Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-02-23 · 8 (23.2.1870) · p. Seite 73

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
8 (23.2.1870)
Date
1870-02-23
Page
Seite 73 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/5369809-5934980-5935142--0153-5369894
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

78 Pal« die rfao ma eine» drei geborenen Knaben stattgefnnden. Wie da» die» berichtend« „Jew. Ehron.". rufen auch wir diesem erstgeborenen Judenkinde Peru'» ein »an fTO zu! — E« wohnen an 50 Jude» in Lima, dürfen jedoch noch keine Gemeinde bilden. — Bon Vorträgen erwähnen wir die»mal nur den von einer Dame, Fräulein Ohn stein aut Bretlau, in Arad über Schutz- Vereine für au» der. Schule entlassene arme Mädchen gehaltenen. Die Vorschläge de» F>äulein Ohnstein wurden von der Versammlung mit vieler Befriedigung entgegengenommen. JZerichte und Korrespondenzen. Deutschland. II. Merlin, 16. Februar. (Orig. - Eorresp.) Sie »ollen meinem Schreib« vom 9. d. 9Di., in welchem ick Ihnen über den Vortrag de» Hrn. b»r. Ritter, Prediger der Refcrm-G mossenschast, referirt und eine Kritik daran geknüpft habe, keine Aufnahme gewähren. (£» sei darum, doch bestätigt der Umstand, daß der bitherige Referent über die Dienstagtvorträge, vr. S., über den Ritter schm ein beredte» Schweigen beobachtet, wohl, daß ich richtig geurtbstlt habe*). Gestern sprach nun Herr vr. Steinschneider „über die Volktliteratur der Juden". Redner besprach Volk»literatur im Allgemeinen und jüdische insbesondere, die Sprüche Salomo'», Sirach'k die Thterfabeln, und ging dann auf da» Mittelalter über; die Juden, al» „sprachliche Amphibien", nahmen die Volksbücher der ftemden Sprachen auf und Neideten sie in. ihre Mundart, da» judisch-deutsch. Auch die Bibel, aber in ihrer Bearbeitung al» 2eena Ureenna**), sei Volksbuch gewesen. Der Schluß besprach di« Versuche der Neuzeit, eine jülkksche Lölkilliterastir zu'fchäffen. 'Daß der Voötraz die bibliographische M.'isterschaft de» Herrn vr. S. bewährte, versteht sich wohl von fdt'ft. Nur Ein» möchten wir der ganzen Auffassung enlgegmhalter. Waren wirklich die Alexanbersage, Artu»hof u. dgl. jüdische Volksbücher geworden? Wir glauben e» nicht. Man würde dann nicht erst Bibliotheken durchsuchen müssen, um vereinzelte Exemplare zu finden. Nein, die eigentliche Volksliteratur der Juden war stet» ethischen und religiösen Inhalt»; in alter Zeit: Salomo'» Sprüche, die Sirach», wie die Anführungen im Talmud ergeben, die Sprüche der Väter, später Zeena Ureenn, Simchath hanefeach, Schebel mnsMir, Menorat hamaor u. dgl. alle in jüdisch-deutscher Mundart. Da» war die Sabbathlektüre der Ungelehrten und der Frauen. An Wochentagen zu Icfcr siel überhaupt niemand ein. Und sicher kann man au» diesen Werken auf den ernst«, strmg sittlichen» alle» auf Gott bezieh«.)« und von ihm erwartend« Charafter de» jüdisch« Volk» schließ«. Hat man in der N«zett versucht, Romane wie dm „ewig« Judm" in» Hebräische zu überttagm, so ist die» sicherlich eine Verirrung Wir beklag« ebenso tief, daß man *) Der H«rr Eorrespondritt tadelt di« heftigen Ausfälle des Bortragende» gegen da» Ehrifteinhnm, welche freilich meist mit „sagt kesfing" cingeführt wnrden, al» taktlo», und die Angriffe aus den „gedeckten Lisch, an dem map die Neligiontlehier verspeist', ans die Bibel selbst, di« „vorbildlich »der nachbildlich" Abraham al» Typ»» de» Wanderleben» hinftelle u. dgl. m. al» höchst verletzend für den Lheil de» Publikum», der nicht zu den Ansichten de» Reform Prediger» sich bekennt. Er proteftirt dagegen, daß BortrLge, welche zu wohlthätigen Znecken bestimmt find, bennht werde», »m berechtigte religiöse Ueberzeugungen anzugreiseu und Zwietracht zn säen. Wir haben, da «u» der Bortrag uust näher bekannt ist, kein Unheil über di« Sache. (Red.) —) Bon düsrm Buche sagte Herr vr. St., e» sei merkwürdigerweise von einem getauften Juden versaßt und in einer von Juden nicht bew,hüten Stadt zuerst gedruckt worden. Sollte Beide», der angebliche (!) klersafler und der Drucken, fich nicht dadurch erkläre» lasten, daß man so di» Eensurschwierigkeitea »«gehen wollte- (Anm. d Eorresp.) in der Bibliothek de» mode«« Juden alle Bücher eher findet, al» die ewig« Geistesschätze seine» eigen« Stamme». Mentße« HS. (Orig.-Corresp.) Herr Jeremia» May, Bruder de» bekannt« rothm May, ist zum Richter am hiesig« KreiSgerichte emannt worb« Derselbe ist, wa» eb«fall» hervorgehobm werden muß, zugleich Einzelrichter bei der Commission zu My«lowitz. Die» scheint der „unwiderruflich" erste Fall der Ernennung eine« Judm zum Richter in Prmßm zu sein. * Sa»n«»er, 8. Februar. (Orig.-Corresp.) Endlich ist uns am vorig« Sonnabmd officiell von der Kanzel au» verkündet wordm, daß wir uns zur Einweihung der n«m Synagoge vorzubereiten anfangen sollt«. Wann die Einweihung selbst stattfindm wird — darüber scheint selbst bei dm Eingeweihtm ein mysteriöse» Dunkel zu schweben; jedmfall» aber doch im Laufe diesr» Jahre». Hat indeß auch der Bau der neuen Synagoge sich etwa» über dir Gebühr hingezogm, so ist sie dafür ei« um desto gelungenere» Werk gewordm, von dem au», nach zwei Sett« hin, eine n«e Epoche, für dm Bau neuer Synagogm in der Jetztzeit datirm wird. AuS der jüngst durch die Blätter gegangen« Beschreibung tft ersichtlich, daß der Bausttl mit der bisherig« Tradition von maurisch-orimtalischer Färbung gänzlich gebrochen hat. Aeußerlick wird sich unsere n«e Synagoge von manch« romanisch« Kirchm wmig unterscheiden, wenn ihr auch durch die weit hinragenden Gesetztafeln und sonstige jüdische Inschrift« der specisiich jüdische Charakter aufzedrückt ist. Dafür ist im Jane« dem altjüdisch« Herkommen vollständig sein Recht gewahrt. Da» Almemor ist unverändert in der Mitte, wie in der Baker Zeit«, und der geniale Künstler hat e» verstanden, dasselbe derart einzurichtm, baß eö dm Gesammteindruck durchaus nicht stört, vielmehr ist durch künstlerische Gestaltung de» tsnpn p“#, der dieselben umgebenden Estrade und der Kanzel Mn impenirmder Effect hervorgebrncht, wmn e» auch zu bedauern ist, daß die Kanzel dm Anblick de» BHpn im« etwa» hemmt. TaS Zweite' aber, wodurch unsere Synagoge sich auezeichr.et, ist, daß sie trotz alledem ohne Orgel Reib« wird. E« hat natürlich auch hier nicht an Sttmmm dafür gefehlt; scheint doch die Orgelmanie wie eine epidemische Kinderkrankheit zu grassirm, die jeder an sich durchmachm muß. E» hilft daher in der Regel da« Berufen auf Anderer Erfahrung ebmfowenig, als der Nachweis, daß noch überall die Orgel statt der Harmonie — Disharmonie hervorzerufen, und statt voller — leere Gotteshäuser gemacht hat. Um so' dankbarer ist e» anzuerkennm, daß der wahrhaft gebildete und friedfertige — wenn auch nicht fromme Geist in unserer Gemeinde in der Weise da» Uebergewicht hat, daß in der betteffendm Sitzung dei^ Vorstandes und der Repräsentant« die Einführung der Orgel init zehn Stimmen gezm fünf Stimm« abgelehnt wurde. Entscheidend war« dafür die von dem Landrabbiner geltmd gemacht« Gründe, der die Frage der religiös« Zulässigkeit am Sabbath als eine durch die Praxi» jüdisch« LebmS notorisch verneinte bezeichnete, wogegen alle sophistische Auslegung einzelner Talmudstellen rc. nic)t verschlag« könne, — daneben aber anerkannte, daß, wmn wirklich eine wesentliche, nothwendige Verbesserung de» Gottesdienstes dadurch erzielt würde, die gesetzlichen Bedenk« schon im Hinblick auf Tb rwi6 ny sich beseitig« ließen. Dageg« stellte er dem als Axiem immer stillschweigend adcpttrten Sai): daß die Orgel eine 'wesentliche Verbesserung de» Gottesdienste» bewirke, dm entschiedensten Widerspruch «tgeg«. Gestützt auf die Uttheile groß.'Musiker und gründlicher Sachkmner wie» er nach, daß wi„ wie so häufig, nur nachabmm wollt«, wa» anderSwo unter ganz ander« Verhältniffm eingefühtt und auch dort von Kund zen längst alk ein fteilich nicht zu beseitigender Uebelstand erk.nnt wor-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.