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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-03-02 · 9 (2.3.1870) · p. Seite 79

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
9 (2.3.1870)
Date
1870-03-02
Page
Seite 79 (sequence 3)
Language
German
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79 dienst", sondern wen« di« Romantik ans dt« Höhe de-.Schwindel» steigt, so nennen wir da» „Götzendienst"! Also es «üffe» sich die Anhänger der äußerste» Linken, u« «ine Gemeind« zu bilden, an» rudern «Inder extremen Parteien rekrnttre« — va» zn beweisen war. Sin solchin Versuch, haben wir gesagt, «erde mir Versuch bleiben; hält die Sache, durch äußere Umstände und Verhältnisse getragen, läng,, vor, so ändert da» nicht». Wochenbericht. Stettin, 24. Februar. Au die Stelle der früheren Seeschlaoge war bekanntlich feit etwa einem' Jahr „der erste jüdische Krei-richter in Preußen" getreten. Der Erste dieser „Ersten" hatte Joel geheißen und sollte, gleich einem Meteor, in Pi'mmern niedergefallen sein. Der 8eben»lauf war stet» ein sehr kurzer gewesen, abgesehen davon, daß fie immer nach 3—4 Wochen noch einmal in jüdischen Blättern aufgetaucht waren. In voriger Woche wollte man gar zwei auf einmal ge» sehen haben, fie haben sich jedoch wie Wrangel „selbst dementitt". Unsere Nachricht au» Benthen (vor. Rr.) steht jedoch fest, und so wünschen wir nnn dem „unwiderruflich Erst«" ein recht lange» Leben. Aber die Prineipim de» Herm v. Wühler in Bettest der „christlichen Schulen" gehen noch über die Seefchlanze, fie find nicht nur hieb- und stichfest, sondern sogar, wie e» scheint, durch «Selbstmord, moralische« wie physischen, nicht ander Welt zu schiffen, fie regmerirm sich mtt Hülfe haarsträubender Sophi-men, jede» noch so große Loch wächst wieder zu. Daletzte großartig,: Kunststück ist da» Bre»lauer Rescript, über desien Auslegung die Zeitungen streiten, d. h., wie der Midrasch von Abraham'» Engeln sagt: „fie thun, al» ob sie streiten". Die Sache ist unfern Lesern bekannt, wtt wolle» fie damit nicht ermüden. Herr v. Wühler leistet Große» in geduldigen, und zähem Au-harren — aber der Jude ist darin doch Jedem voraus, Urbung macht den Meister., Warten wir ab, wa» Adar ll. bringt» der Monat ist für de» Stamm Amalek gefährlich; in Ader l. ist Eogolnitfcheano gegangen, Adar 11. kommt und Purim — Witten wtt ab. Ei» Etteantniß de» Oberttibnnal» geben wtt mtt kurzer Erzählung de» Falle» ohne Eommentar. Bei einer Gut»-Subhastation in der Provtrz Pose» waren zwei jüdische Handelsleute 3. und 6. Bitter. 8. steckte dem 6. zehn Thaler in dir Hand, wenn er vom Weiterbietm abstehen wolle. Die» geschah, 3. erstand da» Grundstück und wurde dann nach % 270 des Strafgesetzbuches angellagt. Da» Krtt»gettcht verhängte 300 Thlr. Sttafe, event. 6 Monate Gefängniß, da« Oberttibnnal bestätigt da» Utthttl, in deffen Motiv« ausgesprochen ist, daß „lediglich die Rücksicht, daß der Angeklagte Jude ist, denen Geschäfte der hier in Rede stehenden An ihrer ganzen Erztthung nach gttäufiz find, den Gerichtshof veranlaßt hat, rächt principaliter mtt einer Gefängnißstrafe vorzugehen." Ueber die städtischen Wahlen Ende v. I. in Kutth bringt der „Israel." nachträglich ttnen langen, manche» Jntereffante bittenden Bericht, dem wtt einige» entlehnen. Die „BolkSparttt" hatte unter 36 Kandidaten zur Gemeindevettretung II Judm und die „Fortschrittspartei" 10 Juden auf dtt Liste gestellt. Fiinf von diesen wurden mtt enormer Majorität, 1426—1339 unter 1464 Stimmen, gewählt, sechs andere mtt geringerer Stimmenzahl (bi-816) bedacht. Zum Vorsitzenden de» Collegi -m» wurde ttn Jude gewählt. Die Juden bilden etwa ein Achtel der Bevölkerung in Fürth, aber m beiden städtischen Kollegien sind nur jüdische Gelehtte, kttn ttoziger christlicher Studitter. Holuud, da» erste Land Europa'», welche» die Juden gastlich ausgenommen, hat soeben wieder ttnen Schritt gethan, n.» zu erreichen, al>er Niemand wollte, wttl Thauwetter ttnzttreten und man die grundlosen Wege fürchtete, sein Gefähtt dazu hergeben. Während der Anwttenheit der beiden Israeliten im Dorfe, gegen 2 Uhr Nachmittag», hatte da» Töchterchen de» genannt« Baue« da» Hau» verlassen und war stttdem spurlos verschwund«. Gegen Äbmd kamen die Eltern von ihrem Frohndimste auf dem Gutslwfe nach Hause, und al» sie ihr Kind nicht vorfanden, suchten fie e» im ganzen Hause, im ganzen Orte, auf dm angrenzend« Felde«, aber e» war nirgend» zu finden. Da» ganz« Dorf war zusammengelauf«; man sprach hin und her, wa» aus tem Kinde könnte geworden sein: nicht ander», da waren heute ttn paar Juden zwei Mal im Dorfe, die haben da» Kind milginommen. ' Der Bamr begab sich sofort zurück zu dem Gutsbesitzer Semet und erzählte ihm den Vorfall. Btt demselben bttand« sich zufällig dessm Arzt Alesanski und dessen Pfarrer, beide, besonder» aber letzterer, wegen ihres Hasses gezm die JSraelitm von dmsttben gefürchtet und gemieden; allesammt stimmten sie mtt dem Bauer überein» daß da» Kind von den beidm Judm muffe gestohlen sttn; aber zu welchem Zwecke? Darüber wußte der ehrwürdige römisch-katholische Prttster sofott die richtige Anskunst zu geben. Die haben da» Kind gestohlen, um Ihm daS Blur abzuzapfen, weil sie dasselbe zur Feier ihre» Pesach-Feste» nöthig haben. Der GutSIiesitzer Semet begab sich sofott zum Klizwoit (Polizeiverwaltec) von Schawlan und veranlaßte dies«, noch am spät« Abend ttne Haussuchung bei dem Rabbiner vornehmen zu lasten. Gegm I I Uhr Abends drang dieser mtt einigen sttner Untergebmm in da» Hau» und in die bestürzte Familie de» Rabbiner» ein; sie antwottttm auf keine Frage, durchsucht« daffelbe, kehtten das Oberste zu unterst, fanden aber selbstverständlich nicht? Verdächtige». Bon da ging« fie in das »ahegelezme Haus de» Gemeindeschächter» und machten eS dort ebm so, und am Morgm des 26. Januar, unmittelbar nach dem Morgenzottesdienste, kam dersttbe, von 15 Mann begleitet, zum Gemeindevorsteher Samuel Löb Brno, zeigte ttne Legitimation des Gutsherrn Semet, der auch in Schawlan die Polizei ein- und abzusetzen hat, lieh sich die Synagoge aufschließen, uin, wie er jetzt auf Befragen antwottete, nach dem Blute des Kindes Do rot he zu suchen, welches die Juden gestohlen, um ihm daS Blut abzuzapfen; sie durchsucht« daselbst alle Winkel, selbst den heiligen Schrein mit den Thora-Roilm verschonten fie nicht. Von da begaben fie sich in's Deth-Hamitlrnsch und verfuhren dott ebmso, durchsuchten auch nochmal» da.? Haus des Rabbiners, und hierbtt ließ man vorerst die Sache benrhen. Die Einwohner des Städtchens, fast mir Judm, lachten ob der ganzen Gttchlchte und hegten nicht die geringste Befürchtung, daß dieselbe irgendwie noch traurige Folg« haben könnte. Am 27. Januar, gegm Abend, kam der Rabbiner von Rosoin zurück und die Hauslmte erzählt« ihm arglo», was im Hause und im Städtchen vorgegangm. Der Rabbiner aber wurde ernst, 'ehr emst. Er wußte von dem obengenannten Geistlich«, daß er in Pawondene, im Krttse Telsch, woselbst er früher statiouirt war, im Bunde mit einem feiner Leiblichen Beichtkinder ttn ähnliche» Comvlott gegm die Jud« > «gezettelt hatte, und wem später auch die ganze Schändlichkett desselben an d« Tag kam, so hatte tt doch zur Folge, daß mehrere JSraelitm den Pttaigmg« er! gm war«, welch« st« in Folge defs« im Gefängnffse erfahre-- hatt«, und daß mehrere der Mitbeschnldigtcn erst nach dreizehnjähriger Haft vom Kaiser

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