Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 8 (23.2.1870)
- Date
- 1870-02-23
- Page
- Seite 74 (sequence 6)
- Language
- German
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74 den. Interessant ist in dieser Beziehung eineAeußerung Goel he's in seiner „Italienischen Reise" (Bd. 29, S. 292 der Cotta'sch« Octav-Au-gabe): .HSelch' ein leidig JustnuneM di« Orgel sei, ist «ir gestera >b«nd in de» Thor von St. Peter recht «tsgesalleu, nun begleitete damit de» Gesang bei der Belper; ei verbindet sich so gar nicht »nt der Menscheustimnlt u»d ist o gewaltig". Sehnliche Aeußerung« finden sich noch mehrfach in sein« Birken und namentlich in seinem Briefwechsel mit Zelter, und das; in Sachen der Aesthetik ein Bort Goethe'- mehr wiegt, alganze Reden unserer ästhetischen Synodalen, bedarf doch wohl keine- Nachweise-, Bekanntlich haben auch Meyerbeer und Halövy, begreiflich nicht aureligiöse», sondern aus äft-etlichen Gründen, sich gegen die Orgel erklärt. Ein al- Komponist für Sunagogengesänge — sogar mit Orgelbegleitung — bekannter sin gestand ein, daß die Orgel mehr schade als nütze*). Freuen wir uns daher, daß in unserer Gemeinde das neue Gotteshaus wenigstens nicht — wie leider an sehr vielen Orten — durch die Orgel zur Spaltung der Gemeinde daS Signal gegeben hat! Hoffen wir, daß mit Einweihung desselben und derr dann neu eingerichteten Gottesdienste auch anderen Gemeinter das Beispiel gegeben werde: daß ein neues, prachtvolles, all,» Anforderungen der Gegenwart entsprechendes Gotteshau« un>> ein auch ästhetisch-würdiger Gottesdienst sich Herstellen lasse, obr e daß es durch armseliges Nachahmen fremden Wesens ein« geweiht oder vielmehr entweiht werde. D chmde», 5. Februar. Herr vr. Lewin, Hörer dejüdisch-theologsschen Seminars in Breslau, ist als Adjunkt deS LandrabbioatS hierher berufen wordm und tritt seine Stellung Anfang April c. an. E. C. Lnmlnrg, Februar. (Oriz.-Corresp.) Mein erster Bericht gilt der Schule, dem wichtigsten Factor deS PrincipS, we ches Ihr Blatt vertritt. Hamburg braucht sich seiner iSrae» litifchen Lehranstalten nicht zu schäm«; von de» zahllosen Privat-' .skrabenschulen, die hier existiren, sind nur 6—8 würdig befunden worden, zur Ertheilung von Zeugnissen fiir den Freiwilligendienst vcigeschlagm zu werden, und unter dielen wmizm befinden sich die Talmud - Tboraschulo und die israelitische Freischule. Der letzteren zeichnet der als tüchttzer Schulmann anerkannte I)r. Röe lei! er eine materialistische Richtung vor; es kann daher von ihr bi :r nicht die Rede sein. — Die Tendenz der Talmud-Thora, jütisches Bissen mit gründlicher moderner Bildung zu verbinden, verdient eben so viel Lob, als der Fleiß und die Hingebung, mit welcher Verstand und Lehrer das vorgestsckre Ziel verfolgen. ES ift daber kein Wunder, daß diese treffliche Anstalt von zahlenden und nicht zahlenden Zöglingen bevölkert ist und weit über 300 Schüler zählt; dieser Umstand macht es aber auch bei einer so große» und reichen Gemeinde begreiflich, daß „eine höhere Israelin sche Bürgencbule" schon längst ein Bedürfniß geworden ist. Zur Befried gung desselben hatte sich schon im Jahre 1859 eiu Crmitö gebildet, das durch Her« vr. Placzek die Gründung eines solchen Institutes veranlaßte. Dasselbe gelangte unter der Lc tung deS beliebten Mannes bald zur schönsten Blüthe. Nach drei Jahren ttat an die Stelle des ersten Direktors, der eine S cllunz als Rabbiner in Brünn annahm, Herr vr. Koref. (?!■ wäre zwecklos und könnte als gehässig erscheinen, die Gründe arzugcben, die später den Verfall der Anstalt herbeigeführt haben. Jitzt, da die Auflösung der Schule beschlossen ist, haben sich eine große Anzalil achtbarer Familien an der, Dirigenten eines anzeselwncn Institutes für den Einjährig-Freiwilligenunterricht, Herrn vr. Fels, gewandt, und ist man der Ansicht, daß dieser Herr, *) Der firn Lorrespvndent inserir» hier eia längeres Gutachten eines chiiftlicheu Fachmannes, welche« wir zusammen mit einer dahin eiuschlagender AuSsühr»ag in der „Lerne iiraeUte" in nächster Nummer bringe» w rden. (Red.) der den Ruf eine« bedeutende» lSelehrten und Pädagogen besitzt eine Anstalt, deren Nochweadigkekt auf de« dringendsten Bedülf» niste bafirt, zur glücklichsten Entfaltung führ« werde. Bon Seit« der Gemeind« — einer wohlthättge» —« Stiftung' werden zwei i«raelittsche Kreischulm unterhalt«, die sich gleichfalls de« best« Gedeih«» erfreu«. Die höhere israelitisch« Mädchmschule von vr. Katzenstei« genießt d« best« Ruf «rd wird von 130 Schülerin»« besucht. Auch über die von Frl. Samson gelettete Mädchmschule hört «an nur Löbliches. Wenn Sie sich mit dieser Skizze vorläufig begnüg« woll«, so werd« Sie in meinem später« Berichte au»führlichere und eingehendere Mittheilunzm über Hamburger Schul« und andere, da» religiöse?tfccn berührende Zustände find«. v Sesterreich. 9 Me», 13. Februar. (Oügia.-Corresp.) Sie habm neulich eine. Bemerkung über unsere EI>egesetzgebung gebracht, in Bezug auf welche Ihn« eine Berichtigung und Ergänzung nicht uuwill» komm« sein wird. Unserem Reich-rathe liegt ein neuer Ehegesetzmtwurf vor, in welchem die Auffassung der Ehe alS einer civilrechttich« Handlung strmg durchgeführt wird. Danach mtfällt sowohl bei der Eheschließung wie bei der Ehett«nuag jede religiöse Mitwirkung. Selbst die sogmanntm Sühoeversuche finden nur bei der staatlich« Behörde statt. Trotz alledem lehnt sich der Entwurf, wie man sieht, an die katholische Auffassung der Ehe und enthält für die Jud« einige rückwärts leitmde Bestimmung«. So wird eS z. B. für die Berheirathung mit der Nichte wieder einer DiSpmsation — nunmehr der staatlich« — bedürfen. Barum? Ist die Berheirathung mit der Richte vom rein sittlich« Gesichtspunkte anstößig? Oder ist daS nicht die Jnnehaltung eines konfessionell« Standpunkte-? — Eine Ehetrennung kann nicht mehr auf da- Eiuverständniß der Gatten, sondern nur auf „wichttge Gründe" hin erfolg«. Femer kann ein«: Ehetrennung nur nach mindestens zweijährigem Zusammen» leb« der Gatt«, und nach zwanzigjähriger Ehe gar nicht mehr erfolgen, ebmso nicht, w«n die Gattin das 45. Leb«Sjahr überschritt« hat. Eine Biederverhcirathung kann nur nach Ablauf von zwei Jahr« nach dem TrennungStermin erfolg«! DaS sind Bestimmung«, welche für daS katholische Gewissen nicht ausreichm, das protestantische und jüdische hingegen beschwer«. Der Entwurf will ohne Zweifel die Ehetrmnung erschwer«. Dageg« ließe sich auch nichts einwmdm. Aber die zeitlichen Beschränkung« hindem zuletzt die Trmnung nicht und befördem unsittliche Verhältnisse. Ich theile Ihn« noch die erfreuliche Nachricht mit, daß die Regierung bereits für dies Jahr 6000 fl. für ein Rabbiner- Seminar — abgesehen von den Leistung« aus dem MassafondS — in das Budget aus freien Stücken eingestellt hat. ANS Möhme», im Februar. (Orig.-Corresp.) Ein Freund ersucht mich, Ihn« Korrespondenzen aus dem glorreichen .Ztönigreiche Böhmen" zu senden, aber werden Sie beim Anblicke des Postsiezels nicht ausrufen: p2' tum, KW in "DTO, 12« „Böhmen und Mähr« stehen mit der Wahrheit auf gespanntem Fuße." Nun ich will mich bemüh« der Wahrheit so nabe als möglich zu komm« und über unsre polittsch« und religiös« Verhältnisse wahr« Bericht zu erstatt«. Was liegt etwa dem, der von Herz« Jude ist, am nächst«? Die Synode, Schomre Hadath, jüdisch-theologische Hochschule? Diese komm« erst in zweiter Reihe oder auch gar nicht, obenan steht chm der jüdische Religionsunterricht, und zwar der obligatorische. Eine etwaige Regmerirung der Juden, nicht des JudmthumS, muß von untm begonnm werd«; der alte pKn 05 oder der mo^n roew jpi ist für unS verlor«, unwiederbringlich dahin, dies« könnm wsi einfach mit etwas „Orgelgesong und Hörnerklang" eiuschläfern und eindudeln und seine „religiös« Bedürfnisse" find befriedigt.