinde-Porstand vvrstrüig geworden sei» und beschloffen haben, fallseiner Vorstellung keine Folge gegeben wird, sein Amt »iederzolegea. Such sonst »erlautet von Protesten u. dergl. Ob davon etwaS zur Au»- fiihrung gelangt, steht sehr dahin. Such eiu Theil der Mitglieder der Ada« JiSroel hat sich dem Proteste augeschlofsen. Ein anderer Theil derselben würde eS wohl nicht ungern sehe», wemt durch Geiger'« Pretigt ein Theil der Konservative» au« der allen Synagoge verstirb«, d. h. zum Anschluß an die Ada« JiSroel ge» trieben würde. Der Vorstand wird aber die Genugthuung haben, daß die alte Srmagoge nicht voller sei» wird» al« die neue! Soebm wird hier da« Programm eine« Verein« für Palästina «»«gegeben. Ich glaube, er wird zu Stande kommen, denn die hiestgea religiösen Zustände sind der Art, daß man sich gern von ihnen ab und seine Thätigkeit nach außen richtet. g. --»igrterß, 14. Februar. (Orig.-Corresp.) In allen Angriffe» auf da« hiesige Haupt-Comitö (für die russischen Juden) spukt eine Aeußerung unsre« braven Karuow«ky, die man fortwährend citirt, um un« zu verdächtigen, die angebliche Apotheose Ehwolsoa'« in Petersburg, den er den „edelsten Juden" ge» uauut haben soll, obgleich, oder wie »na» perfid deutet, weil er getauft ist. (Sie waren doch auch in der Kommission; können Sie der Meinung sein, daß K. die Taufe verherrlichen wollte? 1 *) Der von laut per fraglich« «entern»« M Herrn I. ist mir «ich» »ehr erinnerlich, kllenig mit de» Persönlichkeit« in «kutland Mannt, habe ich anch »ich« bestiremt bnonß», wer -cmeim sei, d» der Name, soviel ich »ich «t-mten kam, nicht genannt wurde, «der den -indrnck, al« ob die Danse »erhrrrltcht ««den solle, bade ich entschieden nicht empfunden. Da» mar bei der flanja Haltung der Debatten unmöglich, «in Unsinn I Di« Dache selbst bedars für rnsere vertzilndtsnt Leser keiner Erörterung. vir wissen »Ir, »a» von «ptsiaten »u halten ist; aber wir wissen auch, daß in ihrem Benehmen gegen „der für Inden ein gewaltiger Unterschted ist. Und daß gndensrrtmdltchkeir eine« hochgestellten Apostat« in Nu-lau» noch etwa« «nw«»q M al* in TlruHMaak. tlam» tUt. . . (fto.) Kl hat sich nicht geschilkt ausgedrückt, aber in der Sache hat er volkommen Recht. Er »voUte jagen, daß Khwolson, obgleich gelaust, sich seine» früher« Glaubensgenosse« gegenüber höchst edel benommm hat. Der Mann hat al« russischer StaatSratb sich der Sache der Judm nicht entzogen und ihr wesentliche Dienste geleistet, er hat ein Werk über die Blutbeschuldizung geschrieben, welche« ihm auf ein Haar seine Freiheit und leine Stellung gekostet hätte, und ist erst u«lich wieder in seiner Rede über die semitisch« Stäoime für die Jndm eingetret«. Sollt« ihtu darum keine Ehre gebühr«, besonder« wenn inan sein Verhalten mtt dem so mancher Apostat« vergleicht? Ich hoffe, daß Ihr Gerechtigkeitsgefühl Sie veranlaffm wird, diese Zeilm aufzunehm«. B. Meisenßet«, Reg.-Bez. Koblenz, 21. Februar. (Orig.. Corresp.) Herr vr. Israel Maier au« Müllheim (Baden), Hörer de« jüdisch-theologisch« Seminar« in VreSlau, ist zum düsortigm KreiS-Rabbiuer gewählt wordm. Sesterreich. —tz. Wie», 21. Februar. (Orig.-Korresp.) Wie ich Ihn« schon sagte, so hat gestern eine kleine Feierlichkeit zu (iitttn de« Herrn v. Wertheimer, der fein« 70. GeburrStag begang«, stattgefund«. Herr Wertheimer, der au« diesem Anlaß eine reich gestickte Kanzeldeckr dem Teinpel in der Stadt gewidmet hat, wurde unter Absingung eine« Psalm« zur Thora gerufen und Herr vr. Jellinek schaltete ein besondere« Gebet in der Predigt ein. Der Vorstand hat seinem ehemalig« Präse« eine Adreffe überreicht. Sonst hatte die Feier ein« »et« häu»- ltchm Eharakter. — Nun ein Bild von der Nachtseste! In dies« Tag« ereignete et sich in der hiesig« i«raelitischm Taubstumm«-Anstalt, daß ein (jüdischer) Lehrer bei der Züchtigung eine« Knabe» von dem Direktor Deutsch ertappt wut'de. Herr Deutsch machte dem Lehrer gehühreude Vorwürfe u»d wurde Lefefrilchte flir Mische Leser. J)i( Ake1««»rer — Me«sche»seesserl Daß die bobmlose „Blutbeschuldigung", welch« die Jud« schon so viel Blut gekostet hat, auch noch gegm andere al« jüdische Person« geschleudert wird, erfahren wir an« einer Mittheilung im „Globu«", Zeitsätrist für Länder- und Völkerkunde (Januarheft 187»), welcht von einer großen Auftegung berichtet, die dieser Wahnglaube vor einigen Monaten in der skandinavischen Hauptstadt Christian« verursacht hatte, woselbst e» dieserhalb zu ernsten aufrührerischen Demonstration« kam, welche nur durch strenge polizeiliche Maßregeln beschwichtigt werden tomtt«. Die Beschuldigt« stnd keine ander« al« die — Freima irrr, der« Genossenschaft sich die Jud« schon gefall« laffm könrm. Dir angeführte Zeitschrift berichtet wie folgt: „Die alte (bet un« längst verblaßte) Fabel, daß die Freimaurer beimBrudermah in Menschenbraten schwelg«, oder daß sie verpsiichtet sei«, dem „Türken" ein gewisse« Quantum Mmschmfleisch zu liefe« —ist im skandinavisch« Volke noch unvergeffen und pflegt, allen BildungSvereiner zum Trotz, bald hier, bald dort die leicht erregt« Gemüther in Sthreckm zu setz«. So ging in Ehrisnania ein Flüstern von Mund zu Mund, daß mehrere alte Frauen und Kinder, besonder« aber mehrere blühmde Landmädchm, virschwund« sei«, lieber ihr« verbleib herrschte (bei der Menge) kein Zweifel: sie warm getödtet, eingesalzm und in Tonn« verpackt, um (diesmal nicht an d« „Türk«", sondern) an d« „vice- König von Aegrtptm" versandt zu «erd«. Da» Schiff, welche« die Fracht »»«führen sollte, lag berntö im Hasen und «artete nur auf die Ankunft de« Kilnig«, welcher ,,al» »be-.ster Maurer" die Maare besichtig« mnßte, ehe er sie au seinen Freund expediere. Eine Smdung gemüntten Sill-er«, welche gerade damal» von Swckholm ankam und » die Bank geschafft wurde, galt al« Zahlung für die Maare, 8« war eine „nnheimlithe Zettl" Frau« und Mägde wagt« sich am Ab«d nicht auf die Straße. Eine Magd, welch« von ihrer Herrschaft in der Dämmerung »»«geschickt war, wurde von einem unbekannt« Her« ersucht, ein« lstnef nach einem bezeichnet« Hanse zu besorg«. Sie «ffnete denselbtn und la«: „Roth und weiß, dick »ad fett, leg' sie in die bekannte Tonne!" Ein andere« Mädchen wurde von ein«» vorübergehend« in dm Arm gekniffm, der vertneßlich in dm Bart b«mmte: Noch nicht fett genug! Jeder n«e Tag vermehrte die Zahl dieser unglaublich« Beschicht«; der W-chenmarst blieb ohne Zufuhr« vom Lande, weil die Baue« sich naht in die Stadt wagt« und ihre Produkte lieber mit geringerem Gewinn an Zwischenhändler verkauften. Vergeblich waren alle Versuche, die Leute dem thöricüen Wahn zu mtreißen. Al» die Polizei die Weiber hinderte da« Logenhau»zu stürm«, al» die Zeitungen versucht«, die Gemüther zu beruhigen, wurden die Leute nur bestärk in derUeberzeugung, daß sowohl die Polizei al« die ZeituugSschreiber e« mit dm „vornehmen" hielt« ur.d die Unthaten absichtlich ignorirten und leugneten. Freilich tonnte Niemand die verschwundenen Individuen namhaft angeb«; nur von einer bejahrten Frau, die zum Beermpslück« auSgegangm, wußte men mit Bestimmtheit, daß sie nicht zu den Ihrigen hermgekehrt war. Der eigentliche Ursprung dieser abgeschmackt« Gerückte ist nicht kund gew ordne. Die norwegischm und schwedisch« Blätter hadert den Vorfall mit einer gewiffen Bekümmerniß besprochen und begreifen nicht, daß solche« in einem Lande vorkommm kann, wo so viel ftr die Volksschulen gerhan und der Schulbesuch obligatorisch ist." Ja, wir Jud« begriff« e« auch nicht, wie einer solchen Fabel selbst von vernünftig« Menschen — man denke nur an da« verhattm! eine» Aatti-Menton mid Thier« in der Dama«cmer Angelegenheit blutig« Angedenken« — Glaub« geschenkt werden ko rmr; oder ist da« Unbegreifliche, wenn e« sich nur gegen die Juden kehrt, begreiflich'? — Wir empfand« beim Lesen diese« Berichte« >t«a» oon l«em leidigen Trolle: Solanum mlnert» »ocIom hahnim«1 niloruin. Dasselbe Blatt („Globu«") derichttt von der C ilonie der „Zitter-Ouäker" in Livinastone 8 »uMy. im Staate Newyc ck, die sich viel mit Ackerbau beschäftigt, d rß bei dmselb« der («muß de« Schweinefleische« verbot« sn (sie nenn« da« „Schwein" u.cht einmal beim Naw.«, e« Heist bei ihn« „Seavenger", StLaßenreu iger), u.rd daß sie den „Sabbath" mit großem Eifer und aller Sttt ege feie«. Die Eolonie befindet sich in blühendem Zustande.

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