Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 8 (23.2.1870)
- Date
- 1870-02-23
- Page
- Seite 75 (sequence 7)
- Language
- German
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76 Der Jugend müssm wir «ü»ere Speise vorsetzen. Die Jugend jmif den Jnhatt der Bibel kennen, rmn und nicht» als rrm ~&t wissen, l>ah in Lehrreich der obligatorische südisihe Religion«- unterricht an den Gynmafim und Realschulen seit jeher ringe» führt ist. md man mag über den Bildungsgrad der österreichische» Juden verschiedener, ja ungünstiger Anficht sein, da» Eine darf und muh man einräum«»: der österreichische Israelit weiß bet weitem mchr von dem jüdische« Schristthum al» die da „draußen im Reiche". E» ist doch ein bedeutender Unterschied, ob ei» Knabe mit seinem 18. Jahre seine Bibel dem Antiquar zum Berka«! anbietet um fie nie wieder anzusehen, oder ob ein Jüngling bi» zu seinem 17.—18. Lebensjahre in Verbindung bleibt mit ten Quellen seiner Religion und unter diesen Um« ständen, ohre Anstrengung und Ueberbiirdung, die Bibel im Urtexte inre haben kann. Wenn die Abnahme der hebräischen Sprachkenntiiiß bei unsrer Jugend in de« Grad« zunimmt, wie eS letzt der Kall ist, so werden die Prndiger mit der Zeit fich wohl hüten müssm, irgend ein Eitat a»S der Bibel im Urtexte vorzutragen. Die hebräische» Ettate, so fie dem Hörer gänzlich fremd find, wirken nur störend und unterbrechen die Aufmerksamkeit; dahingegen weck» fie den oft einzeschläfertm Zuhörer, so der hebräi che Text chm bck«mt ist, oder er wenigsten» Anklänge seine» früheren Jugendunterricht» in chm wiederfindet. Warum citiren die christlichen Prediger den Text au» den Evangelien nicht griechisch?!8eil da» Publikum der griechischen Sprache nicht mächtig ist. Dafielbe wird bei fortdauernder Bernachläsfizung der hebräisäien Sprache auf der jüdisch« Kanzel geschehe» müssen. Keine»!-ebräischm Bibel- und Psalmworte», keiner Midrasch« oder Talmulistelle im Urtexte darf der Prediger fich bedienen, wenn der Zuhörer der Kenntntß der hebräisch« Sprache baar ist, und welcher bedeutenden Mittel derErweckung und der Ermckhnung'6e;ieben "wir un» bn^er^rei-gebonz der hebräisch« Sprach«; wie oft hat nicht plötzlich und unbemerkt nur ein hebräische» Wort manch« Zuhörer geweckt und „gepackt" und auf sein Thun und Lass« ein« groß« Einfluß auSgeübt. Doch sc weit wollm wir e» nicht komm« last«, sondem zwing« wollm wir dm jüdischm Vater — e» bedarf nicht grade der Vermittlung de» Staate» — durch moralische Beeinflussung sein nn Sohne die neC rmn im Urtexte in die Hand zu gebm, wrlche» für die gedeihliche Zukunst de» Judenthum» eine bessere Gewähr leistet, al» viele Religionsbücher und beschntttme — ich meine nicht vom Buchbinder — Gebetbücher. F. Kußland. Murschi»«, 17. Februar. Geste« fand da» Leichmbezängniß de» im Alter von 70 Jahr« verstorbmm hochgeachtet« Ober- Rabbiner» Baer Meisel» statt. Ueber 40,000 Personen bildet« dm Leichmcoaduct. Die Trauerseierlichkestm verlief« ohne jegliche Störung. (Telegr. d. „Schles. Ztg") Achmeden und Norwegen. Stockhuk«, 16. Februar. Wieder ist eia Bollwerk der Um duldsamkett gffallen. Der Reichütag nahm die Vorlage de» Verfaffung»-Au»schuffeS, wonach christlich« Dissenter« und JSraelttm die Wählbarkett zum lsteichStage und da» Recht zur Bekleidung aller StaatSämter, auSgeuommm der Ministerpostm, verlieh« wttd, mtt bedeutender Majorttät (Oberkammer 93 gegm 18, Uaterkammer 116 gegm 68) an. Die königliche Sanktion ist zweifellos. - (O. DO Literaturbericht. Hkorträge, g'haN« im füdlsch-theologisch« Verein in Breilau, Ende Jura 1869. Leipzig, Ccmmisfion»-!kerlag von £ »kar Leiaer. „Bon der zweiten versamnüuiig de» jüdisch-theologische, vereiu» ist weile, nicht« tu die Oeffeatlichkeit gedrungen, ul» ein turzer ,.B>richt", >/, Bogen stark!" Wie viel mihr leiste« doch andere Rabbi,, ^-Versammlungen! Sie verewigen fich durch Ne Veröffentlichung wohlbeleibter stenographsscher Berichte! »der, litt« Leser, Du »first dost, hoffentlich mchr da» Gerede geiankeuloser Menschen gedaukenlo« aarsspreche». Die oben aagezeiqte, Schrift, über die man freilich keine« großen?Irm erhoben hat, beweist, daß -so uuftucht bar die Versammlung de» j t,sch>theol»gischm Rerein» doch nicht ge wesen ist. Der erste Bortrag, gehaltt vom Direcwr Dr. Z. Frankel, bördelt i» treffender Weis« über da» Taunudtudium. Er euthält Wi»k«, wie dar Talmndftndinm betrieben werde, soll und wie e» allein bettv ben werden muß, wenn e» fruchtbar sein soll. Im zweiten Vorträge bespricht Herr vr. Gvdemanu in Wien „Tendenz und Absassungsieit der letzen Lapitel t » Buche» der Richter". Die Darstellung ist im höchsten Grad« anziehend und der Fortschritt d« Lbhandlnag so klär und solgerichtig, daß mau de» giwouueaen Resultate« nicht au» dem Wege gehen kann. , Der dritte Bortrag beleucht'« „den talmudische» Begriff ,"r7n2", einen Punkt, dessen Dunkel bisher man vergeben« bemüht war anszutillen. Herr vr. Zuckermaudl hat fich in diesem Bortrage durch die „verftaide«. müßige Entwickelung" diese« Begriffe« und durch die „Sonderung de» verschiedenen Zeitabschnitte" hiafichtlich der Auffassung desselben de» Dank all; Talmudkundigen erworben. Dann folgt al» Begründung eines lllattage« de« Herr« Professor vr. Gritz: „Der Verein möge znr Förderung der Kenntniß der hebräischen Sprache die Wiedereinführung de« Selöstvorleien» und die Abkürzung der Perikoven al» w,iusck>ea»w«r1he Reformen tezechu-'u", ei» Vortrag diese« berühmten Historiker» „über Entwickelung der Pentateuch-Perikopea-Berlesuag". Der Herr Proseffor weist hier schlagend nach, wie sein Antrag eine äußerst praktisch« Reform bezwecke «nd weiter nicht» anstrebe al» die Rückkehr zu einer alten bewährte» lfustitutio«. gm letzten Vorträge endlich „Zur Geschichte der Anschauunzen Aber die jüdisch-hellenistische Religi»u«philos»phie" fordert ^errDk. Freudeuthal mit berrdtea Worten zur Förderung »nd Dslege dieser Wissenschaft anf und er stützt 'ich auf den gelehrt darihgefübNen Nachweis, daß bisher alle eipschlägige» Arbeiten als mißlungen bezeichnet werden müssen. Schon diese kurze Ueberficht zeigt, welcher Beist e< war, »er in der Versammlung de» jüdisch-theologischen Verein» fich zeigte. Es ist der l-eist der Forschung, de: eiadringen will in die Borzeit unsere» Belkes, um l urch sie Leben und Lehre der Gegenwart zu erklären und zu erhellen. Mögder jütisch-rheologssche Verein in diesem Sinne fortwirken und auch liefe» Fahr un« gleich gediegene Vorträge schenken. X. — „Oorriere lorneliticv." Februarhest berichtet, daß ein englischer Gelehner, Palmer, nach mehrjähriger Erforschungder Sinai-Halbinsel, welche er aus Kosten der kalLniva-ktaploration-ooeietz' an Lrt uch Stelle »«genommen, einen Bericht darüber viröffentlicht hat. In den durch die arabischen Traditionen al» Aufenthalt der Jsoaelitcn bezeichne»,:« Fe senthälern hat er über 3000 Inschriften copir» — In einer andern jüdische» Zeitschrift fiudeu wir dieselbe Rotiz, es ist aber da von gesammelten ..Legenden" der Araber die Rede. Wir vennuthen, daß da» englische bgoid« in letzterem Blatte falsch verstanden ist. Da un» die eigentliche Quelle dieser Rotiz nicht zu Geficht gekommen oder entgangen ist, so bitten Oir Pkitarbeiter »der Leser um genauere Minhe.lung. Neueste Nachrichten. 1'.). Februar. Baron Rathaniel Rothschild iß h«te grßorb«. "SittiUn. In seinem Bescheide an dm hiesig« Magistrat vom 16. d. Mt», erklärt fich der Eultu»-Minister einvcrstan!'« mtt der Eröffnung der beidm neu« (Simultan-) llrrerricht»- Anstalten. „Da die Anstalt« christliche sein soll«, so gewigt e» mir, wenn dem entsprechend die bestehmd« Vorschrift«, »oie im Uebrig«, so auch bei der Bestätigung der zu nähl»nden Lehrer in Anwmdung gebracht werdm". (v. M) Briefkasten der Rebaetto« str. st. Bitte um Fortsetzung. Au» Ihr«, Briese nächsten« mehr — Ic4. de« lehr. Lei«, «nd Je«. Men. Danke für wohlwollende tlus» uahm«. — tr. C tn B. Ich muh noch mehr dergleichen abwarte».